Name: Miaki Komuro
Alter: 35

Beruf: Modedesignerin, Modetechnikerin
Gelernter Beruf: Modedesign, Bekleidungstechnik
URL: www.miakikomuro.com

Miaki Komuro studierte am prestigeträchtigen Bunka Fashion College in ihrer Heimatstadt Tokio Modedesign. Die Schule existiert seit 1923 und hat einige der heute wichtigsten Designer der Welt hervorgebracht – darunter Yohji Yamamoto und Takada Kenzo. Seit 2014 lebt die Japanerin nun in Düsseldorf und seit 2016 kreiert sie unter ihrem eigenen Namen Mode, die japanische und westliche Strömungen zusammenfließen lässt. Sie lässt sich dabei von japanischen Handwerkstraditionen leiten und fertigt nicht nur die Kleider, sondern auch die darin eingenähten Labels und Etiketten selbst. So wird jedes einzelne Stück zu einem Unikat, das zugleich als Protest gegen die Wegwerfmentalität und heute übliche Fast Fashion gesehen werden kann.

Wie würdest du die Ästhetik deiner Mode beschreiben? Als minimalistischen Avantgarde Stil

Wo findest du Inspiration? Bei ELA selected. Dort werden Stücke von verschiedenen internationalen Designern kombiniert und auch meine Kleidungsstücke sind dort mit verschiedenen anderen Labels gestylt. Dadurch bekomme ich immer wieder einen neuen Blick auf meine Kollektion und mir kommen neue Ideen.

Bitte erkläre die Prinzipien onko-chishin und wayo-settchu, nach denen du designst. Onko-chishin ist die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, um neue Erkenntnisse und Wahrheiten zu gewinnen. Die Welt ist im steten Wandel und nicht nur der Kimono gehört zur Vergangenheit, denn all die Revolutionen, die durch japanische Designer in Gang gesetzt wurden, gehören auch aus unserer Sicht zur Vergangenheit. Es geht mir dabei nicht darum Altes neu aufzulegen, sondern diese Vergangenheit mit der noch unbekannten Zukunft direkt zur verknüpfen und damit eine neue „Gegenwart“ zu schaffen.wayo-settchu ist die Verschmelzung der japanischen Seele mit westlichen Elementen.

Beschreibe bitte ein Outfit aus deiner aktuellen Kollektion und wie du es designt hast. (Materialien, Schnitt, Handwerk, etc.) Bei der aktuellen Kollektion „SWITCH“ für Frühling/ Sommer 2018 bestehen die Kleidungsstücke aus unkonventionellen Schnitten. Zum Beispiel ein Cardigan, welcher den Schnitt einer Hose hat oder ein Rock, der den Schnitt eines Oberteils hat, außerdem ein Kleid, das aus drei zusammengenähten T-Shirts besteht. In diesem aufgeschlossenen Design steckt auch mein in dieser durch Fast Fashion überzogenen Welt, in der ein Kleidungsstück nach dem anderen lustlos ausgetauscht wird, innigster Wunsch danach, ein wertvolles Kleidungsstück in allen seinen Facetten wahrnehmen, wertschätzen und seine Vielseitigkeit selbst erforschen zu können. Deswegen müssen auch die Träger von SWITCH ihre Gedanken SWITCHEN um die zahlreichen Möglichkeiten, die Kleidung zu tragen, herauszufinden. Dies ist die Botschaft meiner Kollektion. Bei den Stoffen verzichte ich weitestgehend auf Baumwolle, weil sie mit Chemikalien behandelt wird, welche unter großen Wasserverbrauch ausgespült werden. Stattdessen verwende ich Synthetikfasern in hoher Qualität. Der komplette Herstellungsprozess ist meine eigene Handarbeit. Ich nähe das Logo selbst mit Nadel und Faden an und bedrucke die Etiketten mit wasserfester Tinte und einem Handstempel. Meine Mode besteht aus Unikaten, die die Wärme von liebevoller und echter Handarbeit ausstrahlen.

Welche Künstler oder Modemacher haben deinen Stil beeinflusst? Alle die japanischen Modedesigner, die die Modewelt revolutioniert haben. In den 1980ern haben die Modedesigner Rei Kawakubo sowie Yohji Yamamoto in Paris jeweils neue Kollektionen gezeigt, die mit Stücken ganz in Schwarz und zerschlissener Kleidung überraschten und das bis dahin geltende traditionelle Ideal der schönen westlichen Kleidung obsolet machten. Außerdem Issey Miyake, der eine Möglichkeit entwickelt hat, mit der man ohne Schnitte die Körperform nachbilden kann, nur durch verschiedene Formen von Falten. Dass Japaner, die sich historisch gesehen mit westlicher Mode erst eine kurze Zeit überhaupt beschäftigen, mitten im Westen völlig neue Formen und eine ganz neue Art von Schönheit zeigen. Durch diesen echten Avantgarde- Geist bin ich beeinflusst worden.

Wieso bist du nach Düsseldorf gekommen? Wieso geblieben? Um mir meinen Wunsch, in der Modewelt zu leben, zu erfüllen. Darüber hinaus leben hier viele japanische Künstler und durch ihre Aktivitäten und Werke treten Japan und Deutschland hier in einen intensiven Kulturaustausch.

Mit welcher Person, egal ob tot oder lebendig, würdest Du gerne in Düsseldorf ein Altbier trinken? Mit meiner Großmutter.

Worüber würdet Ihr reden? Über meine Arbeit, Mode und die Unterschiede zwischen der deutschen und der japanischen Kultur.

MORGENS

Guten Morgen – wo trinkst du morgens Deinen Espresso in der Stadt, um wach zu werden? zuhause

Zum Sonntags-Brunch und ausgedehnten Frühstück trifft man dich…Im Zimmer 01.

Den besten Kaffee gibt es…
bei Petit Rouge

MITTAGS

Lecker, gesund und frisch lunchen gehst du in Düsseldorf…
Im Bistro KOMBU

NACHMITTAGS

Deine Lieblingsroute zum Spazierengehen, Schlendern, Kopf-Frei-Kriegen: Ein Nachtspaziergang durch die Stadt

Drei Plätze in Düsseldorf, die du deinen Gästen unbedingt zeigen musst: ELA selected, Kunstakademie, Altstadt

Zum Kaffeeklatsch mit Küchlein & Co. trifft man dich hier:
O-Store (Yoda bei Maruo). Zum Kaffee hat der Laden, der hauptsächlich Friseursalon ist, nur samstags geöffnet und dann kommen viele japanische Künstler dort zusammen.

ABENDS

Wo verbringst du am allerliebsten einen gemütlichen Abend mit Freunden oder der Familie? Zuhause

Welches Restaurant repräsentiert für dich am meisten den typisch-charakteristischen Geschmack von Düsseldorf? Cafe Heinemann

Ein Restaurant, wo du immer mal hinwolltest, aber noch nie warst: L‘anima

Dein absoluter Gastro-Geheimtipp-Lieblings-Spot, den du hier mit allen teilen möchtest? sumi.

Dein Lieblings-Altbier: Ich trinke lieber Warsteiner.

NACHTS

Deine Lieblingsbar oder Dein Lieblingsbartender sind: Lieber bei Freunden

IMMER

Wo und wann fühlst du dich wie ein „richtiger Düsseldorfer“? Ich bin immer noch eine „richtige Japanerin“.

Was vermisst du an der Stadt, wenn du nicht in Düsseldorf bist? Mein Atelier. Das kleine Zimmer.

Könnte man Düsseldorf essen, schmeckt es nach…Zartbitterschokolade

Was liebst du am meisten an Düsseldorf? Dass die Stadt klein ist, sodass alles einfach erreichbar ist.

Was hasst du am meisten an Düsseldorf? Auch dass die Stadt so überschaubar klein ist. Manchmal brauche ich frische Luft.

Gibt es Plätze oder Orte in der Stadt, die dich in deinem Job inspirieren? Bei ELA selected. Dort werden Stücke von verschiedenen internationalen Designern kombiniert und auch meine Kleidungsstücke sind dort mit verschiedenen anderen Labels gestylt. Dadurch bekomme ich immer wieder einen neuen Blick auf meine Kollektion und mir kommen neue Ideen.

STIL

Wo suchst & findest Du Möbel für Deine Wohnung? Es gibt keinen bestimmten Ort, letztens hat mir ein Möbelstück von NOODLES NOODLES & NOODLES CORP. sehr zugesagt.

Deine Top 3 Shopping-Adressen in Düsseldorf? ELA selected, Manufactum

Gibt es (einen) Düsseldorfer Designer oder Künstler, den du besonders schätzt und wenn ja, warum? Der japanischer Künstler Ryuta Sakurai aus Düsseldorf. Seine Kunst bringt einen dazu, sich zu fragen, was sind wir denn eigentlich als „Menschen“?

Nach welchen Regeln stylst du dich? Was geht gut und was geht gar nicht?
Nach Unregeln. Ich versuche immer anderen Style und verändere mich immer weiter.

ALLGEMEIN

Was ist dein Lieblingsessen? Sushi

Wo oder wobei kannst du am besten entspannen? Zuhause

Dein Lieblingsreiseziel ist? Das Meer in Japan

Welches Buch liegt aktuell auf dem Nachttisch? Ein neues japanisches Buch über Bekleidungstechnik, das eine Freundin aus Japan mir letztens geschickt hat.

Welchen Kinofilm hast du zuletzt gesehen? Ways to Live Forever

Dein All-Time-Favorite-Movie? Mein Nachbar Totoro, Edward Scissorhands (Edward mit den Scherenhänden)

Aktuell läuft auf deiner Playlist/deinem Plattenspieler?
Musikstücke von dem japanischen Musiker Shunsuke Oshio aus Düsseldorf

Dein All-Time-Favorite-Song?
“Everybody Wants To Rule the World” von Tears for Fears

Text: Barbara Russ
Photography:
Sabrina Weniger
© THE DORF 2018