Brillen Kaiser

Werbung: Brille ist heute längst ein Statement. Vor 50 Jahren hätte wohl keiner gedacht, dass es bald Menschen ohne Sehschwäche, aber dafür mit großem Wunsch nach einer Sehhilfe geben würde. Brillen Kaiser hat den Wandel der Brille von einer Notwendigkeit zu trendigem Accessoire miterlebt – hier fand man schon Brillen, lange bevor es cool war.

Tradition trifft Zeitgeist

Fest steht, dass die berühmte Königsallee ihren eigenen Charme hat, der überregional und international geschätzt wird. Um den Flair, der von Besuchern der Stadt oft als zu posh bezeichnet wird, zu durchbrechen, lohnt es sich den Strom der Mode- und Markenbegeisterten zu verlassen und einmal mehr in eine Seitenstraße abzubiegen. Dort findet man auf der unauffälligen Bahnstraße den hübschen, strahlenden Laden Brillen Kaiser. Auf den ersten Blick mögen die Regale mit Cartier und Chanel Modellen vielleicht denselben luxuriösen Anschein erwecken, den man ein paar Meter weiter auf der Kö beobachtet – in Wirklichkeit hat das Sortiment des Ladens aber viel mehr mit Hochwertigkeit und Fachwissen zu tun. Umgeben von international agierenden Ketten steht Brillen Kaiser als ein Geschäft, welches seinen Wurzeln bis heute treu bleibt: der familiengeführten Handwerkskunst.

Das Familienunternehmen des Revolutionärs Otto Kaiser wurde bereits 1920 in Moers gegründet. Hier entstanden die ersten modischen Fassungen und Brillen nach Wunsch und Maß in Deutschland. Die Filiale an der Kö gibt es schon seit 1933 und begrüßte im Laufe der Zeit etliche Künstler und internationale Besucher*innen der Stadt als Kunden. Mit dem Schwiegersohn Léon Hauck, der sich maßgeblich für eine einheitliche Ausbildung zum Optometristen in Europa und für eine Erstattung der Brille vom Augenoptiker durch die Krankenkassen in Deutschland einsetzte, wurde der Einfluss der Familie ständig vergrößert. Mit dem Léon-Hauck-Preis geht die Familie nun endgültig in die Geschichte ein. Der Preis wird seit 1985 an Menschen verliehen, die sich besonders stark für die Aus- und Fortbildung im Augenoptiker-Handwerk engagieren.

Zuletzt führt Thomas Heimbach das Geschäft mit Geschichte weiter. Seit 2011 vertritt Selda Baran als Betriebsleiterin zusammen mit ihrem Team das Vermächtnis der Düsseldorfer Familie Kaiser. Der Stolz und die Freude am Job steht ihr mit allem, was sie über die Geschichte ihres Arbeitsplatzes erzählt, ins Gesicht geschrieben. Bis heute erfolgreich zu bestehen und als Familienunternehmen mit langer Tradition den Anschluss an die Gegenwart nicht zu verlieren, schafft man nur mit viel Freude an der Sache, erzählt die Augenoptikermeisterin passioniert. Wichtig sei es, die Bedürfnisse und Probleme des Alltags zu beobachten, zu erkennen und an der Entwicklung der Zeit zu wachsen.

Das Wissen der Kaisers wird traditionell von Generation zu Generation weitergegeben und ist bis heute der ganze Stolz des Unternehmens. Als Familienunternehmen mit langer Tradition schätzen Kunden die individuelle Beratung und das breite Portfolio von Understatement bis modisch chic. Auf verantwortungsvolle Fertigungsprozesse in der eigenen Werkstatt als auch bei den Herstellern legt Brillen Kaiser großen Wert.

Allerdings ist es genauso wesentlich fürs Team, sich ständig fortzubilden und auch junge Leute für den Berufszweig zu begeistern. Das Einzigartige am Konzept des Ladens ist der Fokus auf vielfältige Fassungsauswahl, bei der jeder Brillenliebhaber fündig wird, sowie die umfangreiche Sehanalyse des Kunden. Brillen Kaiser möchte nicht nur Brillen verkaufen, sondern den Kunden kompetent beraten und begleiten. “Manchmal kommt es vor, dass eine neue Brille nicht die Lösung wäre. Dann empfehlen wir unseren Kunden zunächst den Besuch beim Augenarzt. Wir haben festgestellt, dass viele genau den regelmäßigen Besuch beim Augenarzt vernachlässigen, weil man am Auge so wenig bemerkt.”, schildert die Betriebsleiterin.

Selda Baran sieht das Fachgeschäft dadurch als eine Schnittstelle zwischen Brillenladen und Augenarzt. Ab einem bestimmten Alter oder durch genetische Bedingungen sei ein regelmäßiger Check tatsächlich wichtig. Was viele nicht wüssten: auch Krankheiten wie Diabetes oder Probleme mit dem Blutdruck beeinflussten das Auge. Der Anspruch von Brillen Kaiser sei es deswegen, “das Sehen im Gesamten zu sehen”. Die gelernte Optometristin berichtet, dass die Interpretation solcher optometrischen Messergebnisse nicht nur auf subjektivem Eindruck oder Erfahrungswerten allein basiere. Vielmehr könne man heutzutage dem Kunden auch mit Hilfe der für die Messungen eingesetzten Geräte anschaulich die eigene Einschätzung erläutern. Bei Auffälligkeiten werde dem Kunden dann auch empfohlen, einen Augenarzt zur Abklärung aufzusuchen. Deswegen sei die Sehanalyse bei Brillen Kaiser mehr in den Fokus gerückt. 

In einer globalisierten und digitalen Welt, in der ein Trend den nächsten jagt, wiegt die schnelle Faszination leider oft mehr als die Art von kompetenter Unterstützung, die man bei Brillen Kaiser findet. In einer solchen Entwicklung bewusst die Entscheidung zu treffen, Kunden eher zum Arzt zu schicken als eine Brille zu verkaufen, zeugt von Mut und Haltung. Selda und ihr Team sind der Meinung, dass das Eine das Andere nicht ausschließt: “Es geht nicht immer nur darum, kurzfristige Lösungen zu bieten. Wir sehen eine Langfristigkeit mit unseren Kunden. Sie kommen bis zum hohen Alter – teilweise in der dritten Generation! Das bedeutet, dass man in der Vergangenheit etwas richtig gemacht hat. Verkaufen ist wichtig, aber letztendlich steht der Mensch im Vordergrund.”

Von Missgunst findet man hier keine Spur. Ganz im Gegenteil – die Betriebsleiterin zeigt sich froh und dankbar über die Verhältnisse, die ein familiengeführtes Unternehmen mit sich bringt. Das Team von Brillen Kaiser ist völlig frei in seiner Auswahl an Brillen und Produkten. “Ich bin stolz darauf, dass wir individuelle Lösungen bieten können, was die Hersteller, Fassungen, Kontaktlinsen betrifft. Jedes Auge ist wie ein Fingerabdruck: individuell.”, erklärt die Wahl-Düsseldorferin.  

Der Mensch verschließt oft genug die Augen vor den wichtigen Dingen des Lebens und wiegt sich in Sicherheit. Spätestens dieses Jahr hat aber uns allen gezeigt, dass gar nichts sicher ist. Auch nicht unsere Gesundheit. Auf einmal ist das, was sonst für viele als selbstverständlich genommen wird, ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit gerückt. In so einer Situation bleiben nur zwei Dinge zu hoffen: dass das Ganze bald ein Ende findet. Und dass noch mehr Menschen die Coolness der Brille erkennen. Mit altbacken, altmodisch und verstaubt hat das alles also überhaupt nichts zu tun. Brillen Kaiser ist kein Überbleibsel einer alten Welt, sondern Überlebender in einem Meer von Angeboten. Mit kaiserlicher Brille ist der Blick stets nach vorne gerichtet. 

Gründungsjahr: 1933 in Düsseldorf, seit 1920 in Moers

Kurzbeschreibung Konzept: Individualität, Präzision, Qualität

Sortiment/Angebot: Ausführliche Sehanalyse, Kontaktlinsen, Brillen, Sonnenbrillen, Sportbrillen von Marken wie Chanel, Tom Ford, Funk, Harbour, Götti, Cartier, Hoffmann

Ausrichtung/Zielgruppe: Alle, die gut sehen möchten zwischen 20 und 100 Jahren 😉

Was gibt es nur bei Euch? Was zeichnet Euch aus? Optometrie, besondere Labels an Brillen, Handwerk, Verbindung von alt und neu

Was schätzen Eure Freunde an Euch? Die schöne Auswahl an Brillen, umfassende Messung vom Auge, individuelle Beratung

Was bringt die Zukunft? Schnellere Entwicklungen in der Technik – bestimmt auch in der Optik. Individuelle Bedürfnisse werden dennoch vor Ort gestillt werden

Eure liebsten Nachbarn? Wir haben eine tolle Nachbarschaft! Das Golfhouse, Franzen, Coffee Fellows und Pralinen von Heinemann gehen immer!

Vielen Dank!

Text: Maren Schüller
Fotos: Kristof Puller
 THE DORF 2020

Brillen Kaiser 

Königsallee 92/Bahnstr. 2
40212 Düsseldorf

Öffnungszeiten

Mo – Fr 10 – 19 Uhr
Sa 10 – 16 Uhr
& nach Vereinbarung

Zahlungsmöglichkeiten

Cash, EC und Kreditkarte

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