Maxi Hoffmann | hap ceramics

Name: Maxi Hoffmann
Alter: 31
Beruf: Keramikerin

Gelernter Beruf: Marketing Managerin
www.hap-ceramics.com 

Wenn kunsthandwerkliches Geschick, die Liebe für Design und der natürliche Zufall aufeinandertreffen, entstehen gewiss originelle Unikate daraus – so wie jedes einzelne Produkt von hap ceramics, dessen Name bereits verrät, dass mit Maxis Leidenschaft mehrere glückliche Zufälle einhergehen. Das Talent für Keramiken lag ihr möglicherweise schon in den Genen, denn ihre Mutter führte als gelernte Töpferin eine Töpferei, damals noch in der DDR. Seit sieben Jahren ist Düsseldorf die Heimat der gebürtigen Chemnitzerin, die vor allem durch die hiesige Kreativszene erst so richtig in der Stadt angekommen ist.

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Maxis Ideen zu ihren Entwürfen entstehen manchmal erst während des Prozesses, ja sogar die ein oder andere Panne kann Inspiration für individuelle Stilmerkmale liefern. Keramiken setzen ein gutes Vorstellungsvermögen, viel Geduld und Ruhe voraus – und nicht zuletzt die Freude daran, sich immer wieder neu von den chemischen Prozessen überraschen zu lassen, die Farbgebungen und Oberflächenstrukturen im Ofen bei 1220 °C unvorhersehbar und zufällig erschaffen.

Wie würdest du den Look deiner Produkte beschreiben? Und was hat dich zu deinen “deformierten” Vasen inspiriert? Meine Produkte sind in einem minimalistischen Stil gehalten, manchmal mehr in ihrer Form, manchmal mehr in der Farbgebung. Ich interessiere mich sehr für Design und das spiegelt sich unbewusst auch in meinen Produkten wider. 

Meine deformierten Vasen sind eigentlich aus einem “Unfall” entstanden. Beim Drehen auf der Töpferscheibe war irgendwann die Stabilität des Tons nicht mehr gegeben und die Vase ist eingefallen. Das kann schon mal bei extremen Formen passieren. Ich habe sie dann mit meinen eigenen Händen weitergeformt oder “deformiert” und das hat sich richtig gut und auch ein bisschen verboten angefühlt. Das Ergebnis hat mir super gut gefallen!

Welche Bedeutung hat das Material Ton für dich? Die Arbeit mit Ton ist eine Art Meditation für mich und ich konzentriere mich ganz auf meine Sinne. Man muss den Ton fühlen, ruhig sein, keine schnellen Bewegungen machen. Eigentlich fällt es mir schwer im Leben ruhig zu sein, aber das Töpfern holt mich runter. Deshalb habe ich die Liebe dazu entdeckt. Und es freut mich, wenn Leute meine Produkte im täglichen Leben anfassen und benutzen. Keramik ist immer ein haptisches Erlebnis. 

Wie unterscheidet sich die Arbeit mit der Töpferscheibe von der Arbeit mit der reinen Hand? Die Arbeit mit der Töpferscheibe ist ein Handwerk, für das man viel Übung braucht, um die Kontrolle über den Prozess zu erlangen. Auf der Töpferscheibe gibt es keinen Raum für Fehler. Mit der Hand hat man mehr Freiheiten, man muss nicht unbedingt symmetrisch arbeiten und hat mehr Zeit den Ton zu bearbeiten.

Wie lange dauert der Herstellungsprozess deiner Produkte? Es kommt ganz auf die Größe und Beschaffenheit an, aber ich brauche mindestens vier Wochen. Eine Tasse ist beispielsweise klein, da kann nicht viel schief gehen und sie kann relativ schnell trocknen. Aber eine Schale mit einer großen Bodenfläche muss langsam und gleichmäßig trocknen, weil sonst Risse entstehen. Mehrere Trocknungsphasen und zwei Brände ziehen den Herstellungsprozess in die Länge. Man braucht also viel Geduld. 

Siehst du dich selbst mehr als Handwerkerin oder Künstlerin? Handwerk und Kunst sind untrennbar miteinander verbunden. Für mich ist der künstlerische Aspekt sehr wichtig. Ich habe schon viele Diskussionen mit meiner Mutter darüber geführt, da sie meine Herangehensweise manchmal nicht verstehen kann, die sich wegbewegt vom klassischen, reinen Handwerk. 

Wie blickst du auf die historische Entwicklung von Keramik? Es scheint als habe die Technik in den letzten Jahren einen regelrechten “Boom” erlebt. Früher, speziell in der DDR, gab es dieses unendliche Angebot zu so niedrigen Preisen wie heute einfach nicht. Es wurde hauptsächlich von lokalen Handwerker*innen produziert. Es folgte ein Überangebot von industriell und günstig gefertigten Produkten. Seit ein paar Jahren sind die Leute aber satt von Dingen, die alle gleich aussehen und irgendwie tot sind, weil sie sich zu perfekt anfühlen und keine Person dahinter steht. Mittlerweile wird wieder mehr Wert darauf gelegt, dass die Produkte auch eine Geschichte haben. Ich glaube auch, dass sich die Menschen wieder mehr gegenseitig unterstützen und man verstanden hat, dass man lieber etwas mehr Geld investiert und damit eine Person aus der eigenen Gegend davon leben kann, anstatt anonyme Industrieerzeugnisse zu fördern. 

Wie hast du die Zeit des Lockdowns erlebt? Ich hatte einige Aufträge, die wegen Corona leider gecancelt wurden, was mir auf der anderen Seite aber viel Freiheit gegeben hat, sodass ich endlich mal wieder aufatmen und auch neue Dinge ausprobieren konnte. Ich war eigentlich sehr froh über die kleine Pause. 

Du hast gerade deinen Onlineshop eröffnet – welche neue Möglichkeiten eröffnet er dir? Ich erhalte immer mehr Anfragen über Düsseldorf hinaus und auch aus dem europäischen Ausland. Es war irgendwann ein zu großer Aufwand, das zu koordinieren und natürlich wollte ich den nächsten Schritt mit meinem Label gehen.

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Gibt es einen Ort in Düsseldorf, an dem es deine Produkte noch nicht gibt, für den du es dir aber wünschen würdest? Ich liebe das Essen im Olio in Düsseldorf und würde es natürlich schön finden, wenn ich dort irgendwann von meinen Tellern essen könnte.

Dein Lieblings-Keramikstück, das du tagtäglich benutzt? Ich benutze zu Hause die Dinge, die ich nicht an meine Kund*innen weitergeben kann, weil sie irgendwelche Macken haben und meine ganze Küche ist voll damit. Aber mein Lieblingsstück ist die blaue deformierte Vase.

Das letzte Buch was du gelesen hast? Ein Glasurenbuch!

Mit wem, tot oder lebendig, würdest du gerne mal zusammen ein Altbier trinken gehen? Ich würde gerne mit dem Chefkoch vom Noma ein Altbier trinken gehen und mich über Essen, Gemüseanbau und Kochen unterhalten.

Dein Lieblingsreiseziel? Nizza und Umgebung – die Heimat meines Freundes.

Text: Lisa Damberg
Foto: Damian Rosellen
Video: orangebrick
© THE DORF 2020

English version:

When craftsmanship, a love of design and natural coincidence meet, it results in original and unique pieces – just like every single product from hap ceramics, whose name already reveals that Maxi’s passion was steered by several happy coincidences. She probably inherited her talent for ceramics from her mother, who ran a pottery workshop as a trained potter, back in the former GDR. While Düsseldorf has already been the home of the Chemnitz-born artist for seven years, she has fully arrived here now thanks to the local creative scene. Ceramics require a good imagination, a lot of patience and calm – and last but not least the joy in being surprised again and again by the chemical processes that create colour and surface structures in the kiln at 1220 °C in an unpredictable and random way.

How would you describe the look of your products? And what inspired you to create your “deformed” vases? My products are kept in a minimalist style, sometimes more in form, sometimes more in colour. I am very interested in design and this is unconsciously reflected in my products. 

My deformed vases are actually the result of an “accident”. Once, while turning the potter’s wheel, the stability of the clay was no longer given and the vase collapsed. This can happen occasionally with extreme shaping. I then continued shaping or “deforming” it by my own hands and it felt really good and also a bit forbidden. I really liked the result!

How long does the manufacturing process of your products take? It depends on the size and texture, but I need at least four weeks. For example, a cup is small, not much can go wrong and it dries relatively quickly. But a bowl with a large base surface has to dry slowly and evenly, otherwise cracks will appear. Several drying phases and two firings lengthen the production process. So, a lot of patience is needed. 

How do you see the historical development of ceramics? It seems that the technique has experienced a real “boom” in recent years. In the past, especially in the GDR, this endless supply at such low prices simply did not exist as it does today. It was mainly produced by local craftsmen- and women. A surplus of industrially and cheaply manufactured products followed. But since a few years, people are fed up with things that all look the same and are somehow dead, because they feel too perfect and there is no person involved in making them. In the meantime, more importance is being placed on products having an actual history. I also believe people are starting to support each other more again. They seem to have understood the benefit of investing a bit more money and thereby letting a person from their own area make a living with it instead of promoting anonymous industrial products. 

You have just opened your online shop – what new possibilities does that present? I’m getting more and more enquiries from beyond Düsseldorf and also from other European countries. At some point it became too much effort to coordinate it all and of course I wanted to take the next step with my label. 

Your favourite piece of ceramics that you use every day? I use the things at home that I can’t pass on to my customers because they have some dents and my whole kitchen is full of them. But my favourite piece is the blue deformed vase.

With whom, dead or alive, would you like to go for an Altbier? I would like to go for an Altbier with the chef from Noma and talk about food, vegetable growing and cooking.

THE DORF • THE MAG is part of the #urbanana project by Tourismus NRW

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