Masta Ace

Nicht nur HipHop und Streetwear gehen zusammen runter wie Butter. Auch die Lines des legendären Rapper der “Golden Era”, des Brooklyn der 90-er Jahre, klingen so lässig wie genial. Anlässlich des Launches des neuen Streetwear-Labels “Afew Goods” von den Jungs vom AFEW Store performte Masta Ace zusammen mit Komponist Miki Kekenj und dem Takeover! Ensemble seine besten Songs in einer einzigartigen klassischen Fassung am 23. Januar 2020 in der Tonhalle Düsseldorf.

Masta Ace reiht sich ein in die Riege der Eastcoast Klassiker wie Big Daddy Kane, Biz Markie, Craig G, MC Shan, Kool G Rap und Marley Marl. Er war Teil der legendären Juice Crew, einem HipHop Kollektiv der 80er Jahre. Der Song “Born to roll” brachte ihm in den 90er Jahren den Durchbruch. Doch auch drei Jahrzehnte später mangelt es dem Boom-Bap-Style-Rapper noch lange nicht an Kreativität. Sein letztes Album “A Breukelen Story” veröffentlichte er vor zwei Jahren, gemeinsam mit Hiphop-Produzent Marco Polo, das mit echtem Oldschool Sound für Nostalgiecharakter sorgt.

Wir trafen Masta Ace zum Interview, sprachen mit ihm über Düsseldorf, Brooklyn und die Kunst, sich immer wieder neu zu erfinden. (english version)

 Was bringt dich nach Düsseldorf? Ich bin im Laufe der Jahre ein paar Mal in Düsseldorf aufgetreten und habe auf einer meiner Reisen durch Deutschland und Europa die Jungs von AFEW kennengelernt. Marco und Andy hatten die Idee, etwas mit einem Orchester zu machen. Ich fand die Idee sofort super! Ich hätte nie gedacht, dass ich dazu einmal die Gelegenheit haben würde. Es dauerte dann insgesamt fast fünf Jahre, seit unserem ersten Kennenlernen, bis wir alles organisieren konnten. Und jetzt bin ich hier, bereit, um in der Tonhalle eine gute Zeit zu haben!

Wie habt ihr es geschafft, die Songs über eine so große Distanz zwischen New York und Düsseldorf neu zu arrangieren? Ich bin deshalb schon früh in Düsseldorf angereist und wir haben mehrere Tage vor dem Konzert geprobt. Miki, der Komponist hat die ganze Musik für die Band geschrieben. Es ist unglaublich für mich zu sehen, wie sie es hinbekommen haben, HipHop-Musik so zu verwandeln. Natürlich sampeln wir im HipHop viel, auch viel klassisches Zeug. Jetzt hat Miki also die Noten für das Orchester geschrieben, das von den Blättern liest und spielt. Es ist echt ziemlich cool, denn für mich ist das das erste Mal. Ich habe schon vorher Auftritte mit Live-Bands und Jazz-Bands gehabt, aber dieses Konzert ist für mich eine Premiere.

In einem Video von AFEW, wo ihr gemeinsam das Projekt der neuen Afew Goods Kollektion vorstellt, vergleichst du das Nachhaltigkeits-Konzept des Sneakers mit deiner Karriere und sagst, dass du dich selbst im Laufe der Zeit immer wieder neu erfunden und “wiederverwertet” hast. Was ist dein Geheimnis um zeitlos zu werden? Ich bin immer ein Fan der Musik geblieben. Man kann sich nicht weiter entwickeln indem man all die neue Musik ablehnt und alles Neue schlecht findet. Dann bleibt man in dem feststecken, was man einmal war. Ich meine damit nicht, dass man jede Form neuer Musik gut finden und annehmen muss, aber man sollte offen dafür sein, neue Musik zu entdecken. Ich versuche immer, neue Künstler zu finden, die neue Musik machen und neue Stilrichtungen prägen. All das lädt meine Batterie und meine Kreativität wieder auf. Man muss die neue Ebene, den neuen Standard erkennen, sich davon herausfordern lassen und schauen wie man selbst dazu passt.

Du bist einer der wenigen großen HipHop-MCs, der noch immer aktiv und erfolgreich ist. Warum hört und sieht man von den anderen kaum noch etwas? Ich weiß nicht genau was der Grund ist, dass viele meiner Zeitgenossen keine Musik mehr machen. Vielleicht weil sie nicht die gleiche Leidenschaft am Schreiben und Musizieren haben. Mich hat die Leidenschaft nie verlassen, ich war immer motiviert, mich selbst zu übertreffen. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich mich noch nie richtig beweisen konnte. Aus diesem Grund versuche ich mir selbst, sowie meinen Zeitgenossen zu beweisen, dass ich immer noch dazugehöre, ich habe so eine ArtUnderdog-Mentalität. Meine Fans würden das wahrscheinlich nie so sehen, aber für mich persönlich hat mich das Gefühl, nie vollständig akzeptiert worden zu sein dazu gebracht, weiterhin Musik zu machen. Das war und ist eine der treibenden Kräfte für mich.

Warum heißt dein letztes Album, das 2018 erschienen ist, “A Breukelen-Story” und um welche Story geht es? Das Album erzählt die Geschichte meines Produzenten und Freundes Marco Polo, der von Toronto, Kanada nach Brooklyn, New York gezogen ist, um sich ein neues Leben im Musikgeschäft aufzubauen. Er wollte unbedingt ein HipHop-Produzent werden. Ich fand seine Reise und seine Geschichte einfach unglaublich. Er hat seinem Vater und seiner Mutter eines Tages gesagt, dass er nach New York ziehen wird und es schon irgendwie schaffen wird. Mit ein paar gesparten Dollar in der Tasche hatte er gerade genug Geld, um sich ein Jahr in New York über Wasser zu halten. Danach wusste er nicht was kommt – vielleicht hätte er wieder nach Hause umkehren müssen. Er hat dann versucht, sich für ein Praktikum in verschiedenen Studios zu bewerben, wurde aber tausend Mal abgelehnt. Schließlich aber landete er im Studio namens “Cutting Room” und das war dann der Anfang. Ich beschloss, das gesamte Album basierend auf seinem Leben zu schreiben. Wir haben Brooklyn in der niederländischen Schreibweise geschrieben, weil sich die Niederländer in der Geschichte in Nordamerika niedergelassen hatten und der Stadt den Namen gegeben haben. In meinen Augen war das eine Art Parallele: Marco hat Kanada verlassen, um nach Brooklyn zu ziehen, so wie die Niederländer in eine neue Welt aufgebrochen sind.

Als Rapper gehst du sehr versiert mit Worten um, in deinen Songtexten erzählst du ganze Geschichten. Wie kombiniert deiner Meinung nach HipHop und Rap, Text und Musik auf die beste Art und Weise? Im Herzen bin ich ein Schriftsteller. Beim Schreiben, sei es beim Schreiben eines Liedes, einer Kurzgeschichte oder eines Drehbuch, fühle ich mich am wohlsten – unabhängig von der Musik. Ich schreibe gerade auch ein Drehbuch für ein Musical, das ich in Europa aufführen möchte, es wird eine vollständige Produktion mit Schauspielern und mehreren Akten und allem. Wie ich schon gesagt habe, bin ich im Herzen ein Schriftsteller und Schreiber. Die Musik, und die Beats sind ein Teil davon. Aber am Ende des Tages schreibe und kreiere ich und erzähle Geschichten.

Wann und wie fühlst du dich als ein echter “Brooklynite”? Das klingt jetzt schrecklich, aber in dem Moment, wenn man sich einem Fremden gegenüber unhöflich verhält. Wir in Brooklyn sind alle sehr distanzierte Menschen, wir sind nicht freundlich, das liegt in unserer Natur. Es ist sozusagen ein Verteidigungsmechanismus, denn es gibt immer diese Stricher, diese Taschendiebe, die versuchen dein Geld zu klauen und einen auszurauben. Dadurch ist jedem so ein Panzer gewachsen. Wenn du nach Brooklyn kommst und die netteste Person bist und alle grüßt, werden dich die Leute für verrückt halten. Und du wirst – wenn überhaupt – nur so lange nett bleiben, bis dir etwas passiert und du merkst, dass du aufpassen musst. Man wird etwas paranoid in Bezug auf alles und jeden. Und wenn du dich dann irgendwann in der Situation wiederfindest, dass du jeden im Raum beobachtest und dich fragst, was er vorhat und was er tut, dann bist du offiziell im Brooklyn-Modus. Es ist schrecklich, das so zu sagen, aber so ist es.

Was vermisst du am meisten, wenn du auf Reisen bist? Meine Familie – mit meiner Frau und meiner Tochter zu Hause zu sein, vermisse ich am meisten. Und ich vermisse mein Bett sehr! Ich lebe mittlerweile in New Jersey, aber Brooklyn ist direkt gegenüber über die Brücke zu erreichen.

Wenn man Brooklyn essen könnte, wie würde es schmecken? Wow! Es wäre definitiv fettig, definitiv ölig und eine schwere Mahlzeit. So, dass man nach dem Essen müde wird. Auf jeden Fall nicht sehr nahrhaft.

Dein Freestyle-Reim mit “Düsseldorf”? “Rapper’s nowadays are super sof(t), but I’m chillin’ out with ma peoples in Düsseldorf!”

Vielen Dank!

Text: Lisa Damberg
Fotos: Foto Schiko
(c) THE DORF 2020

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