Adrian Paul

Name: Adrian Paul
Beruf: Künstlerischer Leiter in Roncalli’s Apollo Varieté

Alter: 26
Geburtsort: München
URL: www.apollo-variete.com

Der Winter kehrt ein in die Stadt am Rhein. Über den Apolloplatz pfeift ein kalter Wind. Schon von Weitem ist in großen, warm-golden gehaltenen Leuchtbuchstaben APOLLO zu lesen, der Name des Varietés, dem der Platz seinen Namen verdankt. Hier sind wir verabredet mit Adrian Paul, dem künstlerischen Leiter eben dieses Varietés und Sohn des legendären Roncalli-Gründers Bernhard Paul, einigen besser bekannt als Clown „Zippo“.

Ein geschichtsträchtiger Ort, der nun bereits seit zwei Jahrzehnten diesen Platz bespielt und den Akrobaten, Artisten, Musikern und Künstlern dieser Welt eine künstlerische Heimat bietet. Hier entführen sie den Besucher in eine Welt der Fantasie und des Zaubers. Ein Ort, der die Realität für einen Moment entrückt und die Möglichkeit offenbart, sich mit erwachsenen Kinderaugen in den Bann des Varietés hineinziehen zu lassen.

Ich denke, ich war schon privilegiert. Es ist eine viel geschütztere Welt als die da draußen.


Seine Kindheit: Als Kind im Zirkus

Buchstäblich mit Kinderaugen hat Adrian Paul den Zirkus kennen gelernt: Reisen im Wohnwagen, im Rhythmus von drei bis sechs Wochen zieht der Zirkus in eine andere Stadt, das Auf- & Abbauen – es ist dieser Alltag eines Zirkus, der seine Kindheit prägte.

Ein Aufwachsen, an das er sich nur zu gern erinnert. Er hatte eine behütete Kindheit, sein künstlerisches Gespür wurde ihm dabei quasi in die Wiege gelegt. Hineingeboren in eine der bekanntesten Zirkusdynastien Europas schnupperte er schon früh Bühnenluft. Bereits im Alter von drei Jahren stand er erstmals mit seinem Vater kostümiert als kleiner Zippo in der Manege. Lampenfieber ist ihm dabei seit jeher fremd.

Kein Wunder, war für ihn der Zirkus kein Ort des Spektakels, sondern seine Alltagswelt, seine Familie. Wobei der Familienbegriff hier weiter gefasst ist: Da wird der Clown auch mal zum Freund, die Pferde zu „Haustieren“ und der Wohnwagen zum Wohn- und Schlafzimmer. Eine Welt der verschwimmenden Grenzen, in der Magie nicht nur auf der Bühne geschieht. So wundert es nicht, dass es für Adrian nie eine Alternative zum Zirkus gab. Er wusste schon immer, dass dies seine Berufung ist. Kreativ wollte er sein und wo konnte und kann er dies besser ausleben als in der Welt des Zirkus?

Als Kind hatte er eigentlich Clown werden wollen, wie sein berühmter Vater, dem er häufig auf die Finger geschaut hatte: Ein Lernprozess, der bis heute andauert. Im Laufe der Zeit entdeckte er, inspiriert durch seine Mutter, die Rollschuhkunst für sich und gründete zusammen mit seinen beiden Schwestern „Les Paul“: seine erste richtige Nummer, wie er erzählt und die zugleich Ausdruck seiner größten Leidenschaft sei, ist Les Paul doch ein legendäres Gitarrenmodell, ein Instrument, das er beachtlich beherrscht. Hier begann er eine persönliche Handschrift zu entwickeln, die – so wird uns dieser Abend noch zeigen – deutlich erkennbar ist.

Die Leute sind immer nur bis zur Brücke gegangen und dann zurück, da dort nichts weiter war. Der Apolloplatz ist zu einem Anziehungspunkt in der Stadt geworden – zu einer Institution.

 

Seine Stadt – Heimathafen Düsseldorf
Düsseldorf am Rhein – Eine Stadt, die den Anker bereits im Wappen trägt. Diese Symbolik beschreibt in etwa das, was Düsseldorf für ihn sei, sagt Adrian – ein Heimathafen. Seit fast zwei Jahren ist er nun Wahl-Düsseldorfer und fühlt sich besonders rund um das Apollo, den Medienhafen und die Rheinterrassen sichtlich wohl. Die Wanderjahre, so sagt er, seien vorbei. Erstmalig ist er an einem festen Ort, hat seine erste eigene Wohnung bezogen und kann die Koffer auspacken, die Schränke einräumen und die Kisten verstauen – eben ankommen.

Vereinfacht wird dieses Ankommen noch durch den kurzen Arbeitsweg zum Apollo. Nach dessen Besonderheit hinsichtlich der architektonischen Lage gefragt (direkt unter der Kniebrücke gelegen) zeigt sich, dass hinter dieser eine gut durchdachte Philosophie steckt. So habe der große Platz den damaligen Architekten Prof. Niklaus Fritschi und Bernhard Paul begeistert, waren solche Plätze doch früher Orte für Gaukler und Artisten, hier trafen sie sich für ihre Kunst. Der Vorplatz des Varietés stehe symbolisch dafür, die Architektur des Apollo für den Gedanken, die Artisten und Gaukler von Draußen nach Drinnen zu holen. Es sollte eine Fortführung sein, eine Art Verlängerung des Platzes. Ein Nicht- Ort wurde so zu einem Ort mit Geschichte, mit einem Gesicht und einer eigenen Identität.

Einer Identität im Wandel: Trotz wechselnder Örtlichkeiten, denke man an das altehrwürdige Apollo – Theater an der Kö, wo Showgrößen wie Josephine Baker und Louis Armstrong auftraten – eine Glanzzeit der Düsseldorfer Vergnügungsgeschichte, ist eins dabei immer geblieben: Das Interesse des Publikums an der Welt der Gaukler und Artisten. Ein anspruchsvolles Publikum, das die Überraschung schätze. „Man muss sie kriegen und für sich gewinnen im Laufe der Show“, gibt Adrian Paul den Charakter der Live-Kunst zu bedenken. Das sei anders als etwa beim Film. Die Bühnenkunst sei unverfälscht, es gebe keine Möglichkeit der Wiederholung. Das Auge des Publikums sei jedoch derart an die nachbearbeiteten Bilder aus Fernsehen oder Kino gewöhnt, dass sein Anspruch an eine perfekte Show dementsprechend hoch sei. Was wie ein Dilemma erscheinen mag, ist gerade die Kunst und Qualität des Varietés – sein unverfälschter, unzensierter, authentischer Charakter. Dies sei es auch, was ihn immer wieder auf die Bühne ziehe: „Es ist zwar jedes Mal dieselbe Show, aber sie ist jedes Mal anders.“

Ich denke es kann weiterbestehen, wenn man es richtig macht. Man muss mit der Zeit gehen.

 

 

Seine Vision: Ein Generationswechsel im Varieté
Trotz dieses Anspruchs auf Seiten des Publikums, herrscht hinter den Kulissen selbst einige Minuten vor Beginn der Show noch erstaunliche Ruhe. Der Garderobengang ist über und über bunt verziert mit Plakaten, Fotos und Requisiten von Künstlern aller bisherigen Shows, die sich hier verewigt haben. Ein Wandbilderbuch, das Geschichte archiviert und so die lange Geschichte des Hauses dokumentiert.

Kein leichtes Erbe, das er da von seinem Vater übernimmt, aber eins, das auf einem festen Fundament baut und das trotz der Fortführung von Altbewährtem auch Möglichkeiten für eine neue, eigene Handschrift bietet. Gerade im Varieté sei dies eher möglich als im Zirkus, hier könne man mehr Tabus brechen, sodass auch mal eine „Burlesqueshow“ auf dem Programm steht. Hier kann mehr ausprobiert werden. Das zeigt sich besonders an Adrian Pauls Schwerpunkt, der musikalischen Ausrichtung.

Ein frischer Wind ist eingekehrt, Shows wie „Route 66“ und die derzeit laufende „Crazy X-Mas Show“ lassen deutlich seine musikalisch geprägte Handschrift erkennen. Bei ein bis zwei Shows im Jahr führt er selbst Regie, bei den anderen greift er auf einen Pool von Regisseuren zurück. Diese Abwechslung ermöglicht es, ganz unterschiedliche kreative Impulse aufzugreifen. Adrians Konzept kommt an, sein Ziel, besonders das jüngere Publikum wieder in das Apollo zu locken, scheint so aufzugehen.

Dabei sieht er sich in einer langen Tradition. Denkt man an die Anfänge des Varietés, so war dies eher eine Art Nachtclub. Da wurde gegessen, Champagner getrunken, getanzt. „Ich würde gerne irgendwann in diese Richtung zurück gehen. Nicht wie ein Nachtclub auf der Reeperbahn, sondern thematisch eng mit der Kunst und dem Zirkus verbunden“, zeichnet Adrian Paul seine Vision von der Zukunft des Varietés. Einer Zukunft, der er optimistisch entgegensieht. Es könne weitergehen, wenn man es richtig anstelle. Dabei sei es wichtig, mit der Zeit zugehen, Variationen anzubieten, wie der Name Varieté bereits verrate. Entscheidend sei dafür, dem Publikum ein interaktives Erlebnis zu bieten, Bühne und Zuschauerraum mit einander in einen Dialog zu führen. Gerade dieser Live-Moment werde das Varieté weiterleben lassen, da die Menschen der digitalen Bilderfluten immer überdrüssiger würden.

Von der Wirkung dieses Moments konnten wir uns beim anschließenden Besuch der „Crazy X- Mas Show“ selbst überzeugen, der zweiten Show, bei der er federführend war. Hier erleben wir nicht nur den Regisseur und künstlerischen Leiter, sondern den Künstler Adrian Paul, der in Lederjacke und mit seinem Gitarrentrio vollkommen in seinem Element zu sein scheint. Bei schnellen Gitarrenriffs und röhrendem Bass ist Widerstand gegen eine Weihnachtsstimmung der etwas anderen Art zwecklos. Klassische Stücke rockig interpretiert: Ein Kontrastprogramm, das überrascht, doch wenn man Adrian kennenlernt, auch wieder nicht. Eine Show, die den Glanz und Glamour des Varietés bewahrt und durch die Handschrift des Neu-Düsseldorfers den Blick in die Zukunft richtet.

Das Kind aus dem Zirkus ist erwachsen geworden, die Clownsschuhe von damals zu klein geworden. So hat Adrian Paul sich dieser entledigt und mit der künstlerischen Ausrichtung des Apollos sein eigenes, größeres Paar gefunden. Wie gut ihm dieses passt spürten wir an diesem Abend, der uns entführt hat in eine Traumwelt aus der man nur ungern erwacht.

Infos zum aktuellen Programm:
„Crazy X-Mas Show“ Noch bis zum 14. Januar 2018. Im Apollo Varieté am Apolloplatz 1. 

MORGENS

Guten Morgen – wo trinkst du morgens Deinen Espresso in der Stadt, um wach zu werden? Coffee Fellows, Königsallee

Zum Sonntags-Brunch und ausgedehnten Frühstück trifft man dich… Alex, Graf-Adolf-Platz

Den besten Kaffee gibt es… Coffee Fellows

MITTAGS

Lecker, gesund und frisch lunchen gehst du in Düsseldorf… Greentrees, Lorettostraße

NACHMITTAGS

Deine Lieblingsroute zum Spazierengehen, Schlendern, Kopf-Frei-Kriegen: Rheinuferpromenade

Drei Plätze in Düsseldorf, die du deinen Gästen unbedingt zeigen musst: Apollo Varieté, Apollo Varieté, Apollo Varieté 😉

Zum Kaffeeklatsch mit Küchlein & Co. trifft man dich hier: Kaffeeklatsch – ? Ich bin doch keine Großmutter…

ABENDS

Wo verbringst du am allerliebsten einen gemütlichen Abend mit Freunden oder der Familie? An der Bar des Apollo

Welches Restaurant repräsentiert für dich am meisten den typisch-charakteristischen Geschmack von Düsseldorf? Riva im Hafen

Ein Restaurant, wo du immer mal hinwolltest, aber noch nie warst: Schnitzel-Poldi

Dein absoluter Gastro-Geheimtipp-Lieblings-Spot, den du hier mit allen teilen möchtest? Cocomo, Aachener Straße

Dein Lieblings-Altbier: Eigentlich Kölsch 😉

NACHTS

Deine Lieblingsbar oder Dein Lieblingsbartender sind: Apollo Bar, wenn Jakob dahinter steht…

Eine ganz besondere, erinnerungswürdige Nacht in Düsseldorf hast du wo verbracht? Im „Cocomo“…

Dance the night away! Getanzt wird hier: Gern in der „Mauer“, Ratinger Straße

IMMER

Wo und wann fühlst du dich wie ein „richtiger Düsseldorfer“? Immer wenn ich mal wieder ein „Knöllchen“ bekomme.

Was vermisst du an der Stadt, wenn du nicht in Düsseldorf bist? Natürlich Roncalli’s Apollo Varieté

Könnte man Düsseldorf essen, schmeckt es nach: Sushi

Was liebst du am meisten an Düsseldorf? Das Lebensgefühl

Was hasst du am meisten an Düsseldorf? nichts

Gibt es Plätze oder Orte in der Stadt, die dich in deinem Job inspirieren? Die Rheinwiesen und das Rhein Rondell

STIL

Wo suchst & findest Du Möbel für Deine Wohnung? Schaffrath

Deine Top 3 Shopping-Adressen in Düsseldorf? Ich hasse Shoppen

Der beste Ort, um Leute zu beobachten? Immer noch die Kö

Beschreibe den typischen Düsseldorfer-Stil in drei Worten: Alles geht, nichts muss.

ALLGEMEIN

Was ist dein Lieblingsessen? Sushi

Wo oder wobei kannst du am besten entspannen? Bei Punk-Musik

Dein Lieblingsreiseziel ist? Cancun

Welches Buch liegt aktuell auf dem Nachttisch? „Life“ von Keith Richards

Welchen Kinofilm hast du zuletzt gesehen? Lange her, dass ich im Kino war…

Aktuell läuft auf deiner Playlist/deinem Plattenspieler? John Mayer, Gary Clark jr.

Dein All-Time-Favorite-Song? Start me up – Rolling Stones

Für welchen Verein schlägt dein Herz? Fortuna – klar!!!

Vielen Dank!

Text & Interview: Theresa Naomi Hund
Fotos:
 Sabrina Weniger

Produktion: David Holtkamp
© THE DORF 2017

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