Ante Dekovic

Hollywood und Kapuzinergasse, kalifornische Westküste und kroatische Adria, Skateboarding und Fashion. Ein Mix aus all diesen impressionistischen Beschreibungen befindet sich seit Anfang des Jahres in der Altstadt in Form des neuen Skateshops “CEÑTRAL”. Gemeinsam mit seinem kolumbianischen Freund und Businesspartner Cristian Granada Cardona ist Ante Dekovic eine Hälfte des Neuzugangs in der Kapuzinergasse in der Altstadt. Es lohnt sich aber genauer hinzusehen. Ante Dekovic kommt aus Kroatien, wohnt in Düsseldorf und arbeitet in Los Angeles als Visual-Effects-Supervisor, unter anderem für die gesamte Star Trek-Reihe. Er wurde bereits für zwei Emmys nominiert und hat erst letztes Jahr seinen ersten Emmy gewonnen. Wie es einen vom Rheinland nach Hollywood verschlägt und wie man zum eigenen Skateboard-Laden in der Altstadt kommt, verrät uns Ante im Gespräch.

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Wo befindet sich momentan Dein Lebensmittelpunkt? Momentan bin ich in Los Angeles. Meine Frau und mein Sohn leben auch dort. Von Dezember bis April waren wir in Kroatien. Dort haben wir eine eigene Wohnung. Ich bin in Deutschland groß geworden und habe sehr viel Zeit in Düsseldorf verbracht. Früher habe ich immer gescherzt, dass ich in Düsseldorf wohne, aus Kroatien komme und in Los Angeles arbeite. Die Leute waren immer verwirrt. Mittlerweile bin ich mit meiner Familie mehr auf einem Punkt orientiert. Ich glaube, dass wir bald wieder nach Europa zurückkommen werden. 

Seit wann lebst du in Kalifornien und was hat Dich dorthin verschlagen? Ich lebe seit dem 13. Januar 2005 in Los Angeles. Das Datum weiß ich noch ganz genau. Ich habe eine Ausbildung zum Mediengestalter in Köln gemacht. Da bin ich zum ersten Mal auf visual effects gestoßen und es ist eine große Liebe dazu entstanden. In der Zeit war in Deutschland auf dem Gebiet noch nichts los. Ich wusste, dass ich nach Hollywood musste, um in diesem Bereich zu arbeiten. 

Vom Rheinland nach Hollywood – wie ging’s weiter? Ich habe durch Bekannte meiner Mutter eine Praktikumsstelle bei einer Produktionsfirma in Los Angeles bekommen. Das war meine Chance. Ich habe aktiv nach Stellen gesucht, bei denen ich an visual effects arbeiten kann, aber das war sehr schwierig. Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, als mich plötzlich eine gute Freundin angerufen hat. Sie hat erzählt, dass Marc Weigert und Volker Engel Leute für eine Produktion suchen. Volker Engel hatte damals gerade einen Oscar für seine Effekte bei Independence Day gewonnen. Das waren also große Namen.

Ich hatte ein Vorstellungsgespräch in seinem Büro, im Hintergrund stand der Oscar. Ich war super nervös. Der Vorteil war, dass die beiden Leute gesucht haben, die aus demselben Umfeld kommen. Ich bin in Deutschland groß geworden und konnte Deutsch sprechen. Das war gut für mich. Ich wurde dann nach Deutschland zurückgeschickt, um mir ein Praktikumsvisum zu besorgen und einen Monat später habe ich in LA angefangen. So hat alles begonnen.

Wie sieht ein klassischer Arbeitsalltag bei Dir zuhause in LA aus? Durch die Pandemie hat sich der Alltag verändert. Vor Kurzem war ich einer der beiden “overall visual effects supervisor” von Star Trek. Mittlerweile sind die visual effects so wichtig, dass wir von Anfang an dabei sein müssen. Wir kriegen die Drehbücher und sind mit am Set. Ein Arbeitstag dauert 15 Stunden. Ich sitze mit dem Regisseur, den Produzenten und den Schauspielern zusammen und passe auf, dass alles richtig gedreht wird. Es ist schwierig, jemandem etwas zu erklären, was nicht da ist. Die Schauspieler sehen einen Greenscreen, müssen ihn aber beispielsweise wie eine drei Meter große Kreatur behandeln. 

Inwiefern hat sich durch die Pandemie Deine Arbeitsweise verändert? Wir haben während der Lockdowns von zuhause aus gearbeitet. Für die visual effects war es kein Problem, weil wir mit Firmen weltweit zusammenarbeiten und orher schon alles Online ablief. Wir hatten Glück. Wir wurden gerade mit einem Dreh fertig, als uns cbs films sagte, dass ab nun Home-Office angesagt ist. Viele Shows hat es hart getroffen, viele Menschen haben ihren Job verloren. Wir haben uns dann eine Struktur überlegt. Es gab morgens und abends Meetings und zwischendurch wurde immer wieder miteinander kommuniziert. Ich muss sagen, ich fand das sehr angenehm.  

Die Liste der Filme, bei denen Du mitgewirkt hast, ist lang. Du hast drei Emmy-Nominierungen gehabt. Wenn Dir das jemand vor zwanzig Jahren vorausgesagt hätte, hättest Du ihm geglaubt? Nein, das hätte ich nicht geglaubt. Ich bin mit Star Trek aufgewachsen und habe als 9-jähriger “The next Generation” geguckt. Ich fand das damals schon krass. Und jetzt sitze ich mit Patrick Stewart und Jonathan Frakes zusammen und darf mit ihnen arbeiten. Jonathan Frakes kenne ich mittlerweile richtig gut, ich kann ihn immer anrufen, wenn ich Hilfe brauche. Ich hatte selbst auch eine Gastrolle in der Serie. Im Star Trek-Anzug dazustehen, ist schon etwas Besonderes. 

Wer oder was ist Dein größtes Film-Idol? Ich habe ein paar Regisseure, die ich mir immer wieder angucke. Martin Scorsese, die neueren Tarantino-Filme, Guy Ritchie und Luc Besson. Mein absoluter Lieblingsfilm war schon immer “Terminator 2”. Das ist einer der ersten Filme, die mit visual effects gearbeitet haben. Damals wusste ich noch gar nicht, was visual effects, also mit dem Computer eingearbeitete Sachen, sind. Das war 1991. 

Gibt es einen Film, bei dem Du gerne die visual effects gemacht hättest? Ja, da gibt es wirklich einige. Die komplette “Terminator”-Reihe und das komplette “Marvel Universe” hätte ich gerne gemacht. Wenn ich mit Luc Besson und Guy Ritchie arbeiten könnte, das wäre toll. 

Was gefällt Dir an Kalifornien besonders? An jeder Ecke gibt es einen Skatepark und das Wetter ist immer gut. Wir wohnen in Marina Del Rey, was neben Venice Beach ist. Wir sind direkt am Strand. Die Leute sind entspannt. Klar, in Amerika ist nicht alles toll und es gibt auch sehr viel Schlechtes, wie die Arbeits- und Obdachlosigkeit. Europa oder Deutschland ist strukturierter und sozialer. Aber Kalifornien ist einfach Cali, wirklich gechillt.  

Du bist in Kroatien geboren und in Düsseldorf aufgewachsen. Was ist die schönste Erinnerung an Deine Jugend? Mit neun Jahren bin ich nach Düsseldorf gezogen. 15 Jahre habe ich hier verbracht. Ich fühle mich als Düsseldorfer. Meine schönste Erinnerung kann ich nicht an einer speziellen festmachen. Meine ganze Pubertät verlebte ich hier, inklusive der ersten Partynächte. Ich finde es immer schön, durch die Straßen zu spazieren und in die Ecken zu gehen, wo ich früher oft war. Da kommen dann Erinnerungen hoch. 

Was vermisst Du an Düsseldorf, wenn du nicht hier bist? Einiges. Meine Skatefreunde, meine Schulfreunde, meine Schwester und meinen Neffen. Meine Eltern sind vor Kurzem zurück nach Kroatien gezogen. Ich finde Europa generell sehr schön. Los Angeles ist eine künstliche entstandene Stadt. Dort gibt es viele Viertel. So etwas wie eine Altstadt vermisse ich in LA. Deswegen finde ich es so schön, dass unser Laden jetzt mitten im Zentrum liegt. Wenn ich hier bin, gehe ich jeden Tag durch die Stadt gen Stadtkern. Das ist ein schönes Gefühl.

Gibt es so etwas wie eine Lebensmentalität, die Du aus Düsseldorf nach Amerika mitnimmst oder umgekehrt? Was ich aus Düsseldorf bzw. von meiner Ausbildung mit nach Amerika bringe, ist die deutsche Pünktlichkeit und Arbeitsmentalität. Das hat mich weit gebracht. Düsseldorf oder Deutschland allgemein kann etwas von der entspannten Offenheit der Menschen in Kalifornien vertragen.

Dein Tipp für ein bisschen California-Hollywood-Feeling in Düsseldorf? Skateboarding! 

Wir waren bereits in Cristian’s und Ante’s Skateshop Ceñtral zu Besuch. Schaut auch mal vorbei!

Ceñtral Düsseldorf
Kapuzinergasse 22
40213 Düsseldorf 

@centralduesseldorf
centralduesseldorf.com

Fotos: Lasse Rotthoff, CBS Studios
Text: Franka Büddicker
© THE DORF 2021/22

English version:

Hollywood and Kapuzinergasse, Californian West Coast and Croatian Adriatic, skateboarding and fashion. A mix of all these impressionistic descriptions has been in the old town since the beginning of the year in the form of the new skate shop “CEÑTRAL”. Together with his Colombian friend and business partner Cristian Granada Cardona, Ante Dekovic is one half of the new addition to Kapuzinergasse. It’s worth taking a closer look, though. Ante Dekovic comes from Croatia, lives in Düsseldorf and works in Los Angeles as a visual effects supervisor, among other things for the entire Star Trek series. He has already been nominated for two Emmys and won his first Emmy just last year. Ante tells us how he moved from the Rhineland to Hollywood and how he got his own skateboard shop in the old town. 

Where is the center of your life at the moment? At the moment I am in Los Angeles. My wife and my son also live there. From December to April we were in Croatia. We have our own apartment there. I grew up in Germany and spent a lot of time in Düsseldorf. I used to joke that I lived in Düsseldorf, came from Croatia and worked in Los Angeles. People were always confused. In the meantime, I’m more focused on one thing with my family. I think we will come back to Europe soon. 

Since when do you live in California and what brought you there? I’ve been living in Los Angeles since January 13, 2005. I can still remember the date exactly. I did an apprenticeship as a media designer in Cologne. That’s when I first came across visual effects and a great love for it developed. At that time there was nothing going on in Germany in this field. I knew that I had to go to Hollywood to work in this field. 

From the Rhineland to Hollywood – what happened next? Through a good friend of my mother, I got an internship at a production company in Los Angeles. That was my chance. I actively looked for jobs where I could work on visual effects, but it was very difficult. I had already given up hope when suddenly a good friend called me. She told me that Marc Weigert and Volker Engel were looking for people for a production. Volker Engel had won an Oscar for his effects on Independence Day. So they were big names. I had an interview in his office, with the Oscar in the background. I was super nervous. The advantage was that they were looking for people who came from the same background. I grew up in Germany and could speak German. That was good for me. I was then sent back to Germany to get an internship visa and a month later I started in LA. That’s how it all started. 

What does a classic working day look like at home in LA? The pandemic has changed the daily routine. Not long ago I was one of the two overall visual effects supervisors on Star Trek. Now the visual effects are so important that we have to be there from the beginning. We get the scripts and we’re on set. A working day lasts 15 hours. I sit with the director, the producers and the actors and make sure everything is shot right. It’s hard to explain something to someone that isn’t there. The actors see a green screen, but they have to treat it like a ten-foot creature, for example. 

How has the pandemic changed the way you work? We worked from home during the lockdowns. It was no problem for visual effects because we work with companies all over the world and everything was already done online. We were lucky. We were just finishing a shoot when CBS Films told us that from now on it’s home office. A lot of shows were hit hard, a lot of people lost their jobs. We then came up with a structure. There were meetings in the mornings and evenings and in between there was always communication. I have to say, I found that very pleasant. 

The list of movies you’ve been in is long. You’ve had two Emmy nominations and just won one. If someone had predicted that twenty years ago, would you have believed them? No, I wouldn’t have believed it. I grew up on Star Trek and I watched “The next Generation” when I was 9 years old. I thought it was rad back then. And now I get to sit with Patrick Stewart and Jonathan Frakes and work with them. I know Jonathan Frakes really well now, I can always call him if I need help. I had a guest role on the show myself. To be in a Star Trek suit is something special. 

Who or what is your biggest film idol? I have a few directors that I watch over and over again. Martin Scorsese, the more recent Tarantino films, Guy Ritchie and Luc Besson. My all-time favourite film has always been Terminator 2. That’s one of the first movies that used visual effects. At that time, I didn’t even know what visual effects were, i.e. things incorporated with the computer. That was in 1991. 

Is there any film you would have liked to have done the visual effects on? Yes, there are quite a few. The whole Terminator series and the whole Marvel Universe I would have loved to do. If I could work with Luc Besson and Guy Ritchie, that would be great. 

What do you like most about California? There’s a skate park on every corner and the weather is always good. We live in Marina Del Rey, which is next to Venice Beach. We’re right on the beach. The people are laid back. Sure, not everything is great in America and there is a lot of bad stuff, like joblessness and homelessness. Europe or Germany is more structured and social. But California is just Cali, really chilled out. 

You were born in Croatia and grew up in Düsseldorf. What is the best memory of your youth? I moved to Düsseldorf when I was nine years old. I spent 15 years here. I feel like a Düsseldorfer. I can’t pin down my best memory to one in particular. I spent my entire adolescence here, including my first party nights. I always find it nice to walk through the streets and go to the corners where I used to go often. It brings back memories. 

What do you miss about Düsseldorf when you’re not here? A few things. My skate friends, my school friends, my sister and my nephew. My parents recently moved back to Croatia. I think Europe in general is very beautiful. Los Angeles is a man-made city. There are a lot of neighborhoods there. I miss something like an old town in LA. That’s why I think it’s so nice that our store is in the middle of downtown now. Every day when I’m here, I walk through the city towards the downtown area. It’s a nice feeling. 

Is there something like a life mentality that you take with you from Düsseldorf to America or vice versa? What I bring from Düsseldorf or from my education to America is the German punctuality and work mentality. That has brought me a long way. Düsseldorf or Germany in general could use some of the relaxed openness of the people in California. 

Your tip for a little California Hollywood feeling in Düsseldorf ? Skateboarding! 

Get to know Cristian’s and Ante’s skateshop Ceñtral or drop by in the heart of the old town! 

Ceñtral Düsseldorf
Kapuzinergasse 22
40213 Düsseldorf 

@centralduesseldorf
centralduesseldorf.com

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