Armin Becirevic

Boxen, japanische Mangas und das Austesten eigener körperlicher Grenzen: Vor einem Jahr gründete der gebürtige Düsseldorfer Armin Becirevic mit Ippo seinen eigenen Boxclub und bietet seitdem Outdoor-Boxtraining an. Wie er selbst zu dem Sport gekommen ist, an wen sich Ippo richtet und was genau der bosnische Folklore-Tanz damit zu tun hat, erzählt er im THE DORF-Interview. 

Erzähl ein paar Worte über Dich. Wer bist Du und was steckt hinter dem Ippo-Club? 
Mein Name ist Armin Becirevic, ich bin 29 Jahre alt und gebürtiger Düsseldorfer. Ich bin lizensierter Boxtrainer, ehemaliger Amateurboxer und betreibe leidenschaftlich Boxsport seit meinem 15. Lebensjahr. Sport war schon immer ein wichtiger Bestandteil meines Lebens, das Boxen ist definitiv Numero Uno, aber ich spiele auch Basketball im Verein. Was mich neben dem Sport noch stark geprägt hat ist meine Affinität zu der japanischen Kultur und zu Mangas. Hinter dem Ippo Club steckt im Grunde eine Fusion meiner Leidenschaften, die ich zu meinem Beruf machen darf.

Der Ippo Club ist ein Boxclub, dessen Name inspiriert von dem japanischen Manga „Hajime no Ippo (はじめの一歩)“ ist. In der Geschichte geht es um einen Außenseiter namens Ippo Makunouchi, der mit dem Boxen begann, um sich der Frage zu widmen „Was bedeutet es stark zu sein?“. Hajime no Ippo bedeutet so viel wie „der erste Schritt“ ist aber im Kontext des Boxsports besser unter „Du musst Schritt für Schritt lernen“ zu verstehen. Das steckt für mich hinter dem Ippo Club und beschreibt gleichzeitig meine Philosophie als Coach. Traut euch und wagt den Schritt!

Wie bist Du zum Boxen gekommen?
Wie gesagt, Sport war schon immer fester Bestandteil meines Lebens. Als Teenager habe ich Fußball gespielt, daran aber recht schnell die Lust verloren. Ein Freund hat mich damals einfach mit zum Boxtraining genommen, dabei habe ich mir nicht viel gedacht – Hauptsache Action und keine Langeweile. Das ganze Setting und die Atmosphäre im Gym hat mich sofort begeistert, ich bin ab dem ersten Tag regelmäßig zum Training gegangen und wollte Teil dieser Community sein, was hauptsächlich an meinem Coach Kai lag. Ich bin als Anfänger ziemlich schnell in die Beinarbeit reingekommen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich als Kind bosnische Folklore getanzt habe, was mir ein gutes Rhythmus Gefühl und Leichtigkeit in den Füßen mitgegeben hat – die Grundlagen zum Boxen waren also irgendwie gegeben.

Was ist Deine Motivation hinter dem Boxen?
Mir selber Stärke zu beweisen. Sowohl mental als auch körperlich immer wieder aufs Neue über meine eigenen Grenzen hinauszugehen und mich selber der Frage zu widmen, was es eigentlich bedeutet, stark zu sein. Seien wir mal ehrlich! Wie ein Prototyp-Boxer sehe ich nicht aus, allerdings ist genau das das Schöne. Muckis müssen nicht gegeben sein, wenn Technik, Timing und Präzision miteinander harmonieren. Jeder kann Power entwickeln und stark sein! Und die „Underdog-Rolle“ gefällt mir persönlich ziemlich gut.

Warum Boxen, was gefällt Dir so daran?
Bei keiner anderen Sportart trainiert man in solch hohem Maße gleichzeitig Koordination, Kraft und Ausdauer. Die sportliche Herausforderung daran reizt mich. Am meisten aber gefällt mir definitiv die Community und die Dynamik beim Training selbst. Den Drive zu haben, gemeinsam in der Gruppe das harte Training durchzustehen, jedoch anders als bei klassischen Teamsportarten am Ende alleine im Ring zu stehen, Eins gegen Eins sein eigenes Können unter Beweis stellen zu müssen. Boxen ist eine der ehrlichsten und härtesten Sportarten – we don’t play boxing.

Wie kommt es zu dem Wechsel von Deiner Arbeit im Düsseldorfer Sneakerstore Afew zum eigenen Boxclub?
Parallel zu meiner Arbeit bei Afew habe ich meinen Trainerschein gemacht und schon lange vor Ippo als Coach in meinem alten Gym gearbeitet. Meine ersten Trainingseinheiten stießen schnell auf positive Resonanz, ich konnte den Sport offensichtlich gut vermitteln. Nach 6,5 Jahren Afew hatte ich unabhängig davon einfach Lust auf was Neues. So konnte der Gedanke, meine Leidenschaft zum Boxen zu meinem Beruf zu machen, reifen.

Ich hatte das Bedürfnis, dem Boxsport in Düsseldorf eine Plattform zu geben, auf der dieser Sport frei von seinen Klischees (mit denen Kampfsport generell noch stark behaftet ist) stattfinden kann. Ich bin sehr dankbar für das, was der Sport mir damals gegeben hat, weswegen für mich klar war, dass ich das in irgendeiner Form zurückgeben möchte. In der Rolle als Coach in meinem eigenen Boxclub finde ich dahingegen Erfüllung.

Seit wann gibt es den Ippo-Club?
Seit gut einem Jahr.

Wie sieht Dein*e typische*r Kund*in aus?
Gemischte Tüte. Nein, wirklich. Jedes Ippo-Member steht für sich selbst und keines gleicht dem anderen. Der Club hat eine schöne Form von unterschiedlichen sehr starken Charakteren angenommen, das macht mich stolz.

An wen richtet sich der Ippo-Club?
An alle, die keine Scheu haben, was Neues auszuprobieren. Anfänger sind herzlich willkommen und davon gibt es viele im Club. Ippo richtet sich aber gleichermaßen an bereits erfahrene Kampfsportler, die ihre vorhandenen Skills in kleinerem Rahmen intensivieren möchten. Ippo richtet sich an jeden der Bock hat, körperlich und mental an seine Grenzen zu gehen und dabei biete ich Support.

Welche Kurse bietest Du an?
Aktuell sind wir noch nicht soweit, dass wir einen Kursplan anbieten können, Ippo steckt noch in den Kinderschuhen. Es gibt Personal Training einzeln oder in kleinen Gruppen. In naher Zukunft wird es zum Einzeltraining auch Gruppen-, Frauen-, Zirkeltrainings und Waldläufe geben.

Wo finden Deine Trainingseinheiten statt?
Hauptsächlich Outdoor an verschiedenen Orten innerhalb der ganzen Stadt. Abends finden einzelne Sessions auch Indoor in einem Trainingsraum der Physiopraxis Hammes statt. Wir sind mit allen Kräften auf der Suche nach einem geeigneten Objekt, wo wir mit Ippo stationär werden können. Das gestaltet sich derzeit schwieriger als erwartet – was zum einen daran liegt, dass Düsseldorf kaum Raum für Kultur und Freizeit bietet, weil freie Flächen oder Hallen zu Wohnraum umgebaut werden, leider aber auch an den Vorurteilen, die viele Vermieter und Anwohner noch gegen den Boxsport und „das zwielichtige Millieu“ hegen. Wir lassen uns aber nicht entmutigen und suchen weiter nach dem perfekten Ippo Gym. Falls jemand jemanden kennt der was kennt…

Für alle, die gerne mit dem Boxen anfangen würden, sich aber nicht trauen: Was sind Deine exklusiven Tipps für Boxanfänger*innen?
Ganz ehrlich: Solange du Rechts und Links voneinander unterscheiden kannst, wirst du klarkommen. Ippo Ippo – Schritt für Schritt.

Neben dem Boxen: Was sind Deine Leidenschaften?
Leidenschaften fände ich übertrieben. Ich glaube, davon hat man im besten Fall nur eine richtige. Was mich neben dem Boxen noch begeistert sind Basketball, Mangas, Schach.

Mit welchem Boxer, welcher Boxerin würdest Du gerne einmal in den Ring steigen?
Roy Jones! Eine wahre Legende mit einem ganz besonderen Blick auf das Fight Game. Ich würde in drei Runden so viel lernen, der Input wäre unglaublich wertvoll.

Was ist Dein Lieblingsort in Düsseldorf?
Bei Mama natürlich! Keine Sorgen, bosnische Spezialitäten und gute Gespräche bei Kaffee und Kuchen.

Was bringt die Zukunft?
Wer weiß das schon? Wünschenswert wäre für mich jedenfalls mit Ippo eine Möglichkeit zu bekommen mich irgendwo in der Stadt niederzulassen, um einen Ort des Austausches zu schaffen. Jeder soll jederzeit neben den regulären Trainingseinheiten vorbeikommen können, um andere Ippo Member zu treffen, sich auszutauschen, Fights zu gucken oder einfach um abzuhängen. Wenn die Zukunft einen solchen Zufluchtsort bringen würde wäre ich happy happy.

Interview: Franka Büddicker
Fotos: aboycalled7daysisaweekend
Bildbearbeitung: Lucas Heider
© THE DORF 2021

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