EIN TAG MIT La Cucina di Casa

Wir treffen Monica Riboni und Valeria D’Amico an einem Mittwochmorgen in Düsseldorf-Düsseltal in der Wohnung von Monica. Die beiden Italienerinnen sind mit ihren Männern und etwa 30 weiteren Familien aus Mailand nach Düsseldorf gekommen, als das Unternehmen der Männer nach Düsseldorf umzog. Seit einem Jahr etwa geben die beiden Frauen italienische Kochkurse und können als ‚Chef-at-Home‘ gebucht werden. Sie kochen dann zusammen mit ihren Gästen italienische Spezialitäten ‚A la Nonna‘ – nach Großmutters Art.

Die beiden jungen Mütter besuchten Deutschkurse und sprechen mit einem hinreißenden italienischen Akzent, während sie in der Küche umherschwirren und Kaffee in kleinen, herrlich kitschigen Tässchen servieren. Überhaupt, die Wohnung von Monica ist ein Sammelsurium an beneidenswerten Fundstücken – vom Flohmarkt, wie die beiden nicht müde werden, zu betonen. Sie kommen geradezu ins Schwärmen.

THE DORF: Wo sind die ganzen hübschen Dinge her?
M: Alles vom Flohmarkt! Die Flohmärkte in Deutschland sind viel besser als die in Italien. Es gibt viel günstigere Schnäppchen. In Italien gibt es auf dem Flohmarkt nur Antiquitäten, aber die kosten dann auch entsprechend.

V: Wir bringen auch immer alle Besucher aus Italien mit auf den Flohmarkt. Die sind dann auch so begeistert wie wir.

TD: Also, vielen Dank für die Einladung. Was gibt es denn heute?
M: Es gibt zuerst Antipasti. Das sind Zwiebeln gefüllt mit einer Paste aus Semmelbröseln, Kapern, Oliven, Thunfisch und Sardellen. Dann kommt ein Oktopussalat mit Fenchel, den habe ich schon heute morgen vorbereitet, weil der Oktopus viel Zeit braucht. Als Hauptspeise gibt es Pasta, selbstgemacht natürlich, mit Safran, Lauch, Kartoffelcreme und Garnelen. Und das Dessert ist eine Panna Cotta mit Orangencreme, Schokosoße und Karamell-Crumbles.

TD: Wow. Oha. Sorry für die generische Frage, aber: Wie schafft ihr es, dünn zu bleiben?
V: Ich esse alles, aber nicht übermäßig viel davon.

M: Ich liebe essen und werde bestimmt irgendwann einmal dick (lacht).

TD: Erklärt doch mal bitte, wie genau läuft das ab, wenn man ‚La Cucina di Casa‘ bucht? V:Das kommt darauf an, was man bucht: Wenn wir als ‚Chef-at-Home‘, oder ‚Book a Cook‘ zu jemandem kommen, bewirten wir Gäste in den eigenen vier Wänden. Dabei liegt unser Fokus auf der regionalen italienischen Küche und ihren traditionellen Rezepten, die wir seit Kindertagen kennen. Unsere Mütter und Großmütter haben diese Rezepte an uns weitergegeben, die bereits seit Generationen bestehen. Gemeinsam mit dem Gast stellen wir ein Menü zusammen. Im Anschluss kümmern wir uns um alles Weitere; vom Einkauf über das Kochen bis hin zum Tisch decken und servieren. Alles, was wir dazu brauchen, ist eine Küche.Die Gäste können sich gemeinsam mit Ihren Gästen entspannen und genießen. Natürlich sind die Gäste auch in der Küche willkommen und können uns beim Kochen in die Töpfe und Pfannen schauen.

M: Bei den Kochkursen, die wir geben, gehen wir gemeinsam auf eine kulinarische Entdeckungsreise durch die kleinen, wohl gehüteten Geheimnisse der regionalen italienischen Küche. Das gemeinsame Kochen macht großen Spaß und wird durch das gemeinsame Genießen belohnt und abgerundet. Die Kochkurse eignen sich für Freunde, als Team-Event oder auch für Leute, die einfach nur gerne mit anderen Menschen kochen. Das Menü wird im Vorfeld festgelegt, so dass für jeden Geschmack das Richtige dabei ist. Das Motto heißt: Jeder darf mit anpacken. Wir wollen nicht vor den Leuten stehen und erzählen. Die Leute sollen mitmachen, damit sie etwas lernen – es gibt für jeden etwas zu tun. Wir sind aber keine Profis. Wir kochen das, was es bei unserer Nonna und bei Mama zu essen gab, und was wir in Kochbüchern finden, aber eben mit viel Leidenschaft.

TD: Was war Euer Lieblingsrezept von Eurer Nonna?
M: eine Oma hatte etwa drei Rezepte, die sie immer sonntags gemacht hat. Das waren: Gnocchi, Polenta mit Brasato – Brasato ist ein Rinderbraten – und Risotto. Risotto ist ganz klassisch in der Region, aus der ich komme, der Lombardei.

V: Mein Lieblingsrezept meiner Oma waren Ravioli mit Ricotta und Spinat, das gab es jeden Sonntag. Das war auch das erste Rezept, das ich von ihr gelernt habe. Da war ich wahrscheinlich so etwa 16 Jahre alt.

TD: Und dein erstes Rezept, Monica?
M: Mein erstes Rezept war, glaube ich, Gnocchi. Meine Oma hatte sechs Enkel. Sie hat den Teig vorbereitet und wir kamen immer eine Stunde früher, um für die vierzehnköpfige Familie die Gnocchi zu rollen.

TD: Was ist die typische Küche Eurer Heimatregion?
M: Für Mailand, beziehungsweise die Lombardei, ist Polenta typisch. Das bekommt man selten in Deutschland. Obwohl es ein ganz essentielles italienisches Rezept ist. Vor allem als Creme, bei uns kommt zum Beispiel ein Stück Käse in die Mitte. Was nach dem Essen übrig bleibt, wird geschnitten und am nächsten Tag gegrillt oder gebacken. Valeria macht auch tolle Gnocchetti Sardi – das kochen wir oft in unseren Kursen, weil es viel Arbeit ist und dann jeder dabei etwas zu tun hat. Wir bereiten das mit einer Salsiccia-Tomatensauce zu. Salsiccia ist eher schwer zu finden hier – aber bei Andronaco in Köln bekommen wir welche. Auch bei Saitta in Düsseldorf, die haben tolle Produkte – sind aber leider recht teuer.

V: Ich komme aus Cagliari, Sardinien. Wir essen viel Fisch dort. Wir machen auch oft Fregola, das ist eine kleine Pasta, fast wie Couscous, oder wie eine Suppe zubereitet, mit Fisch.

TD: Wo kauft ihr sonst Eure Zutaten?
M: Fisch kaufen wir bei Metro. Auch bei Centro, aber die sind leider jetzt nach 30 Jahren von der Ackerstraße weggezogen, weil der Vertrag ausgelaufen ist. Auf der Nordstraße gibt es noch einen Laden und der neue Laden eröffnet auf der Königsberger Straße.

TD: Was hat Eure Mama oder Nonna gemacht, wenn ihr krank wart?
M: Hmm. Lass mich überlegen… Pastina. Das ist Suppe mit sehr kleinen Nudeln, zum Beispiel kleine Sterne. Hausgemachte Brühe mit diesen kleinen Pastina gibt es für kranke Kinder.

V
(püriert etwas am Herd): Meine Mama hat frisch gepressten Orangensaft gemacht. Das ist natürlich super gesund.

M: Ja, oder warme Milch mit einem Schluck Alkohol, zum Beispiel Grappa. Für den Hals – das macht alles besser. (lacht)

TD: Was ist für Euch typisch deutsch?
M: (knetet nebenbei den Teig für die Pasta): Hier gibt es immer Regeln. Aber das ist gut. In Italien gibt es auch Regeln, aber man befolgt sie nicht unbedingt. Wir sind da etwas flexibler (lacht). Manchmal ist das gut und manchmal nicht. (Monica ist fertig mit dem Teig): So, der Teig muss jetzt ruhen.

TD: Was war Eure erste Reaktion, als Eure Männer Euch sagten, dass ein Umzug nach Düsseldorf ansteht?
M: Ich hatte Angst. Ich habe in Mailand in einer Agentur gearbeitet und wollte sie nicht verlassen. Aber dann war ich schwanger und habe mir die Stadt angesehen und ich fand es sehr schön hier. Düsseldorf ist super für Kinder und für Familien. Was meinst du, Vale?

V: Ich finde es auch super hier. Ich vermisse nur die Sonne und das Licht.

M: Ja, das Wetter kann man nicht ändern. Aber im Sommer gibt es ja auch viel Sonne hier. Ich habe kein Problem mit der Kälte, in Mailand wird es auch kalt. Aber der Regen stört mich schon.

V:
Am Anfang war es schwer mit der neuen Sprache. Wir haben jeden Tag einen Intensivkurs besucht. Und es war schwer, neue Freunde zu finden, weil wir eine große italienische Community waren und es kaum Möglichkeiten gab, Deutsche kennenzulernen. Jetzt, nach sechs Jahren, ist alles einfacher.

TD: Wollt ihr irgendwann zurück nach Italien?
M (rollt den Teig für die Pasta aus): Vielleicht als Rentner. Dann kochen wir Marmelade und legen Konserven ein. (Lacht) Nein, im Ernst. Wir haben die Wohnung hier gekauft, wir haben vor, hier zu bleiben.

V: Es gibt viele Vorteile hier. Die Kinder sprechen zwei Sprachen, einfach so.

M: Und wir sind auch menschlich gewachsen. Wir haben viele Leute aus anderen Kulturen kennengelernt, ich glaube, das wäre in Italien nicht passiert. Für unsere Kinder ist es normal, in einer internationalen Umgebung aufzuwachsen und das freut mich.

TD: Das Messer ist ja auch sehr schön, wo ist das her?
M (schneidet die Pasta, Valeria verteilt sie auf einem großen Sieb und bestäubt sie mit Mehl): Das habe ich aus Japan mitgebracht. Ich reise sehr gerne und immer wenn mein Mann und ich eine Reise machen, bringe ich etwas mit, was in meiner Küche bleibt. Und auch Rezepte und Inspirationen bringe ich von dort mit. In Mailand gibt es auch einen Sterne-Japaner, der italienische und japanische Küche vereint. Ich komme gleich auf den Namen (kurze Pause, sie googelt auf ihrem Handy): Tokuyoshi. Ich würde gerne so eine Fusion-Küche zu finden, zwischen deutsch und italienisch zum Beispiel. Mein Traum ist es, eine deutsche Oma zu finden, die mir beibringt, deutsches Essen zu kochen. (lacht)

MORGENS

Guten Morgen – wo trinkst Du morgens Deinen Espresso in der Stadt, um wach zu werden?
M: Bazzar Caffe.
V: Ich trinke keinen Espresso.

Zum Sonntags-Brunch und ausgedehnten Frühstück trifft man Dich…
V: Rosie’s
M: Hausmanns

MITTAGS

Lecker, gesund und frisch lunchen gehst Du in Düsseldorf…
M: Kontor in der Carlstadt
V: Moskito am Brehmplatz für Schnitzel

NACHMITTAGS

Deine Lieblingsroute zum Spazierengehen, Schlendern, Kopf-Frei-Kriegen:
M: Am Rhein entlang auf der Oberkasseler Seite
V: Im Zoo-Park

Drei Plätze in Düsseldorf, die Du Deinen Gästen unbedingt zeigen musst:
M: Wochenmarkt am Carlsplatz, Hofgarten, Nordstraße und Hafen
V: die Flohmärkte und die Weihnachtsmärkte.

Zum Kaffeeklatsch mit Küchlein & Co. trifft man Dich hier:
M: Cheesecake Gallery
V: In Gerresheim haben wir eine neapolitanische Konditorei gefunden: Nu poc’e’Napule – dort gibt es authentische italienische Süßigkeiten, aber auch Pizza und Torten.

ABENDS

Wo verbringst Du am allerliebsten einen gemütlichen Abend mit Freunden oder der Familie?
M: Ich gehe mit der Familie gerne griechisch essen. Zum Beispiel bei Askitis oder Taverne Rhodos. Wir essen gerne Fisch und die Griechen bereiten Fisch so zu, wie die Italiener. Mit Freunden gehe ich gerne ins Em Brass. Di Napoli für Pizza am Samstagabend.
V: Ich esse auch gerne japanisch, bei Yabase, Kikaku oder Naniwa.

Welches Restaurant repräsentiert für Dich am meisten den typisch-charakteristischen Geschmack von Düsseldorf?
M: Hausmann’s.
V: Zum Schiffchen.

Ein Restaurant, wo Du immer mal hinwolltest, aber noch nie warst:
M: Tante Anna und Nenio
V: Die Sennhütte – das wollen wir beide schon lange einmal machen.
M: Stimmt.

Dein Lieblings-Altbier:
M & V: Schlüssel

NACHTS

Deine Lieblingsbar oder Dein Lieblingsbartender sind:
M & V: LiQ Bar und Pechmarie

Dance the night away! Getanzt wird hier:
M (müdes lächeln): Ich war zweimal im Salon des Amateurs. Das war wirklich schön. Aber wir gehen nicht mehr so oft tanzen.
V: Ich bin immer zu müde. (lacht)

IMMER

Wo und wann fühlst Du Dich wie ein „richtiger Düsseldorfer“?
M: Beim Brunchen – Ab der Fisch oder Löffelbar
V: Auf den Rheinterrassen im Sommer!

Was vermisst Du an der Stadt, wenn Du nicht in Düsseldorf bist?
M: Die japanischen Restaurants.
V: Altbier.

Könnte man Düsseldorf essen, schmeckt es nach…
M: Rouladen.
V: Sauerbraten.

STIL

Wo suchst & findest Du Möbel für Deine Wohnung?
M & V: Die Flohmärkte Aachener Platz und Obi-Gelände.
V: Riviera Maison und bei Wandel Antik.

Deine Top 3 Shopping-Adressen in Düsseldorf?
M: Cucina, Selekteur, Kleidsam.
V: Spielschiff. Das ist auch wichtig für zwei Mütter – die haben dort sehr schönes Holzspielzeug.

Der beste Ort, um Leute zu beobachten?
M & V: Königsallee am Samstag.

ALLGEMEIN

Was ist dein Lieblingsessen?
M: Tagliatelle al Ragu.
V: Pizza Margherita, neapolitanische Art.

Welches Buch liegt aktuell auf dem Nachttisch?
M: Ein Buch von Jo Nesbø und Kochbücher.

Welchen Kinofilm hast Du zuletzt gesehen?
M: (lacht) Muss ich das wirklich sagen? Coco. Er war aber wirklich schön. Wir hatten Spaß.

Für welchen Verein schlägt dein Herz?
M: Juventus.
V: Cagliari

Text: Barbara Russ
Fotos: Melanie Zanin
© THE DORF 2018/19

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