Shev Lunatic

Name: Yevgeniya Shevchuk
Geburtstsort: Kiev, Ukraine
Beruf: freischaffende Künstlerin & Tätowiererin
Alter:  24 Jahre

Wohnort: Düsseldorf
Webseite: www.shev-lunatic.com
Instagram: @shev_lunatic

Bevor ein Kind lernt, zu gehen, lernt es zu tanzen. Bevor es lernt, zu sprechen, lernt es zu singen. Und eigentlich sind wir alle Künstler, das hat bereits Joseph Beuys gesagt. Die Kunst ist etwas, was von Natur aus sehr tief in uns Menschen verankert ist. Yevgeniya Shevchuk, aka Shev Lunatic, hat sich genau das zum Beruf gemacht: ihre Arbeit ist eine Reflektion ihrer selbst, eine Persönlichkeitsreise. Und dabei kennt sie keine Regeln.

Die 24-jährige Porträtkünstlerin kombiniert verschiedene Techniken, von klassischer Malerei bis zum Graffitisprühen, um ihren Bildern das Unerwartete zu verleihen. Inspiriert von Künstlern wie Dali oder Banksy, möchte auch Yevgeniya neue Perspektiven darstellen. Regeln brechen, sich selbst keine Limits setzen. Daraus ergeben sich vielschichtige Porträts, die oft mehrere Stile vereinen, und immer eine gewisse Dynamik hervorbringen.

Betrachtet man ein Werk von Shev Lunatic, so braucht man eine Weile, alles zu erfassen. Ein junges Mädchen versteckt sich hinter einer großen Sonnenbrille. Es ist Mathilda aus dem Thriller „Léon, der Profi“. Sie hält eine Waffe in der Hand, aber statt Kugeln springen Blumen aus ihr heraus. Die Blumen verlaufen. Mathildas Körper verläuft. Man hat Fragen. Genau das ist die Absicht der Künstlerin: sie möchte den Betrachter herausfordern. Dinge zu hinterfragen, sich intensiver mit dem zu beschäftigen, was wir sehen und erleben.

Dann sind da die Emotionen. „Menschliche Emotionen sind für mich ein sehr wichtiger Faktor, weil diese uns ein Leben lang begleiten und einen großen Einfluss auf unseren Lebenslauf nehmen. Sie ergeben eine Lehre, eine Schlussfolgerung, ein Wachstum. Und eine Entwicklung zur besten Version seiner selbst“, erzählt Yevgeniya. Mit ihrer Kunst möchte sie zuerst unsere Emotionen ansprechen. Weil diese bleiben und uns Menschen verbinden.

Die Komplexität, die die Düsseldorferin in ihren Bildern zeigt, repräsentiert die vielen Schichten ihrer Person. Ihre Gedankenwege, ihre gesamte innere Welt. Yevgeniya ist mit drei Jahren von der Ukraine nach Düsseldorf gekommen und trägt bis heute beide Nationalitäten in sich. Daraus formte sie sich schon früh ihre ganz eigene Identität, die nicht nur beide Kulturen, sondern von allem ein bisschen beinhaltet.

Wenn sie sagen, Du bist zu laut, dann zeig ihnen, wie laut Du bist! Wenn sie sagen, Du bist zu big, zeig ihnen, wie big zu bist! – Shev Lunatic

Bereits als Kind wird Yevgeniyas Talent zur Kunst damals entdeckt. Mit fünf Jahren begann ihre Familie, ihr Talent zu fördern. Das bedeutete neben der Schule Privatunterricht von verschiedenen Künstlern und Kunstlehrern, die ihr die klassische Malerei und Zeichnerei beibrachten. Nach der Schule studierte Shev Grafikdesign und lernt das Graffitisprühen. Und Make-Up. Und später dann das Tätowieren. Seit Mai 2019 ist sie die Tätowiererin bei Langschmidt, dem Barbershop in Flingern. In ihren Bildern kombiniert sie heute alle ihre Werkzeuge und kreiert einen Mix, der genauso vielfältig ist wie sie selbst.

Aufgewachsen ist die junge Künstlerin in Düsseldorf. Hier sei die Kunstszene noch in einer Entwicklungsphase, erzählt sie. Wie auch in anderen Ländern weltweit, dominiert noch häufig der Luxusmarkt. „Was mir in Düsseldorf noch fehlt, ist die alternative Kunstszene. Sie ist da, definitiv, aber sie steckt noch in den Kinderschuhen.“ Trotzdem nehme die alternative Entwicklung in Düsseldorf seit einigen Jahren zu. Das bietet aufstrebenden Künstlern wie Shev Lunatic natürlich eine neue Freiheit, Dinge zu erschaffen, die es bis jetzt noch nicht in Düsseldorf gab. „Ich wurde zwar nicht immer mit offenen Armen, aber zumindest mit offenen Ohren empfangen“, erzählt Shev. Sie weiß das zu schätzen, denn diese Offenheit ist viel wert.

Anders als andere Künstler scheut sich Yevgeniya nicht, in Zukunft auch in den kommerziellen Bereich einzutauchen. Der Kommerz bedeutet eben nicht immer eine Verfälschung des Künstlers. Gerade in der heutigen Zeit heißt es immer häufiger: be different, be yourself. Eine Kollaboration mit den passenden Marken würde ihr die Möglichkeit geben, genau diese Botschaften zum Ausdruck zu bringen und uns alle damit zu inspirieren.

Guten Morgen, wo trinkst Du morgens Deinen Espresso in der Stadt, um wach zu werden? Ich trinke keinen Kaffee. Wenn ich mal einen Tee trinken möchte, dann am liebsten bei Birdie & Co.

Lecker, gesund und frisch lunchen gehst Du in Düsseldorf… Ich bin ein großer Fan der asiatischen Küche und am liebsten gehe ich zu An Banh Mi. Auch der Carlsplatz hat sehr viele gute Optionen für einen leckeren Lunch.

Drei Plätze in deiner Stadt, die Du Deinen Gästen unbedingt zeigen musst: Das wäre zum einen selbstverständlich der Hafen, zum anderen die Kiefernstraße mit seinen Bäumen und das wäre meine Heimat Benrath mit dem Schlosspark und dem rosa Schloss.

Wo verbringst Du am allerliebsten einen gemütlichen Abend mit Freunden oder der Familie? Zuhause oder in einer gemütlichen Bar in der Altstadt. Die Zicke ist zum Beispiel ein super Laden, da kann man schön gemütlich einen Wein trinken.

Ein Restaurant, wo Du immer mal hinwolltest, aber noch nie warst: Ich war tatsächlich schon überall, wo ich hinwollte. 

Dein absoluter Gastro-Geheim-Lieblings-Spot, den Du hier mit allen teilen möchtest? Eine absolut geniale Küche gibt es bei An Banh Mi. Dann gibt es noch das Yogi, ein Koreaner am Hauptbahnhof. Und das Em Brass.

Ein ganz besonderes Ereignis oder Begegnung in Düsseldorf? Davon gibt es unendliche viele, da ich hier in der Stadt groß geworden bin. Jede Begegnung, die ich mit meinen bis dato engsten Freunde hatte, war eine sehr besondere. Eine der tollsten Begegnungen in der letzten Zeit war mit dem kleinen Sohn meiner engsten Freundin, der vor einem Jahr geboren wurde.

Gibt es Plätze oder Orte in Deiner Stadt, die Dich in Deinem Job inspirieren? Der Hafen mit seinem phänomenalen Flair. Ich bin auch sehr gerne in Flingern, ich mag die alternative Atmosphäre dort sehr gerne. Es ist aber einfach an sich die Stadt, weil ich zu Düsseldorf eine enge Verbindung habe. Egal, in welche Ecke ich gehe, es gibt dort immer eine Erinnerung und die ist dann sehr inspirierend, daran erinnert zu werden

Deine Top 3 Shopping-Adressen weltweit? Uniqlo, Wasted Paris und All-Saints. Und COS.

Gibt es Düsseldorfer Designer oder Künstler, die Du besonders schätzt und wenn ja, warum? Die beiden Jungs von Kunstraub, einem Düsseldorfer Street-Art Duo. Die schätze ich sehr als Personen, weil sie genau den für mich wichtigen Spirit in der Kunstszene repräsentieren: einander unterstützen und eine offene Community sein, statt Konkurrenzkampf. Dieser Support der beiden inspiriert mich ungemein.

Was ist Dein Lieblingsessen? Meine Lieblingsküche ist definitiv die asiatische. Ich esse zudem gerne italienisch oder auch mal deutsche Hausmannskost.

Wo oder wobei kannst Du am besten entspannen? Bei allem, was mit Selfcare zu tun hat: mit guter Musik oder im Spa, bei einem Moment für sich oder bei einem guten Gespräch mit Freunden.

Dein Lieblingsreiseziel ist? Ich lerne immer gerne neue Städte oder Orte kennen, grundsätzlich interessieren mich aber vor allem Städte, die viel Kunst- und Kulturgut haben. Wie Paris, Mailand oder Berlin.

Welches Buch liegt aktuell auf Deinem Nachttisch? Die Autobiografie von Edith Piaf. Künstlerische Entwicklungsprozesse finde ich immer sehr inspirierend.  

Welchen Kinofilm hast Du zuletzt gesehen? Ich bin kein regelmäßiger Kinogänger.

Dein All-Time-Favorite-Movie? Das Parfüm, Big Fish oder die Tim Burton Klassiker.

Aktuell läuft auf Deiner Playlist? Ich habe eine Playlist meiner Lieblingssongs mit über 1000 Liedern, die wöchentlich ergänzt werden. Da findet man von Oper bis Filmmusik über Gangster-Rap hinzu Techno alles. Ich bin nicht der Typ, der sich auf ein Genre festlegt. Ich bin völlig offen.

Dein All-Time-Favorite-Song? Maggot Brain von Funkadelic.

Vielen Dank!

Text: Philin Peters
Fotos und Video: Max Falk, Shian Bang, Vinh Vu
© THE DORF 2019

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