THE COLORFUL WORLD OF SOPHIE RAMIREZ aka Soffpoffsharedlove

Name: Sophie Ramirez
Beruf: Multimediakünstlerin
Ausbildung:
Studentin der Kunstakademie Düsseldorf

>>Please scroll down for English version!<<

Bei Sophie Ramirez ist alles Kunst. Die Multimediakünstlerin residiert in einer bunten Traumwelt, organsiert Fotoshootings auf Gemüseackern und in Supermärkten und trägt dabei selbstdesignte Kleidung. Ihre große Mission ist es, Kunst vom Sockel zu heben und für alle zugänglich zu machen.

Herzchenkette, pinkes Metallic-Minikleid, goldene Handschuhe und eine Glatze: Wer mit Sophie Ramirez aka Soffpoffsharedlove durch Düsseldorf spaziert, verursacht einen kleinen Menschenauflauf. Autos bleiben stehen, Fremde machen Komplimente, Kinder fragen nach ihrem Namen. Und sehr viele machen Fotos. Manche ganz diskret von der anderen Straßenseite oder heimlich im Vorbeigehen, andere kommen zu ihr und fragen, ob man ein gemeinsames Selfie machen darf. Ungefähr so muss es sein, wenn man mit einem Hollywoodstar unterwegs ist. Ihr experimenteller Stil ist sogar für unsere Modehauptstadt einzigartig.

Aber wer sie schon mal in XXL-Hoodie und Schlabberhose gesehen hat, weiß, dass nicht nur ihr Styling die magnetische Anziehungskraft ausmacht. Irgendwie hat diese junge Künstlerin eine besondere Ausstrahlung, eine Art Aura um sich herum. Das erste Mal traf unsere Redakteurin sie vor einigen Jahren bei einer Ausstellung, als sie einen Radiobericht über einen Wassertank machte, in den man sich reinlegen und dann in absoluter Dunkelheit und Stille in warmem Salzwasser liegen kann. Eine Arbeit des Düsseldorfer Künstlers Till Bödeker. Sophie zog ihr pink-goldenes Winteroutfit aus, stieg über eine kleine Leiter hinein und ließ die Welt und alle Sinneseindrücke für eine Stunde hinter sich. Eine intensive und sehr persönliche Selbsterfahrung, bei der sie feststellte: „Je weniger um einen herum passiert, desto mehr passiert in einem drin.“

Die Kunstakademie ist wie ein Piratenschiff in dieser sehr aufgeräumten Stadt.

Erfahrungen und Gefühle aus dem Innersten präsentiert Sophie Ramirez mutig der Welt: „Ich habe keine Lust mich selbst zu verleugnen, nur weil damit Konfrontationen einhergehen, die vielleicht anstrengend sind.“ Bunt sei sie schon immer gewesen, erzählt die Künstlerin, und dementsprechend ist sie auch schon immer extrem aufgefallen. Dass sie von Fremden bei diesem Ausleben fotografiert wird, empfand sie früher als Grenzüberschreitung. Jeder der schon mal gemerkt hat, dass er heimlich fotografiert wird, kann das wahrscheinlich gut nachvollziehen. Wir sind zwar bewusst in der Öffentlichkeit unterwegs, fotografieren alles um uns herum und teilen es auf Instagram, aber ungefragt geknippst zu werden, ohne zu wissen wer die Person hinter der Linse ist und was sie mit unserem Abbild anfängt, ist ganz schön unangenehm.

Sophie erzählt, dass sie solche negativen Gefühle bewusst umkehren möchte: „Ich denke immer, dass es wichtig ist sich mit unangenehmen Situationen zu konfrontieren, um die Angst davor aufzulösen.“ Also rief sie beim Rundgang das „Paparazzi Game“ aus und forderte über Plakate dazu auf, sie zu fotografieren und die Bilder auf Instagram hochzuladen und ihren Account zu markieren. Unzählige Besuchende nahmen teil und markierten sie in Storys und Beiträgen. Es entstand ein kollektives Kunstwerk, bei dem jeder zum Künstler wurde.

Ich habe irgendwann für mich entschieden, dass ich mich nicht verstellen kann und nicht verstellen möchte.

Vor einigen Monaten hat unsere Redakteurin Sophie zufällig am Bahnhof wiedergetroffen. Im beige-braunen Standard-Starbucks stand sie in einem ihrer pinken Metalliclooks an der Kaffeeausgabe. Seitdem stehen die beiden regelmäßig in Kontakt. Das heißt, man bekommt auch mal einen langen handgeschriebenen Brief nach Hause geschickt und ihr Magazin „SOFF“ mit Tagebucheinträgen, Gedichten und privaten WhatsApp-Chatverläufen. Kunst ist für sie ein Schutzraum, in dem sie Dinge ausprobiert und hinterfragt. Und daran lässt sie jeden teilhaben, denn ihr Ansatz ist, Kunst von Hemmschwellen zu befreien und für alle zugänglich zu machen.

Zum Beispiel mit einem Fotoshooting in der Garage ihrer Eltern. Dort hat sie vor ein paar Jahren ein buntes Set mit Blumen und Gemüse aufgebaut und sich dann eine Woche vor die Garage gestellt. Alle, die zufällig vorbeikamen, wurden gefragt, ob sie an dem Kunstprojekt teilhaben wollen. Anthropologische Feldforschung nennt sie diese Aktion. Die meisten sagen zu und posieren zwischen Fantasieblumen und großen Rotkohlköpfen, dem Lieblingsgemüse der Künstlerin: „Ein Rotkohlfeld ist ein heiliger Ort für mich. Während des Wachstums kommen so viele Farben zusammen. Die ganze wahrnehmbare Farbpalette ist in diesem Kohlkopf drin.“ Sie erzählt, dass sie sich wie eine Fee fühlt, wenn sie durch das Farbenmeer spaziert.

Als Fee war sie auch mal beim Rundgang an der Kunstakademie unterwegs, der ein oder andere erinnert sich vielleicht daran. Rotkohlköpfe tauchen immer wieder in ihrem Werk auf. Sie erzählt, dass sie bewusst Dinge im Alltag sucht, die wir gar nicht als etwas Besonderes wahrnehmen: „Ich suche mir immer Sachen raus, die gesellschaftlich nicht wertgeschätzt werden und versuche sie so zu kontextualisieren, dass man einen anderen Bezug dazu entwickeln kann.“

Vor ein paar Wochen war unsere Redakteurin das erste Mal in Sophies Wohnung. Auf einer langen trubeligen Straße steht ein Haus, das von außen normal, also ziemlich langweilig aussieht. Versteckt hinter der Wohnungstür öffnet sich ein kleines Universum, ein Gesamtkunstwerk, in der wirklich jeder einzelne Gegenstand die unbändige Farbenpassion der Künstlerin zeigt. Während man aus einer handgetöpferten Tasse einen Biokräutertee trinkt, kann man sich in den blauen Poolwellen auf dem Küchenboden verlieren. Diesen PVC-Boden vermutet man vielleicht auf einem Messestand der Boot. Hier liegt er ganz selbstverständlich in der Küche.

Die Klingen ihrer Schneidemesser wurden mit einem Hitzeverfahren blau-lila eingefärbt, die stockbiederen Holzschränke sind mit Neonfarben und Tribals bemalt. Vor dem rosafarbenen Baldachin über ihrem Bett schwingt eine blumenumrankte Schaukel. Und selbstverständlich gibt es hier auch genügend Rotkohl. Er schmückt die Wände und den silbern bemalten Kleiderschrank. Nur „Ich“ ist als einziger in der ganzen Wohnung nicht bunt. Die weiße Schlange residiert in einem liebevoll eingerichteten Terrarium im Schlafzimmer. Vorher hatte sie ein Meerwasseraquarium, dass sie aber aufgeben musste. Zu komplex und zeitaufwendig war das Biotop in dem Salzwasser. Mit einem kleinen Musikvideo hat sie sich von dem Ausflug in die Aquaristik verabschiedet. Wen man sich dieses Video auf Instagram anguckt, weiß man nicht so genau, wie ernst sie das meint. Aber man hört: Sie kann singen!

Sophie zeigt Fotos von ihren Shootings. Mal steht sie nackt und pink angemalt auf einem Trampolin, mitten in einem Heufeld, ein anderes Mal posiert sie mit einer meterlangen Schlange um den Hals. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Schwester Cosima Ramirez, die auch an der Akademie studiert und ihre Schwester mit ein bisschen Schminke in den Grinch oder Lord Voldemort verwandeln kann. In der Wohnung entdeckt man auch ein paar Teile ihrer ersten Fashion Collection. Auch hier verwendet sie etwas, was die meisten von uns noch nie länger als ein paar Sekunden in der Hand hatten: Waschmittelpods. Mit ihrem Kleid aus den bunten mit flüssigem Waschmittel gefüllten Pods war sie auf der Documenta unterwegs und wurde beim letzten Rammstein Konzert direkt zur Aftershowparty eingeladen. Es ist viel los im bunten Leben der Sophie Ramirez und es bleibt spannend, womit sie uns als nächstes überrascht.

Vielen Dank!

English version:

Name: Sophie Ramirez
Profession: Interdimensional Artist
Professional education: Student at the Düsseldorf Art Academy

With Sophie Ramirez, everything is art. The multimedia artist resides in a colourful dream world, organises photo shoots in vegetable fields and supermarkets and wears self-designed clothes. Her great mission is to lift art off its pedestal and make it accessible to all.

Heart necklace, pink metallic minidress, golden gloves and a bald head: walking through Düsseldorf with Sophie Ramirez aka Soffpoffsharedlove causes a small crowd. Cars stop, strangers compliment her, children ask her name. And a lot of people take photos. Some quite discreetly from the other side of the street or secretly in passing, others come up to her and ask if they can take a selfie together. That’s what it must be like when you’re out and about with a Hollywood star. Her experimental style is unique even for our fashion capital.

But anyone who has seen her in an XXL hoodie and baggy trousers knows that it is not only her styling that is the magnetic attraction. Somehow this young artist has a special charisma, a kind of aura about her. The first time our editor met her was at an exhibition a few years ago, when she did a radio report on a water tank in which you lie down, submerged in warm salt water and in absolute darkness and silence. A work by the Düsseldorf artist Till Bödeker. Sophie took off her pink and gold winter outfit, climbed in via a small ladder and left the world and all sensory impressions behind her for an hour. An intense and very personal experience, during which she realised: “The less that happens around you, the more that happens inside you.”

Sophie Ramirez boldly presents experiences and feelings from her core to the world: “I have no desire to deny myself just because it involves confrontations that may be exhausting.” She has always been colourful, the artist tells us, and accordingly she has always attracted extreme attention. She used to feel that being photographed by strangers while she was living it up was a violation of her boundaries. Anyone who has ever noticed that they are being photographed secretly can probably understand that. We may be consciously out in public, taking pictures of everything around us and sharing it on Instagram, but being snapped without being asked, without knowing who the person behind the lens is and what they are doing with our image is quite uncomfortable.

Sophie tells us that she consciously wants to reverse such negative feelings: “I always think it’s important to confront unpleasant situations to dissolve the fear of them.” So she called out the “Paparazzi Game” during the tour, using posters to encourage people to take pictures of her and upload the pictures to Instagram and tag her account. Countless visitors took part and tagged her in stories and posts. The result was a collective work of art in which everyone became an artist.
A few months ago, our editor bumped into Sophie again by chance at the train station.

She was standing at the coffee counter in the standard beige and brown Starbucks, wearing one of her pink metallic looks. Since then, the two have been in regular contact. That means sometimes getting a long handwritten letter sent home and her magazine “SOFF” with diary entries, poems and private WhatsApp chat histories. For her, art is a shelter in which she tries things out and questions them. And she lets everyone participate in this, because her approach is to free art from inhibitions and make it accessible to everyone.

For example, with a photo shoot in her parents’ garage. There, a few years ago, she set up a colourful set with flowers and vegetables and then stood in front of the garage for a week. Everyone who happened to pass by was asked if they wanted to take part in the art project. Anthropological field research is what she calls this action. Most of them agreed and posed between fantasy flowers and large red cabbages, the artist’s favourite vegetable: “A red cabbage field is a sacred place for me. So many colours come together during the ripening process. The whole perceptible colour palette is in that cabbage head.” She says that she feels like a fairy when she walks through the sea of colours.

Once, she attented the annual “Rundgang” of the Kunstakademie Düsseldorf as a fairy, some of you may remember that. Red cabbages appear again and again in her work. She says that she deliberately looks for things in everyday life that we don’t perceive as anything special at all: “I always pick out things that are not valued socially and try to contextualise them in such a way that you can develop a different relationship to them.”

A few weeks ago, our editor went to Sophie’s flat for the first time. On a long bustling street stands a house that from the outside looks normal, rather boring. Hidden behind the flat door, a small universe opens up, a total work of art in which really every single object shows the artist’s irrepressible passion for colour. While drinking an organic herbal tea from a handmade cup, you can lose yourself in the blue pool ripples on the kitchen floor. You might expect to find this PVC floor on an exhibition stand at BOOT tradeshow. Here, it lies quite naturally in the kitchen.

The blades of her cutting knives have been dyed blue-purple with a heat process, the stocky wooden cupboards are painted with neon colours and tribals. A flower-ringed swing swings in front of the pink canopy over her bed. And of course there is plenty of red cabbage here. It adorns the walls and the silverpainted wardrobe. Only the snake “Ich” (German for “I”) is the only one in the whole flat who is not colourful. The white snake resides in a lovingly furnished terrarium in the bedroom. Previously, she had a saltwater aquarium, but she had to give it up. The biotope in the salt water was too complex and time-consuming. She said goodbye to her foray into aquaristics with a little music video. When you watch this video on Instagram, you don’t really know how serious she is. But you can hear: she can sing!

Sophie shows photos from her shoots. Sometimes she stands naked and covered in pink paint on a trampoline in the middle of a hay field, another time she poses with a metre-long snake around her neck. She is assisted by her sister Cosima Ramirez, who also studies at the Kunstakademie and can transform her sister into the Grinch or Lord Voldemort with a little make-up.

In the flat, one also discovers a few pieces from her first fashion collection. Here too, she uses something that most of us have never had in our hands for more than a few seconds: Laundry pods. She wore her dress made of the colourful pods filled with liquid detergent to the Documenta and was immediately invited to the aftershow party at the last Rammstein concert. There is a lot going on in the colourful life of Sophie Ramirez and it remains exciting what she will surprise us with next.

Thank you very much!

Fotos: Sofia Brandes
Text: Laura Dresch
© THE DORF 2023

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