Tobias Levels

Name: Tobias Levels
Alter: 33
Beruf: (Selbstständiger) Unternehmer & Gründer von „MAEMAE“

Gelernter Beruf: Profifußballer (Borussia Mönchengladbach, Fortuna Düsseldorf, FC Ingolstadt)
Webseite: www.maemae.de

Im Profifußball gehören Spieler schon mit Anfang 30 zur höheren Altersklasse. Was kommt also danach? Einige bleiben in ihrem Bereich und werden Trainer, Manager oder treten als TV-Experten auf. Nicht so Tobias Levels. Der Ex-Bundesligaprofi stellte nach einer Krankheit seine Ernährung komplett um und begann nach seiner dreizehnjährigen, aktiven Laufbahn mit Health Food seine zweite Karriere: Im Dezember 2019 geht Levels mit „MAEMAE“ an den Start, eine Food-Manufaktur, die gesunde, vegane und nachhaltig produzierte Lebensmittel und Säfte herstellt und verkauft. Wir treffen Tobias Levels auf eine Schüssel selbstgemachter Overnights Oats zum Frühstück bei ihm zuhause und erfahren nicht nur etwas über seinen neuen Job als Gründer und Unternehmer, wie seine Zeit bei Fortuna Düsseldorf war, sondern auch etwas über seine ganz besondere Verbindung zum US-Rapper Masta Ace.

Mit einem herzlichen Willkommen empfängt uns der Ex-Profifußballer, der in der Saison 2011/2012 als rechter Verteidiger mit Fortuna Düsseldorf in die erste Bundesliga aufstieg und auch für Borussia Mönchengladbach und FC Ingolstadt 04 kickte, in seinem hellen, lichtdurchfluteten Haus, im Hintergrund läuft Hip-Hip von Masta Ace ­ den er sogar persönlich kennt, wie er später erzählen wird.

„Habt ihr Hunger?“, fragt er uns. „Ich habe „MAEMAE“-Overnight Oats gemacht ­und zwar extra für euch die „THE DORF“-Edition, lacht er. Das Porridge ist nicht nur optisch ein wahrgewordener Instagram-Traum aller Foodies, sondern auch geschmacklich ein Volltreffer: Frisch geflockte, also nicht industriell verarbeitete, Haferflocken, die zuvor in selbstgemachter Mandelmilch eingelegt worden, sind drin, ebenso geriebene Äpfel, frische Medjoul-Datteln, Zimt, Acai-Beeren, Vanille und eingeweichte Kürbiskerne („die kann der Körper besser verarbeiten“, so Levels), Goji-Beeren, Kokosnussmuss, Walnüsse, Hanfsamen und obendrein noch rohe Kakaosplitter. Schmeckt lecker und sehr gesund. Dabei hätte es in Sachen Ernährung bei Tobias Levels auch ganz anders laufen können. Seine Eltern stammen aus den Niederlanden. „Bei uns gab es tatsächlich zuhause Frikandels“, lacht Tobias.

Während des Frühstücks erzählt Tobias erstmal etwas über seine Zeit als Fußballer. Lachend verneint er die Frage, ob er sich jemals einen anderen Beruf vorstellen konnte. „Fußball war in meiner Familie schon immer sehr verankert. Mein Onkel, mein Vater – die ganze Familie war immer schon total Fußballverrückt. Auch mein Bruder Bastian spielt (Aktuell für den SC Düsseldorf West, Anm.d. Red.)“, so Levels. Sein Onkel Olaf Janßen spielte als Mittelfeldspieler von 1985 bis 1996 für den 1. FC Köln und von 1996 bis 2000 für Eintracht Frankfurt.

So war für den jungen Levels schon im Kindesalter klar, dass auch er sein berufliches Glück auf dem Rasen finden würden. Mit 14 spielt er bereits für die Jugendmannschaft von Mönchengladbach. Bis 2011 bleibt er beim Bundesligaverein, bis er vom Lokalrivalen Fortuna Düsseldorf ausgeliehen wird und dort bis 2014 bleibt – es wird eine intensive, aber keine einfache Zeit, wie Tobias erzählt: „Am Anfang war es für mich bei Fortuna sehr schwierig, einfach weil ich aus Gladbach kam. Und so war ich immer die Zielscheibe für jegliche Art von Frustration, wenn es bei uns nicht gelaufen ist. Ich bekam zwar reichlich Unterstützung vom Trainer und vom Team, aber nicht von den Verantwortlichen des Vereins, das war schon hart. Aber trotzdem war es sehr, sehr emotional bei Fortuna, besonders der Aufstieg in die erste Liga. Eine verrückte und intensive Zeit, besonders die Relegationsspiele damals.“

Doch mit „MAEMAE“ hat Levels seine zweite berufliche Leidenschaft gefunden. Sein Unternehmen stellt komplett vegane, biologische, zuckerfreie und rohe Lebensmittel her, kein Produkt ist „industriell verseucht“. Obwohl der Name hawaiianischen Ursprungs (der Name bedeutet „sauber“, „rein“) ist und man eher Poke-Bowls mit dem Superfood-Startup in Verbindung bringt, sind alle Produkte regional, aus Levels Heimatstadt Mönchengladbach oder aus der Umgebung Düsseldorfs. Die Saftkuren, Säfte, Nussmilch, Nussmuse, Overnight Oats, Ingwer- und Rote-Beete-Shots sowie kleine Leckereien wie Energyballs und Brownies werden in einer Produktionsküche in Mönchengladbach handgefertigt. Auf der Hildebrandtstraße in Düsseldorf-Friedrichstadt sowie im „MAEMAE“-Onlineshop sind die Lebensmittel dann erhältlich. Bald will man auch mit nachhaltigen Vertriebspartnern kooperieren, die mit Elektroautos die Produkte in Düsseldorf ausliefern.

„MAEMAE“ ist aber nicht nur eine Manufaktur für „reine“ und „saubere“ Lebensmittel, sondern eine ganze Haltung, wie Tobias erklärt. Der Ex-Kicker will nicht nur einfach Produkte mit seinem Namen auf den Markt werfen und Gewinn machen, sondern auch aufklären und den Leuten etwas mitgeben. So wird es auf der „MAEMAE“-Webseite wissenschaftliche Texte geben, um als Endverbraucher die Produkte zu verstehen. Ein Veganer kann sich zum Beispiel informieren, bei welchen „MAEMAE“-Produkten er sein Eiweiß herbekommt. Oder wie genau die Saftkuren funktionieren.

Die Lebensmittel sind etwas hochpreisiger als Produkte aus dem Super- oder Biomarkt. „Zu Recht“, sagt Levels. „Das sind alles komplett biologische Produkte, die in handgefertigten Gläsern verkauft werden. Alle Produkte werden von uns hergestellt. Es geht darum, etwas Ehrliches und Gesundes anzubieten ­ und das ist seinen Preis wert.“ Er versteht, dass sich nicht jeder „MAEMAE“ leisten kann. Aber das One-Man-Unternehmen soll natürlich wachsen und dann will Tobias Aktionen starten, die „MAEMAE“ für jeden zugänglich machen. Er kann sich gut vorstellen, Kitas und Schulen zu beliefern und über eine gesunde Ernährung aufzuklären.

Auch bei den Verpackungen arbeitet „MAEMAE“ so nachhaltig wie möglich, alle Verpackungen sind aus Glas. „Die Wertigkeit, seinen Saft aus einer Glasflasche zu trinken, ist viel höher als bei einer Plastikflasche. Ebenso geht es auch darum den Plastikmüll zu reduzieren“, so Levels. Bei den Glasflaschen wird es ein Pfandsystem geben, die entweder zurückgeschickt werden oder von „MAEMAE“ sogar abgeholt werden.

Doch wie kam der Fußballstar überhaupt zu seinem neuen Beruf als Unternehmer und Ernährungsexperte? Klar, als Spitzensportler ist eine gesunde Ernährung extrem wichtig, aber Veganer sind auch unter Fußballprofis eher noch selten. „Ein Leberriss in meiner Jugend war schuld, dass ich meine Ernährung extrem umstellte“, erklärt der Rheinländer. „Als ich 17 Jahre alt war, hatte ich bei einem Spiel in Holland einen schweren Unfall. Meine Leber war doppelt gerissen und ich musste notoperiert werden. Ich wurde wieder gesund, doch die Werte meiner Leber waren immer leicht erhöht und die Ärzte wollten mich medikamentös einstellen. Das wollte ich aber auf gar keinen Fall. Deswegen fing ich an, mich mit meinem Körper und der Ernährung an sich auseinanderzusetzen.“

Tobias Levels stellt nach dem schweren Unfall seine Ernährung komplett um, verzichtet erst auf Industriezucker und Weißmehl und fängt schließlich an, sich vegan zu ernähren. Und diese extreme Ernährungsumstellung trägt Früchte, nach drei Monaten haben sich seine Leberwerte komplett normalisiert. Und nicht nur das. Tobias merkt, dass er viel fitter, belastbarer und leistungsstärker wird. „Im Gegensatz zu früher, merkte ich, dass ich einen Tag nach einem Spiel wiederhergestellt war, die Regenerationszeiten waren drastisch gesunken“, sagt Levels. Aber wo holte sich der Veganer seine Eiweißzufuhr her, die man als Profisportler benötigt? „Pflanzliche Eiweiße sind viel hochwertiger als tierische. Und das Spektrum ist hier riesig, es gibt Nüsse, Hülsenfrüchte, Hafer, Vollkorngetreide generell, Quinoa, Buchweizen, Rohkakao, und vieles mehr.“

Immer weiter setzt sich Tobias Levels mit seiner Ernährung auseinander, bis er bei seiner aktiven Zeit in Ingolstadt (2014 bis 2018) innerlich spürt, dass er beruflich etwas mit gesunder Ernährung machen will. „In Ingolstadt hatte ich das Glück, dass es dort eine medizinische Abteilung gab, die sehr, sehr offen war und die mich beim Thema gesunde Ernährung unterstützt hat. Wir haben dann sogar für die komplette Mannschaft ein Ernährungskonzept erstellt. Nach den Trainings gab es gesunde Smoothies und Säfte.“

Aber das reicht Tobias Levels nicht. An der Akademie der Naturheilkunde in der Schweiz macht er 2016, parallel zur seiner Fußballzeit in Ingolstadt, eine Ausbildung zum holistischen Gesundheitsberater. 2018, nach dem Ende seiner Fußballkarriere, kehrt der frischgebackene Ernährungsberater zurück nach Düsseldorf, um selber etwas mit Nahrung zu machen. Und so entwickelt sich langsam, aber sicher die Marke „MAEMAE“.

Aber warum eigentlich hier im Rheinland und nicht Berlin, die Hauptstadt aller Hipster-Veganer und Superfood-Junkies? Tobias Levels: „Ich wollte zurück in meine rheinische Heimat. Und ich denke auch, dass in Düsseldorf die Bereitschaft für eine gesunde Ernährung da ist und die Düsseldorfer sind ja auch immer offen für etwas Neues. Außerdem, so finde ich zumindest, gibt es hier noch keine wirklich guten vegane Restaurants oder Manufakturen. Daher war Berlin für mich nie ein Thema.“ Und lachend ergänzt er: „Auch Köln ging nicht, da bin ich aufgrund meiner beruflichen Vergangenheit gebrandmarkt.“

„Habt Ihr Durst?“, fragt plötzlich Tobias. Haben wir. Tobias geht in die modern eingerichtete Küche und holt aus einer Schublade einen Mixer. „Jetzt werdet ihr mal Mandelmilch probieren, die es so garantiert nicht im Supermarkt zu kaufen gibt“, erklärt er. Während er die Milch zubereitet – eine Handvoll, über Nacht eingeweichte Mandeln, Wasser, Vanille, Zimt und etwas Ur-Salz kommen in den Mixer und werden dann gesiebt – erzählt er uns, dass er den Fußball auch in Zukunft nicht ganz verlassen wird. Seit sieben Monaten macht Tobias in Düsseldorf eine Ausbildung zum Heilpraktiker -und dieser dritte Berufszweig wird auch im Fußball eine große Rolle spielen. „Ich kann mir vorstellen, dass ich vielleicht in Zukunft nicht mehr selber „MAEMAE“-Produkte herstelle, sondern dass dies Leute übernehmen, die genauestens auf die „MAEMAE“-Philosophie geschult werden. Ich möchte mich stärker auf den heilpraktischen Bereich konzentrieren und die Profisportler in den Bereichen Sport und Ernährung persönlich beraten und begleiten – und ihnen natürlich auch „MAEMAE“ näherbringen. Das Thema gesunde Ernährung steckt nämlich aberwitzigerweise im Fußball noch in den Kinderschuhen.“

Schon bald wird aus dem Vormittag Mittag. Zum Abschluss des Interviews laufen noch einmal fette Hip-Hop-Beats von Masta Ace aus den Lautsprechern. „Der Rapper gehört zu meinen absoluten Lieblingskünstlern, ich durfte ihn 2011 nach einem Konzert in Köln sogar persönlich kennenlernen“, sagt Tobias Levels. „Daraus entwickelte sich eine Freundschaft. Ich war schon dreimal bei ihm zuhause in New Jersey, 2018 feierten mein Bruder und ich mit ihm und seiner Familie sogar Silvester. Ein wirklich inspirierender Mensch und großartiger Lyriker“, schwärmt Tobias. Zum Abschied drückt er uns noch einen „MAEMAE“-Green Juice in die Hand und verrät, ganz exklusiv für „THE DORF“, ob Fortuna Düsseldorf den Klassenerhalt 2019/2020 schaffen wird: „Ich denke schon. Wir sind ganz ordentlich gestartet und es gibt mindestens zwei schlechtere Mannschaften. Ach ja, noch schöne Grüße an Oli Fink“, sagt er lachend und macht die Tür hinter uns zu.

MORGENS

Wo trinkst du morgens Deinen Espresso in der Stadt, um wach zu werden? Schvarz Kaffee.

Zum Sonntags-Brunch und ausgedehnten Frühstück trifft man dich… Zu Hause.

MITTAGS

Lecker, gesund und frisch lunchen gehst du in Düsseldorf… Vegane Yasai Suppe bei ManThei. Ansonsten fehlen mir in der Stadt gute, vegane, gesunde Optionen.

NACHMITTAGS

Deine Lieblingsroute zum Spazierengehen, Schlendern, Kopf-Frei-Kriegen: Das Rheinufer in Golzheim

Drei Plätze in Düsseldorf, die du deinen Gästen unbedingt zeigen musst: Altstadt, Rheinufer, Medienhafen

ABENDS

Welches Restaurant repräsentiert für dich am meisten den typisch-charakteristischen Geschmack von Düsseldorf? Nagaya.

Dein absoluter Gastro-Geheimtipp-Lieblings-Spot, den du hier mit allen teilen möchtest? Cho.

NACHTS

Deine Lieblingsbar oder Dein Lieblingsbartender sind: Die LIQ Bar in Pempelfort.

Eine ganz besondere, erinnerungswürdige Nacht in Düsseldorf hast du wo verbracht? Die Aufstiegsnacht in der Nachtresidenz

Dance the night away! Getanzt wird hier: Nachts schlafe ich. Wenn getanzt wird dann tagsüber im Tanzhaus NRW, wo wir zuletzt einen Tango-Kurs besucht haben.

IMMER

Was vermisst du an der Stadt, wenn du nicht in Düsseldorf bist? Den Rhein

Könnte man Düsseldorf essen, schmeckt es nach… Pho Suppe mit Füchsen Alt.

Was liebst du am meisten an Düsseldorf? Die Schönheit bei gleichzeitig überschaubarer Größe.

Was hasst du am meisten an Düsseldorf? Hass ist mir fremd, aber der die Betonung von Materialismus an einigen Orten in der Stadt ist mir ein wenig too much.

Gibt es Plätze oder Orte in der Stadt, die dich in deinem Job inspirieren? Der Kunstpalast.

STIL

Deine Top 3 Shopping-Adressen in Düsseldorf? ELA Selected in Unterbilk

Gibt es (einen) Düsseldorfer Designer oder Künstler, den du besonders schätzt und wenn ja, warum? Andreas Gursky + Joseph Beuys

Nach welchen Regeln stylst du dich? Was geht gut und was geht gar nicht? Ich mag handgemachte, avantgardistische Mode. Das zur Schau stellen von temporär angesagten Labels geht gar nicht.

ALLGEMEIN

Was ist dein Lieblingsessen? Miso Glazed Brussel Sprouts / Overnight Oats / rohe, vegane Zucchini Lasagne

Dein Lieblingreiseziel ist? Sri Lanka – Indonesien – NYC – Boston

Wo oder wobei kannst du am besten entspannen? In einer Meditation gegenüber meiner Freundin. Beim Ashtanga Yoga.

Welches Buch liegt aktuell auf dem Nachttisch? Osho – Mut.

Welchen Kinofilm hast du zuletzt gesehen? If Beale Street Could Talk.

Dein All-Time-Favorite-Movie? Zu viele, aber hier sind drei : Babel / Interstellar / The Dark Knight.

Aktuell läuft auf deiner Playlist/deinem Plattenspieler?  Dein All-Time-Favorite-Song? Gang Starr – Moment of Truth.

Für welchen Verein schlägt dein Herz? Boston Celtics.

Vielen Dank!

Text: Pia Sundermann
Fotos: Kristof Puller
(c) THE DORF 2019 

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