Alexandra Meffert

Name: Alexandra Meffert
Alter: 25
Beruf: Studentin und Selbstständig
Gelernter Beruf: Kunsthistoriker und Betriebswirtschaftler
Geburtsort: Düsseldorf

Exil-Düsseldorfer seit: 2011
Wohnort: Erst Berlin, dann New York, jetzt zwischen Düsseldorf, New York und Berlin
Webseite: www.wild-palms.com

Düsseldorf, New York, Berlin, Mexico: Alexandra Meffert verbindet die Städte nicht nur durch Reisen, sie möchte die Orte mit Kunst und Künstlern vernetzen. Vor 2 Jahren trafen wir Alexandra Meffert in New York und jetzt ganz spontan mit ihrem Partner vor unserer Tür in Düsseldorf. Was sich in der Zeit alles getan hat, welche Projekte die 25-jährige verfolgt und was Yoga mit Kunst zu tun hat, verrät sie uns im Gespräch.

Alexandra kommt aus Düsseldorf und ist hier aufgewachsen. Für ihr Studium der Kunstgeschichte und BWL zog sie für 4 Jahre nach Berlin. Den Master machte sie 2 Jahre lang in Art Business in New York; aktuell ist sie Doktorandin und forscht zum Thema Kunstmarkt am Marketing-Lehrstuhl an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf – und pendelt immer wieder zwischen den drei Städten. Das Reisen ist sie gewohnt, denn Alex arbeitete lange Zeit als international gefragtes Model und jettete zwischen den Modemetropolen hin und her. Während des Bachelors in Berlin lernte sie ihren Partner kennen. Zusammen beschlossen sie schnell, ein gemeinsames Ausstellungsprojekt zu planen. wildpalms wurde ins Leben gerufen und entwickelte sich von einem anfänglichen Ausstellungsprojekt zu einer Galerie.

Der Name der Galerie ist inspiriert von William Faulkners Roman „The Wild Palms“, in dem zwei Geschichten Kapitelweise abwechselnd erzählt werden. Man weiß nicht, ob sich die parallel laufenden Geschichten irgendwann treffen und so hat Alexandra auch das Gefühl, dass es zwischen der im Studio produzierten Kunst und der Ausstellung eine Lücke gibt.

Alexandra und Jorge verfolgen mit wildpalms eine enge Zusammenarbeit mit internationalen Künstlern und reisen daher viel zwischen New York, Berlin, Düsseldorf und Mexico hin und her. „Uns ist der gute Kontakt mit den Künstlern wichtig. Viel reden und viele Besuche sind wichtig, schauen was für Arbeiten sie machen und sehen wie sich der Stil entwickelt. Dann schauen, ob man Hilfestellungen geben oder Gedanken austauschen kann.“ Unterstützung und eine Bereicherung für den Künstler zu sein steht im Fokus ihrer Arbeit. Die Ausstellungen werden zusammen mit den Kunstschaffenden konzipiert und auf deren Bedürfnisse zugeschnitten, je nachdem woran gerade gearbeitet wird. Das wiederum soll mit dem nächsten Projekt in Verbindung stehen, sodass eine kontinuierliche Arbeitsweise gefördert wird. Außerdem sollen die Ausstellungen an unterschiedlichen Orten stattfinden – was sich in Düsseldorf nicht einfach gestaltet.

„Die Düsseldorfer sind den Orten gerne schon vertraut“, erzählt uns Alexandra. „Sie möchten wissen, wo sie parken können, wo der Raum ist und er sollte am besten in 10 Minuten zu erreichen sein.“ Anders sähe es in Berlin aus. Dort würden sich die Besucher aus Neugierde an der Kunst auch gerne mal für eine Stunde in die Bahn setzen um an den Ort der Ausstellung zu kommen. Das ist der Grund, warum sich Alexandra und Jorge dazu entschieden haben, einen festen Galerieraum in Düsseldorf zu suchen.

Die Arbeiten der Künstler sind alle sehr unterschiedlich. Manche arbeiten konzeptuell, mit Video oder Installationen, Zeichnungen, Performance, Malerei oder Skulpturen. Oft werden sozialkritische Themen verarbeitet oder es geht einfach um die Ästhetik. Wichtig bei der Auswahl der Künstler sei, dass die Werke Relevanz zeigen und ein Fundament besitzen, das einen bewegt. „Es muss Substanz haben, denn da investieren wir Zeit, Geld und alles Mögliche rein, um das weiter zu entwickeln.“ Was Alexandra besonders viel Spaß macht? Das ist schwierig zu sagen. Ganz allgemein ist es die Zusammenarbeit mit jedem einzelnen Künstler – die alle so vielfältig und unterschiedlich sind, weil jeder sein eigenes Forschungsgebiet hat und dadurch Themenbereiche abdecken, die sie selbst interessiert.

Momentan beschäftigt sich wildpalms mit den Arbeiten des New Yorker-Künstlers Jason Duval. Die Ausstellung findet im September im Rahmen der DC Open in Düsseldorf  statt und zeigt Werke, die durch vielschichtiges Auftragen von Farbe die Arbeit nicht dicker, sondern komplexer macht. Alexandra erzählt: „Man muss sehr lange davorstehen. Man wird dazu gezwungen langsamer zu werden, was im Kontrast zu dem schnellen Leben im New York steht. Ich freue mich total, dass die Leute aus dem Ausland kommen. Ich mag diese Verbindung.“ Ein zweites großes Projekt ist die Ausstellung des mexikanischen Künstlers Anibal Catalan,  die im Sommer im Wiener Museums-Quartier in Kooperation mit EIKON Magazin stattfindet.

Alexandra möchte, dass Düsseldorf internationaler, die Verbindung und der Austausch zu New York gestärkt wird. Alexandra wünscht sich, dass sich das Projekt weiterentwickelt und entfaltet, dass wildpalms in Düsseldorf aufgenommen und verstanden wird. „Manchmal ist es schwierig in Düsseldorf den Zugang zu finden. Das fällt leichter in Berlin, weil dort die Leute sehr neugierig sind.“ Leute sollen Kunst erfahren und sich nicht scheuen in eine Galerie zu gehen. „Wenn man in eine Galerie geht, ist es oft kalt und man will gar nicht rein gehen, das ist für manche eine große Hürde. Ich möchte den Leuten diese wundervollen Sachen zeigen.“

Die Welt bereisen, Künstler treffen und Ausstellungen besuchen sind nicht die einzigen Interessen der Düsseldorferin. In ihrer Freizeit ist Yoga ihre große Leidenschaft. Das macht sie mindestens zweimal am Tag. Auch in der Künstlerszene ist Yoga sehr beliebt und da blieb es nur eine Frage der Zeit, bis Alex den Sport mit Kunst verband.

Inspiriert durch die Künstler James Turrell, der ganze Räume mit Licht durchflutet und Doug Wheeler, der Räume so konzipiert, dass man nicht weiß, wo die Wand anfängt und der Boden aufhört, möchte Alexandra ihre zwei Leidenschaften, Kunst und Yoga, miteinander verbinden. Sie nennt das Projekt „Light Space Movement“, was sich auf die 60er-Jahre-Künstlerbewegung „Light and Space“ aus Kalifornien zurückführen lässt. Es geht darum, mit der Wahrnehmung von Räumen zu spielen und sich im Raum zu bewegen. Nach ihrer Ausbildung zur Yogalehrerin veranstaltet Alexandra mit Künstlern und Kunstinteressierten eigene Kurse. „Das ist eine schöne Art und Weise sich zu connecten. Man kann auf einer ganz anderen Ebene darüber reden, woran man gerade arbeitet.“

Für die Zukunft kann sich Alexandra nicht vorstellen, an nur einem Ort zu bleiben. „Sobald ich mehr als drei Monate an einem Ort bin, fühle ich mich wie eingeschnürt und bekomme Langeweile.“ An welchem Ort sie sich am meisten zu Hause fühlt, kann sie so nicht sagen. Ihre Lieblingsstadt ist auf jeden Fall New York, „weil man eine große Vielfalt an Leuten kennenlernt, wo jeder etwas Interessantes macht und motiviert ist, etwas auf die Beine zu stellen.“ Dennoch kann New York durch die Schnelllebigkeit anstrengend sein. Daher ist Alex auch gerne an anderen Orten. Düsseldorf mag sie sehr, weil sie hier aufgewachsen ist und ihre Familie hier lebt. Berlin ist im Vergleich zu Düsseldorf mehr Metropole. Eine Vielfalt an Leuten und die sehr lebendige Kunstszene sprechen für die Stadt. „Die Kunstszenen in Düsseldorf und Berlin sind sehr konträr. Deshalb ist es so wichtig, an beiden Orten zu sein“, erklärt Alexandra.

Warum hast du Düsseldorf verlassen? Primär für mein Studium, wollte aber vor allem in einer größeren Stadt meinen Horizont erweitern.

Vermisst du die Stadt? Noch nicht.

Wenn ja – was vermisst du am meisten? Ich vermisse meine Familie, und manchmal die fröhliche, ruhige Atmosphäre.

Könnte man Düsseldorf essen, schmeckt es nach… traditioneller Küche, exzellentem Sushi und guter Pizza, nicht zu vergessen Bier und Champagner.

Gibt es (einen) Düsseldorfer Designer oder Künstler, den du besonders schätzt und wenn ja, warum? Generell die Düsseldorfer Fotoschule von Bernd und Hilla Becher aus der großartige Künstler wie Gursky, Ruff, Struth, Höfer und neue Ansätze in der Fotografie hervorgekommen sind.Und Die Toten Hosen natürlich.

Beschreibe den typischen Düsseldorfer-Stil in drei Worten. Schick, konservativ und teuer.

Was liebst du an Düsseldorf? Die gute Laune und Offenheit der Menschen.

Was hasst du an Düsseldorf? Dass es immer noch sehr konservativ, cliquenhaft und traditionell ist.

Was liebst du an Deiner Stadt? Die Menschen in New York sind sehr inspirierend: motiviert, kreativ, haben eine großartige Energie. Ständig begegnet man neuen Menschen, die einen bereichern. Es gibt ein riesiges Angebot auf allen Ebenen – kulturell, kulinarisch, Sport – was immer man sucht. Berlin ist voller offener, neugieriger Menschen. Es gibt viele internationale Angebote und Nischen für alles. Berlin ist ähnlich wie New York, nur langsamer und nicht so teuer, hat mehr Platz und mehr Natur.

Was hasst du an Deiner Stadt? Es ist extrem teuer, manchmal die zu vielen Menschen (vor allem in der U-Bahn) und man muss aufpassen, dass man nicht zu viel macht, sondern sich auch mal eine Pause gönnt. Berlin ist manchmal lieblos, hässlich und dreckig. Man muss viel arbeiten, damit sich was bewegt. Ich bin nicht so ein Fan der Party-Szene, die dort sehr dominant ist.

Der typische Düsseldorfer… Klischeeweise gibt es zwei Typen: den entspannten lustigen Altbier-Trinker auf der Ratinger und die schicken Pelzmantel- und Rolex-Träger auf der Kö.

Der typische Mensch in deiner Stadt ist… kreativ; versucht neue Lebensformen zu finden; liebt außergewöhnliche „vintage“ Kleidungsstücke; trinkt Green Juices, Kombucha oder Cold Brew Coffee; isst organic, vegan, homemade; macht power yoga, soul cycle, pure barre oder boot camp.

Dein Lieblingsort in Düsseldorf? Am Rhein oder im Grafenberger Wald.

Ein positives Erlebnis, das dich mit Düsseldorf verbindet? Dort aufgewachsen zu sein – es wird immer mein Zuhause sein.

Würdest du zurückgehen nach Düsseldorf? Warum nicht? Warum ja? Vielleicht, aber nicht in voraussichtlicher Zukunft, weil ich noch nicht fertig bin, die Welt zu entdecken und es viele spannende Orte gibt. Ich habe immer gedacht „vielleicht“, aber nicht komplett. Jetzt sehe ich zum einen das Potenzial hier in Düsseldorf für unsere Galerie Wildpalms und ich habe viel Lust, das was ich die letzten Jahre gelernt, erfahren und geliebt habe, nach Düsseldorf zu bringen. Gleichzeitig muss ich aber auch an anderen Orten sein. Auch ein Grund, warum ich meine Zeit zwischen D’dorf, Berlin und Orten wie New York und Mexico verbringe.

Dein persönlicher Gruß nach Düsseldorf und an die Düsseldorfer? Hallo, happy day!

Allgemein

Dein Lieblings-(Alt)bier? Ich bin kein Fan von Bier oder Alkohol.

Was ist dein Lieblingsessen? Frühstück: Haferflocken mit Blaubeeren und Kokoswasser.

Wo oder wobei kannst du am besten entspannen? Beim Yoga oder im Museum.

Dein Lieblingsreiseziel ist? Schwer zu sagen… Ich bin gerade dabei Lateinamerika zu entdecken.

Welches Buch liegt aktuell auf dem Nachtisch? Der ist voll… Ein paar Künstlerbücher, Readings in Latin American, Modern Art von Patrick Frank, Irving Penn Katalog, Pintura Mexico in dem 2 Künstler und Freunde von uns gefeatured sind – Anibal Catalan und Elsa-Louise Manceaux.

Welchen Kinofilm hast du zuletzt gesehen? Ich war lange nicht im Kino, schaue aber gerne Filme im Flugzeug.

Dein All-Time-Favorite-Movie? Grease 2, Pineapple Express und The Boat That Rocked.

Aktuell läuft auf deiner Playlist/deinem Plattenspieler? The National, Moderat, The XX und Arctic Monkeys.

Dein All-Time-Favorite-Song? Cemeteries of London von Coldplay.

Für welchen Verein schlägt dein Herz? Keinen.

Vielen Dank!

Text: Amelie Heller
Fotos: Fotos von Alexandra Meffert in NY: Estelle Klawitter | New York Fotos von Alexandra Meffert | Schwarz-Weiß-Fotos von THE DORF
© THE DORF 2017/18

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