ZU TISCH MIT SHIWEN

Shiwen ist geborener Münsteraner. Im Jahr 2018 hat er an der Hochschule Düsseldorf im Fachbereich Peter Behrens School of Arts angefangen, Kommunikationsdesign zu studieren. Früh war klar, dass er ein besonderes Interesse für das Zeichnen hat. Nachdem er über 10 Jahre in Düsseldorf gewohnt hat, hat es ihn Ende September nach Berlin verschlagen. Der Grund dafür war die in der Hauptstadt bekannte Illustrations-Szene als auch der benötigte Ortswechsel. Über das Studium an der HSD hat er Robin Paeßens, Gründer des Coronapostkarten-Projekts, kennen gelernt, den wir vor kurzer Zeit ebenfalls vorgestellt haben. Die neueste Ausgabe von Robins Buch zeigt auf dem Cover eine Illustration aus der Feder des 24-Jährigen. 

Wie hat sich deine Leidenschaft für das Zeichnen entwickelt? Meine Familie besteht zur Hälfte aus Menschen, die nah an der Kunst sind, und zu anderen Hälfte aus Menschen, die nah am Militär sind. Dabei ist der Zweig meiner Mutter der künstlerische. Ich wurde als Kind dazu gezwungen, Klavier und Geige spielen zu lernen, aber auch zu zeichnen. Dafür erhielt ich wöchentlichen Privatunterricht. Mit 17 Jahren hatte ich alles satt. Ich ging zur Bundeswehr und ließ mich mustern und war zwei Jahre Soldat. Nach einem Jahr habe ich gemerkt, dass ich die Welt dadurch nicht unbedingt besser mache und diesen Job nicht ein Leben lang ausüben kann. Der Dienst auf Stube oder im Feld war oft trist, also lenkte ich mich ab, indem ich zeichnete. Das eine führte zum anderen und nun studiere ich Grafikdesign.

Wie ist es für Dich, als Illustrator Aufträge zu bekommen und umzusetzen? Mir macht das Zeichnen Spaß, aber ich habe noch mehr Freude daran, wenn ich Projekte realisiere und weiß, ich schaffe Bilder, die Menschen im Alltag begleiten, die anstrengende Situationen lindern und schöne Momente bestärken. Ich würde mich als projektorientiert bezeichnen und stelle mir immer vor, was für eine Rolle meine Bilder in der Welt spielen können. Der Illustrations-Bereich ist aber sehr stark umkämpft. Das fordert enorm viel Zeit, macht aber auch viel Freude.

Wer sind deine größten Vorbilder in der Illustrations-Szene? Ich habe keine direkten Vorbilder, aber ich finde die Arbeiten von Jakob Hinrichs, Anna Haifisch und Nino Bulling wahnsinnig toll. David Schiesser, Aisha Franz und Henning Wagenbreth muss ich hier auch nennen. Es gibt so tolle Illustrator*innen und Künstler*innen.

Was hat Dir bisher im Zusammenhang mit Deinem Schaffen als Illustrator am meisten Spaß gemacht? Im Gestalterischen war es definitiv die Werkschau der HSD gemeinsam mit Friedrich Breidenich im Sommer 2020. Der Fachbereich hat uns sehr tatkräftig unterstützt. Es war ein gemeinsamer Kraftakt. Letztendlich war es toll zu sehen, wie unsere Arbeit von Menschen empfangen und wahrgenommen wurde. Viele trugen die Caps, Schals und Beutel voller Freude, das war schön zu sehen. Ich denke, wir haben da etwas geschaffen, was von der Welt angenommen wurde bei dem wir das Gefühl hatten, dass es wertgeschätzt wird. Generell verspüre ich im Prozess eine wahnsinnige Vorfreude – mehr noch, als wenn ich das Endergebnis sehe.

Wie findest du es, Postkarten zu schreiben? Ich finde, es sollte wieder zur Normalität gehören, dass wir Briefe und Postkarten schreiben. Denn wenn wir kommunizieren, tun wir das oft nur noch in kurzen gebrochenen Sätzen oder mit Memes. Wenn wir mit Menschen Zeit verbringen, ist es oft auf Dinge wie ‘gemeinsam Alkohol trinken’ oder ‘zusammen arbeiten gehen’, reduziert. Oder wir gucken uns zusammen im Theater ein Stück an, wobei wir nebeneinander sitzen und uns anschweigen. Das finde ich super schade. Gerade zu Beginn der Coronazeit haben wir im Freundeskreis einander Briefe geschrieben. Ich finde so etwas ungemein wichtig, komme aber leider auch immer weniger dazu.

Wie wichtig findest du die Zusammenarbeit zwischen Studenten? Ich erlebe sehr viel Zusammenarbeit und Austausch mit anderen Studierenden. Damit habe ich bisher hauptsächlich nur gute Erfahrungen gemacht.

Was bringt die Zukunft für Dich? Ich denke, nach ein paar Jahren in Berlin, und hoffentlich auch in New York, werde ich irgendwann wieder zurück nach Düsseldorf ziehen. Düsseldorf ist eine gute Stadt mit einem tollen Hintergrund und Unterbau und sie könnte mehr als nur eine Modestadt sein.

Shiwens Arbeit könnt Ihr auf seinem Instagram-Kanal @shiwensvenwang verfolgen.

Text: Robin Paeßens
Bilder: Shiwen
©THE DORF 2022 

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