Amour Vache

Die Band Amour Vache vereint Rock’n’Roll, Contemporary Dance und Visual Arts zu einem mitreißenden Mixed Media-Projekt. Ihr Ziel ist es, Grenzen zu überschreiten und Performances zu schaffen, die mehrere Sinne gleichzeitig begeistern. THE DORF traf Amour Vache zum Zoom-Interview und bekam Einblicke in das außergewöhnliche und spannende Konzept der Band.

Das Trio aus Thomas, Gereon und Fang-Yu verwandelt Konzerte in ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst. Denn die Kombination aus verschiedenen Arten des Ausdrucks öffnet einen Raum für ganz andere Erfahrungen und Sinneseindrücke. Den akustischen Part dieses Projekts hat die Band jetzt auf ihrem Debütalbum festgehalten. Entstanden ist ein Sound, der Hallen füllen und Herzen berühren kann. 

Für Leute, die Euch und Eure Musik nicht kennen, wie würdet Ihr Euren Musikstil beschreiben?

Tom: Wir haben als Indie-Band gestartet, wollten unsere Musik aber unbedingt mit zeitgenössischem Tanz und visual Arts kombinieren. Es ist ganz klar ein “Mixed Media”-Projekt – das Ziel ist, dass jeder Part gleich wichtig und essentiell ist. Es geht darum, uns gegenseitig emotional zu verstärken.

Fang-Yu: Als Tänzer*in liegt der Fokus meist auf sich selbst und den eigenen Bewegungen. Mit Amour Vache ist es eher so, dass wir alle gemeinsam das Konzert in einen Trip verwandeln. Durch die Kombination von Tanz und Rockmusik entsteht eine ganz andere Performance.  

Wie seid Ihr zur Musik gekommen und wann habt Ihr damit angefangen? Fang-Yu, Wie bist du zum Tanz gekommen?

Fang-Yu: Ich habe im Alter von 10 Jahren angefangen zu tanzen. Nach jahrelangem Studieren habe ich realisiert, dass es bei Kunst nicht um Technik geht, sondern viel eher darum einen eigenen Charakter zu entwickeln und mit Medien, Materialien oder Anderen zu kollaborieren und Impulse wahrzunehmen. Als ich Gereon kennenlernte, kam uns die Idee dieses Mixed Media-Projekts. 

Tom: Als ich klein war, spielte mein Onkel Schlagzeug in einer Jazz-Band. Mit 12 interessierte ich mich also schon für Musik und fing an zu singen und die elektrische Gitarre meiner Mutter zu spielen. Für mich war klar: Ich möchte dieses Band-Feeling! Vor Amour Vache habe ich schon in einigen anderen Bands gespielt, Gereon und ich machen schon seit 2009 zusammen Musik. Unser letztes gemeinsames Bandprojekt ging 2016 zu Ende und wir waren ziemlich desillusioniert. Aber manchmal sind neue Anfänge sehr einfach und man fängt direkt an zu spielen. 

Wie kam es zu der Idee Tanz in dieses Projekt zu integrieren?

Gereon: Die Idee kam von mir. Zusammen mit einem Freund habe ich mal eine Session Freestyle-Session gespielt. Dabei brachten wir verschiedene Kunstformen zusammen, indem während unseres Sets digital gemalt und diese Bilder dann auf eine Leinwand projiziert wurden. Über eine Bekannte von mir, die auch Tänzerin ist, hatte ich vorher bereits Fang-Yu kennengelernt und sie zu dieser Session eingeladen. Ganz spontan fingen die beiden an zu unserer Musik zu tanzen – daran haben wir Gefallen gefunden. Auch Tom, der Kunsthistoriker, war begeistert!

Wenn wir spielen und Fang-Yu dazu tanzt, dann ist es wie als wäre noch ein drittes Instrument dabei. Zu zweit zu proben ist ein ganz anderes Gefühl es ist als wäre die Musik nicht so dicht. Mit den Visuals ist es ähnlich. Die Performance wirkt wie ein Film und ist fast schon meditativ und wie in einer Geschichte. Um das Konzert möglichst immersiv zu gestalten, machen wir auf der Bühne kaum Ansagen. 

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Ist die Tanzperformance spontan oder konzipiert?

Fang-Yu: Ich bereite mich vorher auf das Konzert vor und habe für jeden Song bestimmte Requisiten und Kostüme. Je nach Setlist oder Location passe ich meine Performance an, also ist immer ein wenig Spontanität dabei. Wenn ich bei der Location ankomme und beispielsweise nur begrenzt Platz habe, überlege ich mir, wie ich diese Situation in meiner Performance umsetzen kann. Der Tanz selbst ist auf der Basis dieser Rahmenstruktur meist also hauptsächlich improvisiert.

Gereon: Ich glaube dasselbe gilt für die Musik auch. Wir haben einen Aufbau, man weiß schon mit welchen Materialien Fang-Yu zu welchem Song arbeitet und es gibt bestimmt eine Struktur, an die man sich hält, aber es gibt sehr viele Freiheiten innerhalb dieses Rahmens. Das ist auch unser Ziel: Dass wir uns immer die Freiheit lassen auch live miteinander zu interagieren.

Tom: Mit unserer Bandsituation sind wir außerdem nicht an einen Bühnenbau gebunden. Das heißt, Shows ohne Bühne, wo man irgendwo dazwischen steht, sind oft die besten, weil man ganz spontan entscheiden kann wohin man sich bewegt und so interagiert. Man kann sich überlegen: Okay, wenn die Leute jetzt hauptsächlich da stehen, dann renne ich da durch die Menge durch. Auch beim Gitarrespielen ist mir Abwechslung sehr wichtig. Wenn jeder Song immer gleich bliebe, würde ich hibbelig.

Fang-Yu: Ich finde es immer wieder interessant, dass die Möglichkeiten zum Austausch mit dem Publikum bei jedem Event unterschiedlich sind. Beim Tanzen, abgestimmt zur Musik, wende ich mich dem Publikum zu und suche die Interaktion. 

Gereon: Manchmal hat Fang-Yu viel Platz zum Tanzen, und manchmal nicht. Bei unserem letzten Konzert im Zakk hatte sie nur circa zwei Quadratmeter zur Verfügung – das verändert die Show natürlich.

Fang-Yu, wie wirkt sich begrenzter Platz auf Deine Performance aus?

Fang-Yu: Die Atmosphäre ist für mich am wichtigsten. Wenn ich wenig Platz habe und mich nicht so frei bewegen kann, dann sorge ich dafür, dass der Effekt der Emotion trotzdem da ist – sei es durch Licht oder mein Kostüm. Mit verschiedenen Situationen zu spielen und dabei das Wichtige nicht aus den Augen zu verlieren, das wollen wir ausdrücken. 

Könnt Ihr etwas über das Album erzählen? Worum wird es auf Eurem Album gehen

Tom: Wir haben schon vor einer Weile mit den Aufnahmen begonnen, die sehr schnell gingen. Im Mixing- und Mastering-Prozess kam Corona. Wie jede Band fragten wir uns: Sollten wir mit der Veröffentlichung warten? Nach einer Weile entschlossen wir uns dazu, dass es trotz Corona Sinn macht, das Album zu veröffentlichen, denn inhaltlich geht es viel um aktuelle gesellschaftliche Themen wie den Klimawandel und die Fluchtproblematik. Es geht aber auch um Persönliches. Gereon neigt dazu, mitten in der Nacht mit einer neuen Idee für einen Song aufzuwachen, die wir dann zusammen weiterentwickeln. 

Gereon: Tom’s Art zu schreiben ist nie plakativ, sondern eher bildhaft und lässt viel Raum für Deutung. Es geht oft um ein Gefühl und mancher Text erschließt sich nicht sofort. Auch unser Bandname passt gut zu dieser Art von Musik und Text, denn Amour Vache heißt so viel wie stürmische Liebe oder Hassliebe. Wenn ich Songideen habe, schnappt Tom meine Intuition auf und macht etwas daraus. Er schreibt über Dinge, die ich ihm erzähle, als hätte er sie erlebt. 

Inwiefern beeinflusst Düsseldorf Euren musikalischen Output?

Tom: Obwohl wir nicht alle in Düsseldorf wohnen, ist die Stadt der zentrale Ort für unsere Band. Im Gegensatz zu den klaren Klischees und Vorstellungen von beispielsweise Duisburg oder Köln, denkt man bei Düsseldorf sowohl an Punkrock als auch an Schickimicki, Elektronik, Kunst und und und. Düsseldorf ist weder bergisches Land, noch Niederrhein oder Pott, es ist irgendwie so dazwischen.

Das spiegelt sich auch musikalisch wider, wie man beispielsweise in der Brandneu Düsseldorf Playlist hört, die von der Düsseldorfer Band Creeps kuratiert wird. Hier findet man in der Szene nicht die klassischen Genres, sondern viele Musiker*innen bringen ihren eigenen Stil oder verschiedene Einflüsse mit ein. Man kann das auch negativ bewerten und sagen, das ist nichts Halbes und nichts Ganzes, aber ich empfinde diese Art als etwas Positives.

Was schätzt ihr an Düsseldorf?

Gereon: Mich reizt am meisten der Mix aus Kunst und Punkrock. Diese Spannung zwischen den Feldern finde ich sehr interessant, sowie auch die Museumskultur. Neben der “Schickimicki”-Seite gibt es eben auch noch die Gegenbewegungen.

Tom: Ich finde Düsseldorf wunderschön!

Vielen Dank!

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Text: Maren Schüller
Foto: Sandeep Mehta
© THE DORF 2021

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