Beuys AR – Im Interview mit Fernanda Parente von ROSY DX

Inspiriert von den Ideen des Künstlers Joseph Beuys und ihrer heutigen Relevanz geht’s seit Mai auf Beuys’sche Schnitzeljagd in Unterwelt, Mittelwelt und  Oberwelt: Das Augmented Reality Erlebnis “Beuys AR” ist sowohl basierend auf der Geolocation in Düsseldorf als auch als Playspace verfügbar, der überall und zu jeder Zeit gestartet werden kann. Entwickelt wurde der Spaß von dem Düsseldorfer Digitalstudio ROSY DX in Zusammenarbeit mit der Augmented Reality Plattform “Scavengar” und der Veranstaltungsserie “beuys2021”. 

Die Feier zum 100. Geburtstag des deutschen Künstlers und Denkers Joseph Beuys im Jahr 2021 hat das Düsseldorfer Digitalstudio ROSY DX dazu inspiriert, seine Ideologie in die heutige Gesellschaft zu bringen – in Augmented Reality (AR). Inspiriert von Beuys’ revolutionärem Ansatz und futurologischem Denken will ROSY DX sein Vermächtnis auf eine Art und Weise ehren, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet, indem sie den Diskurs um Beuys’ Ideen und ihre heutige Relevanz in einer spielerischen AR-Erfahrung erweitern, die auf dem Konzept einer Schnitzeljagd basiert.

Das Erlebnis könnt Ihr in Düsseldorf durch das Scannen von QR-Codes an den folgenden Orten ausprobieren:
Die Unterwelt: Beuys Eiche (Haroldstraße 4)
Die Mittelwelt: Kunsthalle Düsseldorf (Grabbeplatz 4)
Die Unterwelt: Kunstakademie (Eiskellerstraße 1)
Ihr seid gerade nicht in Düsseldorf? Ihr könnt das Erlebnis ausprobieren, indem Ihr dort einen Spielraum einrichtet, wo Ihr seid. Informationen und Links sind hier zu finden: www.beuysar.com

Beuys war nicht nur eine herausragende Künstlerpersönlichkeit, sondern auch ein Verfechter der Basisdemokratie, ein Visionär, ein Meister der Kommunikation, ein ungewöhnlicher Hochschullehrer, ein Hobbypolitiker, ein Schamane und letztlich ein Mensch in ständiger Transformation. Offensichtlich hat Beuys seine Zeit überdauert, denn heute ist sein Ansatz aktueller denn je. Angesichts globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel und politischer Bewegungen, die unsere Demokratien bedrohen, gibt es keinen besseren Zeitpunkt, um sich erneut mit Beuys zu beschäftigen und seine Bedeutung für die Gesellschaft insgesamt zu untersuchen.

Über Raum und Zeit hinweg soll dieses Augmented Reality Erlebnis die Nutzer*innen dazu inspirieren, darüber nachzudenken, was Demokratie und Freiheit bedeuten, das Verhältnis zum Kapital und dessen Definition, die Interdependenz mit der natürlichen Umwelt und letztendlich Beuys auf eine einnehmende und spielerische Art und Weise kennenzulernen.

Ausgangspunkt ist die Stadt Düsseldorf, wo Beuys die meiste Zeit seines Lebens gelebt und gearbeitet hat. Drei ausgewählte Orte, die für Beuys von Bedeutung waren, werden als Startpunkte für drei metaphysische Reisen dienen, die von den Ideen des Künstlers inspiriert sind – in Augmented Reality. Beuys’ Interesse am Schamanismus ließ die Idee aufkommen, das Erlebnis in die drei Welten der schamanischen Reise zu unterteilen: die Unterwelt, die Mittelwelt und die Oberwelt.

Während die Benutzer*Innen durch das Erlebnis reisen, begegnen sie Kreaturen und Objekten, die sich auf Beuys’ Universum beziehen, und werden aufgefordert, sich mit den vom Künstler aufgeworfenen politischen, sozialen und ökologischen Fragen auseinanderzusetzen. Ihnen werden Aufgaben gestellt, die die Mechanik einer Schnitzeljagd nutzen, darunter das Finden und Sammeln von Objekten, Trivia, Multiple-Choice-Fragen und die Möglichkeit, ihre Reaktionen mit einem Gif zu teilen.

Am Ende jeder Erfahrung erhalten die Nutzer*innen eine spezielle Aufgabe, die ihnen ein Gefühl der Ermächtigung geben soll. Die Vision ist es, die Nutzer*innen dazu zu inspirieren, zu Agent*innen der Transformation in der Realität zu werden, in Anlehnung an Beuys’ Konzept der “sozialen Plastik”. ROSY DX glaubt, dass Beuys es gerne gesehen hätte, wenn jede*r die eigenen kreativen Kräfte aktiviert und sich an der Gestaltung dieses einen großen Kunstwerks, das die Gesellschaft ist, beteiligt.

Beuys AR wird mit der Scavengar Plattform als Rahmen für die weitere Entwicklung des Erlebnisses gebaut. Durch den Einsatz von Computer Vision (CV) in Kombination mit AR-Markern wird eine immersive Erfahrung geschaffen, die nicht nur hyperlokal, sondern auch persistent ist. In Kombination mit Machine Learning (ML), das vor allem für die Objekterkennung genutzt wird, geht das Erlebnis neue Wege im Grad der Immersion.

Eine der größten Herausforderungen für eine breitere Verbreitung von AR-Erlebnissen scheint der App-Download zu sein, der speziell für Aktivitäten außerhalb der eigenen vier Wände gilt. Um dieses Problem anzugehen, wird Apples neu angekündigte App Clip Technologie genutzt. Indem die Spiellogik auf ein Minimum reduzieren und die relevanten 3D-Daten nur auf Anfrage laden, können wir das Beuys AR-Erlebnis durch einen einfachen Scan eines Codes oder einen Klick auf eine URL bereitstellen. Kein App-Download notwendig.

Im Interview sprach THE DORF mit Fernanda Parente, der Mitgründerin von ROSY DX, über Beuys AR, wie die Idee entstanden ist und was Augmented Reality so besonders macht.

Was führte Dich in die Augmented-Reality-Kunst-Szene?
Ich arbeite als Kuratorin in „Tech & Art“ und bin hauptsächlich in der Mixed-RealityFilmszene aktiv. Ich programmiere viele Filmfestivals im Bereich Kunst und Technologie. Ich habe viele Filmfestivals kuratiert, wie beispielsweise das Film & Technology Festival Digital Biscuit in Dublin, wo ich auch gelebt habe. Irgendwann habe ich gelernt, wie man die neuen Technologien nutzt, um Geschichten zu erzählen. Das fand ich sehr spannend und wollte es auch selbst umsetzen.

Wer ist ROSY DX?
ROSY DX ist ein junges Unternehmen, das ich mit drei weiteren Co-Gründer*innen im Oktober 2019 in Düsseldorf gegründet habe. Das Team besteht aus Alain Bieber, Merlin Baum, Jasmin Grimm und mir.

Wie entstand die Idee zu Beuys AR?
Die Idee ist letzten Sommer entstanden, als wir an einem  Hackathon teilgenommen haben. Wir haben uns gefragt, was wir im Bereich der Kunst und Technologie Neues machen können und es hat uns sehr interessiert, die beiden Sparten zu kombinieren. Allerdings hat es überhaupt nicht zum Hackathon gepasst *lacht. Unser Ansatz mit Beuys AR war einfach komplett anders. Aber die Idee blieb bei uns. So haben wir jetzt im Mai den ersten Prototypen veröffentlicht und die App soll auch in die City-Tours von Düsseldorf Tourismus integriert werden.

Ein Teil des Teams lebt in Berlin und ein Teil in Düsseldorf. Was macht Eure Beziehung zu Düsseldorf aus?
Ich lebe in Berlin, da ich schon immer einmal dort leben wollte, aber ich bin bzw. war ständig in Düsseldorf. Dadurch hatte ich schon immer eine besondere Verbindung zu Düsseldorf. Ich liebe auch einfach die Kunstszene in Düsseldorf und da war es klar, dass das Zuhause von ROSY DX Düsseldorf sein musste!

Worauf bist du bei Beuys AR am meisten stolz?
Ich finde es toll, dass es im Grunde für jede*n auf der ganzen Welt zugänglich ist. Es ist nicht zwingend an einen Ort gebunden und alles was man braucht, ist nur ein iPhone (die App ist vorerst nur im Apple-Store verfügbar). Außerdem mag ich, dass wir Beuys‘ Ideen aufgreifen und die komplexen Themen so aufarbeiten, dass sie Spaß machen, unterhalten und man gleichzeitig einiges lernt.

Text: PR & Amani El Sadek
Fotos: Beuys AR © Rosy DX
© THE DORF 2021

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