EROBIQUE

Name: Carsten Meyer
Künstlername: Erobique
Beruf: Musiker
Gelernter Beruf: eigentlich Grafik Design – aber nicht lange und nicht zu Ende studiert

Alter:  46 Jahre
Wohnort: Hamburg
Geburtsort: Saerbeck/Westfalen
Facebook: www.facebook.com/Erobique        

Es dürfte in Deutschland nicht viele Musiker geben, die auch nur halb so viele musikalische Projekte und Kollaborationen an den Start gebracht haben wie Carsten „Erobique“ Meyer. Für die „taz“ ist er „der vielseitigste Entertainer der Republik“, für die „FAZ“ eine „lebende Discokugel“, und er selbst nennt sich schlichtweg den „letzten Discopunk Deutschlands“. Vor rund 20 Jahren tauchte Erobique erstmalig als Support bei einer Fischmob-Tour auf, und seitdem prägt er die deutsche Musikszene: Er war Mitglied von International Pony, arbeitete mit Rocko Schamoni und Schorsch Kamerun, schrieb die Filmmusik zu „Fraktus“ und den Soundtrack zu der Serie „Der Tatortreiniger“. Wenn Erobique live spielt, artet das seitens des Publikums meist in eine einzige Tanzparty aus. Wer seine Hits „Urlaub in Italien“ oder „Easy Mobeasy“ einmal gehört hat, bekommt sie wochenlang nicht mehr aus dem Kopf.

Jetzt holt das Asphalt Festival die Endorphinmaschine nach Düsseldorf und hat für den Auftritt einen ganz besonderen Ort gesucht und gefunden: den traumhaft schönen Malkastenpark. In Kooperation mit The Dorf und dem Zakk wird Erobique dort am 14. Juli zwischen Venusteich und uralten Bäumen ein Open-Air-Konzert in der Abendsonne geben, und als Support legt DJ Paul Speckmann (Golden Pudel Club, Hamburg) auf.

Wir haben Erobique im Vorfeld des Konzerts in seinem Studio in Hamburg getroffen und mit ihm über Düsseldorf, Henry Storch und die verbindende Kraft der Musik gesprochen.

Für Leute, die dich und deine Musik nicht kennen: Wie würdest du deinen Musikstil beschreiben? Als Erobique-Discomusik für die ganze Familie. Ich bediene mich der Popkultur und versuche daraus live eine leicht abenteuerliche, schrottige Mischung zu machen.

Welche Instrumente hast du dabei, wenn du alleine auf der Bühne stehst? Eine MPC, das ist ein Sampler-Gerät, da hängen verschiedene kleine Keyboards dran. Und dann oft auch noch große Schlachtschiffe, so ein Fender Rhodes oder ein Clavinet von Hohner.

Und du singst auch? Wenn man das so nennen will …

Wie bist du zur Musik gekommen? Mir hat irgendwann mal ein Schulfreund den Anfang von „Der rosarote Panther“ auf dem Klavier gezeigt, da waren wir gerade in der Grundschule, vielleicht fünf oder sechs Jahre alt. Von da an habe ich meine Eltern richtig genervt, dass sie mir Klavierstunden bezahlen. Ich wollte das unbedingt. Wir hatten ein Klavier zu Hause stehen, das aber keiner benutzt hat, und da hat es mich echt schon in frühester Kindheit hingezogen. Und dabei ist es geblieben.

Welche Musiker haben dich geprägt oder inspiriert? Ach – zu viele, um ehrlich zu sein. Ich bin wirklich sehr interessiert an allen möglichen Musikstilen, aber mein Herz schlägt schon sehr für Soul, Jazz, afroamerikanischer Musik. Stevie Wonder kann man auf jeden Fall nennen. Vielleicht irgendwas zwischen Stevie Wonder, Helge Schneider und der Sesamstraße, das wären so meine Koordinaten.

Du hast ja schon unheimlich viele verschiedene Projekte gemacht und auch mit den unterschiedlichsten Musikern zusammengearbeitet. Sticht da für dich persönlich etwas heraus, das dir besonders viel bedeutet? Es gab dieses „Songs for Joy“-Projekt, das ich in den 2000er Jahren mit Jacques Palminger am Gorki gemacht habe. Da konnten Laien ihre Texte und Musikideen einsenden und wir haben zusammen mit denen dann die Lieder nicht nur geschrieben, sondern auch produziert und aufgenommen. Es war so eine Art offenes Studio über zwei Wochen am Maxim Gorki Theater in Berlin, und da sind tolle Sachen entstanden – zum Beispiel das schöne Lied „Wann strahlst du“. Das liegt mir bis heute sehr am Herzen.

Wie kam denn ein Discomusiker wie Erobique ans Theater? Mittlerweile hast du ja auch schon Musik für Theaterstücke geschrieben. Schorsch Kamerun und Rocko Schamoni haben mich mal vor fast 20 Jahren, 2001 oder 2002 war das, ans Theater geholt. Die haben sich da auch irgendwie so reingeschlichen. Am Theater lernt man wahnsinnig viel, und es macht Spaß, weil man so interdisziplinär arbeitet: mit Bühnenbild, Kostüm, Bühnentechnik, aber auch mit den Schauspielern – das ist toll.

Asphalt ist ein sehr interdisziplinäres Festival, die haben Theater, Tanz, Kunst, verschiedenste Musikstile im Programm. Da müsstest du dich wohlfühlen. Ich finde das Interdisziplinäre echt wichtig. Man muss sich für alles interessieren und überall mit offenen Ohren und Augen hingehen.

Du hast in der Vergangenheit schon in Düsseldorf gespielt. Kennst du die Stadt ein bisschen? Was ist dir in Erinnerung geblieben? Von Düsseldorf ist mir auf jeden Fall Henry Storch in Erinnerung geblieben, der ja leider gestorben ist und mir sehr viel bedeutet hat. Der ist dafür verantwortlich, dass ich vor über 20 Jahren aus Münster rausgekommen bin. Ich kannte den Unique Club, weil eine Freundin damals in Düsseldorf ein Praktikum gemacht hat, und wir sind einfach abends auf die Straße und haben nette, junge Leute angesprochen, wo sie hingehen. Und die haben uns den Unique Club empfohlen. Henry Storch und das Unique-Club-Umfeld – das ist so meine Connection nach Düsseldorf.

Ich habe in einem Nachruf auf Henry gelesen, dass er einmal gesagt hat, der schönste Auftritt seiner Karriere wäre mit dir zusammen in Montreux gewesen. Ja, das habe ich auch gelesen, da habe ich mich wahnsinnig drüber gefreut! Das war aber auch toll. Das lief damals über Acid Jazz. Henry hat ja Connections gehabt nach England zu Eddie Piller und dem Acid-Jazz-Label, das hat damals meine Sachen in England veröffentlicht. Und dann saßen wir auf einmal alle im Auto und sind nach Montreux gefahren und haben wirklich nur Quatsch gemacht. Es war herrlich.

Kennst du den Ort, wo du jetzt beim Asphalt Festival spielen wirst, den Malkastenpark? Nein. Aber ich werde komischerweise hier in Hamburg angesprochen von Leuten die sagen: Wir kommen extra nach Düsseldorf, weil das so ein tolles Festival und so ein toller Ort ist. Ich habe ja auch hier in Hamburg gespielt Ende Mai, aber die wollten lieber nach Düsseldorf.

Wie viele Konzerte spielst du im Jahr? Je besser es läuft, desto weniger spiele ich. Jetzt war ich zuletzt bei 20 Konzerten. Aber man vergisst dabei, was daneben herläuft. Ich habe Studioarbeit, ich nehme Platten auf, ich mache auch viel Quatsch – gestern Abend habe ich noch bei einer Ausstellungseröffnung eine befreundete lateinamerikanische Sängerin begleitet. Musik beschäftigt mich schon jeden Tag. Damit ich das machen und mir den Rücken freihalten kann, muss ich aber eben auch meine Konzerte spielen.

Das klingt aber fast so, als wäre das etwas, was du nicht so richtig gerne machst. Nein, überhaupt nicht. Die Konzerte mache ich richtig gerne. Ich schraube aber nicht lange herum. Ich mache das jetzt seit 20 Jahren eigentlich relativ gleich, nur hier und da wird behutsam modernisiert. Das macht mir Freude. Aber je weniger ich das machen muss, desto mehr Spaß macht es mir auch.

Weil es dann immer etwas Besonderes ist? Ja. Und du darfst auch nicht vergessen, dass ich vor 15 Jahren, als ich so Anfang 30 war, wie nahezu jeder junge, selbstständige Mann wahnsinnige Steuerprobleme und Steuerschulden hatte. Ich musste wirklich jedes Wochenende zwei bis drei solcher Konzerte geben, die dann auch noch nachts in Clubs stattgefunden haben. Und dann kommst du auf den Trichter: Damit komplett meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, das geht nicht. Das macht auf Dauer keinen Spaß, dann wird man es auch Leid. So, wie es jetzt läuft, macht es totale Freude. Beim Konzert in Düsseldorf kommen zum Beispiel meine Eltern mit meinem kleinen Neffen vorbei. Und das ist natürlich auch schöner, wenn man solche Konzerte macht, als wenn man da mit 45 noch nachts im Club steht und auf seinen Auftritt um 4 Uhr morgens warten muss. Das geht einfach nicht mehr.

Dieses Jahr gibst du nur drei Open-Air-Konzerte: in Hamburg, Berlin und beim Asphalt Festival in Düsseldorf. Was macht für dich den Reiz aus im Vergleich zu einem Konzert in einer Halle oder einem Club? Das Schönste ist natürlich, wenn während des Auftritts auch noch die Sonne untergeht. Das finde ich immer das Beste daran. Aber ich denke: Allen macht’s Spaß, draußen zu sein.

Die Macher des Asphalt Festivals verstehen Kunst als Kitt für die Gesellschaft. Sie finden es gerade in heutigen Zeiten wichtig, Kulturveranstaltungen auf die Beine zu stellen, um Menschen zusammenzubringen. Dass man einen Ort der Begegnung schafft, wo sich Leute austauschen und kennenlernen können. Siehst du das ähnlich? Mir ist Inklusivität wichtig. Dass alle eingeladen sind mitzumachen. Dass man niemanden außen vor lässt – außer natürlich, wenn sie Nazis oder Rassisten sind. Bei meiner Musik kann jeder andocken. Meine Eltern zum Beispiel können auf dem Konzert ihren Spaß haben und kapieren, was ich da mache. Und was ich ganz toll finde: Viele junge Leute gerade um die 20 kapieren das ebenso und können da mitmachen. Vor 15 Jahren war das noch strenger, da war es wichtig, sich abzugrenzen über einen bestimmten Musikgeschmack oder einen Kleidungsstil. Aber es geht ja eigentlich genau um das Gegenteil. Bei mir heißt es: Hey, ich mache eine Party, macht alle mit.

Was geschieht da so, wenn Leute auf deinen Konzerten zusammenkommen? Mir ist schon öfter passiert, dass sich das Barpersonal nach einer getanen Nacht noch mal bedankt hat, dass die Leute alle so freundlich und höflich zu ihnen waren. Darauf bin ich ein bisschen stolz. Ich habe auch kein Problem damit, mich nach Konzerten ansprechen zu lassen und bin durchaus sichtbar. Ich bin immer total begeistert, wie nett und freundlich die Leute auf mich zukommen. Das ist die Idee: Dass man sehr nett und gut miteinander umgeht, wenn man zusammen feiert. Das ist ja auch die eigentliche Disco-Idee. Man schafft einen komplett safen Raum, in den man reinkommen kann, wie man will, und sein kann, wie man will, und man fühlt sich wohl, weil alle freundlich miteinander umgehen.

Vielen Dank!

Text: Marita Ingenhoven
Fotos:  Yvonne Schmedemann (Titelbild) | Marita Ingenhoven (Interview) | Kruno Stipesevic (Malkastenpark mit Terrasse) | Künstlerverein Malkasten (Park)
© THE DORF 2019

Erobique im Park (Asphalt Festival Veranstaltung)
Wann: 14. Juli 2019
Beginn: 18.30 Uhr
Einlass: 17 Uhr
Vor Konzertbeginn legt DJ Paul Speckmann (Golden Pudel Club, Hamburg) auf.
Ort: Künstlerverein Malkasten
Jacobistraße 6a | 40211 Düsseldorf
In Kooperation mit dem Künstlerverein Malkasten, dem Kulturzentrum zakk Düsseldorf und THE DORF.

Karten kosten im VVK 20 Euro, ermäßigt 15 Euro, zu beziehen über www.asphalt-festival.de oder unter tel. 0211-33 99 00 44. Wer noch ein Ticket braucht, sollte sich beeilen: >> UPDATE << Das Konzert ist ausverkauft und es werden vermutlich wenige Restkarten an der Abendkasse verfügbar sein.

TIPP! Wir verlosen: 1 x 2 Tickets für das Erobique-Konzert und die Vinyl von „Urlaub in Italien“ bei uns auf Facebook & Instagram

 

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