Heidi kocht

Heidi Heller ist Ehefrau, Mutter, Familienmensch und leidenschaftliche Köchin. All das vereint sie in ihrem Kochbuch „Heidi kocht“. Auf liebevolle Art und Weise vermittelt sie Gleichgesinnten und Kochinteressierten ihre kulinarische Philosophie, überrascht mit ausgefallenen und dennoch bodenständigen Rezepten und überliefert altbewährte Familienrezepte, die die Köchin selbst an ihre eigene Kindheit erinnern. Beim Gedanken an das eigene Lieblingsgericht, einer duftenden Küche und dem festen Sitzplatz am Familientisch überkommt uns wohl alle ein wohlig-warmes Gefühl von Geborgenheit. Wie es zu ihrem eigenen Kochbuch kam und welche Rolle ihre Familie dabei spielte, erzählt die Düsseldorferin uns im Interview auf ihre offene und lebensfrohe Art.

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Schon als junges Mädchen entwickelte sich ihre Begeisterung fürs Kochen: „Meine Ferien habe ich sehr oft im Harz auf dem Bauernhof meiner Tante in Hammenstedt verbracht. Sie war ausschlaggebend und hat mein Interesse geweckt, weil es dort immer unglaubliche Mengen zu kochen gab und sie froh war, wenn ich ihr helfen konnte. Meine Tante backte wahnsinnigen Kuchen. Das hat mich gereizt und ich fing schon als Kind an zu backen.“

Auch über ihre Jugend hinaus ist die Begeisterung für leckeres, frisches Essen geblieben. Schon bevor es mehr in der Mitte der Gesellschaft angekommen war, konzentrierte Heidi sich auf die vegetarische Ernährung. Nach 30 Jahren in Düsseldorf und einem Lehramtsstudium wurde sie früh Mutter, zog weg von der Stadt ins Bergische Land und widmete sich dieser Aufgabe mit vollem Herzen. In der Schwangerschaft mit ihrem ersten Kind sei ihr der Einfluss von Ernährung wichtiger geworden und aus Verantwortung für das Wohlsein ihres Ungeborenen habe sie sich mehr Gedanken um gesundes Leben gemacht. 

„Wir stellten schnell fest, dass uns die vegetarische und vor allem die vollwertige Ernährung besser bekommt und gesünder ist. Bei der Vollwerternährung wird mit pflanzlichen, biologischen und gering verarbeiteten Lebensmitteln gearbeitet und auf industriell verarbeitete Nahrung verzichtet, da bei diesen viele Nährstoffe verloren gehen. Da ich ein kreativer Mensch bin, erkannte ich, dass man dadurch außerdem noch kreativer kochen kann – das hat mich am meisten daran gereizt“, erzählt sie von ihrer Ernährungsumstellung. 

Die Idee ein Kochbuch zu veröffentlichen, entstand zusammen mit ihrer Tochter, als die beiden im selben Unternehmen, bei der Fashionagentur Igel in Erkrath, arbeiteten und das Personal immer wieder begeistert war von dem, was Heidi in der Betriebsküche täglich zur Mittagszeit auf die Teller zauberte. Von der Idee bis zum fertigen Buch dauerte es noch über ein Jahr und die Umsetzung wurde maßgeblich durch die Hilfe von Heidis Sohn Rian erleichtert, der als Fotograf die Bilder zu den Rezepten beisteuerte. 

„Mein eigenes Kochbuch in der Hand zu halten – das war erstmal unglaublich! Wir waren alle sehr aufgeregt und stolz.“

Ob als Testesser, beim Layout, dem Lektorat oder dem Halten des Aufhellers für die richtige Belichtung – Familie und Freunde halfen bei der Produktion, wo es ging. Die Gerichte im Buch habe sie teilweise mehrmals kochen müssen, um das perfekte Foto zu bekommen. Glücklicherweise erbarmte sich die Familie und der Freundeskreis immer wieder dazu, das alles zu essen, lacht Heidi rückblickend. 

In „Heidi kocht“ greift sie auf eine lange Sammlung an Rezepten zurück, die sich in den vielen Jahren als Nichte, Mutter und Großmutter angehäuft haben. Inspiriert von bewusster Ernährung, ihrer Erfahrung als Mutter und dem Leben auf dem Land haben es über 100 vegetarische Rezepte für jede Tageszeit in das hochwertige Buch geschafft. Heidi wohnt mit ihrer Familie seit über 30 Jahren kurz vor den Toren Düsseldorfs, im historischen Fachwerkdorf Gruiten im Bergischen Land mit kleinem Garten und Gewächshaus. Gurken, Tomaten, Salat, Kürbisse, Kräuter, Obst und Beeren kommen bei ihr zuhause aus eigenem Anbau – und auch alle anderen Zutaten für ihre leckeren Gerichte werden bewusst im Bioladen oder direkt vom Markt gekauft. 

Die umweltbewusste Köchin genießt das ländliche Leben in der Natur, erinnert sich aber auch gerne an ihre Zeit in der Stadt zurück, in der sie gerne und oft Düsseldorfer Museen wie das K20 besuchte. Charakteristisch für Düsseldorf findet Heidi neben der großen Kunstszene auch den Rhein und seine vielen unterschiedlichen Facetten, die man von der Rheinpromenade bis hin zu den Rheinauen in Kaiserswerth entdecken kann. Wenn es sie heute mal wieder ins Dorf verschlägt, kehrt Heidi am liebsten im angesagten Velvet auf der Stresemannstraße ein, denn dort gefällt ihr das Angebot an frischen Speisen besonders gut.

Während heutzutage immer mehr Menschen ein Bewusstsein für gesunde Ernährung entwickeln oder sogar ihr Leben lang auf tierische Produkte verzichten, war das vor gar nicht allzu langer Zeit noch der Ausnahmefall. Heidi allerdings war mit selbst gebackenem Vollkornbrot, vegetarischen Aufstrichen und Rohkost schon vor 40 Jahren eine Vorreiterin in Sachen Ernährungsumstellung, und so wuchsen auch ihre Kinder schon begeistert von Salat, Möhrenkartoffeleintopf und Buchweizenbratlingen auf. „Für uns waren gemeinsame Mahlzeiten immer sehr wichtig und wir haben uns viel Zeit dafür genommen.“ 

„Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, habe ich sofort die riesigen Kuchenbleche meiner Tante vor Augen. Im Dorf gab es ein Backhaus, wo man seine Backzeit buchen konnte. Meine Tante und ich fuhren zusammen dorthin mit Bäckerblechen, die dreimal so groß waren wie übliche Backbleche, das hat mich damals sehr fasziniert und ich bin noch immer leidenschaftliche Kuchenbäckerin, deswegen gibt es auch ein Kapitel mit Kuchenrezepten in meinem Buch.“

Heute sei Quiche ihr Leibgericht. „Ich könnte jeden Tag Quiche essen, in welcher Variante auch immer. Leider passten nicht alle Rezepte ins Buch, da hätte es ein eigenes Quiche-Rezeptbuch geben müssen.“ 

„Lass weg, was du nicht magst und füge hinzu, was du gut findest. Selber kochen soll dir Spaß machen und dein Leben bereichern. Wir halten eine gesunde Lebensweise nur durch, wenn sie uns schmeckt.“

Heidis Küchenphilosophie beruht nicht nur auf bewusster Ernährung, sondern auch auf Spaß an der Sache. So hat sie auch Ratschläge für Anfänger*innen parat: „Damit das Kochen Spaß macht und gelingt, empfehle ich alle Zutaten für das Rezept bereits vorher zusammen zu stellen und erst dann zu beginnen. In der Küche kann es schnell chaotisch werden. Wenn man nach Rezept arbeitet, sollte man es einmal von vorne bis hinten durchlesen – (ich muss zugeben, dass ich das selbst selten mache, aber) die Erfahrung zeigt, dass es meistens besser gelingt, wenn man sich die Zeit dafür nimmt. Stellt man sich dann wirklich alles hin wie in einer Fernsehküche, geht es einfach besser von der Hand.“

SALAT MIT MARINIERTEM KÜRBIS

Vor dieser Rezeptentdeckung kannte ich Kürbis nur gekocht. In der hier beschriebenen Salatzubereitung bleibt der Kürbis roh. Geschmacklich tendiert das milde Fruchtfleisch mit der namensgebenden feinen Muskatnote leicht zum Säuerlichen. Ein leichtes, überraschend leckereres Gericht. Probiert es aus!

800 g Muskatkürbis
Meersalz
Zucker
50 ml Apfelsaft
40 g Rosinen
1 Zitrone
300 g säuerliche Äpfel, z.B. Boskop
2 EL Traubenkernöl
40 g Kürbiskerne
2 Bund Rucola
2 EL Kürbiskernöl

Den Kürbis schälen, das innere Stroh mit den Kernen entfernen und das Fruchtfleisch in dünne Scheiben hobeln. Ich nehme einen Gurkenhobel, es geht auch mit einem Sparschäler.

Die Kürbisscheiben auf einem großen Teller auslegen, mit etwas Salz und Zucker bestreuen und 15 Minuten ziehen lassen. Anschließend abwaschen und trocken tupfen.

Den Apfelsaft aufkochen und die Rosinen darin 5 Minuten einweichen.

Inzwischen die Zitrone auspressen, die Äpfel schälen und entkernen, ebenfalls dünn hobeln und zusammen mit den Kürbisscheiben mit Traubenkernöl und dem Zitronensaft marinieren.

Die Kürbiskerne in einer trockenen Pfanne rösten und abkühlen lassen.

Den Rucola waschen und trocken schleudern.

Alle Zutaten vermischen und vor dem Servieren mit Kürbiskernöl beträufeln.

Rezept aus dem Koch- und Backbuch „HEIDI KOCHT vegetarisch“, S.230, Kapitel „Gastfreundschaft“

„HEIDI KOCHT vegetarisch“ Kochbuch
Mehr als 100 vegetarische Rezepte mit veganen Varianten für jede Tageszeit, 29 €, erhältlich ab sofort im THE DORF THE SHOP!

Text: Maren Schüller
Fotos: Rian Heller
© THE DORF 2021/22

English version:

Heidi Heller is a wife, mother, devoted to her family and a passionate cook. She incorporates all of this in her cookbook “Heidi kocht”. She lovingly conveys her culinary philosophy to like-minded people and those interested in cooking, surprises with unusual yet down-to-earth recipes and passes on tried-and-tested family recipes that recall memories of her own childhood. Just the thought of one’s favourite dish, a fragrant kitchen and a place at the family table is usually enough to conjure a warm and cosy feeling of safety. During our interview Heidi, who hails from Düsseldorf herself, tells us in her open and lively manner how her own cookbook came about and what role her family played in it.

Her enthusiasm for cooking developed when she was still a little girl. “I often spent my holidays in the Harz mountains on my aunt’s farm in Hammenstedt. She played a huge role in sparking my interest in cooking as there were always incredible amounts of food to be cooked and she was happy when I could help her. My aunt also baked the most awesome cakes. That appealed to me and I started baking when I was still a child.” 

Even beyond her youth, the enthusiasm for delicious, fresh food is still alive and well. Heidi focused on vegetarian food long before it became fashionable. After 30 years in Düsseldorf and a teaching degree she soon became a mum, moved away from the city to the Bergisches Land and dedicated herself wholeheartedly to her new role. During the pregnancy with her first child the role of nutrition became more important to her and out of responsibility for the well-being of her unborn child she became more concerned about healthy living. 

“Don’t use what you don’t like and add, what you do like. Cooking is supposed to be fun and enrich your life.” 

“We soon realised that vegetarian and, above all, wholefood nutrition suited us better and was healthier. The wholefood diet uses plant-based, organic and minimally processed foods and avoids industrially processed foods because they lose so many nutrients. Since I am a creative person, I realised that it also allows me to cook more creatively – that’s what attracted me to it the most,” she says about her dietary change. The idea to publish a cookbook came about when she and her daughter both worked in the same company, the fashion agency Igel in Erkrath. Colleagues were always impressed by what Heidi managed to create in the company kitchen at lunchtime. It took more than a year from the initial idea to the finished book, and the realisation was facilitated considerably by the help of Heidi’s son Rian, who, as a photographer, contributed the pictures to the recipes. 

“To be able to hold my very own cookbook in my hand – that was incredible at first! We all were very excited and proud.” Whether trying out new meals, helping with the layout, editing or holding reflectors for the right exposure – family and friends helped with the production wherever they could. She had to cook some of the dishes in the book several times to get the perfect photo. Fortunately, family and friends always took pity on her and polished it all off afterwards, Heidi laughs in retrospect. 

In “Heidi kocht” she draws on a long collection of recipes accumulated over her many years as a niece, mother and grandmother. Inspired by the concept of conscious nutrition, her experience as a mother and her life in the countryside, she created over 100 vegetarian recipes to be enjoyed at any time of the day that made it into this high quality book. For over 30 years Heidi has lived with her family just outside Düsseldorf in the historic timber framework village of Gruiten in the Bergisches Land, where she has a small garden and greenhouse. Cucumbers, tomatoes, lettuce, pumpkins, herbs, fruit and berries come from her garden at home – and all other ingredients for her delicious dishes are deliberately bought at the organic food shop or directly from the market. 

The environmentally conscious cook enjoys her rural life amongst nature, but she also likes to remember her time in the city, when she enjoyed visiting Düsseldorf ’s museums such as the K20. In addition to the great art scene, Heidi also regards the river Rhine and its many different facets, which can be discovered from the Rhine promenade all the way to the Rhine meadows in Kaiserswerth, a characteristic feature of Düsseldorf. Nowadays, when she finds herself back in “the Dorf”, Heidi prefers to eat at the trendy restaurant Velvet on Stresemannstraße, because she particularly likes the variety of fresh food on offer there. 

While nowadays more and more people are developing an awareness of healthy eating or even abstain from using animal products for life, not so long ago this was still the exception. Heidi, however, was a pioneer of dietary change 40 years ago with home-baked wholemeal bread, vegetarian spreads and raw foods, and so her children also grew up enthusiastic about salad, carrot and potato stew and buckwheat fritters. “For us eating meals together was always very important and we always made time available for that.” 

“When I think back to my childhood, I can immediately see the large cake trays of my aunt. In the village there was a bakery, where you could book a slot for baking. My aunt and I would drive there with baking trays that were three times the size of normal trays, I was always fascinated by that and I am still a passionate baker, which is the reason for dedicating a whole chapter to cake recipes.” 

Nowadays quiche is her favourite dish. “I could eat quiche every day, in any variation available. Unfortunately not all recipes made it into the book, anyway, there would have had to be a separate book just for quiche.” “Don’t use what you don’t like and add, what you do like. Cooking is supposed to be fun and enrich your life. We can only maintain a healthy lifestyle when we like what it tastes like.” 

Heidi’s kitchen philosophy is not only based on conscious eating, but also on enjoyment. This is why she also has advice for novices at the ready: “In order for cooking to be fun and successful I recommend to get all the ingredients out of the cupboards before you start. It can get chaotic very quickly when cooking. When you try and follow a recipe it makes sense to read it from beginning to end – although I have to admit that I don’t always do it myself – but experience shows, that the outcome is usually better when you take the time before you start. When you then line up everything like in a cookery show, everything is just easier.” 

SALAD WITH MARINATED PUMPKIN 

Before I discovered this recipe I only ever boiled pumpkins. However, in this salad recipe the pumpkin remains raw. The fruit pulp with its note of nutmeg has a tendency to taste a tiny bit sour. It is a light, surprisingly delicious meal. Give it a try! 

800 g Fairytale pumpkin (Musque de Provence)
Sea salt
Sugar
50 ml apple juice
40 g sultanas
1 lemon
300 g sour apples, such as Boskop
2 tbsp grape seed oil
40 g pumpkin seeds
2 bunches of rocket
2 tbsp pumpkin seed oil 

Peel the pumpkin, remove the inner straw with seeds and cut the fruit pulp into very thin slices. I usually use the cucumber slice side of the grater, but you can also use an asparagus peeler. 

Lay out the pumpkin slices on a large plate, sprinkle with a little salt and sugar and leave to marinate for 15 minutes. Then rinse and pat dry. 

Bring the apple juice to the boil and soak the sultanas in it for 5 minutes. 

In the meantime squeeze the lemon, peel and core the apples, slice them thinly and marinate them together with the pumpkin slices with grape seed oil and lemon juice. 

Roast the pumpkin seeds in a dry pan and leave to cool.
Wash the rocket and spin dry.
Mix all ingredients and drizzle with pumpkin seed oil before serving. 

Recipe from the cook- and baking book “HEIDI KOCHT vegetarisch”, p.230 — chapter “Gastfreundschaft” 

HEIDI KOCHT vegetarisch
More than 100 vegetarian recipes with vegan alternatives to enjoy any time of the day, 29,00 €,
available at heidikocht.de and THE DORF THE SHOP!


THE DORF • THE MAG is part of the #urbanana project by Tourismus NRW

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