Julia Stoschek Collection – Christoph Schlingensief: Message in a Bottle

Im Frühjahr 2021 widmen sich gleich drei Düsseldorfer Institutionen in einer übergreifenden Kooperation dem Werk Christoph Schlingensiefs. Christoph Schlingensief (1960–2010) war einer der wichtigsten deutschsprachigen Künstler seiner Zeit. Mit seinen politisch subversiven, oft extremen Aktionen und Projekten hob er die Grenzen zwischen Theater, Film, Fernsehen, Literatur und bildender Kunst auf. Mit dem Tod des Künstlers im Jahr 2010 entstand eine künstlerische Leerstelle, die weit über den deutschsprachigen Raum hinaus bis heute zu spüren ist.

Während die Kunstsammlung Nordrhein- Westfalen Christoph Schlingensief. Kaprow City zeigt, präsentiert das Filmmuseum eine Schlingensief-Filmreihe sowie Fotos von Eckhard Kuchenbecker, seinem Tonmeister und Vertrauten. Die Ausstellung CHRISTOPH SCHLINGENSIEF: MESSAGE IN A BOTTLE in der Julia Stoschek Collection Düsseldorf vereint erstmalig Schlingensiefs Werke aus dem Sammlungsbestand von Julia Stoschek in einer Präsentation. Die gezeigten Fotoprints, Videos und Mixed-Media-Installationen entstanden zwischen 2003 und 2008. Es sind Fragmente aus Schlingensiefs Performances und Inszenierungen, die von Julia Stoschek mäzenatisch unterstützt wurden.

THE DORF spricht im Interview mit Julia Stoschek über die Beziehung zu Christoph Schlingensief, wie es zu der Kooperation mit den anderen Institutionen kam und was unsere Gesellschaft von der Arbeit Schlingensiefs auch heute noch lernen kann. Update 19. Mai 21: Die Ausstellung kann ab dem 22. Mai wieder besucht werden!

Wie kam die Zusammenarbeit zwischen dem K20, dem Filmmuseum und der Julia Stoschek Collection zustande?
Julia Stoschek: Der Wunsch, Christoph Schlingensiefs Werk institutionell zu würdigen, bestand schon lange. Sein zehnter Todestag fiel im letzten Jahr mit den Unwägbarkeiten dieser Pandemie zusammen. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass die Kunstsammlung NRW unter der Leitung von Susanne Gaensheimer, jetzt als erste Institution diesen Schritt geht. Christoph stand mir als Freund und Kollege sehr nah. Ich habe unglaublich gerne mit ihm zusammengearbeitet.

Dass wir uns als Privatsammlung im Rahmen unserer Möglichkeiten beteiligen würden, war von Beginn an klar. Düsseldorf ist prädestiniert für die Zusammenarbeit verschiedener Institutionen. Hier sind die Kulturschaffenden eng vernetzt und unterstützen sich gegenseitig.

Kannst Du uns in einem Satz verraten, wie der Name der Ausstellung „Message in a Bottle“ zustande kam?
Message in a Bottle ist der Titel einer kleinen Arbeit, die Christoph mir zur Eröffnung meiner zweiten Sammlungsausstellung NUMBER TWO: FRAGILE (2008) geschenkt hat. Sie besteht aus einem Holzrahmen und darauf verschraubten Plexiglasplatten. Dazwischen befindet sich ein an Christoph adressierter Brief, durch den sich eine 8-MM-Spule erahnen lässt. Um herauszufinden, was auf dem Film zu sehen ist, müsste man die Arbeit zerstören. Das werde ich niemals tun (siehe Titelbild).

Christoph Schlingensief und Du waren langjährige, enge Freunde. Was hast Du, in beruflicher Hinsicht, von ihm gelernt oder mitgenommen?
Sich von der Politik nichts gefallen zu lassen und den Finger, wenn nötig, in die Wunde zu legen – das habe ich von Christoph gelernt.

Wie hat das die Entwicklung der Ausstellung beeinflusst, welche Rolle spielte dabei die Familie? Wie emotional war das Ganze?
Ich habe Christoph immer versprochen, dabei zu helfen, dass er institutionell gewürdigt wird. Ursprünglich wollte ich eine Einzelausstellung machen, aber das hat leider den finanziellen Rahmen gesprengt. Deshalb freue ich mich sehr über die große Installation Kaprow City im K20.

Was würdest Du Dir wünschen: Was sollte sich unsere Gesellschaft von seinen Arbeiten abgucken?
Christoph fehlt. Er steht für mich in einer Reihe mit Kippenberger und Beuys: politische Künstler aus Deutschland, die der Gesellschaft den Spiegel vorgehalten haben. Wenn man sich etwas abgucken kann, dann die Haltung, neugierig durch die Welt zu gehen, sich nicht mit dem Konsens zufriedenzugeben und alles zu hinterfragen. Was man nicht lernen kann: Die richtigen Fragen zu stellen, das hat Christoph einzigartig gemacht.

Die Grenzen zwischen verschiedenen Kunst- und Kulturformen vermischten sich in Schlingensiefs Arbeiten oft. Er vermischte auch die Grenzen zwischen Politik und Kunst. Wäre es, insbesondere in unserer aktuellen Situation zuträglich die Politik künstlerischer zu gestalten?
Kunst kann eine Sprache sein, die Antworten gibt, wo das Wort versagt. Wenn man sich wie aktuell in einer politisch so angespannten Lage befindet, wird das Fehlen von Christoph Schlingensief noch einmal deutlicher. Ich kann bis heute niemanden erkennen, der in seine Fußstapfen getreten ist.

Ist geplant, die Ausstellung auch online zu zeigen? Gerade hinsichtlich des aktuellen Lockdowns?
In jedem Fall.

Worauf freust Du Dich am meisten „Post-Corona“, sowohl beruflich als auch privat?
Ein Stück alte Normalität zurückzubekommen. Sich ungezwungen mit Menschen treffen und austauschen zu können und auch mal wieder auf eine gute Party.

VIELEN DANK! 

Christoph Schlingensief: 
MESSAGE IN A BOTTLE
@ Julia Stoschek Collection 
Schanzenstr. 54, 
40549 Düsseldorf
per Terminbuchung

Text: PR, Tina Husemann & Amani El Sadek 
Fotos: siehe Bildbeschreibung | Titelbild: Şirin Şimşek

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