Max Fiedler

“…betreibt das Ganze nicht zu ernst, sondern immer mit Spaß”, gibt Max Fiedler werdenden Illustrator*innen mit auf den Weg und diesen Spaß sieht man seiner eigenen Arbeit an. In seinem kürzlich erschienenen Wimmelbuch “Alles rollt! Mein Buch der Fahrzeuge”, findet man sich zwischen allerlei Fahrzeugen, niedlichen Tieren und vor der ein oder anderen bekannten Kulisse wieder. Neben Tieren im Comic-Stil zählen Fantasy und Graffiti zu seinem Repertoire. Im Interview erzählt er uns, wie es zu seinem breitgefächerten Stil kam.

Max Fiedler ist ausgezeichneter Illustrator, Animationszeichner und Gamedesigner. Von 2005 bis 2010 dozierte er an der FH Düsseldorf im Bereich digitale Illustration und Gamedesign. Er wurde 1977 in Düsseldorf geboren und ist hier geblieben. Zusammen mit Frau und Kindern wohnt er am Rande des Grafenberger Waldes. Zum Arbeiten schwingt er sich auf sein Fahrrad und fährt nach Flingern in das Studio Rabotti. Dort entstehen neben Kinderbüchern, Games, mobilen Kartenspielen in Fantasy-Optik auch Webcomics. Wir sprechen mit ihm über sein letztes Projekt, Inspiration, Kindheit und Kinder und bekommen Tipps für alle, die auch vom Leben als Illustrator*in träumen.

Erzähl uns doch was zu Deinem beruflichen Background. Wie lange bist arbeitest Du schon als Illustrator? Wie bist Du dazu gekommen? Ich habe während meines Design Studiums an der FH-D (1999-2004) bereits für Kunden gearbeitet. Das waren neben klassischen Illustrationsjobs auch Illustrationen und Animationen für Flash-Spiele, also kleine Browser Spiele. Grob gesagt mache ich den Job seit 20 Jahren. 

Wie hast Du Deinen Stil gefunden? Stilprägend sind für mich – neben Comics und japanischen Videospielen aus meiner Kindheit – die Skateboard-und Graffiti-Kultur. 

Was inspiriert Dich? Ich finde eigentlich überall Inspiration, zum Beispiel in Ausstellungen. Die Ausstellung “Mutanten – Die Deutschsprachige Comic-Avantgarde der 90er Jahre” im NRW-Forum 1999 war ein tierischer Flash für mich. In Sachbüchern inspiriert mich das Mittelalter, Ritter und Heraldik. Jedes Tierbuch, dass ich mir anschaue. Und die Natur, ganz allgemein.

Insekten sind ein Thema, das mich seit meiner Kindheit bis heute begleitet. In meinen Illustrationen für Kinder- und Jugendliteratur findet sich zum Beispiel stets ein kleiner Marienkäfer.

Wer hat Dich beeinflusst und inspiriert Dich noch heute? Es gibt einige Einflüsse aus meiner Kindheit, die ich heute benennen kann – damals hatten wir vor dem Internet ja noch nicht so viel Input, was vielleicht gar nicht so verkehrt war. Da waren frühe Einflüsse wie die Lurchi-Bücher, mehrere Tomi-Ungerer-Kataloge und Schallplatten-Cover aus dem Regal meiner Eltern, ein dickes Buch von Robert Crumbs gesammelten Werken und nicht zuletzt Skatevideos und Graffiti Magazine, die wir uns immer und immer wieder angeschaut haben und weitergereicht haben wie den Heiligen Gral.

Heute spiele ich gerne mit diesen Einflüssen von damals. Das aktuelle Buch ist zum Beispiel fast eine Hommage an Richard Scarry, dessen Bücher ich geliebt habe und noch immer sehr schätze.

Meine größte Inspiration sind heute meine Kinder (Tomma 1, Lucie 6 und Theo 8). Die Welt mit ihren Augen sehen zu dürfen ist für mich das Größte. 

Wie ist „Alles rollt!“ entstanden? Woher kam die Idee zu einem Wimmelbuch über Fahrzeuge?  »Alles rollt« ist im Grunde eine Auftragsarbeit. Der Penguin Junior Verlag hat mich gefragt, ob ich für ihr erstes Programm ein Buch über Fahrzeuge machen möchte für die ganz Kleinen (2 bis 4 Jahre). Ich habe dann vorgeschlagen, ein Wimmelbuch mit Fabeltieren zu machen, da Tiere neben Fahrzeugen zu meinen Lieblingsmotiven zählen. 

Mein Vater ist ein Oldtimer-Freak und ich habe ihm seit meiner Kindheit in der Garage beim Schrauben geholfen. Mein ältestes Kind Theo ist auch ein echter Fahrzeug-Fan, er liebt Autos und Motorräder. Ich habe noch gut unsere Zeichen-Sessions in Erinnerung, bei denen ich immer wieder Autos und Motorräder zeichnen sollte bzw. musste. Diese Zeichnungen sind teilweise Grundlagen für die Autos im Buch, einige der Zeichnungen – auch die von Theo – sind auch im Buch versteckt.  

Und privat: Fahrrad oder Auto? Beides. Wir versuchen alles mit dem Fahrrad zu erledigen, haben auch seit letztem Jahr ein E-Lastenrad, aber ich fahre auch gern Auto. Ein richtiger Autoschrauber wie mein Vater ist nicht aus mir geworden. Ich liebe aber die Formen und das Design von alten Autos und zeichne sie oft. Mein Bruder dagegen ist Schrauber geworden, seine Leidenschaft sind Vespas, mit denen er auch Rennen fährt. Die dürfen im Buch natürlich nicht fehlen.

Findet sich auf den Seiten Deines neuen Buches auch ein bisschen Düsseldorf wieder? Das Buch ist vollgepackt mit Cameos, also »Gastauftritten« von Dingen, Personen und Orten, die mir etwas bedeuten. Meine Kinder sind auf fast jeder Seite (sind ja schliesslich auch Düsseldorfer), mal sieht man den Rheinturm und die Rheinkniebrücke, einen Jazz-Schuppen aus der Altstadt, einen Kiosk aus meiner Heimat in Derendorf oder meinen Freund und Kollegen Matze auf seinem Rennrad mit seinem Trikot der Fortuna-Triathlon-Gruppe. 

 Bei einer Sache hab ich die Nähe zu Düsseldorf ausversehen übertrieben: Ich habe auch den Fußgängerampeln eine Gelbphase spendiert und musste das wieder korrigieren, weil Düsseldorf hier deutschlandweit eine Ausnahme bildet.

Welches Motiv zeichnest du am liebsten? Das ist schwierig, ich zeichne viele Dinge gern. Das spiegelt sich im Buch ganz gut wieder. Vielleicht ist es auch der Grund, warum meine Bilder oft wimmelig werden.

 Mit meinen Freunden Arnold Rauers und Oliver Salkic mache ich seit 2014 auch Mobile Games, Kartenspiele in einem Fantasy Setting (Card Crawl, Card Thief, Maze Machina), solche Sachen zeichne ich auch sehr gern (Goblins, Orks, Trolle, Ritter, etc).

Wie nimmt der Lockdown Einfluss auf Deine Arbeit? Meine Arbeitszeit ist unregelmäßiger und etwas weniger geworden. Aber Gottseidank habe ich genug zu tun – mit einem Kindercomic für den neuen Kindercomic Verlag Kibitz, einem neuen Spiel, was ich gemeinsam mit meinem Freund Arnold umsetze und einem Technik-Kindermagazin für den VDI, das ich seit 10 Jahren und 40 Ausgaben illustriere.

Wie ist es als Illustrator und Familienvater während des Lockdowns zu arbeiten? Morgens mache ich ab und zu Homeschooling mit Theo, anschließend radle ich dann von Grafenberg nach Flingern auf die Ackerstraße zu meinem Arbeitsplatz im Studio Rabotti. Zu Hause kann ich nur bedingt arbeiten mit den drei Kids, kommt aber in letzter Zeit auch öfters vor.

Hast Du einen Ratschlag für junge Leute, die mit dem Gedanken spielen auch als Illustrator Fuß zu fassen? Kauft euch ein Skizzenbuch, zeichnet dort jeden Tag hinein. Zeichnet nicht für irgendwen, der sich das Buch anschauen könnte, zeichnet für euch selbst. Schreibt und zeichnet alles auf, schmeißt nichts weg, reißt nichts raus, einfach zur nächsten Seite blättern. Geht zum Aktzeichnen, zeichnet im Freien.

Schaut euch immer nach Ideen und Projekten um, tut euch mit Leuten zusammen, zeichnet Comics zusammen und nehmt (wenn, es geht) möglichst nur Jobs an, auf die ihr Bock habt. Zeichnet so wenig wie möglich für die Werbung, die saugen einen aus.

Wenn ihr euch etwas lost fühlt und auch keine Bekannten habt, die im Beruf tätig sind, kann ein Verband wie die IO (Illustratoren Organisation) auch helfen, um sich auszutauschen und um Fragen zu klären, die wichtig sind für Illustrator*innen: Vergabe von Nutzungsrechten, faires Honorar, Portfolio usw.

Lasst euch von Instagram und Co. nicht verrückt machen, betreibt das Ganze nicht zu ernst, sondern immer mit Spaß. Und folgt mir auf Instagram @streetfiedler LOL!

Vielen Dank!

Text & Interview: Stella Schroeder-Finckh
Fotos: Titelbild by Josua Dunst
© THE DORF 2021

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