Rosa Viktoria Ahlers

Name: Rosa Viktoria Ahlers
Alter: 26
Beruf: Illustratorin und Tätowiererin

Gelernter Beruf: Illustratorin und Tätowiererin
www.rosaviktoriaahlers.com
@rosaviktoriaahlers@rosaviktoria_tatu

„Den Mut zu haben, sich zu zeigen.“ Das ist auch für Rosa Viktoria Ahlers der erste Schritt in Richtung kreativer Unabhängigkeit gewesen. Die studierte Kommunikationsdesignerin hat sich in ihrer Selbstständigkeit gefunden und ist dankbar, das zu tun, was sie liebt: Zeichnungen. Der Mensch steht bei ihr im Fokus und ein Grundverständnis davon, dass wir alle miteinander verbunden sind und zusammengehören. Dabei sind die stetigen Entwicklungen in den eigenen Kreativ-Prozessen und eine emotionale Anfassbarkeit allgegenwärtig. Die Farbe Rosa ist bei ihr genauso Programm wie das Gefühl einer wohlwollenden Umarmung. 

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Du bist Illustratorin, Künstlerin, Tattoo-Artist und verschönerst die Stadt mit Deiner Street Art. Gibt es eine Lieblingsdisziplin? Was macht Dir am meisten Spaß? Das Arbeiten mit Texten und Illustrationen macht mir am meisten Spaß. Am liebsten für Magazine, auch wenn es derzeit noch nicht so oft vorkommt. Was ich dabei so interessant finde ist, dass ich mich dabei immer wieder sehr intensiv mit den jeweiligen Texten beschäftigen und auseinandersetzen muss. Man muss sie ganz tief verstehen und dann den Inhalt auf einer anderen, bildlichen Ebene wieder darstellen. Diese inhaltliche Arbeit finde ich superspannend. 

Beim Tätowieren schätze ich die Freiheiten, die ich damit habe. Meine Motive sind irgendwie lustig. Ich male dann auch mal Pizzastücke mit Gesichtern und die Leute wollen diese Motive auf ihren Körpern tragen. Das finde ich nach wie vor faszinierend. Die Termine finden zu zweit statt – ich und die andere Person. Das ist manchmal wie eine kleine Therapiestunde. Ich finde es schön, Zeit für den Menschen zu haben und dass wir beide nach dem Termin einfach glücklich sind. 

Street Art habe ich bisher erst zweimal gemacht. Es ist schön, weil man analog und mit einem großen Raum arbeiten kann, der für alle öffentlich und sichtbar ist. Ich kann mir das in Zukunft wieder vorstellen. 

Deine erste Tätowierung, wie war das? Das erste Tattoo habe ich an mir selbst ausprobiert. Ich musste erstmal wissen, wie das so ist, da ich selbst noch keine Tattoos hatte. Ich habe mir damals also ein Set bei Amazon für 120€ bestellt, wo alles enthalten war, was aus heutiger Sicht fragwürdig ist. Dann saß ich an meinem Schreibtisch und habe mir ein kleines „R“ auf die Innenseite meines Handgelenks gestochen. Mein Bruder heißt Ruben und wir wollten schon immer ein Geschwister-Tattoo. Also habe ich ihm ein Foto von meinem Tattoo geschickt. Er ist direkt nach der Arbeit zu mir gekommen und ich habe ihm ein „R“ auf die Brust tätowiert. Die nächsten Tätowierungen habe ich auch noch mit der Amazon-Maschine gemacht. Ich war dabei die Aufgeregte, nicht die Leute, die zu mir kamen. Die hatten einfach Spaß. Mittlerweile ist es normal für mich geworden. 

Wie ist Deine Historie? Meine Eltern waren beide an der Kunstakademie und sind freiberufliche Künstler – meine Mama ist Bildhauerin und mein Papa ist Maler. In meiner Geschichte gab es also konstant den Bezug zur Kunst und zur kreativen Freiberuflichkeit. Nach meinem Abitur dachte ich erstmal daran, etwas Soziales zu studieren, sozusagen als Rebellion gegen meine Eltern. Es hat sich dann aber sehr schnell herausgestellt, dass ich nichts anderes machen möchte, außer zeichnen und kreativ zu arbeiten. Es hat sich immer natürlich angefühlt.

Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben? Ich finde meine Bilder sind sehr knallig, farbig, fast schon etwas poppig. Die Themen bei meinen Illustrationen sind sehr menschenbezogen und friedlich-harmonisch. Sie sollen willkommen heißen. 

Die zwischenmenschlichen Feinheiten interessieren mich. Das, was ungesehen ist. Diese kleinen Momente und Augenblicke von Verständnis dem anderen gegenüber, vom Zusammenhalt zwischen den Menschen. Das ist meine Weltanschauung und das, was ich gerne mit meinen Bildern transportieren möchte.

Hast Du eine Lieblingsfarbe? Ich glaube, es ist einfach Rosa. 

Welches ist Dein derzeitiges Lieblingswerk? Meine letzte Arbeit – das sind zwei Blumenfiguren. Die eine ist Lila und die andere ist Rosa und beide haken sich ineinander ein.

Bist Du eher lokal oder international ausgerichtet? Wie wichtig ist Dir die Verbindung zur Düsseldorfer Szene? Ich bin gebürtige Düsseldorferin und beschreibe die Stadt immer wie ein großes Wohnzimmer. Man kennt sich untereinander in der Szene, man weiß, wer wo arbeitet, und man sammelt sich an den gleichen bekannten Orten. Dieses Gemeinschaftsgefühl mag ich an Düsseldorf. 

Was macht gutes Design für Dich aus? Design ist ein großer Bereich kreativer Arbeit. Bei Bildern konkret ist es mir am wichtigsten, dass sie mich berühren und etwas in mir auslösen. Ob es etwas ist, was ich schon kenne oder etwas Neues in mir entdeckt wird, spielt dabei keine Rolle. Die Diplom-Arbeit „Hexen“ von Malwine Stauss hat bei mir zuletzt so einen Effekt gehabt. 

Hast Du eine:n Lieblingsillustrator:in? Anna Haifisch und Malwine Stauss. Anna Haifisch kann sehr tiefe Ängste auf eine sehr humorvolle Art und Weise in Comics umsetzen. Das fasziniert mich.  

Welche Trends beobachtest Du und was findest Du aktuell spannend? Im Bereich Design ist mir aufgefallen, dass es sehr in Richtung 90’s geht, also alles sehr brutalistisch ist. Ich finde, Antistyle trifft es ganz gut. 

In der Tattoo-Szene werden die Arbeiten illustrativer, facettenreicher und zeitgenössischer. Vermehrt fangen auch Leute mit Tätowieren an, die einen künstlerischen Hintergrund haben und ihren eigenen Stil auf diese Weise verwirklichen wollen. Die Entwicklung und Akzeptanz von Tattoos in der Gesellschaft finde ich in dem Zusammenhang sehr spannend. 

Hast Du jemals darüber nachgedacht, Düsseldorf zu verlassen? Warum bist Du geblieben? Ich war ein halbes Jahr zum Auslandssemester in Valencia. Das war für mich eine herausfordernde Erfahrung, weil ich mir dort alles neu aufbauen musste, wollte und konnte. Ich musste mich neu entdecken und proaktiv auf Leute zugehen, wenn ich neue Freunde finden wollte. Mich der Welt zu öffnen, hat mir und meiner Person sehr gutgetan. Im Anschluss habe ich hier in Düsseldorf meine zweijährige Ausbildung im Tattoo-Studio „Dead Parrot“ angefangen und bin dadurch erstmal wieder an die Stadt gebunden. Ich fühle mich jetzt aber auch wieder bereit für Neues. 

Was sind Deine nächsten Pläne? Ich werde nach Offenbach umziehen, da ich dort an der Hochschule für Gestaltung ein weiteres Studium absolvieren möchte, um meinen Illustrations-Stil weiterzuentwickeln. Ich würde meine Arbeiten gerne facettenreicher und diverser gestalten können und verschiedene Wege zur Ergebnisgestaltung ausprobieren wollen. Die Findung der eigenen Bildsprache empfinde ich im Studium als intensiver als im reinen Selbststudium. Was danach kommt, ist offen.

Text: Miriam Backhaus
Fotos: THE DORF, Rosa Viktoria Ahlers, Meike Dietzel
© THE DORF 2022

English version:

Name: Rosa Viktoria Ahlers
Age: 26
Profession: Illustrator and tattoo artist

Professional education: Illustrator and tattoo artist
www.rosaviktoriaahlers.com
@rosaviktoriaahlers@rosaviktoria_tatu

“Having the courage to show yourself.” This has also been the first step towards creative independence for Rosa Viktoria Ahlers. The communication designer has found herself in her self-employment and is grateful to be able to do what she loves: drawings. Her focus is on people and a basic understanding that we are all connected and belong together. The constant developments in her own creative processes and an emotional tangibility are omnipresent. The colour pink is as much a part of her programme as the feeling of a benevolent embrace. 

You are an illustrator, artist, tattoo artist and beautify the city with your street art. Is there a favourite discipline? What do you enjoy the most? I enjoy working with texts and illustrations the most. Preferably for magazines, even if it doesn’t happen that often at the moment. What I find so interesting about it is that I always have to deal with the respective texts very intensively. You have to understand them very deeply and then present the content again on a different, pictorial level. I find this content-related work super exciting. 

With tattooing, I appreciate the freedom it gives me. My motifs are somehow funny. I sometimes paint pizza pieces with faces and people want to wear these motifs on their bodies. I still find that fascinating. The appointments take place in pairs – me and the other person. It’s sometimes like a little therapy session. I find it nice to have time for the person and that we are both just happy after the appointment. 

I have only done street art twice so far. It’s nice because you can work analogue and with a big space that is public and visible for everyone. I can imagine doing it again in the future. 

Your first tattoo, what was that like? I tried the first tattoo on myself. I first had to know what it was like, because I didn’t have any tattoos myself yet. So back then I ordered a set from Amazon for 120 €, which included everything that is questionable from today’s point of view. Then I sat at my desk and got a small “R” tattoo on the inside of my wrist. My brother’s name is Ruben and we always wanted a sibling tattoo. So I sent him a photo of my tattoo. He came to me straight after work and I tattooed an “R” on his chest. I also did the next tattoos with the Amazon machine. I was the excited one in the process, not the people who came to me. They just had fun. In the meantime it has become normal for me. 

What is your history? My parents were both at the Art Academy and are freelance artists – my mum is a sculptor and my dad is a painter. So there was a constant connection to art and creative freelancing in my history. After my A-levels, I first thought of studying something social, as a rebellion against my parents, so to speak. But then it turned out very quickly that I didn’t want to do anything else except draw and work creatively. It has always felt natural. 

How would you describe your style? I think my pictures are very gaudy, colourful, almost a bit pop. The themes in my illustrations are very people-oriented and peaceful-harmonious. They are meant to be welcoming. The interpersonal subtleties interest me. That which is unseen. Those little moments and moments of understanding towards the other, of cohesion between people. That is my world view and what I would like to convey with my pictures. 

Do you have a favourite colour? I think it’s just pink. 

What is your favourite work at the moment? My latest work – it’s two flower figures. One is purple and the other is pink and they both hook into each other. 

Are you more locally or internationally oriented? How important is the connection to the Düsseldorf scene to you? I was born in Düsseldorf and I always describe the city like a big living room. You know each other in the scene, you know who works where, and you gather in the same familiar places. I like this sense of community about Düsseldorf. 

What makes good design for you? Design is a large area of creative work. With pictures in particular, it’s most important to me that they touch me and trigger something in me. Whether it’s something I already know or something new discovered in me doesn’t matter. The diploma work “Witches” by Malwine Stauss recently had such an effect on me. 

Do you have a favourite illustrator? Anna Haifisch and Malwine Stauss. Anna Haifisch can translate very deep fears into comics in a very humorous way. That fascinates me. 

What trends do you observe and what do you currently find exciting? In the field of design, I’ve noticed that it’s very 90s, so everything is very brutalistic. I think anti-style sums it up quite well. In the tattoo scene, the works are becoming more illustrative, more multifaceted and more contemporary. More and more people are taking up tattooing who have an artistic background and want to realise their own style in this way. I find the development and acceptance of tattoos in society very exciting in this context. 

Did you ever think about leaving Düsseldorf? Why did you stay? I spent half a year in Valencia for a semester abroad. That was a challenging experience for me because I had to, wanted to and was able to rebuild everything there. I had to rediscover myself and proactively approach people if I wanted to make new friends. Opening myself up to the world did me and my person a lot of good. Afterwards, I started my two-year training in the tattoo studio “Dead Parrot” here in Düsseldorf, which tied me back to the city for the time being. But now I feel ready for something new again. 

What are your next plans? I’m going to move to Offenbach because I want to study there at the Hochschule für Gestaltung to further develop my illustration style. I’d like to be able to make my work more multifaceted and diverse and try out different ways of creating results. I find finding my own visual language more intensive in my studies than in pure self-study. What comes after that is open. 

THE DORF • THE MAG is part of the #urbanana project by Tourismus NRW

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