Theresa Winkels

Name: Theresa Winkels
Beruf: Leiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung
Gelernter Beruf: Diplom-Medienwirtin (FH) und Master of Arts

Alter: 37 Jahre
Geburtsort: Bielefeld
Webseite: www.duesseldorf.de


Im Vorfeld der Düsseldorfer Startup-Woche, die dieses Jahr durch Corona verschoben werden musste und jetzt vom 11. – 18. September 2020 zum 5. Mal stattfindet, hat THE DORF Theresa Winkels, die neue Leiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung zum Talk getroffen und mit ihr über ihre Arbeit, das Thema Startups in Düsseldorf und natürlich das Programm der kommenden Veranstaltung gesprochen. 

Hallo Theresa. Vorab Glückwunsch zur neuen Position als Leiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung! Erzähle uns bitte ein, zwei Sätze zu Deiner Person. Vielen herzlichen Dank! Zu meiner Person: Ich bin 36 Jahre alt, komme aus Ostwestfalen, habe sowohl ein kaufmännisches Diplom abgelegt als auch später im Zweitstudium einen Master in Literatur- und Kulturwissenschaften. Ich habe Auslandsaufenthalte in Irland, China und Costa Rica absolviert, bevor das Leben mich 2007 durch Zufall nach Düsseldorf geführt hat. Mein heutiger Mann war der Grund, warum ich blieb, und durch meine Arbeit seit 2013 bei der Stadtverwaltung bin ich zu einer absolut überzeugten Düsseldorferin geworden.

Beschreibe kurz Deine Aufgabe bei der Wirtschaftsförderung der Stadt Düsseldorf. In kurz: Es ist einer der schönsten Jobs der Welt, denn ich kann in der Stadt, in der ich lebe und die mein Zuhause geworden ist, ganz viel bewegen. Grundsätzlich ist es unsere Aufgabe und unser Ziel als Wirtschaftsförderung, Arbeitsplätze in Düsseldorf zu sichern, aber auch neue Jobs nach Düsseldorf zu bringen und damit der Stadtkasse zu wichtigen Einnahmen zu verhelfen.

Ansonsten sehe ich die Schwerpunkte meiner Arbeit darin, gemeinsam mit meinem Team Wirtschaftsflächen und -räume zu ermöglichen und für ansiedlungsinteressierte Unternehmen zugänglich zu machen, Veränderung und Wandel durch Innovationen an unserem Standort zu pushen und Menschen sowie Unternehmen aus Düsseldorf, Deutschland, aber auch aus der ganzen Welt zusammenzubringen und für Düsseldorf zu begeistern.

Kannst Du mit wenigen Worten erklären, was ein Startup ist? Ein Startup ist ein junges Unternehmen, jünger als 10 Jahre, das vor allem dadurch gekennzeichnet ist, dass es eine innovative Geschäftsidee bzw. Problemlösung hat, die skalierbar ist, d.h. die Unternehmensgründung erfolgt mit dem Ziel, stark zu wachsen. Startups müssen anfänglich mit größeren Ungewissheiten umgehen als Existenzgründer/-innen mit etablierten Geschäftsmodellen. Beispielsweise wissen Startups zu Beginn oft noch gar nicht, ob die erfundene Technologie so funktioniert, wie man es sich vorstellt, oder ob ihr neues Produkt, ihr neuer Service überhaupt von jemandem gekauft wird. Schließlich gibt es das Produkt bislang noch gar nicht auf dem Markt.

Was zeichnet Düsseldorf als Unternehmensstandort aus und macht die Landeshauptstadt attraktiv? Düsseldorf bietet ein attraktives Markt- und Kundenpotenzial mit 11,4 Mio. Einwohnern und 500.000 Firmen im Umkreis von einer Autostunde. Unsere Stadt liegt zentral in Europa und verfügt über eine direkte Anbindung an den deutschen und internationalen Markt. Wir sind ein vielfältiger Hochschulstandort mit insgesamt 22 Hochschulen und Akademien und eine Businesslocation mit hochinnovativen und international tätigen Unternehmen, die in vielen Bereichen Markführer sind. Und es ist einfach eine inspirierende, internationale Stadt mit einer weltoffenen Atmosphäre, in der alles sehr nah beieinander liegt. Ganz viel ist fußläufig oder per Rad zu erreichen. Das ist für mich perfekte Lebensqualität und in idealer Ort zum Arbeiten und Leben.

Was ist die größte Herausforderung, ein Startup zu gründen? Wirklich schwierig ist es, ein gutes Gründungsteam zusammenzustellen. Da muss fachlich und menschlich alles passen, denn gerade in der Anfangsphase hockt man 50, 60 oder mehr Stunden in der Woche zusammen. Das Team muss sich ergänzen: es müssen verschiedenste Skills zusammenkommen, wie das fachliche Know-how, das betriebswirtschaftliche Wissen und die Begeisterungsfähigkeit eines Vertrieblers. Ein Gründer braucht zudem ein Mindset, bei dem er auch Rückschläge konstruktiv verarbeiten kann – denn diese kommen (fast) in jedem Fall.

Wo bekommt man als Gründer die Unterstützung der Stadt Düsseldorf – finanziell, praktisch und hinsichtlich Erfahrungswissen/Know-how? Die Startup-Unit der Wirtschaftsförderung berät Gründer und Gründungsinteressierte bei all ihren Fragen und kann auch bei der Vernetzung mit Corporates, mittelständischen Firmen oder anderen Startups sowie generell bei der Vernetzung zu Experten in der Szene weiterhelfen.

Finanzielle Förderung gibt es zum Beispiel durch das Gründerstipendium.NRW, einem Landesprogramm, bei dem Gründer ein Jahr lang 1.000 Euro monatlich erhalten können. Das nimmt den finanziellen Druck in der ersten Zeit, in der man noch keine Umsätze erwirtschaftet.

In Düsseldorf gibt es zudem Accelerator-Programme wie das des digihub Düsseldorf/Rheinland oder des STARTPLATZ. Bei beiden werden zum Beispiel kostenfreie Mentorings und Coworking-Plätze zur Verfügung gestellt. Das Ignition-Programm des dighub Düsseldorf/Rheinland, einer Beteiligung der Stadt, bietet darüber hinaus Dienstleistungen im Wert von bis zu 25.000,- € über 4-5 Monaten. Die Mittel werden größtenteils fürs Prototyping aufgewendet, aber auch für Coachings. Anteile am Unternehmen muss man dafür nicht abgeben.

Welches Startup finden Sie persönlich aktuell spannend oder interessant? Gibt es ein Düsseldorfer Vorzeige-Startup? Es ist unglaublich, wie sich die Dynamik am Startup-Standort Düsseldorf in den vergangenen Jahren entwickelt hat, da ist viel in Bewegung. Es gibt eine ganze Reihe von Startups aus den unterschiedlichsten Branchen und Verticals, besonders aus dem B2B-Bereich, für den Düsseldorf ja insgesamt als Wirtschaftsraum steht. Einzelne da herauszugreifen – das geht gar nicht.

Wir sehen, dass die Produkte und Services von Unternehmen wie Boxine, auxmoney, trivago, FeroLabs, Cognigy oder auch Foxbase und dem IOX Lab sehr gut an den jeweiligen Märkten angenommen werden. Es macht mich stolz, dass diese Unternehmen hier in Düsseldorf sitzen und sehr gute, wirtschaftliche Gründe nennen, warum das so ist und bleiben soll.

Das Tolle ist, das viele erfolgreiche Startups Know-how und wertvolle Impulse an die Startup Szene, aber auch an unseren gesamten Wirtschaftsstandort zurückgeben. Beispielsweise, indem sie im Mentoringprogramm der Wirtschaftsförderung jungen Gründern als Ratgeber zur Verfügung stehen. Oder sie erzählen auf Events von ihren Erfahrungen. Einige sind auch mittlerweile als Business Angels aktiv.

Gib es etwas, was Sie in der Stadt vermissen oder besser gefragt: Was wünschen Sie sich für Düsseldorf? Ich wünsche mir, dass der Startup-Standort Düsseldorf national und international stärker sichtbar wird. Denn was sich hier in den letzten Jahren entwickelt hat, ist einfach bemerkenswert und substantiell.

Heißt: Wir sind besser, als wir wahrgenommen werden. Insbesondere das starke B2B-Geschäftspotential für digitale Geschäftsideen bei den vielen etablierten Unternehmen in Düsseldorf und der gesamten Region ist in Deutschland einmalig – und damit können wir es auch mit Berlin aufnehmen. Wir arbeiten seit einiger Zeit intensiv daran, Düsseldorf als B2B-Startup-Standort sowohl national wie international zu positionieren. Mit unseren Netzwerkpartnern organisieren wir Startup-Pitches im Ausland und laden internationale Startups nach Düsseldorf ein, wie zum Beispiel im Februar auf einen Gemeinschaftsstand auf dem Digital Demo Day. Wir kooperieren mit internationalen Eventreihen wie der Startup-Safari oder sind Startpunkt der Startup-Germany-Tour.

Was erhoffst Du Dir von der Startup-Woche Düsseldorf 2020? Die Startup-Woche ist das Leuchtturmprojekt der Startup-Initiative. Ich erhoffe mir, dass die Angebote und Formate in ihrer Qualität und Attraktivität noch einmal besser werden, damit diejenigen, die teilnehmen, noch größeren Input daraus ziehen. Was wir daran mitgestalten: es wird nochmal internationaler. Ebenso wichtig ist aber auch, dass sich der Startup-Spirit in der Stadt verbreitet und möglichst viele kreative und innovative Menschen zusammenbringt. Hier – wie in meinem eigenen Leben – ist es oft der Zufall, der Menschen zusammenbringt und etwas sehr Produktives entstehen lässt. Diesem Zufall wollen wir mit der Nennung eines Raumes und einer spezifische Zeit auf die Sprünge helfen: Startup-Woche Nr. 5 in Düsseldorf vom 11. – 18. September!

Auf welchen Programmpunkt können sich die Besucher bei der Startup-Woche Düsseldorf 2020 am meisten freuen? Nicht auf einen einzelnen Punkt: nein, definitiv kann man sich auf die Vielseitigkeit des Programms freuen! Jeder kommt mit einer anderen Rolle oder einem anderen Entwicklungsstand oder Bedürfnis. Von 1:1 Beratungen bis hin zu großen Pitch-Events ist alles dabei. Egal ob Startup, Investor, Gründungsinteressierte, jeder wird seine persönlichen Highlights finden, da bin ich mir ganz sicher. Und natürlich wird auch das Feiern nicht zu kurz kommen…

Vielen Dank!

Interview: David Holtkamp
Foto: Nathalie Schramm
© THE DORF 2020

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