Tannendiele

Dass die Tannenstraße ein Juwel im Norden von Düsseldorf ist, ist längst ein offenes Geheimnis. Flaniert man die Straße entlang, kommt man an einem Laden nicht vorbei: der „Tannendiele“. Schon von Weitem erblickt man die immer grüne und blühende Pflanzenpracht vor der Tür, bei Sonnenschein leuchten die großen Buchstaben über dem Eingang golden. So selbstverständlich sich die „Tannendiele“ in der Tannenstraße 15 anfühlt, so zufällig kam es überhaupt dazu.

Inhaber Michael Frings wollte eigentlich nie einen Laden eröffnen, er arbeitete selbstständig als Florist ohne Geschäft. Ob Hochzeiten, Eventdekos oder Firmensträuße – alles kreierte er in seiner eigenen Küche. Dass dies kein Dauerzustand sein konnte, war schnell klar und so startete er die Suche nach einer passenden Werkstatt für seine Arbeit. Über zwei Jahre lang fuhr er mit seinem Fahrrad die Bezirke Pempelfort, Golzheim und Derendorf ab, besichtigte jeden Hinterhof und hinterließ dutzende Male seine Telefonnummer – ohne Erfolg. Die Suche auf andere Bezirke auszuweiten, kam für ihn aber nicht infrage. Diverse Kunden sitzen hier und auch die Nähe zu den Showrooms zahlreicher Modemarken machen die Gegend zu einem perfekten Standort, erzählt er.

Eines Tages stand er vor den Räumlichkeiten der „Tannendiele“ als sein Telefon klingelte und ihm genau diese angeboten wurden – der Hausmeister des Ladenlokals saß gerade beim Friseur nebenan und so war schnell ein persönliches Gespräch realisiert. Dieser nahm Michael mit zur Eigentümerin, die liebevoll „Mama“ genannt wird und direkt über dem Geschäft wohnt. „Mama“ wollte das Ladenlokal, das seit Ende des Zweiten Weltkrieges ausschließlich an Gastronomie vergeben wurde, nicht mehr vermieten, aber bei dem Stichwort „Blumen“ musste sie lächeln und sie änderte ihre Meinung.

Die Räumlichkeiten standen zu diesem Zeitpunkt schon seit über zwei Jahren leer – die Vormieter, Betreiber eines chinesischen Restaurants, verließen sie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion. Das alles kümmerte Michael aber nicht und so stand er schockverliebt zwischen altem Essen, aufgehangenen Hühnern im Hinterhof, Müllbergen, frei herum laufenden Ratten neben einem noch blubbernden Aquarium und unter einer auf knapp 2m abgehängten Decke in seinem neuen Reich.

Knapp drei Monate später sind über 17 Container Müll entsorgt und unzählige Fahrten zum Recyclinghof gemacht, altes Interieur auf Trödelmärkten verkauft oder vor der Tür verschenkt und mehrere Spenden an Flüchtlingsheime getätigt worden – man konnte nun erahnen, wie der Laden wirklich aussehen könnte. Aber nicht nur innen wurde von Grund auf alles neu gestaltet, sondern auch das Leuchtschild des China-Restaurants wurde von der Fassade entfernt und die goldenen Buchstaben der „Tannendiele“ wurden sichtbar. Michael’s eigentlicher Plan seine Werkstätte „Blumen Gut“ zu nennen, sollte nun der „Tannendiele“ weichen.

Drei Jahre sind seit der Eröffnung vergangen und das Publikum von Derendorf zeigt sich in seiner Vielfalt und Qualität auch in der Tannendiele – alle kommen hier zusammen unabhängig von Stand, Einkommen und Klassendenken und allen wird die gleiche liebevolle Aufmerksamkeit bei ihren Anliegen geschenkt. Ob ein Strauß für 10€ oder 100€, das spielt hier keine Rolle. „Es gibt hier kein Maß und das macht es hier so schön und entspannt“, so Michael.

Auch die Idee einer Werkstatt ist mittlerweile der Ladenidee gewichen. Schnell überzeugten seine Kunden ihn dazu, Öffnungszeiten anzubieten, um ihnen eine konstante Anlaufstelle gewährleisten zu können. Donnerstag bis Samstag waren dafür schnell etabliert und aufgrund der hohen Kundennachfrage haben sich die Tage Montag bis Mittwoch als flexible Tage entwickelt, an denen man Bestellungen abholen oder auch auf gut Glück vorbeischauen kann.

Obwohl der Werkstattgedanke immer weiter weggerückt ist, ist dies aber kein Hindernis für Michael, weiterhin seiner freien Tätigkeit nachzugehen. „In neue Situationen kommen, quer denken zu müssen und als Dienstleister zu agieren“ reizt ihn. Sich immer wieder anders mit Floristik auseinandersetzen zu können und der Austausch mit Kollegen beflügeln ihn und bringen immer wieder neue Herausforderungen, aber auch frische Ideen und Inspirationen für seinen eigenen Laden.

Seine Stimme wird sanft und er strahlt über das ganze Gesicht, als er über den Charakter von Blumen spricht. Jede ist anders – „die eine will mehr Licht, die andere nicht. Die eine will mehr Wasser, die andere nicht. Man muss sich permanent kümmern, es ist wie auf Kinder aufpassen.“ Der stetige Wandel der Pflanzenwelt fasziniert ihn, eine Lieblingsblume oder -saison hat er nicht. Immer wieder lässt er sich von Tag zu Tag von den einzelnen Schönheiten bezaubern. Ob extravagante Blüten, außergewöhnliche Farben, pergamentähnliche Blätter – die Wege der Natur und ihre spektakulären Charakteristiken begeistern ihn. Der Raritäten-Markt ist seine Schwäche – „bei Besonderheiten kann ich einfach nicht nein sagen“, gesteht er lachend.

Die Liebe und Faszination zur Pflanze merkt man ihm und dem gesamten Team aus vollstem Herzen an. Ihre Augen leuchten, wenn sie über die Exklusivität der einzelnen Blumen sprechen und machen es jedem Kunden einfach, sich ebenfalls dafür zu begeistern und in ihre Welt einzutauchen. Und wer noch mehr Begeisterung erleben will, kann sich für einen der Kreativ-Workshops anmelden, die nun vermehrt angeboten werden sollen. Bei der Kreation von Kränzen oder beim Binden von Sträußen kann man sich von der Leidenschaft des Teams anstecken lassen.

Bald soll es auch einen Online-Shop geben, in dem die schönen Vasen, Gefäße und weitere Dekorationselemente erworben werden können, sollte man nicht die Gelegenheit haben in der grünen Oase selbst vorbei schauen zu können. Ob man sich selbst eine Freude macht oder eine Besonderheit verschenkt, eins steht definitiv fest: Man verlässt die „Tannendiele“ stets mit einem Lächeln.

Was schätzen Eure Freunde an Euch? Unsere Ehrlichkeit und unserer Offenheit für Neues.

Was sagen Eure Feinde über Euch? Die Floristenwelt ist so klein geworden. Da gibt es nur noch Kollegen. Und unter Kollegen hilft man sich!

Was bringt die Zukunft? Mehr Manpower. Mehr Online. Mehr Workshops. Mehr Hochzeiten.

Eure liebsten Nachbarn? Café Blutrot, hair&skin, Malinas, My Fitch, Tannenbaum

Vielen Dank!

Text: Miriam Backhaus
Fotos: Kristina Fendesack
© THE DORF 2019

Tannendiele

Tannenstraße 15
40476 Düsseldorf

Tel: +49 179 5893636

Webseite • InstagramFacebook

Öffnungszeiten

Mo – Mi Nur nach Vereinbarung
Do – Fr 07.00 – 19.00 Uhr
Sa 07.00 – 16.00 Uhr

Zahlungsmöglichkeiten

Bar, EC-Cash

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