50 Jahre Düsseldorfer Schauspielhaus 

50 Jahre Schauspielhaus – dieses Jubiläum wurde am Donnerstag, den 16. Januar, groß gefeiert. Auf den festlichen Auftakt folgte am vergangenen Samstagnachmittag, den 18. Januar, ein Tag der offenen Tür. 8000 Gäste strömten über den Gustaf-Gründgens-Platz in den sanierten Pfau-Bau. Unter dem Motto “Fünfzig” hatte das “D’haus” eine Mischung aus Führungen, Workshops, Lesungen und Live-Konzerten organisiert. Außerdem auf dem Programm standen eine 30-minütige Kurzinszenierung des Theaterstücks “Henry VI & Margaretha di Napoli”, nach William Shakespeare von David Bösch, sowie eine Technikshow und eine Kostümversteigerung. Am Abend begeisterte die Band “Woods of Birnam” mit einem musikalischen Abstecher zu “Hamlet”, “1984” und “Der Sandmann”. Anschließend wurde auf der Großen Bühne zu Musik von den DJs JD Pots, Murat Önen und seren.a bis drei Uhr morgens getanzt. 

Die Geschichte des Schauspiels in Düsseldorf reicht bis in das 18. Jahrhundert zurück. Werfen wir also einleitend kurz einen Blick zurück, um zu sehen, wie das Schauspielhaus in seiner jetzigen Form entstand: 1747 wurde das Grupello-Gießhaus im Auftrag des ehemaligen Düsseldorfer Kurfürsten Carl Theodor zu einem Theater umgebaut und somit zum sichtbaren Ort für kulturelle Teilhabe. 

Als der Regisseur Gustav Lindemann und seine Frau, die Schauspielerin Louise Dumont, das private “Schauspielhaus Düsseldorf” 1905 eröffneten, gewann das Theater nationale und internationale Strahlkraft. Die Künstler der Akademie arbeiteten teilweise eng mit der neugegründeten Spielstätte zusammen, so gestaltete zum Beispiel der studierende Maler August Macke ein Bühnenbild für das Märchenstück “Rotkäppchen”. 

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde das Schauspielhaus in den Verband der Städtischen Bühnen eingegliedert, bis im Jahr 1951 schließlich die Gründung der künstlerisch und organisatorisch unabhängigen “Neuen Schauspiel GmbH” unter der Leitung von Gustaf Gründgens erfolgte. Den Entwurf für das Düsseldorfer Schauspielhaus, wie wir es heute kennen, lieferte der Architekt Bernhard Pfau. Sein Theaterbau – eine “großformatige, plastische Form von origineller Selbstständigkeit” – gewann 1959 den bundesweiten Architektenwettbewerb und wurde am 16. Januar 1970 offiziell eröffnet.

In seinem 50-jährigen Bestehen hat sich nicht nur das Logo des Düsseldorfer Schauspielhauses gewandelt, sondern auch dessen Image: Angefangen von Studentenprotesten gegen den “Beton-Pfannekuchen mit Schießscharten” über Theaterskandale wie Werner Schroeters “König Lear” bis hin zu Rückgängen der Besucherzahlen und finanziellen Schwierigkeiten – bewegte Zeiten liegen hinter dem Theater am Gustaf-Gründgens-Platz. Zu Recht gilt der 2016 berufene Intendant Wilfried Schulz als Hoffnungsträger, denn er hat das D’haus als Trias aus Schauspiel, Jungem Schauspiel und Bürgerbühne innerhalb kürzester Zeit bestens positioniert. Pünktlich zum Jubiläum ist das sanierte Schauspielhaus erneut in der Gesellschaft angekommen und erstrahlt in vollem Glanz.

Was das Theater in Zeiten der Digitalisierung und des gesellschaftlichen Wandels so bedeutend macht, betont Wilfried Schulz im Vorwort des Jubiläumsbuches “fünfzig – Das Düsseldorfer Schauspielhaus 1970 bis 2020”: Wie alle Räume der Kunst sei auch das Theater ein “Ort der Empathie” und eine “Raststätte der Reflexion”, die uns auf spielerische Weise ermöglicht, gesellschaftliche Bewegungen kritisch zu beobachten und zu erforschen. Deshalb legt Schulz großen Wert darauf, dass das D’haus allen Düsseldorfer*innen gehört. Wichtig für das Gelingen eines solchen Vorhabens ist, dass sich alle Generationen und Schichten auf das Theater einlassen. Denn nur so kann das Düsseldorfer Schauspielhaus zum Versammlungs- und Verweilort der Stadtgesellschaft werden.

Dank erfolgreichen Inszenierungen wie beispielsweise Robert Wilsons „Der Sandmann“ und Roger Vontobels „Hamlet“ verzeichnete das Düsseldorfer Schauspielhaus im Jahr 2018/2019 einen Aufwärtstrend mit einem Plus von knapp 13,000 Besuchern: 238,200 Zuschauer*innen haben in der vergangenen Spielzeit 885 Vorstellungen und Veranstaltungen an Aufführungsorten vom Central bis nach Garath besucht. Das ist die höchste Zuschauer*innenzahl seit 1991. Wir gratulieren!

Bis zum 26. Januar habt ihr noch die Chance, am Festprogramm zum 50. Jubiläum des Düsseldorfer Schauspielhauses teilzunehmen. Genauere Informationen zu den Veranstaltungen und der Anmeldung findet ihr hier. Wer mehr über die vergangenen fünfzig Jahre Theatergeschichte in Düsseldorf erfahren möchte, hat außerdem die Möglichkeit, die umfangreiche Jubiläumspublikation im Schauspielhaus, in ausgewählten Buchhandlungen und online zu kaufen.

Text: Merit Zimmermann
Fotos: Melanie Zanin
© THE DORF 2020

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