„Dißtonts“ von Felix Leffrank

Am 10. November findet die Finissage der Karl Schmidt-Rottluff Stipendiaten Ausstellung 2019 in der Kunsthalle Düsseldorf statt. Seit dem 5. September stellen dort zehn junge Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten aus. Dabei geht die Spanne der Werke von Malerei bis zur Videoinstallation. Einer der Stipendiaten ist Felix Leffrank, der seinen Kunstfilm „Dißtonts“ zeigt. THE DORF traf ihn im Filmkunstkino Metropol.

Mit 55 Minuten Laufzeit ist „Dißtonts“ die bisher längste Filmproduktion des jungen Leipziger Künstlers. Der Film entstand in einem Zeitraum von anderthalb Jahren in einer Werkstatt für geistig Behinderte. Ausgehend von ihren gegensätzlichen Positionen zur Arbeit verhandeln die Protagonisten des Films bei laufendem Werkstattbetrieb ihr Leben und Liebesleben. Langsam spitzt sich der Diskurs zu. Auf eine bewaffnete Auseinandersetzung folgt ein großer Showdown. Kommentierend begleitet werden die inszenierten Szenen von einem Interview mit einer Fürstin, in dem sich ihr anachronistisches Verhältnis zum Thema Arbeit offenbart.

Interviews, die Erzählung des Films und dokumentarische Aufnahmenaus der Werkstatt bilden einen Dialog über unterschiedliche Definitionen von Arbeit. Felix Leffrank übernimmt dabei die Rollen des Hauptdarstellers, Regisseurs, Interviewers und des Kommentators aus dem Off. Im Schwanken zwischen Professionalitat und Dilettantismus zeigt sich die Auseinandersetzung mit Arbeit auf formaler Ebene.

„(Dißtonts) schwankt zwischen einer klassischen Erzählung und aufgebrochener Handung. Und zwischen Doku und Fiktion. Und überhaupt.“ – Felix Leffrank

Ein Budget gab es kaum und auch die allgemein-finanzielle Situation des Protagonisten spiegelt die eines jungen Künstlers wider. Ganz selbstverständlich erzählt Felix: „Der Film ist vom Amt finanziert.“ In diesem Fall spielt er mit einem DIY-Charakter, der oftmals in einer solchen Low-Budget-Produktion durchkommt.

Der Filmtitel „Dißtonts“ leitet sich von dem französischen Wort „distance“ ab. Diesen Gallzisismus verwendet die Fürstin zu Löwenstein-Wertheim- Freudenberg während des Films sehr häufig in ihrem Interview mit Leffrank. Das fällt damals auch einem Freund von Felix auf. Dieser schlägt ihm daraufhin den Titel vor. Das französische Wort behält seine Aussprache, bekommt aber eine deutsche Schreibweise. So entstand der Neologismus „Dißtonts“.

Fiktion und Wirklichkeit zeigen sich hier in fließenden Übergängen. Ein Wechselspiel, das Felix sich zum Stil macht. Von dokumentarischer Kameraführung bis hin zur gescripteten Kampfszene und skurrilen Kostümen ist alles möglich. So trägt der Hauptdarsteller beispielsweise in vielen Szenen eine Glatzen-Attrappe, um den aufkommenden Haarwuchs zu verdecken. Irgendwie scheint nichts echt zu sein. Und genau das ist die gesellschaftliche Kritik, die der Film aufzeigen möchte. Was ist heute wirklich noch echt?

Der Künstler selbst versteckt sich aber nicht hinter seinen Anweisungen, sondern ist Teil der Besetzung. So übernimmt er mehrere tragende Rollen im Stück. Felix ist Regisseur, spielt eine der Hauptrollen, interviewt die Fürstin und ist gleichzeitig Sprecher. Nur für die Actionszenen tauscht er sich gegen einen Stuntman aus, der den finalen Schwertkampf übernimmt.

„Dißtons“ ist ganz klar ein Kunstfilm. „Er schwankt zwischen einer klassischen Erzählung und aufgebrochener Handung“, erzählt Leffrank, „und zwischen Doku und Fiktion. Und überhaupt.“ Der Film feierte am 1. November 2019 seine Kinopremiere im Düsseldorfer Filmkunstkino Metropol.

Felix Leffranks aktuelle Arbeit ist noch bis zum 10. November 2019 in der Kunsthalle Düsseldorf im Rahmen der Karl Schmidt-Rottluff Stipendium Ausstellung 2019 zu sehen.

Karl Schmidt-Rottluff Stipendium – Die Ausstellung 2019
5.9. – 10.11.2019

Kunsthalle Düsseldorf
Grabbeplatz 4
40213 Düsseldorf

Finissage:
10.11.2019
15 – 21 Uhr

Künstlergespräche & Rundgang
Kaffee & Kuchen
15 – 17 Uhr
Filmscreenings & Talks
18 – 20 Uhr, Salon des Amateurs (Studio/Bar im Gebäude der Kunsthalle)
Eintritt frei

Text: Ole Spötter/Philin Peters
Foto: Felix Leffrank
© THE DORF 2019

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