Eike König

Der Grafikdesigner und Künstler Eike König ist bekannt für plakative Botschaften mit subtiler Message. Mit seinem Kreativkollektiv Hort schuf er schon in den 1990er Jahren im Frankfurter Nordend einen freien Raum für Kreative und erntete über die Jahre großen Erfolg bei internationalen Kunden wie dem Bauhaus Museum in Dessau, Nike und Microsoft. Heute lebt er in Berlin, doziert an der HfG Offenbach und widmet sich zunehmend freier, künstlerischer Arbeit. Seit dem 1. Juli 2021 werden einige seiner neusten Werke sind im MRST Store in Flingern ausgestellt – und nicht nur das: Für seine neuen Editionen hat er gemeinsam mit dem Store Shirts in einer Limited Edition entworfen. Aufgepasst: THE DORF verlost exklusiv ein signiertes Exemplar des T-Shirts! Beim Treffen im Hinterhof des Ladens gewährte der Künstler uns Einblicke in seine Welt.

Alles begann mit dem Aufkommen einer völlig neuen Musik, die Vieles nachhaltig verändern sollte: Techno. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort lebte der junge Grafikdesigner Eike König in den 1990er Jahren in Frankfurt und war hautnah bei der Geburt der elektronischen Musik dabei. Angefangen mit Flyern für mal legale, mal illegale Techno-Partys und Designs für Alben war er viele Jahre in der Musikbranche tätig. Mit „Eikes grafischem Hort“, seiner selbstgegründeten Firma für visuelle Kommunikation, brachte er talentierte Kreative zusammen und traf bei Kunden einen Nerv. Mittlerweile ist aus dem Frankfurter Hort ein international anerkannter Space für lautes Grafikdesign in Berlin geworden, der Gründer selbst hat seinen Fokus auf seine Lehrtätigkeit an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main und auf seine freie, künstlerische Arbeit verschoben. Vor zweieinhalb Jahren kam dann die nächste, verändernde Position dazu: das Vaterdasein. 

Bei so vielen verschiedenen Tätigkeiten kommt mit dem Zeitmanagement eine weitere Kunst dazu. Zu Gast im MRST Store ist Eike König, um seine neuen Arbeiten zu präsentieren und auf die gemeinsamen Limited Edition Shirts anzustoßen. Doch sein Besuch ist nicht von Dauer: Gleich am nächsten Tag geht es mit dem Auto weiter nach Antwerpen und dann nach Genk zur Vernissage seiner neusten Ausstellung. Wenn das nicht Jetset ist!

Eike teilt sich die Zeit jedoch je nach Fokus und Arbeitspensum so ein, dass er jeder seiner Leidenschaften mit Engagement nachgehen kann – und hat dabei auch keine Angst Grenzen aufzubrechen: „Ich sehe natürlich weniger Grenzen als der Kunstmarkt es definiert. Für mich beeinflusst sich vieles permanent miteinander, Mode, Musik, bildende Kunst, und vor allem Grafikdesign hat einen wahnsinnigen Einfluss auf unser tägliches Leben, weil wir permanent mit gestalteten Geräten, Oberflächen, Applications interagieren. Bei Grafikdesign-Auftragsarbeiten gibt es einen Kunden, der ein Problem hat, das mein Team und ich lösen sollen. Auf der anderen Seite gibt es das komplett aus mir heraus Entstehende, ohne jeden Auftraggeber, ohne finanzielle Motivation dahinter. In meinen freien Arbeiten formuliere ich Kommentare oder Fragen und gebe sie an die Gesellschaft weiter.“

Die künstlerischen Arbeiten sieht Eike König als Weiterentwicklung aus seiner Arbeit als Grafikdesigner. So ist es auch bei seiner neuen Arbeit „The New Normal Times“, die ursprünglich im Frühjahr 2020 als Auftragsarbeit für die US-amerikanische Zeitung The New York Times entstanden war. Mit einer Rubrik der Zeitung, die sich mit Gedanken zum Thema „The New Normal“ beschäftigt, schien die Zeit perfekt. Dann übernahm das Corona-Virus die Kontrolle, der US-Amerikaner George Floyd wurde ermordet, die Menschen gingen auf die Straße und Eike König empfand es als falsch, die Arbeit zu veröffentlichen: „Es gab einfach Wichtigeres. Durch dieses Ereignis hatte „The New Normal Times“ einen bitteren Beigeschmack, der in dem Kontext einfach unpassend war.“

Aber auch abgesehen von den weltweiten Protesten gegen Polizeigewalt veränderte sich die Welt im letzten Jahr immens. „Ich bin zwar ein Kind des Kalten Krieges, wo es auch schon eine Art Zukunftsangst gab. Aber eine solche globale Krise, die den internationalen Handelsverkehr und Kapitalismus mal kurz ins Stocken bringt, haben wir vorher nicht erlebt. Plötzlich ist die Luft, die man atmet, eventuell kontaminiert – Es ist wie ein Horrorfilm, den man auf einmal betritt. Keiner weiß, wie sich so etwas entwickelt und deswegen gibt es keine Antworten, sondern nur Fragen.“

Das „Neue“ sei für den Künstler die schlagartige Verschiebung von allem, was man bisher als normal empfunden hatte. Auch in der Kommunikation und dem gegenseitigen Miteinander hat er im letzten Jahr vieles beobachtet, was ohne die Krise vermutlich nicht zutage getreten wäre: „Es ist wie eine Lupe: Man sieht die Extreme doppelt extrem. Es gab enorm viel Solidarität, Empathie und mutige, helfende Menschen, aber auch viel Ignoranz und eine Spaltung der Menschen. Es gab ulkige Situationen, dass Menschen plötzlich angefangen haben, performative Schritte zu gehen, wenn sie dir begegnet sind, um auszuweichen. Und natürlich gab es keine sozialen Kontakte mehr, auch keine zufälligen. Plötzlich begreift man die Wichtigkeit dieser zufälligen Begegnungen. Ich empfand das für mich persönlich und für die Gesellschaft als eine Chance, über gewisse Dinge nachzudenken und zu reflektieren. Wie empathisch sind wir? Was läuft gerade schief und wo können wir uns verbessern?“

Weil das analoge Leben einen notwendigen Stillstand erlebte, fand die Realität fast ausschließlich im Internet statt. Obwohl Eike seinen Arbeitsprozess ganz bewusst oft ins Analoge verlagert, ist er mit fast 85.000 Followern auf Instagram online sehr präsent. Da die Arbeit zu den Anfangszeiten seines Studiums noch ohne Computer stattfand, findet sich der in Berlin lebende Künstler immer wieder irgendwo zwischen diesen zwei Welten wieder. „Ich bin kein Technologiefeind. Die Entscheidung analog zu arbeiten hat eher etwas damit zu tun, wie ich sozialisiert wurde. Ich habe die Digitalisierung als ein rasant ansteigendes Erlebnis abgespeichert, bei dem die Computer über Nacht immer schneller wurden und die Anforderungen an Grafikdesigner*innen immer mehr mit der Performance der Rechner verknüpft wurden“, erzählt er. 

In seiner künstlerischen Praxis habe er einen Gegenentwurf zu seinem Highspeed-Digital Life gesucht, um eine Entschleunigung zu erzwingen: „Umso mehr wir uns digitalisieren und gewisse Bereiche nur noch digital abgedeckt werden, ist das sozusagen eine Kastration unserer Sinne. Wir nehmen unsere Umwelt über all die Sinne wahr, die wir haben. Wenn diese Sinne einen gewissen Zeitraum nicht mehr getriggert werden oder keine Bedeutung mehr haben, dann entsteht eben ein Bedürfnis wieder Trigger dafür zu entwickeln.“

Eike König gehört einer Generation an, die den Wandel zum Digitalen bewusst miterlebt haben und genauso auch das Aufkommen des Techno. Beide Bewegungen waren in den 1990er und frühen 2000er Jahren die spannendsten Experimentierfelder und freien Räume um Dinge zu erschaffen und alles anders zu machen als vorher. Mittlerweile sind die Codes dieser damals neuen Felder gesetzt und sowohl die digitale Welt als auch der Einfluss von Techno sind nicht mehr aus Kunst, Arbeit und Alltag wegzudenken. Auch nach über 20 Jahren ist Eike davon überzeugt, dass der Einfluss dieser Felder nicht abnimmt und auch Phänomene wie die Düsseldorfer Band Kraftwerk immer noch nicht an Relevanz verlieren:

„Innerhalb dieses großen Genres Techno findet man noch immer Experimente. Obwohl es gesetzt ist, entstehen weiterhin Subgenres, die unterschiedliche Genres miteinander vermischen. Eine gute Methode zum Experimentieren ist immer noch das Zitieren, Remixen und Kombinieren anhand des Wissens über das, was schon war. Das gehört zum Sampling und im Endeffekt zur Musik dazu. Im Visuellen sehe ich das genauso. In der Mode sieht man permanent Zitate gemischt mit einer heutigen Sicht oder einer Technologie, die heute da ist. 

Ich glaube, immer wenn eine neue Technologie kommt, dann ist die Möglichkeit da etwas Neues zu schaffen, ansonsten ist es recht schwer. Alles ist doch eine Verarbeitung dessen, was schon da ist, wer man ist, woher man kommt – man selbst ist doch nur der Kaffeefilter, der gewisse Poren hat, gewisse Aromastoffe durchlässt und am Ende kommt ein ganz eigener Espresso dabei raus. An die Idee der Erschaffung von etwas absolut Neuem glaube ich einfach nicht. Das ist mir zu nah an der Idee des Genies und daran glaube ich auch nicht.“

Seine Begeisterung für das Genre ist nicht zu übersehen. Obwohl Eike König bereits seit 2007 in Berlin lebt, kommt er schnell ins Schwärmen, als er von seinen Studierenden in Offenbach erzählt, die, wie Technofans früher, immer noch ins Robert Johnson, „einen der tollsten Clubs Deutschlands“, gehen. Techno und Tanzen sind politisch, davon ist der Künstler überzeugt. 

Den Dialog mit jüngeren Generationen, die bei ihm studieren, empfindet er als Jungbrunnen und ist dankbar für das selbstbestimmte und freie Leben, das er führen kann. „Die Themen der Generation ändern sich, die Technologien ändern sich, und ich glaube, dass ich bisher für mich alles richtig gemacht habe“, sagt er selbstbewusst und schaut dabei glücklich seinem kleinen Sohn in die Augen. 

WIN WIN WIN! Vom 9. Juli bis 13. Juli 2021 verlosen wir ein signiertes Shirt der Limited Edition Eike König x MRST Store in Größe L auf Facebook und Instagram. Alle Infos findet Ihr auf unseren Kanälen!

Text + Interview: Maren Schüller
Fotos: Sabrina Weniger
© THE DORF 2021

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