JSC ON VIEW: MYTHOLOGISTS & JEREMY SHAW: QUANTIFICATION TRILOGY

Mark Leckey, Parade, 2003

Die Julia Stoschek Collection startet hoffnungsvoll ins neue Jahr: Mitte Januar gingen mit der dritten Ausgabe von JSC ON VIEW und Jeremy Shaws Quantification Trilogy zwei spannende Ausstellungen an den Start. Vorerst bleiben die Türen für Besucher weiterhin geschlossen, aber das Warten lohnt sich. Die gute Nachricht: Ein Großteil der Arbeiten der Sammelausstellung JSC ON VIEW: MYTHOLOGISTS ist bereits  in der JSC-Mediathek zu sehen. 

Obwohl die Pandemie den Gang in Galerien und Museen weiterhin verhindert, leuchten seit dem 17. Januar wieder die Wände in der Julia Stoschek Collection. Die Ausstellung JSC ON VIEW: MYTHOLOGISTS zieht sich über die gesamte Fläche im Erdgeschoss der Julia Stoschek Collection. Die Ausstellung wird zum ersten Mal kuratiert von Rachel Vera Steinberg, Stipendiatin des JSC Curatorial & Research Residency Programs, und umfasst Video- und Filmarbeiten aus der JSC Collection von den zwölf Künstler*innen Jamie Crewe, Guerrilla Girls, Mike Kelley, Lina Lapelytė, Mark Leckey, Klara Lidén, Laure Prouvost, Mika Rottenberg, Natascha Sadr Haghighian, Jacolby Satterwhite, Wu Tsang und WangShui.

Im Kern befasst sich die Sammlungsausstellung mit Künstler*innen als Personen, die die Mythologien des Zeitgeists (mit-)schreiben. Obwohl wir uns für so aufgeklärt und rational denkend wie noch nie halten, wird seit längerer Zeit sichtbar, wie machtvolle Narrative unsere Gegenwart maßgeblich beeinflussen. Die Ausstellung widmet sich also Fragen wie: Welche Mythen stehen über unserer Gegenwart? Wie wirken machtvolle Narrative auf mich? Welche Formen von Manipulationen gibt es?

In JSC ON VIEW: MYTHOLOGISTS wird das Spannungsfeld zwischen Fakten und Fiktionen in den Blick genommen, das durch persönliche sowie kollektive Narrative hervorgebracht wird. Im Hinblick auf die aktuellen Unruhen der Welt beschäftigen sich die Künstler*innen auf sehr persönliche Art und Weise mit Gegebenem und Vorstellbarem. Die Arbeiten dokumentieren unterschiedliche Subkulturen und beleuchten die kollektiven Phantasien, die in diesen Kontexten als verbindende Elemente fungieren. 

Auf der Suche nach einem Zugehörigkeitsgefühl innerhalb kultureller Bewegungen und Szenen begeben sich die Künstler*innen auf eskapistische Reisen zu einem idealen Anderswo, lassen Albträume wahr werden und entwerfen digitale, utopische Science-Fiction-Gegenwelten. Als gemeinsame Ausstellung konzipiert eröffnen die Werke ein so weites Spektrum an Perspektiven und Realitäten, dass man sich fragt, wie es überhaupt möglich sein soll, dass acht Milliarden Menschen an dieselbe Realität glauben sollen. 

Die Einzelausstellung Quantification Trilogy des Kanadiers Jeremy Shaw wurde bereits bei der Venedig Biennale präsentiert und umfasst die drei parafiktionalen Kurzfilme Quickeners (2014), Liminals (2017) und I Can See Forever (2018). Die thematisch und zeitlich verwobenen Arbeiten erzählen von marginalisierten Gemeinschaften in einer Zukunft nach „The Quantification“. Durch eine wissenschaftliche Entdeckung sind sämtliche Parameter transzendentaler Erfahrung empirisch erfasst worden. Shaw greift für diese Vision auf Ästhetik und Bildmedien des 20. Jahrhunderts zurück. Durch die Arbeit mit dieser widerläufigen Zeitlichkeit schafft Shaw es abstrakte Visionen leichter zugänglich zu machen und öffnet einen Diskurs darüber wie wir in Zukunft leben wollen. Die Quantification Trilogy entfaltet sich entlang der Bereiche Gegenkultur, Evolutionstheorien, virtuelle Realität, Neurotheologie, Esoterik, Tanz, der Repräsentation des Erhabenen und Vorstellungen von Transzendenz.

Leider darf die Videokunstsammlung in Oberkassel aufgrund der aktuellen Corona-Situation noch nicht öffnen. Da die Ausstellungen bis zum 6. Juni angesetzt sind, besteht allerdings eine reelle Chance, dass Ihr euch bald von den Werken in den Bann ziehen lassen könnt. Freuen dürft Ihr Euch aber jetzt schon, denn: Seit kurzem hat die Julia Stoschek Collection damit begonnen, ihren Sammlungsbestand von mehr als 860 Werken von 282 Künstler*innen ohne Beschränkungen und kostenlos online zugänglich zu machen. Damit nimmt eine der weltweit größten Privatsammlungen für zeitbasierte Medienkunst eine Vorreiterrolle in der konsequenten Demokratisierung dieser Kunstform ein. 

Einige der Werke aus der JSC ON VIEW: MYTHOLOGISTS Ausstellung sind bereits jetzt online abrufbar. Und auch über 200 andere video- und audiobasierte Werke aus der Sammlung sind in voller Länge zugänglich. Ein Blick in die Mediathek lohnt sich also definitiv. 

Online verfügbare Arbeiten aus JSC ON VIEW: MYTHOLOGISTS:
Lina Lapelyté, Hunky Bluff Act 1-6, 2015 (Audiodatei)
Klara Lidén, Paralyzed, 2003 (Video)
Klara Lidén, Grounding, 2018 (Video)
Jacolby Sattlerwhite, 1-8. En Plein Air Abstraction, 2018 (Video)
WangShui, From Its Mouth Came a River of High-End Residential Appliances, 2018 (Video)

Die gesamte Mediathek der Julia Stoschek Collection findet Ihr hier…

Text: Maren Schüller/Presse JSC Düsseldorf
Bilder: JSC Düsseldorf

Ausstellung: JSC ON VIEW: MYTHOLOGISTS & JEREMY SHAW: QUANTIFICATION TRILOGY
17. Januar 2021 – 6. Juni 2021
Julia Stoschek Collection Düsseldorf
Schanzenstraße 54 | 40549 Düsseldorf

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