Peter Lindbergh: Untold Stories im Kunstpalast

Peter Lindbergh, New York, 2016 © Stefan Rappo

Peter Lindbergh war Fotograf, Menschenfreund und Humanist durch und durch. Bis zum 1. Juni 2020 zeigt er jetzt seine persönlichen Werke im Kunstpalast. Das Besondere: Er selbst kuratierte diese Ausstellung, arbeitete zwei Jahre daran und stellte sie kurz vor seinem Tod im September 2019 fertig. Sie ist eine Einladung zu entdecken, wie Peter Lindbergh sich selbst und seine Arbeit gesehen hat – es ist seine persönlichste Ausstellung und zugleich sein Vermächtnis.

Seine Auswahl umfasst bekannte Fotografien, die ihn zum Starfotografen emporhoben, aber auch bisher unveröffentlichte Werke. Ikonische Vorreiter, wie beispielsweise das legendäre Vogue-Cover mit den weißen Oberhemden findet man allerdings nicht darunter, viel mehr geht es um einen neuen, einen anderen, einen persönlichen Blickwinkel auf die Arbeiten.

Seine „Untold Stories“ sind neue Assoziationen und ergeben in dieser erstmaligen Konstellation eben genau diese noch nicht erzählten Geschichten. Steht man in den meterhohen Räumlichkeiten, ist es unmöglich, sich nicht mit den neuen Kontexten und Perspektiven konfrontiert zu sehen – viele Fragen bleiben allerdings offen.

1944 wird Peter Lindbergh als Peter Brodbeck in Polen geboren, wächst aber in Duisburg auf und verbringt seine Jugend dort. Nach Stationen in der Schaufensterdekoration und Malerei kam er zur Fotografie. Mit dem Wandel der Mode Ende der 1980er Jahre kam auch sein Durchbruch als Modefotograf. Modemarken bekamen ein Gesicht und Mädchen wurden vom Kleiderständer zum Supermodel katapultiert. Aber das war nicht das Ziel Lindberghs, der sich nie wirklich für Mode und die glitzernde Scheinwelt interessierte. Er wollte die Persönlichkeit sehen, den Menschen. Seine Neugier und Freude am Gegenüber schafften einzigartiges Vertrauen und Offenheit, welches in beispielloser Intimität in seinen Arbeiten sichtbar wird.

Betritt man den ersten Teil der dreiteiligen Ausstellung, wird schnell klar, was damit gemeint ist. Überdimensionale Wandtapeten mit der unverkennbaren Ästhetik Lindberghs sind hier zu sehen. Schwarz-Weiß ist der Großteil seiner Arbeiten – Schwarz-Weiß-Fotografie gehe durch die Haut, wie Lindbergh einmal selbst sagte, und das sieht man hier nicht nur, sondern fühlt man auch. Der mittlere Bereich beinhaltet gerahmte Fotografien. Lindbergh hat allerdings auf das klassische Museumsglas verzichtet, mit dem Spiegelungen so gut wie ausgeschlossen sind. In jeder Fotografie, in jeder Situation spiegelt man sich selbst – man wird Teil der Auseinandersetzung.

Der letzte Teil der Ausstellung ist wohl der außergewöhnlichste der gesamten Werkschau. 30 Minuten lang lässt Lindbergh den Todeszellen-Insassen Elmer Carroll in einen Spiegel schauen, hinter dem er seine Kamera platziert hat. „Testament“ heißt das Werk, indem er wertfrei die Frage von Schuld und Unschuld sowie Themen wie Freiheit und Empathie aufwirft. Elmer Carroll wurde zwei Monate nach den Aufnahmen hingerichtet.

„Die Präsentation legt die Vielschichtigkeit von Peter Lindberghs Schaffen offen“, sagt Felicity Korn (Referentin Generaldirektion Kunstpalast), die zusammen mit Felix Krämer (Generaldirektor Kunstpalast) Peter Lindbergh kuratorisch begleitet hat.

In den 140 ausgesuchten Werken Lindberghs findet man neben Superstars und Topmodels wie Milla Jovovich, Karen Elson, Uma Thurman, Helen Mirren oder Naomi Campbell auch Stillleben und Landschaftsfotografien. Diese Einblicke in Lindberghs ganze persönliche Welt gibt es noch bis zum 1. Juni 2020, bevor die Werkschau dann nach Hamburg, Darmstadt und Neapel weiterzieht – für den Fall, dass man es nicht in den Kunstpalast schaffen sollte.

Ausstellung: „Peter Lindbergh: Untold Stories“, im Kunstpalast, Düsseldorf
Zeitraum:
5.2. – 1.6.2020
Adresse:
 Kunstpalast
Ehrenhof 4-5 | 40479 Düsseldorf
Mehr Informationen im Netz unter: www.kunstpalast.de

Text: Miriam Backhaus
Fotos:
 © Peter Lindbergh, Courtesy: Courtesy of Peter Lindbergh, Paris
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