THE DORF ON TOUR mit Thalys • TIM SANDOW @ GALERIE DROSTE PARIS

Werbung • Es ist ein sonniger, viel zu warmer Herbsttag in Paris. Ganz Paris scheint auf den Beinen, um die letzten Sonnenstrahlen des Jahres zu genießen, als wir inmitten des emsigen Treibens die erst seit sieben Monaten bezogenen Räumlichkeiten der Galerie Droste im Marais besuchen. Die Galerie mit Sitz in Düsseldorf und Paris zeigt heute die erste Pariser Einzelausstellung des Künstlers Tim Sandow. Tim wurde 1988 geboren und lebt und arbeitet im schönen Wuppertal. Er absolvierte sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf und der Akademie der bildenden Künste Wien bei Daniel Richter im Jahr 2019. Tim führt uns durch seine großformatigen Malereien, die – lapidar gesagt – Figuren vor Landschaften zeigen. Soda con Vista, so der „spritzige“ Titel von Tims Soloshow.

In der Ausstellungsbeschreibung heißt es: „Tim Sandows inhaltliche Bildsprache speist sich aus der Tragik des Alltäglichen, die sich nur durch die sensible Beobachtung menschlicher Gesten und Situationen erfassen lässt. Seine ausgewählten Bildausschnitte wirken wie filmische Kulissen, die Sandow sensibel und bewusst arrangiert und damit inszeniert.“ Tatsächlich muss man Tims Figuren genau beobachten, um zu entdecken, dass sie einen niemals direkt ansehen. Auch wenn man beim ersten Betrachten denkt, die Szenerie erfasst zu haben, tauchen beim zweiten Blick immer wieder neue, teils skurrile Details in seinen Arbeiten auf, die es zu hinterfragen lohnt. „Soda con vista“ zeigt sieben Gemälde und zwei Papierarbeiten, die „unaussprechliche Traurigkeit und unverschämte Banalitäten zum Ausdruck bringen.“ – und einen Alltag zeigen, der zwischen Melancholie, manchmal kurzen Momenten der Poesie, Einsamkeit und Stille schwankt. Kurz vor dem Eintreffen der ersten Gäste seiner Ausstellungseröffnung sprechen wir mit Tim Sandow.

Worum geht es in Deinen Arbeiten, insbesondere denen, die hier in der Ausstellung in Paris gezeigt werden? Was erwartet die Besucher*innen der Ausstellung? Menschen, Tiere und Sensationen. Nein, Spaß. In dieser Ausstellung setzt sich eigentlich fort, womit ich thematisch in meinen „älteren Arbeiten“ bereits den Grundstein gesetzt habe. Die Sehnsucht nach Ferne? Vielleicht trifft es das.

Warum der Titel Soda con Vista? Wofür steht der Titel? „Soda“ ist ein schöneres Wort für Mineralwasser. Prickelnd. Ich liebe es. „Con vista“ klingt ebenfalls nach einem großen Versprechen. Alles besteht aus einem Bausatz schön klingender Teile, ohne Rücksicht auf Richtigkeit, da es keine Sprache ist, die ich sprechen kann. Eine Aneignung im Vorbeigehen. Wie die Bilder selbst. Ein Raffaello habe ich z.B. auch noch nie unter einer Palme gegessen.

Bei “Soda con Vista” handelt es sich um Deine erste Einzelausstellung in Paris. Ist es eine Besonderheit für Dich, dass gerade eine Ausstellung, die unter anderem Motive wie Melancholie, Poetik und Einsamkeit im täglichen Leben widerspiegelt, hier stattfindet? Könnten die gezeigten Werke an einem anderen Ort eine andere Wirkkraft entfalten? 
Grundsätzlich ist es eine Besonderheit für mich, mit der Galerie Droste international so eine große Show zu veranstalten. Damit hätte ich noch vor wenigen Jahren wirklich nicht gerechnet. In Bezug zu den Arbeiten, die hier gezeigt werden, stellt Paris explizit aber keine große Bedeutung da. Die Stadt Paris bringt eh alles von alleine mit, mit den Großen Künsten hier muss und möchte ich es nicht aufnehmen und ich würde wahrscheinlich daran scheitern. Ich meine, alle Bilder in dieser Ausstellung zusammengenäht wären nicht mal so groß wie Géricaults „Das Floß der Medusa“.

Auf der Website der Galerie heißt es: „Seine ausgewählten Bildausschnitte wirken wie filmische Kulissen.“ Woher beziehst Du Deine Inspiration? Sind das möglicherweise Filme und wenn ja: Welcher Film hat Dich zuletzt am meisten inspiriert oder beeindruckt? Ich steh auf so viel Blödsinn. Ich liebe „Findet Nemo“, wie auch die „Love Island“ Staffel mit Elena Miras … also nein. In dieser Bildserie konkret war es mir sehr wichtig, eben keine alltäglichen Situationen zu kreieren. Für mich sind es zum jetzigen Zeitpunkt keine harten Bildausschnitte mehr, sondern sehr konzentrierte, sich weit öffnende Kompositionen, bei denen die Figuren sich dessen vielleicht bewusst sind, dass sie beobachtet werden. In den Bildserien davor waren es vielleicht mehr die „alltäglichen“ Bilder – zumindest in ihrer Anmutung. In „Soda con vista“ ist es die Inszenierung einer Figur vor einer Landschaft.

Laure Saffroy-Lepesqueur, Galerie Droste, über Tim: „Wir lieben seine Ehrlichkeit, seine künstlerische Kompromisslosigkeit und den einzigartigen Stil, den er entwickelt hat. Dieser überstrahlt das Klassische nicht, sondern erweitert es, indem er dem zeitgenössischen Erfindungsreichtum Raum gibt.“

Was war das Highlight Deines bisherigen künstlerischen Schaffens? Allein der bisherige Weg mit der Galerie Droste ist schon überwältigend. Ich bin sehr dankbar für das Vertrauen und die Freundschaft mit den Galeristen Patrick und Katharina. Ich habe dieses Jahr meinen ersten Katalog mit dem Kerber Verlag publiziert. Alles Highlights. Allerdings wurde die erste große, bedeutungsvolle Ausstellung vor dieser Zeit vom Kunstverein Neckar-Odenwald im Kulturforum Vis-à-Vis in Buchen für mich veranstaltet. Zum ersten Mal ging damals das Interesse und das Bemühen für eine Ausstellungsbeteiligung nicht von mir aus. Das war zu einer Zeit, wo ich nicht damit gerechnet habe. Eine Soloausstellung in einem knapp 19.000-Menschenort klang damals geil.

Kannst Du etwas über Dich und Dein Studium an der Kunstakademie erzählen? In welcher Klasse warst Du und wie war die Zeit in Düsseldorf für Dich? Ungern. Ich war lange Gaststudent an der Kunstakademie in Düsseldorf und konnte dort nie so richtig Fuß fassen. Es war aber auch eine große Klasse. Trotzdem sind mir einige gute Kontakte erhalten geblieben.

Du lebst in Wuppertal. Hast Du noch Verbindungen zu Düsseldorf und in die dortige Kunstszene? Ich verlasse wirklich selten das Haus und wenn, dann bin ich gern mit meinen Hunden im Umland unterwegs.

Du hast auch in Wien an der Akademie der bildenden Künste studiert. Hat das Leben und das Lernen in den beiden Städten besondere Einflüsse auf Dein künstlerisches Schaffen genommen? Nein, nicht wirklich. Ich bin nach Wien gegangen, um bei Daniel Richter zu studieren. Er hätte seine Professur auch an jeder anderen Hochschule innehaben können, ich hätte mich auch dort dann bei ihm vorgestellt. 

An welchen Ort würdest Du gern als nächstes gehen, um Inspiration für Deine Kunst zu schöpfen? Wie sehr bindest Du künstlerische Inspiration an Orte oder Dinge? Ich habe alle Ideen schon im Kopf,  ich weiß einfach, was ich noch unbedingt machen möchte. Den Einfluss von Außen benötigt es im Moment gar nicht. Ich gebe ja keine Verantwortung ab, für das was ich da tue. Ich bin ein reiner Studiomaler unter Kunstlicht. Für meine Lebensqualität an sich wäre es sicher grundsätzlich nicht verkehrt, mal am Meer auf einer Vulkaninsel leben zu können und ein zweites Fenster im Atelier zu besitzen, um vollständig durchlüften zu können.

Welcher ist Dein Lieblingsort in Paris? 2007 hat mein Bruder seinen Junggesellenabschied hier gefeiert. Um ehrlich zu sein, war ich danach nie wieder in Paris. Heute hatte ich einen herrlichen Tag mit meinem guten Freund Paul Mittler und jetzt bin ich zum ersten Mal in der Galerie vor Ort. Wenn ich mich festlegen müsste, dann bin ich gern da, wo das Bier kalt steht.

Vielen Dank.

TIM SANDOW • SODA CON VISTA
22. OKTOBER BIS 21. NOVEMBER 2022

GALERIE DROSTE 
72, Rue des Archives
75003 Paris, Frankreich

Tims Website • Tim auf Instagram
Galerie Drostes WebsiteGalerie Droste auf Instagram

Dieses #thedorfontour Feature entstand mit freundlicher Unterstützung von Thalys. Vielen Dank! 
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Text/Interview: Tina Husemann
Fotos: siehe Bildbeschreibung
© THE DORF 2022 

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