The Kebab Helix and other Fast Food Fantasies

Ab dem 8. Oktober 2020 zeigt die Stiftung imai im NRW-Forum mit der Ausstellung The Kebab Helix and other Fast Food Fantasies generationsübergreifende Werke verschiedener Künstler*innen, die die Perversion des Spannungsfelds Fast Food sichtbar machen. Die weltweite Entwicklung hin zu Biolebensmitteln, veganen Ersatzprodukten und Transparenz zeigt, dass wir uns mitten in einer Ernährungsrevolution befinden. In diesem gesellschaftlichen Wandel steht die Lebensmittelindustrie besonders unter Druck. Wie diese Ausstellung zeigt: völlig zu Recht.

Bereits seit den 1980er Jahren setzen sich Videoschaffende mit diesem Spannungsfeld auseinander. Dabei führt ihr Weg von einem Dönerimbiss in Rotterdam über einen Londoner Burgerladen bis zu einem Drive-in in Los Angeles. Indem sich die Künstler*innen sich an den Codes der multinationalen Konzerne bedienen, die Logik des Franchise¬ Systems hinterfragen, die Arbeitsbedingungen der Systemgastronomie kritisieren, die Massenproduktion von Lebensmitteln anprangern und von der Sünde der Völlerei beichten, sind die widersprüchlichen Werte der kapitalistischen Gesellschaft nicht zu übersehen.

Das Programm stellt Videoarbeiten aus verschiedenen Generationen gegenüber. Die junge Britin Helen Anna Flanagan hat ihre Arbeit „Gestures of Matter” gerade erst fertiggestellt und feiert damit in Düsseldorf ihre Deutschlandpremiere. In dem Video verformen sich rotierende Kebab-Spieße zu einer DNA-Helix und symbolisieren so das alte Sprichwort: ,,Du bist, was Du isst”. Parallel zeigt die amerikanische Videokunstpionierin Dara Birnbaum ein Video aus den 1980er Jahren, in dem sie die anonymen Transaktionen am Drive-in Schalter großer Fast-Food-Ketten dokumentiert.

Wie mächtig die multinational aufgestellten Fast Food Konzerne sind, zeigt nicht nur der Tscheche Petr Vrana mit viel Humor mit seinem Bericht über einen Rechtsstreit über die Zubereitung von Mikrowellenessen, sondern auch der Fakt, dass das britische Videokollektiv Gorilla Tapes aus den 1980er Jahren seine sozialkritischen Arbeiten unter Pseudonymen veröffentlichte, um langwierigen Gerichtsprozessen aus dem Weg zu gehen. Umso wichtiger und sehenswerter sind die unbequemen Wahrheiten, denen man sich heutzutage durch die eigene Filterbubble im Internet sehr leicht entziehen kann. Die ausgestellten Arbeiten zeigen jedoch, dass man die Zustände der Industrie und Massenproduktion nicht ignorieren sollte, hinterfragen stattdessen unser Konsumverhalten und verdeutlichen mit wirkungsvollen Nahaufnahmen die Dringlichkeit dieses Spannungsfeldes – The Kebab Helix lässt keinen Platz für Entschuldigungen.

Ausstellung: The Kebab Helix and other Fast Food Fantasies
8. Oktober 2020 – 10. Januar 2021
Videolounge der Stiftung imai im
NRW-Forum Düsseldorf
Ehrenhof 2 | 40479 Düsseldorf
www.stiftung-imai.de | www.nrw-forum.de

Fotos: Helen Anna Flanagan, Gestures of Matter, 2020, Videostill, © Helen Anna Flanagan

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