Schvarz Kaffee

Kaffee ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Seit einigen Jahren erlebt das Kaffeebusiness einen Wandel und der Genuss des vielfältigen Getränks wird neu gedacht. Die Düsseldorfer Rösterei Schvarz Kaffee wirkt seit sechs Jahren mit großer Leidenschaft und Expertise lokal daran mit, den Umgang mit Kaffee zu verändern und Hintergrundwissen zu teilen. Die Röstungen von Schvarz, die man genüsslich in angesagten Cafés in Unterbilk und Friedrichstadt schlürft, werden jedoch abseits von Altbauten und Workspaces produziert. Wir haben die Rösterei in ihrem Sitz auf einem stilechten Fabrikgelände in Lierenfeld besucht. 

Zwischen alten Bahngleisen und leeren Fabrikhallen befindet sich der große Hof, den neben Schvarz auch schon innovative Unternehmen wie Cubit, eine Düsseldorfer Designmarke für modulare Möbelsysteme, für sich entdeckt haben. Am Ende des Geländes, bevor sich die Schienen auf den Weg ins wilde Gestrüpp machen, verrät das auffällige Garagentor mit dem großen Schvarz-Print, dass sich hier wieder einiges tut. Sobald sich das Tor öffnet, wird man von einer holzigen, gemütlichen Atmosphäre empfangen. Die Theke für einen frischen Kaffee steht mitten im Raum und auch zwischen Produktregalen, Rollwägen mit Online-Bestellungen und der Röstmaschine gibt es keine Barriere. Die offene Gestaltung der Rösterei ist Teil des Konzepts, sodass Kund*innen voll und ganz in die Welt des Kaffees eintauchen. 

Arthur ist eine Hälfte von Schvarz und gewährt uns detaillierte Einblicke in die Arbeit und Vision der Rösterei. Das Ziel der zwei Gastronomen und Unternehmer Arthur Fuchs und Erkan Karakaya sei es, Kaffee erreichbarer zu machen. „Der Normalverbraucher kennt Kaffee nur gemahlen in einer brikettförmigen Packung oder als Bohne. Die meisten wissen aber gar nicht, wie der Kaffee geröstet wird und wie er überhaupt ungeröstet aussieht. Deswegen wollten wir eine kleine Erlebniswelt schaffen. Wir stehen als Kaffeebotschafter zur Verfügung und wollen zeigen, wie der Kaffee in Deine Tasse oder Deinen Beutel kommt.“

Arthur beschäftigt sich schon seit 15 Jahren professionell mit Kaffee. Der erfahrene Gastronom nahm das Getränk lange nur als Wachmacher oder etwas Süßes zwischendurch wahr, bis er für eine international sehr große Kaffeemarke arbeitete: „Das hat mir die Augen geöffnet und gezeigt, wie vielfältig Kaffee sein kann. Damals, vor 15 Jahren, gab es allerdings noch nicht so viele verschiedene Versionen von Kaffee auf dem Markt, sondern nur den klassischen italienischen oder den deutschen Filterkaffee.“

Während man sich in Deutschland noch immer mehr schlechten als rechten Kaffee servieren ließ, war an der Westküste der USA bereits eine Revolution im Gange. „Portland und Seattle waren das Kaffee-Mekka“, erinnert Arthur sich. Begeistert von dem Mut, alles anders zu machen und sich von der italienischen Kaffeekultur zu lösen, zog es auch den Düsseldorfer Gastronomen nach Nordamerika: „Ich lebte eine Zeit lang in Vancouver und lernte dort diese neue Art der Kaffeeproduktion von der Zubereitung bis zur Röstung. Als ich zurückkam, wusste ich: Ich möchte diese neue Art Kaffee unbedingt nach Düsseldorf bringen!“

Am Anfang war Schvarz Kaffee nur ein Nebenprojekt der beiden Gastronomen, denn Arthur und Erkan betreiben bereits gemeinsam das Restaurant Askitis in Düsseltal. Aus ursprünglich zwei Kaffeemischungen und dem Ziel, das Angebot und Wissen um Kaffee in der Gastronomie-Szene zu vergrößern und zu teilen, wurde schnell ein vielfältiges Sortiment. Mittlerweile beliefert das eingespielte Team nicht nur Gastronomien, sondern richtet sich auch an Privatkonsument*innen. 

„Früher hat man den Kaffee geröstet, der da war und konnte den Geschmack kaum beeinflussen. Mit der heutigen extremen Vielfalt durch die Globalisierung gehen wir mehr auf die Beschaffenheit des Kaffees und die Bedingungen des Anbaus ein, um das volle Potential auszuschöpfen. Durch moderne Röstprozesse können wir die Süße, die Säure oder den Körper des Kaffees in den Vordergrund stellen oder die schokoladige Seite besser hervorbringen als früher. Der moderne Röster sieht die Grundeigenschaften des Kaffees und versucht spezifische Eigenschaften wie beispielsweise eine Orangen-Note in den Vordergrund zu stellen“, erklärt der Kaffeebotschafter. 

Mit dem neuen Hype um das beliebteste Getränk Deutschlands und einem Gefühl für Umweltbewusstsein gehört mittlerweile die ganze Geschichte der Bohne zum Kaffee dazu – vom Anbau über die Transportwege bis hin zur Verarbeitung. Schvarz Kaffee arbeitet grundsätzlich nur mit Kleinbauern und nachhaltigen Kooperativen. „Die Zukunft liegt in der Verbindung zu den Kaffeebauern. Wir werden über Instagram von Bauern angeschrieben, die uns Proben zuschicken. Durch die digitale Welt ist es super einfach mit ihnen in Verbindung zu kommen. Man braucht weder Mittelsmänner, noch Telefon oder Briefpost“, erzählt Arthur begeistert. 

Neu im Sortiment der Rösterei sind Kaffeekapseln. Was sich auf den ersten Blick nicht mit einem nachhaltigen Konzept zu vereinen lassen scheint, performt bei näherem Hinsehen besser als gedacht: „Der wachsende Markt an Kapselmaschinen ist eine spannende Herausforderung für uns. Gerade im Home Office sucht man nach einfachen Möglichkeiten Kaffee zu trinken. Bei den Kapseln achten wir natürlich darauf, wie nachhaltig sich das Produkt gestalten lässt. Unsere Kapseln sind aus Holz, die Versiegelung ist aus Papier, die Verpackung ist aus recyceltem Papier und mit Bio-Farbe gedruckt. Natürlich verursachen die Kapseln Müll. Man muss aber auch die andere Seite sehen: Wenn man eine Espressomaschine den ganzen Tag laufen ließe, würde man viel mehr Energie verbrauchen als bei der Kapselmaschine, die nach fünf Minuten wieder aus geht. Der ökologische Fußabdruck ist bei einer Kapselmaschine am Ende vielleicht sogar kleiner als bei einer Espressomaschine, mit der man frischen Kaffee mahlt, die aber auch den ganzen Tag an ist“, argumentiert Arthur.

Neben dem Aufschwung von Kapselmaschinen seien aktuell vor allem Kaffeemischgetränke sehr beliebt. Besonders angesagt: Espresso Tonic. Wie die Kombination von Espresso, Tonic Water und Eiswürfeln zu einem wahren Geschmackserlebnis wird, vermittelt das Team von Schvarz den Kund*innen vor Ort. Arthur möchte sein Wissen um die besonderen Eigenschaften verschiedener Kaffeesorten weitergeben und bietet seit vier Jahren drei verschiedene Schulungen an. Sie klären darüber auf, wie aus grünen Kaffeebohnen ein Röstkaffee wird, welche Brühmethoden es bei Filterkaffee gibt und vermitteln Barista-Grundkenntnisse. Aufgrund der aktuellen Situation finden momentan keine Schulungen statt, aber sobald es die Möglichkeit gibt, wollen Arthur und Erkan wieder loslegen. 

Heutzutage gebe es viele Kaffee-Enthusiast*innen, die zuhause einen besseren Kaffee zubereiten, als viele Gastronom*innen. Dass in vielen Gastronomien immer noch keinen Kaffee von unabhängigen Röstereien gibt, liege an der Erreichbarkeit – Röstungen von kleinen Unternehmen wie Schvarz seien in Großmärkten eben noch nicht im Sortiment. Auch hier nimmt Arthur allerdings eine Bewegung wahr: “Es gibt moderne Konzepte wie beispielsweise im Weird Space. Dort gibt es eine Hauptröstung von Schvarz Kaffee und ansonsten ein monatlich wechselndes Angebot. Damit zeigt das Weird Space unserer Stadt was Kaffee alles kann und was es alles gibt. Und genauso wie der Geschäftsführer Marcel Kühnemund dort Kaffee aus Berlin oder Köln anbietet, gibt es in Berlin oder Köln Cafés, die unseren Kaffee haben. Das ist das Schöne: Man kann den Stammgästen eine Abwechslung bieten.“

Kaffeebotschafter wie Arthur zeigen, dass große Veränderungen möglich sind – alles, was es braucht, sind Mut und Kreativität. Letzteres beweist der ruhige Düsseldorfer auch, als wir ihn fragen, wie denn eine potentielle Rüstung für Düsseldorf als Kollaboration mit THE DORF schmecken würde: „Düsseldorf ist sehr kontrastreich. Da muss man gucken: Ist Düsseldorf Flingern oder Oberkassel? Ich würde versuchen alles reinzubringen: die Eleganz von Oberkassel, das roughe von Oberbilk und die Harmonie des Grafenberger Walds. Man müsste einen Kaffee nehmen, der exklusiv und endlich ist. Für mich als Kaffeebotschafter ist es sehr wichtig zu zeigen, dass Kaffee genau wie Obst und Gemüse eine Saison hat und nicht das ganze Jahr über verfügbar sein darf.“

Arthur selbst trinkt am liebsten Kaffees aus Kenia, denn dieser bietet einen sehr einzigartigen, fruchtigen Geschmack von Himbeeren und Kirsche. Erkans Lieblingsmischung ist die MXP, zubereitet als Flat White. Die MXP sei sehr schokoladig und würzig und hat gleichzeitig eine schöne lebendige Säure, die perfekt mit der Milch harmoniert. Außerhalb der Rösterei auf dem Fabrikgelände in Lierenfeld findet man die größte Auswahl an Röstungen im Orange Coffee, dem Schwestercafé von Schvarz in Gerresheim. Außerdem kann man die Mischungen von Arthur und Erkan bei Roasted, Weird Space, Manko, Birdies auf der Bagelstraße und ausgewählten Rewe-Märkten genießen oder mitnehmen. Oder man nutzt die Gelegenheit selbst mal hinter die Kulissen zu schauen, sich durch die vielfältigen Röstungen durchzuprobieren und für einen Moment voll und ganz in die Welt von Schvarz Kaffee einzutauchen. 

Text: Maren Schüller
Fotos: Luca Tanzer
© THE DORF 2021

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