SO RE

Italienisch, griechisch, asiatisch, türkisch: Internationale Restaurants sind in Düsseldorf keine Seltenheit. Was man hingegen kaum findet, ist georgische Küche. Über den kleinen Staat im Südkaukasus wissen die meisten so gut wie nichts. Vor allem die vielfältige Kulinarik Georgiens wird (zu) oft unterschätzt. Natia Torchinava hat sich zur Aufgabe genommen, das zu ändern. Die 25-Jährige Georgierin ist seit fünf Jahren in Deutschland und seit Mai 2022 stolze Inhaberin des SO RE in Flingern.

Mit dem Restaurant hat sie sich einen Traum erfüllt – einen Traum, der sehr erfolgreich ist. „Mein Laden ist jeden Tag voll“, berichtet die junge Gastronomin stolz. Sogar eine Teilnahme bei der TV-Sendung „Mein Lokal, Dein Lokal“ und die Anerkennung von Chefkoch Mike Süsser kann sie sich auf die Fahne schreiben lassen. Hinter dem Erfolg steckt jedoch auch viel Arbeit, wovon die Gäste oft nichts mitbekommen. Lange Arbeitstage, die Planung der Gerichte, Stress mit Lieferanten… All das nimmt Natia für das SO RE jedoch gerne in Kauf. Man merkt ihr die Leidenschaft zur Gastronomie schon an, sobald man nur ein paar Worte mit ihr wechselt. Wir haben Natia in ihrem Restaurant besucht und von ihr einiges über die Küche Georgiens erfahren.

Wie lange bist Du schon in Düsseldorf und wie ist bisher das Feedback Deiner Gäste? Das SO RE gibt es seit Mai und ich bin selbst sprachlos, weil ich nicht damit gerechnet habe, dass der Laden so gut ankommt. Viele Gäste waren skeptisch, weil es eine fremde Küche und ein fremdes Konzept ist. Georgische Restaurants gibt es in Deutschland und in Düsseldorf noch nicht oft, doch die Leute haben es probiert und wurden überrascht. Sie finden unser Essen sehr lecker und interessant, es ist einfach mal was Neues. Ich bekomme wirklich ständig sehr nettes und schönes Feedback von meinen Kunden! Mittlerweile haben wir auch sehr viele Stammgäste.

Georgisch ist in Deutschland wenig verbreitet und für viele unbekannt. Was ist typisch für die georgische Küche? Die georgische Küche hat riesiges Potential. Wir haben etwas für jeden Geschmack – auch für die Leute die kein Fleisch essen, haben wir eine große vegetarische Auswahl. Wir haben gesundes Essen, aber auch viel Herzhaftes. Typisch ist viel Gemüse, vor allem Auberginen, Walnüsse, Granatäpfel, Brombeeren… Natürlich gibt es in Georgien auch Gerichte, die man ebenfalls in anderen Ländern findet, aber die schmecken aufgrund unserer Gewürze ganz anders. Wir benutzen zu hundert Prozent georgische Gewürze, was man auch schmecken kann. Die machen bei unseren Gerichten den Überraschungsfaktor aus.

Du hast eben von vegetarischen Gerichten gesprochen und auf Eurer Karte findet man sogar einige vegane Speisen. Ist das in Georgien so üblich? Ja, das ist wirklich so. In Georgien gibt es etwa neun Regionen mit jeweils unterschiedlichem Essen. Ich komme aus West-Georgien, wo die Küche besonders vielfältig ist. Vor allem dort gibt es sehr viele vegane und vegetarische Gerichte, die sogar meine Oma schon vor 60 Jahren gekocht hat. Wir haben die Karte nicht extra angepasst, Georgien hat einfach das Potential, dass man auch ohne Fleisch satt werden kann.

Wieso hast Du als Standort Flingern ausgesucht? Seit ich in Deutschland wohne, also seit 5 Jahren, bin ich in Flingern. Ich liebe das Viertel, es gibt also eine Beziehung zwischen mir und Flingern. Vor zwei Jahren habe ich mich dazu entschieden, selbstständig zu werden und habe mich gefragt, wo ich das am besten umsetzen kann. Dann dachte ich: Wieso nicht Flingern? Hier sind die Leute sehr offen und bereit, Neues auszuprobieren. Innerhalb von zwei Wochen stand dann meine Entscheidung! (lacht)

Was erwartet Deine Gäste und was sind Deine Spezialitäten? Ich muss hier nochmal auf die Aubergine zurückkommen. Die bieten wir unter anderem als Vorspeise an und bereiten sie komplett anders zu als zum Beispiel die griechische Küche, wo Auberginen ja auch eine große Rolle spielen. Bei uns sind sie mit einer Walnusspaste gefüllt und mit den bereits erwähnten georgischen Gewürzen verfeinert. Die Säure von den Granatapfelkernen passt perfekt dazu und man hat dieses Spiel zwischen Walnusskernen und Aubergine, was man wirklich nur in georgischen Restaurants so schmecken kann.

Wir haben wie fast jedes Land natürlich auch unsere eigenen Teigtaschen. Die sind klassischerweise mit Hackfleisch gefüllt, aber wir bieten auch vegetarische Alternativen mit Kartoffeln, Pilzen oder Käsefüllung an. Was man auch sehr selten in der Gastronomie findet, ist Brombeersoße. Das ist sehr speziell, passt aber gut zu herzhaften Gerichten, was viele zuerst nicht denken. Wir haben zum Beispiel gegrilltes Hähnchenfleisch in Brombeersoße. Das sieht nicht nur schön aus, sondern schmeckt auch fantastisch.

Was ist Dein persönliches Lieblingsgericht? Ich liebe Risotto mit Pilzen, das kann ich wirklich einmal pro Woche essen! In der georgischen Küche esse ich am liebsten Auberginen und Hähnchen in Walnusssoße.

Ihr bietet auch georgische Weine an. Was ist bei denen die Besonderheit oder der Unterschied zu anderen Weinen? Georgien ist weltbekannt für seine Weine. Besonders populär sind die Qvevri-Weine oder auch Tonfass-Weine. Qvevri ist ein Tongefäß für den traditionellen Ausbau für Weißweine. Das gibt den Weinen einen ganz speziellen Geschmack und auch eine spezielle orangene Farbe. Wir hatten schon viele Gäste, die erst dachten, sie haben einen Rosé bekommen, obwohl es ein Qvevri-Weißwein war. Die Methode wird schon seit Tausenden von Jahren in Georgien benutzt. Wir bieten auch weniger spezielle Weine an, die eher zu Europa passen, aber natürlich sind wir auch stolz auf unsere Tonfass-Weine.

Du sagst gerade, dass Georgien eine lange Weinhistorie hat und viele bezeichnen es sogar als Ursprungsland des Weines. Stimmt das? Das stimmt wirklich. In Georgien kann jeder Wein machen. Schon mein Vater hat selbst Wein gemacht, wir hatten einen eigenen Weinkeller. Eigentlich hat jede zweite Familie in Georgien einen Weinkeller. Das ist etwas, was wir ohne Diskussion sehr gut können.

Wie sieht ein perfekter Feierabend aus? Mein Feierabend sieht in etwa so aus, dass ich nach 18 Stunden Arbeiten komplett fertig und müde bin. Aber wenn man aus der Küche kommt und die zufriedenen Kunden sieht, die gegessen haben und ein Glas georgischen Wein trinken, dann braucht man einfach nicht mehr. Dann kann ich glücklich schlafen gehen, das ist perfekt für mich! (lacht)

Was ist Dein Lieblingsrestaurant in Düsseldorf? Schwierig zu sagen… In Flingern gehe ich oft ins Beethoven. Es gibt außerdem in Düsseldorf noch ein zweites georgisches Restaurant, das Pepella. Dort habe ich fünf Jahre lang gekocht, bevor ich meinen eigenen Laden hatte. Darum habe ich zu dem Restaurant eine gewisse Beziehung. Wenn ich also mal Zeit habe und rausgehe, würde ich zu Pepella gehen. Das Essen ist dort ähnlich zu meinem, und es ist ein Ort, an dem ich mich sehr wohlfühle.

Das SO RE verfügt ja auch über eine große Außenterrasse, was bei den meisten Restaurants hier eher selten ist. Wird die bald wieder eröffnet? Ich habe wirklich Glück gehabt – so eine schöne Terrasse zu haben ist in Düsseldorf nicht einfach! Ich schätze, dass wir sie ab März wieder öffnen. Am 19. März haben wir sogar ein großes Event: Die ProWein goes city wird auf der Terrasse stattfinden. Wahrscheinlich haben wir danach den Außenbereich jeden Tag geöffnet, wo man auch vormittags Kaffee und Kuchen und abends dann georgische Küche genießen kann.

Was schätzen Eure Freunde an Euch? Meine Freunde haben immer an mich geglaubt, selbst dann, als ich selbst noch nicht sicher war, ob ich das wirklich machen soll. Die sagen immer, dass man direkt sieht, dass alles mit viel Herz gemacht wird. Dass hier immer jemand steht, der all das liebt. Für mich ist jedes Detail sehr wichtig: frische Blumen, Kerzen, saubere Fenster und so weiter. Es ist nicht nur Essen. Man geht ja auch aus, um einen schönen Abend zu haben. Ich sorge dafür, dass ich und mein Team immer gute Laune verbreiten, und das kann jeder sehen.

Was bringt die Zukunft? In der Zukunft habe ich viel geplant – ich weiß nicht, ob ich alles schaffe, aber ich gebe nicht auf und versuche mein Bestes! Ich sehe, dass das SO RE sehr erfolgreich funktioniert und glaube, deutsche Städte brauchen mehr georgische Restaurants. Deswegen werde ich versuchen, eine weitere Filiale in einer anderen Stadt zu eröffnen.

Deine liebsten Nachbarn? Wenn ich Zeit habe, etwas für mich zu besorgen oder sogar shoppen zu gehen, gehe ich oft in die Läden auf der Hoffeldstraße. Da habe ich schon häufig Klamotten gekauft. Ich liebe thehomestory, da kaufe ich auch oft für meinen Laden ein, zum Beispiel Kerzen oder Vasen. Der schönste Blumenladen in Flingern ist Floras Töchter. Die kommen auch oft nachmittags für Kaffee und Kuchen zu uns und wir holen im Gegenzug Blumen bei ihnen. Es funktioniert einfach sehr gut. Wenn ich nachmittags Zeit habe und in der Sonne Kaffee trinken und Kuchen essen will, gehe ich ins Café Hüftgold. Dort verbringe ich sehr gerne Zeit.

Vielen Dank!

SO RE

Hoffeldstraße 37
40235 Düsseldorf

www.so-re-eatbu.com • Instagram 

Öffnungszeiten

Montag – Donnerstag: 12 – 15 Uhr,  17 – 24 Uhr
Freitag: 15 – 1 Uhr
Samstag: 10 – 1 Uhr

Text: Valentina Görke
Fotos: Michelle Duong
© THE DORF 2023

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