#23 SMALL-TALK, CORONA & SONST SO, ANNA PFAU?

Seit acht Wochen leben wir „social distancing“ – acht Wochen, die das Leben in Düsseldorf komplett auf den Kopf gestellt haben. Wir fragen in unserer neuen Serie „SMALL-TALK, CORONA UND SONST SO?“ Düsseldorfer, wie hart sie von der Krise betroffen sind, was sie daraus gelernt haben und worauf sie sich „danach“ am meisten freuen.

Anna-Alexandra Pfau ist gebürtige Düsseldorferin und lebt zusammen mit ihrem Mann in Pempelfort. Sie ist Kunsthistorikerin, interessiert sich für Architektur und zeitgenössische Kunst und leitet die Julia Stoschek Collection in Düsseldorf-Oberkassel. Sie erzählt uns im Interview, wie sie die letzten Wochen erlebt hat. @anna_alexandra_pfau

Wie waren die letzten Wochen für Dich?
Es war natürlich eine große Umstellung, sich von heute auf morgen auf den Lockdown einzustellen. Generell bin ich ein sehr positiver Mensch, der versucht, aus jeder Situation das Beste zu machen. Mir hilft, den Fokus im Alltag bewusst auf andere Dinge als die Krise zu richten. Bisher klappt das ganz gut.

Was hat sich geändert?
Die Veränderungen sind vor allem in meinem beruflichen Umfeld spürbar: Arbeit im Home Office, Meetings ausschließlich per Videokonferenz, Museen und Ausstellungen blieben plötzlich geschlossen und der persönliche, direkte Austausch mit Kollegen*innen und Künstler*innen aus der Kulturszene ist nicht mehr möglich wie zuvor. Aufgrund der temporären Schließungen sind allerdings viele spannende, neue Online-Formate im Kunstbereich entstanden. In der Julia Stoschek Collection arbeiten wir schon seit Längerem daran, die Medienkunstsammlung von Julia Stoschek ohne Beschränkungen online zugänglich zu machen. Wir haben das Projekt jetzt noch schneller umgesetzt. Auf www.jsc.art sind bereits über 60 Werke in voller Länge abrufbar. Das sind über 15 Stunden Film- und Videokunst mit Arbeiten von Künstler*innen wie John Bock über Monica Bonvicini bis hin zu Wolfgang Tillmans und Tobias Zielony. Absolute Highlights für jeden Kunstfan.

Was siehst Du als positiven Nebeneffekt bei der Corona-Krise und Quarantäne?
Ein positiver Nebeneffekt ist die Entschleunigung, die durch das Wegfallen aller privaten Verabredungen, Veranstaltungen und Reisen entstanden ist. Die neu gewonnene Zeit haben mein Mann und ich mit Spaziergängen verbracht, auf denen wir die avantgardistischeDüsseldorfer Nachkriegsarchitektur für uns wiederentdeckt haben. Den Architekturführer Düsseldorf von Roland Kranz und Jürgen Wiener kann ich nur jedem wärmsten empfehlen. Plötzlich sieht man Düsseldorf und seine einzigartige Architektur mit ganz neuen Augen.

Wir haben uns z.B. den 1953 neu errichteten Kuppelbau der Rochuskirche in Pempelfort sowie die Hanielgarage in Flingern angeschaut – beides Entwürfe des Architekten Paul Schneider-Esleben. Er gehörte zu einem der wichtigsten Architekten der jungen Bundesrepublik Deutschland und war übrigens der Vater des kürzlich verstorbenen Mitbegründers der Band Kraftwerk, Florian Schneider-Esleben. Beides Pioniere in ihrem eigenen Bereich und natürlich Düsseldorfer.

Die wichtigste Lektion, die Du in den letzten Wochen gelernt hast?
Achtsamkeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben, wie Gesundheit, Familie und Freundschaft sowie gesellschaftliche Solidarität und Rücksichtnahme.

Was fehlt Dir am meisten?
Natürlich fehlt es mir, meine Familie und Freunde zu treffen. Aber auch die lebhafte Kunstszene hier in der Stadt vermisse ich zurzeit. Die vielen Ausstellungen und Veranstaltungen gehören einfach zum Leben in Düsseldorf dazu, genauso wie die vielen engagierten Menschen, die all das ermöglichen. Wenn jetzt die Museen vorsichtig wieder öffnen, freut mich das natürlich – auch wenn es sicherlich noch eine Weil dauern wird, bis alles wieder normal ist.

Welcher Lieferservice hat Dich in den letzten Wochen glücklich gemacht?
Ich liebe das Sassafras in Düsseldorf-Oberkassel. Dort haben wir uns öfters eine der Grill-Boxen zum Selbergrillen abgeholt. Eine tolle Abwechslung zum selber kochen! Man kann zwischen verschiedenen Boxvarianten für Vegetarier und Fleischesser wählen. Sehr zu empfehlen sind die leckeren Salate, die selbst gemachten Würstchen und Soßen sowie die köstlich marinierten Steaks – unbedingt probieren! Dazu noch einen Cocktail-to-Go und dem Kurzurlaub auf dem Balkon steht nichts im Wege. Übrigens munkelt man schon, dass es die Grill-Boxen auch nach dem Lockdown weitergeben wird (einfach zu lecker!).

In welches Restaurant gehst du als erstes, wenn die Krise vorbei ist?
Die Liste ist lang – Sassafras, Primitivio, San Leo, Hülsmann, Dim Sum Gourmet, Pure Freude, Ginger Boy, Hitchcoq, DongWu, Yabase, LeDoc. Zum Glück mangelt es uns hier in Düsseldorf nicht an super Restaurants.

Worauf freust Du Dich am meisten, wenn Normalität eingekehrt ist?
Ich bin ein großer Filmfan und regelmäßige Kinogängerin. Ich freue mich auf einen Restaurantbesuch mit anschließendem Kinobesuch und danach ausgiebig in einer Bar oder einem Club, wie dem Salon des Amateurs, mit Freunden zu feiern. In der Zwischenzeit nutze ich weiterhin das grandiose Online-Kino-Programm der Düsseldorfer Filmkunstkinos.

Was denkst Du, wird sich „nach“ Corona ändern? Was können wir aus der Krise mitnehmen?
Die Corona-Pandemie führt uns die Zerbrechlichkeit unserer Lebenswelt vor Augen. Sie zeigt uns aber auch, wie gut unsere offene freie Gesellschaft in der Krise funktionieren kann. Ich hoffe, dass wir die Freiheiten und Privilegien, die wir in Deutschland genießen, in der Post-Corona-Zeit noch mehr zu schätzen wissen.

Vielen Dank!

(c) THE DORF, 2020
Foto: Şirin Şimşek, Köln

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