ROBIN PAESSENS • CORONAPOSTKARTEN TEIL 2

In den ersten beiden Jahren der Pandemie hat Robin Paeßens, Absolvent der visuellen Kommunikation an der HSD im Fachbereich Peter Behrens School of Arts, Postkarten an willkürlich ausgewählte Adressat*innen aus dem deutschen Telefonbuch versandt, die Bilder aus dem Lockdown abbildeten. Er interessierte sich besonders für die Gestimmtheit der Gesellschaft in dieser Zeit und forderte die Bürger*innen dazu auf, ihre Erlebnisse und Meinungen zu der Situation auf die Rückseite der Karten zu schreiben und sie anschließend an ihn zurückzuschicken. Daraufhin hat er das Coronapostkarten-Projekt realisiert und hielt die Resultate dokumentarisch in Büchern fest. Als im letzten Jahr sein erstes Buch zum Lockdown im Jahr 2020 erschienen ist, haben wir bereits über Robin berichtet. Nun ist die zweite Auflage erschienen, die als Fortsetzung Botschaften aus der Zeit von März bis September 2021 beinhaltet. 

Wie kamst du auf die Idee, Postkarten an anonyme Bürger*innen zu verschicken? Das Coronapostkarten-Projekt hat sich nach und nach entwickelt. Es fing damit an, dass ich einen Tag nach der bekannten Fernsehansprache unserer damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einem Kumpel durch die Stadt lief, um die Situation fotografisch zu dokumentieren. Dabei sprachen wir auch Mitmenschen an und fragten, was sie draußen vorhatten. Viele erzählten uns, dass sie auf dem Weg zum Arzt seien. Im weiteren Verlauf habe ich mir überlegt, was ich mit den Fotografien machen könnte. Da mich zu den fotografischen Eindrücken Meinungen und Erlebnisse aus unserer Gesellschaft interessierten, entstand die Idee, Postkarten daraus drucken zu lassen und diese zu versenden. Über eine beigefügte Mitteilung ließ ich die Adressaten wissen, worum es mir ging. Das Verschicken von Ansichtskarten war für mich der naheliegendste und persönlichste Weg, um auch ältere Bürger*innen in Deutschland erreichen zu können.

Mit den Resultaten Deiner Umfrage hast Du eines der ersten dokumentarischen Bücher über die Corona-Zeit herausgebracht. Wie kam es zur Veröffentlichung? Das Buch war anfangs in einer kleinen Auflage nur für mein direktes Umfeld bestimmt. Als dann die Rheinische Post einen Artikel über mein Projekt verfasste, erhielt ich viel positive Resonanz aus der Gesellschaft und auch Anfragen auf das Buch.

Welche Reaktionen hat es sonst gegeben? Nachdem die Rheinische Post erstmals im Herbst 2020 darüber berichtet hatte, erhielt ich weitere Interviewanfragen: unter anderem aus dem Bereich Podcast, Radio und Fernsehen. Das ehrte mich sehr und war eine große Wertschätzung meiner Arbeit. Damals hatte ich bereits viel meiner Freizeit in das Projekt investiert. Umso schöner waren die vielen Rückmeldungen von Leser*innen, die ich erhielt. Teilweise erzählten sie mir auch von ihren eigenen Schicksalsschlägen aus der Pandemiezeit. Nicht zuletzt daran merkte ich, wie viele Menschen Gesprächsbedarf hatten und sich mitteilen wollten.

Wie hast Du auf die Nachrichten der Bürger*innen reagiert? Selbstverständlich habe ich mir die Zeit genommen, um ihnen zu antworten. Mir schrieb unter anderem ein deutscher Auswanderer, der seit Jahren in Neuseeland wohnt. Er schilderte mir die Gegebenheiten und Maßnahmen, wie er sie mit seiner Familie vor Ort erlebt hatte. Das war sehr interessant für mich, da Neuseeland zeitweise andere Strategien als Deutschland verfolgte, auch aufgrund dessen, da sie keine direkten Grenzen zu Nachbarländern haben. Später habe ich dann ein Interview mit ihm geführt und dieses Gespräch wurde auch zu einem Bestandteil der zweiten Auflage.

Worum geht es genau in deinem zweiten Buch? Genauer genommen ist es sogar mein drittes Buch. Mein zweites Buch ergibt sich aus einem Teil meiner Bachelorarbeit, in der ich mich mit den weltweiten medialen Ereignissen in Bezug auf die Coronapandemie auseinandergesetzt habe. Dieses Buch wurde allerdings nicht veröffentlicht.Das zweite Coronapostkarten-Buch “Botschaften des Volkes” ist eine umfangreichere Fortsetzung der ersten Auflage und beinhaltet Botschaften aus dem zweiten Pandemiejahr 2021. Auf mehr als 100 Seiten sind über 50 beschriebene Ansichtskarten und fünf ausführliche Interviews mit betroffenen Mitmenschen – teils auch mit Sichtweisen aus anderen Ländern – abgedruckt.

Was erhoffst du Dir von Deiner dokumentarischen Arbeit? Ich habe bewusst das Medium Buch in einer hochwertigen Ausführung mit Hardcover gewählt, da es zu einem Zeitzeugnis dieser außergewöhnlichen Jahre werden soll. Bestenfalls wird es auch unsere nächste Generation in den Händen halten, um die Coronazeit dadurch besser nachvollziehen zu können.

Die Umschlagillustration hat ebenfalls ein Student der Hochschule Düsseldorf gezeichnet. Wie kam es dazu? Shiwen sowie einige weitere Kommilitonen und ich hatten zeitgleich eine öffentliche Ausstellung im alten Sternverlag in Düsseldorf. Ich fand seinen Illustrationsstil von Anfang an beeindruckend. Daraufhin habe ich ihn für die Cover-Illustration angefragt. Ich bin ihm sehr dankbar für seine großartige Arbeit. Aber nicht nur die Illustration, sondern auch die Schriften sind Arbeiten von Designerinnen. So findet sich auf dem Buchumschlag die Zangezi07 von Daria Petrova wieder und auf den Innenseiten die Marguerite Grotesk von Charlotte Rohde – eine ehemalige Designstudentin der Hochschule Düsseldorf.

Das Buch mit 52 Postkarten-Botschaften und fünf Interviews mit Menschen aus dem In- und Ausland ist ab sofort zum Preis von für 24,90 Euro zzgl. 2,50 Euro Versand erhältlich unter coronapostkarten.com

Infos zum Projekt findet Ihr auf Robins Instagramseite @coronapostkarten

Umschlagillustration: Shiwen
Text und Bilder: Robin Paeßens
©THE DORF 

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