Approximation Festival: Erfahrungswelten und die Magie kreisender Loops

Maarja Nuut (c) Anu Vahtra

Erfahrungswelten und die Magie kreisender Loops – sie prägen das Erscheinungsbild, wie auch den Klang des diesjährigen Approximation Festivals, das vom 16. bis zum 19. November 2021 in Düsseldorf stattfindet. Das Festival feierte vor 15 Jahren seine Premiere und hat sich mittlerweile als experimentelles Wagnis an der Schnittstelle von elektronischer Musik und Klavier fest in Düsseldorf und über die Stadtgrenzen hinaus etabliert. 2021 vereint es erneut verschiedene Generationen, Nationen und Szenen. Neben dem tanzhaus nrw und dem Salon des Amateurs ist erstmalig die Sammlung Philara als Standort mit dabei.

Konzerte entwickelten sich in den vergangenen Monaten für viele Menschen zu Sehnsuchtsorten und dort, wo sie wieder möglich waren, vermochte sich doch keine wirkliche Euphorie einzustellen, eher ein fragendes „Wann wieder?“. Vielleicht benötigt diese Zeit etwas anderes, etwa die Innerlichkeit, welche zu erzeugen stets eine Stärke der Musik ist; im Bund mit der Lebendigkeit des Sozialen wirkt sie in diesem Jahr gleich einem Leitmotiv. Derart verspricht das Festival intensive, mitunter auch entspannende Erlebnisse.

Eine aufsehenerregende Neuerung für Approximation bedeutet die Etablierung eines „Composer in Residence“, der oder die ein Werk eigens für das Festival schafft und es dort zur Uraufführung bringt. Festivalgründer Volker Bertelmann fragte zum Festival-Auftakt am 16. November 2021 den Amerikaner Alex Somers an. Er traf ihn erstmals in Köln bei einem Konzert des Sigur Rós Sängers Jónsi.

Seit Jahren arbeitet Somers im Umfeld der Band, zugleich etablierte er sich als Komponist einfühlsamer, stilistisch herausfordernder Filmmusiken und veröffentlichte unlängst sein Debütalbum. Seine Komposition wird im tanzhaus nrw das Festival eröffnen. Somers wird von einem Ensemble samt Chor begleitet, es dirigiert Robert Ames, Mitbegründer des London Contemporary Orchestra.

Weiterhin setzt Approximation auf verschiedene Spielorte. So wird die Sammlung Philara Schauplatz eines ungewöhnlichen Abends, den das Publikum zum Teil liegend verbringen wird. Am Mittwoch, den 17. November 2021 findet hier das LIMINAL Soundbath w/Hauschka, Alex Somers & Robert Ames statt. LIMINAL existiert für ein Hören jenseits der Einordnung und Verweise, es erlaubt dem Publikum, sich im Kollektiv, doch ganz privat auf die Musik einzulassen und generiert so, neben dem musikalischen ebenso ein soziales und nicht zuletzt auch ein Raum-Erlebnis – den musealen Boden der Sammlung Philara auf diese Weise zu beleben und umzudeuten, verspricht wirklich eine besondere Erfahrung. Hauschka und Alex Somers werden durch Robert Ames, Mitbegründer des London Contemporary Orchestra, bereichert. Lassen Sie sich in musikalische Traumwelten und über die Schwelle in einen neuen Bewusstseinszustand geleiten und Isomatte nicht vergessen!

Ein weiteres Highlight findet am Donnerstag, den 18. November im Salon des Amateurs statt. Der Musikerin Maarja Nuut gelingt es, allein mit ihrer Stimme und einer Violine den Eindruck zu vermitteln, man höre die fremden und doch subtil vertrauten musikalischen Traditionen ihrer estnischen Heimat. Wenn sie im nächsten Moment zu minimaler, aber belebender elektronischer Rhythmik ebenfalls ihre Stimme in Loops übereinanderschichtet, klingt aber alles mehr nach der musikalischen Tradition eines fremden Planeten oder einfach nach der musikalischen Zukunft. Am Abend erwartet Euch mit der niederländischen Musikerin LAVALU eine weitere spannende Künstlerin, die mit Ihrer Stimme und einem Klavier klassisch anmutende Klaviermusik mit purem Gesang darbietet.

Ebenfalls im Salon des Amateurs findet am Freitag, den 19. November ein von Stefan Schneider kurierter Abend statt. Nach seinen vielfältigen musikalischen Tätigkeiten, ob in den Bands Kreidler und To Rococo Rot, Solo als Mapstation sowie mit seinem Schaffen an den Berührungspunkten von Kunst und Musik oder Theater und Musik, scheint eine Vorstellung seiner Person nahezu obsolet.

Vor allem aber mag er sich nicht im Mittelpunkt dieses, vom im kuratierten Abends sehen, sondern sein Label TAL, welches er seit 2016 betreibt. TAL ist als als Projekt angelegt, umfasst Künstlergespräche, Begegnungen, Archivierung übersehener Musik und thematische Abende, wie diesen im Rahmen des Approximation Festivals.

Mit dabei sind SO SNER, MIKI YUI und DJ Kohlrabi. SO SNER verdankt seine Existenz einem Konzert des Approximation Festivals. Dort erlebte Stefan Schneider im Jahr 2015 Susanna Gartmayers facettenreiches und expressives Bassklarinettenspiel und fragte sogleich eine Zusammenarbeit an. SO SNER knüpft mit dem im kommenden Frühling erscheinenden Debüt-Album an die frühe Avantgarde an, wie auch an manche, nie zu Ende gebrachten Experimente der späten Avantgarde Mitte der 80er.

MIKI YUI sammelte auf ihren weiten Reisen mannigfaltige Klänge der Welt, Klänge, die in ihrer Musik aufleben, oftmals ohne dabei ihre Ursprünge preiszugeben. Es ist eine erzählerische, sehr poetische Musik jenseits der Grenzen des Gewohnten. YUI musizierte mit der Neu!-Legende Klaus Dinger, dessen Archiv sie nun mitverwaltet.

DJ Kohlrabi hat ein besonderes Ohr für die Fragilität subtiler Geräusch- und Bild-Welten. Nicht ohne Humor collagiert sie faszinierendes Material zwischen Klangreise, Performance und Tanzfläche. Sie studierte Kunst in München und machte sich als VJ im Harry Klein Club einen Namen, was ihr Einladungen aus der ganzen Welt einbrachte. Sie selbst nennt „exotischer schmetterlingpunk & soziale gesangsstimme“ als ihre Domänen und warum sollte das Approximation Festival an einem Freitagabend im Salon des Amateurs auf eine berechenbar gewöhnliche Weise ausklingen?

Approximation Festival: Erfahrungswelten und die Magie kreisender Loops
vom 16. Bis 19. November 2021
www.approximation-festival.de

Das Programm in der Übersicht

Alex Somers/ Robert Ames
Ensemble Aroura Nr. 𝝿 & VokalOrchester NRW
Dienstag, 16. November 2021, 19.30 Uhr
tanzhaus nrw

LIMINAL Soundbath Hauschka, Alex Somers & Robert Ames
Mittwoch, 17. November 2021, 19.30 Uhr
Sammlung Philara

Maarja Nuut, EST
LAVALU, NL

Donnerstag, 18. November 2021, 20 Uhr
Salon des Amateurs

TAL – freistehende Wege, nahes Signal
Freitag, 19. November 2021, 21.30 Uhr
Salon des Amateurs

Weitere Infos und Tickets findet Ihr hier…

© THE DORF 2021
Fotos: siehe Bildbeschreibung
Text: PR

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