Review: Chanel, Cinelli und Dior – Rund um die Kö 2018

Düsseldorfs Aushängeschild in Sachen High-Street-Fashion und Luxus beherbergt seit fünfzig Jahren ein Event, das in perfekter Art die Faszination von Geschwindigkeit und Ästhetik vereint. In den 70er und 80er Jahren säumten Tausende Besucher die Prachtmeile, um einen Blick auf vorbeirasende Sportler zu erheischen. Ganze Nationalmannschaften starteten unter ohrenbetäubendem Jubel auf dem 1,1 Kilometer langen Viereck zwischen Graf-Adolf-Platz und Giradet-Brücke. Das Radrennen „Rund um die Kö“ war ein vielbeachtetes Event mit großer Strahlkraft, weit über Düsseldorfs Stadtgrenzen hinaus. Die Zeit ist reif für eine Renaissance. Ein Rückblick des 50. Geburtstags von „Rund um die Kö“ am 23. September 2018.

Radfahren boomt. Im Zuge des kommenden Mobilitätswandels ebenso wie als Sport. Architekten, Künstler, Kreative, gestresste Firmenlenker und Privatiers, Männer wie Frauen, entdecken die so genannten Social Rides, Rennradausfahrten, die in perfekter Art und Weise Natur, sportliche Betätigung und Netzwerken verbinden. Das Umland von Düsseldorf ist perfekt für kurze und lange Touren, ob flach im Westen oder hügelig im Osten. Der Grand Départ 2017 hat zwar zu kontroversen Diskussionen, aber auch zu Begeisterung für den Radsport geführt. Nicht wenige sind, animiert vom vorangegangenen Jedermann-Rennen „Race am Rhein“ und dem Tour-Start, selbst der Sucht der schnellen Räder erlegen.

Um diese Begeisterung auch auf ein Event wie „Rund um die Kö“ zu übertragen, bedarf es einen kontinuierlichen Aufbau. Der erste Schritt wurde in diesem Jahr absolviert, Düsseldorfs Radladen/Café Schicke Mütze kümmerte sich an der Seite des Veranstalters SG Radschläger erstmals um Marketing, Pressearbeit, Standakquise und die Atmosphäre auf der Königsallee. So kamen die Besucher zum 50. Geburtstag auch abseits der Rennen auf ihre Kosten. Aussteller mit Strahlkraft wie die hochwertige Bekleidungsmarke Biehler Cycling, die Kult-Radsport-Mode-Marke Thei-Sprint, Helmhersteller HJC Sports oder die coolen Zubehörlieferanten von Wahoo und Muc-Off, dazu lokale Radläden wie Westside, Willi Müller oder die Schicke Mütze.

Ergänzt wurde all dies durch eine Cocktail-Bar, bunte Gastronomie und gehobenen Kaffeegenuss. Während sich Radsportveranstaltungen generell gerne musikalisch auf dem Niveau von Apres-Ski-Gaudi-Hölle- Hölle-Höllen bewegen, konterte die Kö in diesem Jahr mit DJ Sets aus der Düsseldorfer Electro-Szene mit Michael Scheibenreiter und Harmonious Thelonious. Wenig verwunderlich angesichts der Tatsache, dass weltweit kaum eine Stadt eine bessere Verbindung von Radsport und gehobener Popkultur vorweisen kann.

Ein so minimaler Rundkurs wie auf der Kö ist für Zuschauer ein Spektakel. Immerhin absolvieren die Fahrer/innen bei den Hauptrennen siebzig Runden auf der Kö. Und nach jeder Kurve muss explosiv angetreten werden, ein Tempo weit jenseits der 40 km/h und ein Abstand von zwei Zentimetern zu Kontrahenten und Absperrgittern lassen erahnen, wie rasant es zugeht. Die Rennen selbst waren hochklassig besetzt, so startete und siegte im Frauenrennen Deutschlands Ranglisten-Erste und Wahl-Düsseldorferin Lydia Ventker.

Neben den traditionellen Klassement-Rennen bot „Rund um die Kö“ Vielfalt bei den Veranstaltungen. Großer Spaß für Jung und Alt war die Petit Départ-Reihe. Hier fuhren Kids ohne Vereinszugehörigkeit auf normalen Rädern nach diversen Vorläufen auf der Königsallee ihre Sieger/innen aus. Laut ging es beim Derny-Rennen zu, Zweitakt-Mopeds rasten als Windschatten-Geber über die Strecke, um den Fahren/innen Geschwindigkeiten jenseits der 50 km/h zu ermöglichen.

Ein Höhepunkt des Tages war das vom Düsseldorfer „Life is a ride“-Team organisierte Fixed-Gear-Criterium, das mit einem hochklassigen internationalen Starterfeld aufwarten konnte. Die 2008 in New York erdachte Vollgas-Rock’n’Roll-Variante eines Radrennens, bei der die Akteure mit Bahnrädern ohne Bremse und einem einzigen Gang über die Strecke rasen, bringt durch die Verbindung zur umtriebigen Kurierszene und ein jugendliches Umfeld frischen Wind in traditionelle Radsportveranstaltungen. Statt zu bremsen wird durch Kontern der Pedale verzögert, was gerade auf einer Strecke mit vier 90°-Kurven enorme Radbeherrschung abverlangt.

Und dann war da ja noch das Wetter. Während der Sommer fast keinen Regen kannte, musste der erste offizielle Herbsttag alles nachholen, was die vergangenen Monate zu kurz gekommen war: es schüttete wie aus Eimern. Dem Spaß auf und neben der Strecke tat dies zwar kaum Abbruch, allerdings wären sicherlich deutlich mehr Besucher zum 50. Geburtstag des Traditionsrennens erscheinen, wenn das Wetter mitgespielt hätte.

Fazit: Düsseldorf hat mit „Rund um die Kö“ ein Spektakel mit Alleinstellungsmerkmal. Richtig angefasst und mit der nötigen Unterstützung kann hier schnell ein großes, spannendes und mit charmanter Tradition versehenes Event entstehen, das dem Anspruch der Stadt Düsseldorf und der Königsallee entspricht. 2014 wurde „Rund um die Kö“ wegen eines verkaufsoffenen Sonntags abgesagt, langsam ist es an der Zeit, über einen verkaufsoffenen Sonntag mit „Rund um die Kö“ nachzudenken. An dem Tag finden die Autofahrer auf unserer Prachtmeile sicherlich einen anderen Parkplatz. Mehr kreative Inspiration, sich im zeitgemäßen Umfeld mit dem Thema Fahrrad auseinander zu setzen, kann eine Stadt kaum bieten.

Fotos: Kerstin Kortekamp & Philip Dahlmann

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