StreetCycled

Schöne Dinge können nachhaltig sein und einen guten Zweck unterstützen. Das beweist die Schülerfirma „StreetCycled“ vom Max-Planck-Gymnasium in Düsseldorf-Stockum. Die Idee der im Rahmen des Unterrichts gegründeten Firma ist es, ausrangierte Straßenschilder in Upcycling Deko- und Möbelstücke umzuwandeln. So entsteht beispielsweise eine Garderobe aus der „Einbahnstraße“, ein Tablett aus dem „30-er Schild“ oder ein Tisch aus der „Vorfahrtsstraße“.

Alten Dingen einen neuen Zweck zu verleihen ist aber nicht der einzige positive Effekt. Einen Teil der Einnahmen, den die Schüler mit ihrer Firma „StreetCycled“ erwirtschaften, kommt als Spende Verkehrsopfern zugute. Und so schließt sich der Kreis. Wer Lust hat, das Projekt zu unterstützen oder einfach neugierig ist, kann der eigenen Webseite einen Besuch abstatten. www.streetcycled.de

Es war uns von Anfang an wichtig, mit unserer „Firma“ etwas Soziales zu tun, da wir hier die Möglichkeit haben, unsere eigene Firma zu gründen und selbstständig über den Gewinn bestimmen können.

Wie ist die Idee zu „Streetcycled“ entstanden? Gab es vielleicht noch andere Geschäftsideen, die ihr verworfen habt? Warum habt ihr euch dann für „Streetcycled“ entschieden?
Eine erste Idee war es, für andere Klassen/Schulen aus Deutschland oder dem Ausland coole Klassenfahrten/Trips in Düsseldorf zu organisieren. Diese Idee wurde jedoch relativ schnell verworfen, da wir uns schnell im Klaren waren, dass das nicht wirklich umzusetzen ist. Eine andere Idee war dann, in Anlehnung an das „Moonlight Golf“, was es schon in Düsseldorf gibt, so etwas ähnliches für Tischtennis zu entwerfen und anzubieten.

Grundsätzlich wollten wir jedoch eigentlich lieber ein Produkt verkaufen, dass im Zusammenhang mit dem Thema Up-/Recycling steht. Einige Jungs von uns wollten zudem unbedingt irgendetwas mit einer Uhr machen. Uhren aus alten LKW-Reifen, Planen, usw… aber eigentlich war immer jemand unzufrieden. Plötzlich fragte einer von uns, was eigentlich mit ausrangierten Straßenschildern passieren würden. Und so kamen wir dann zu unserer Idee und mittlerweile gibt es neben der Uhr noch viele weitere Produkte, so die „kleine Garderobe“, die Einbahnstraße als Garderobe, das Wandregal, der Tisch und das Tablett.

Der Name Streetcycled leitet sich aus unserer Idee ab: Street – da hier unsere Produkte herkommen, cycled – da wir etwas „upcyclen“. In unserem Logo ist zudem, abgeleitet von der Einbahnstraße und dem Recyclingsymbol, noch ein Pfeil um den Schriftzug herum. Alles in den Farben weiß/blau, da die Einbahnstraße schon unser coolstes Produkt ist, wie wir finden.

Wie alt sind die „Möbeldesigner“ im Schnitt?
Im Schnitt sind wir 16 und 17 Jahre alt und besuchen die Q1 des Max Planck Gymnasiums in Düsseldorf Stockum. Früher (G9) entsprach die Q1 noch der 11. Klasse. Nächstes Schuljahr gehts also ins Abitur.

Welche Möbelstücke habt ihr entworfen? Wie seid ihr auf die Designs gekommen?
Wir produzieren Tische aus dreieckigen Schildern, Tabletts aus allen möglichen Schildern, diese müssen dann gegebenenfalls erst zugeschnitten werden, bevor sie an der Kantbank geknickt werden. Die Garderoben sind ganz einfach herzustellen, hier handelt es sich vor allem um kleine Schilder, wie zum Beispiel „Parkzeit 2h“, die dann mit drei bis vier Haken versehen werden.

Die Produktideen haben wir uns im Grunde aus unseren eigenen Zimmern abgeguckt, beziehungsweise haben wir überlegt, welche Möbel/Accessoires man aus Schildern biegen oder knicken könnte. Bei den Designs der einzelnen Produkte sind wir abhängig von den Schildern, die wir zur Verfügung haben. Das können wir uns nicht aussuchen, hier nehmen wir das, was wir bekommen. Aber das ist auch das besondere an unseren Produkten – alles sind Unikate mit ihren eigenen „Ecken, Kanten und Schrammen“ von der Straße.

Wo fertigt ihr eure Produkte? Bekommt ihr Unterstützung?
Wir haben das besondere Glück, dass wir mit dem Franz Jürgens Berufskolleg kooperieren. Dort dürfen wir unter der Anleitung von zwei Lehrern des Berufskolleg, Herrn Reimann und Herrn Abacic, selber alle unsere Produkte herstellen. So können wir die Kantbank, die Schneidemaschine, richtige professionelle Bohrer etc. benutzen.

Für den Rest des Projektes unterstützt uns einerseits unsere Lehrerin Frau Matthiesen, die den Kurs leitet. Andererseits läuft das Projekt über „Junior“, was vom Institut für Wirtschaft ist und vom Ministerium für Wirtschaft unterstützt wird. Dank Junior hat unsere Schülerfirma quasi einen richtigen Rahmen, wir müssen an Junior jeden Monat Steuern und Abgaben zahlen, Protokolle unserer „Sitzungen“ (so nennen wir jetzt unseren Unterricht) einreichen. Außerdem haben wir von Junior zu Beginn des Projektes 90 Anteilsscheine bekommen, die wir für 10 € verkaufen können. Die Idee ist es also, wie bei einem richtigen Start-Up, Leute zu finden, die an uns glauben. Und das haben wir bisher auch ganz gut hinbekommen, so haben wir nur noch 10 Scheine über. Es haben bereits einige Promis gekauft, so aus Düsseldorf Romina Gagliardi, Gerd Zehe und Micha Beckmann. Tina Kraus vom WDR und Armin Himmelrath vom Spiegel/WDR Hörfunk. Diese 800 Euro sind quasi unser Startkapital.

Was ist euch besonders wichtig an diesem Projekt?
Besonders wichtig ist es uns, mit unseren Produkten etwas „Gutes“ zu tun und kein rein kommerzielles Geschäft zu betreiben. So freuen wir uns, dass die ausrangierten Straßenschilder beispielsweise nicht einfach in der Schrottpresse landen, sondern einem guten Zweck dienen, indem sie als coole Dekoartikel Wohnungen schöner machen. Zudem spenden wir einen Teil des Gewinns an Verkehrsopfer, sodass der Kunde mit dem Kauf eines Produktes gewissermaßen in doppelter Hinsicht etwas Gutes tut.

Welche Herausforderungen gibt es?
Die erste Herausforderung war es, die richtige Anlaufstelle zu finden, wo wir die Schilder herbekommen. Hier mussten wir ganz schön lange umher telefonieren, bis wir die richtigen Ansprechpartner bei der Stadt gefunden hatten.

Die nächste Herausforderung war es dann, eine Möglichkeit für die Produktion zu finden. Unsere ersten Prototypen haben wir in einer Schlosserei herstellen lassen, aber es war für uns klar, dass wir das so auf Dauer nicht machen wollen. Darum haben wir einige Berufsschulen angesprochen und das Franz-Jürgens-Berufskolleg war direkt so nett, uns zu unterstützen.

Was ist euer größtes Ziel, dass ihr mit „Streetcycled“ erreichen wollt?
Unser größtes Ziel ist es den Landeswettbewerb von „Junior“ zu gewinnen, bei dem wir gegen andere Schülerfirmen aus NRW antreten, um dann nach Berlin zu reisen, wo wir gegen die besten Schülerfirmen aus NRW antreten würden. Zudem nehmen wir noch am Bundes-schuelerfirmen-contest teil. Auch hier würden wir uns über eine gute Platzierung freuen.

Alles in allem ist es uns wichtig, ein gutes Projektjahr zu haben, denn am Ende des Schuljahres läuft die Schülerfirma erst einmal aus. Wir können dann noch auf eigene Faust weitermachen, mal sehen wie das dann im Gleichschritt mit dem Abi läuft.

Wie entstand die Idee, ein soziales Unternehmen zu gründen und einen Teil des Gewinns zu spenden?
Es war uns von Anfang an wichtig, mit unserer „Firma“ etwas Soziales zu tun, da wir hier die Möglichkeit haben, unsere eigene Firma zu gründen und selbstständig über den Gewinn bestimmen können.

Gibt es schön Pläne für die Zukunft der Schülerfirma?
Momentan können wir uns vorstellen, weiterzumachen, aber wir können auch noch nicht abschätzen, wie viel Arbeit mit dem Abitur auf uns zu kommt und ob wir das dann noch nebenher schaffen, denn die Schülerfirma nimmt doch schon sehr viel Zeit und Freizeit in Anspruch.

Was sollte jeder über „Streetcycled“ wissen?
Wir sind ein junges, motiviertes Schülerunternehmen, das sich zum Ziel gesetzt hat, seine Kunden mit trendigen Produkten glücklich zu machen, bei deren Erwerb sie dann gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt tun als auch für Verkehrsopfer spenden.

Danke!

Text & Interview: Sarah Jansen
Fotos:
 © Streetcycled

© THE DORF 2018

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