Bonsai Werkstatt

Am Eingang zur Bonsai-Werkstatt in Düsseldorf-Hamm begrüßt ein großer Fliederbaum mit weißen Blütendolden und verführerischem Duft den Besucher. Der ist zwar so gar nicht Bonsai, aber wunderschön. Wer sich durch die Freilaufträume des Bonsai-Museums treiben lässt, entdeckt aber durchaus auch Bonsai-Flieder. Friedlich ist es hier. Vögel zwitschern und der Wind lässt die Blättchen der kleinen Bäume erzittern.

Museumsgründer Werner M. Busch ist ein Hammer-Original. Schon seine Großmutter väterlicherseits stammt aus einem hier ansässigen landwirtschaftlichen Betrieb. An dieser Stelle gründete Busch vor 34 Jahren die Bonsai-Werkstatt, als Anlaufstelle für Bonsai-Begeisterte. Der studierte Biologe hatte als 18-Jähriger einen Artikel über Bonsai gelesen und dachte gleich: „Das muss ich ausprobieren.“ Er suchte sich kleine Pflanzen und Bäume und legte los. Es gab in Deutschland nur wenige Informationen zum Thema. Doch es gelang. 50 Jungpflanzen machten den Anfang. Einige kann man bis heute in Hamm bewundern.

Auf dem Lehrpfad des Bonsai-Museums erfährt der Besucher, dass Bonsai ursprünglich aus China stammen und dort schon um 200 vor Christus als Teile von Miniaturlandschaften gediehen. Erst um 1.200 nach Christus gelangten sie von China nach Japan und wurden dort zunächst nur von Fürsten und Samurai gezogen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen sie schließlich auch nach Europa. „Man fängt mit einem japanischen Baum an“, erklärt Busch. In seinem Fall war das ein Fächerahorn. Doch wer aus Japan an den Rhein reist, möchte westliche Arten sehen, die als Bonsai kultiviert wurden. Gut so, denn für Werner Busch war schnell klar, dass sich heimische Bäume viel leichter pflegen lassen. So finden sich in Werkstatt und Museum Buche, Eiche, Kirschbaum, Zierapfel, Wacholder und vieles mehr, was sich in unseren Breiten wohlfühlt. Die meisten wachsen auf flachen Tellern, andere sind in die Erde gepflanzt.

Doch ein Bonsai ist viel mehr als ein kleiner Baum. „Er soll Charakter und Aussehen einer sehr alten Pflanze haben – eines Veteranen“, so Busch. Ein guter Bonsai sieht daher immer wesentlich älter aus, als er ist. Damit das so ist, muss er regelmäßig zurückgeschnitten werden und sich dadurch immer stärker verzweigen. Wachsen am Zweig eines Baums fünf große Blätter, sind es bei einem Bonsai etwa 50. Da diese die Nährstoffe unter sich aufteilen müssen, bleiben auch die Blätter klein. Selbst eine Glyzinie hat Busch in einen Bonsai umgewandelt. Sie ist bei einem Hausabriss gerettet worden und steht jetzt auf einem knorrigen Stamm von dessen Haupt die typischen zartvioletten Blütentrauben herabhängen.

Manch einen mag es reizen, sich einen Bonsai ins Wohnzimmer zu stellen. Aber selbst der hellste Raum ist nicht hell genug. Als Ergebnis verkümmert die dem Raum zugewandte Seite. Außerdem werden die Blätter sehr zart, der Baum braucht mehr Wasser und ist anfälliger für Schädlinge. „Bäume wollen zur Sonne“, erklärt Werner Busch. Auch Bonsai gehören also nach draußen. Der Bonsai erlaubt es, einen Baum aus nächster Nähe zu betrachten. Der Kreislauf des Jahres lässt sich an ihnen unmittelbar miterleben. Genau das ist es, was Werner Busch so fasziniert. Als Biologe interessieren Busch darüberhinaus auch die Tiere, die in seinen Bäumchen leben. „In einem Baum leben etwa 1.000, in einem Bonsai sind es vielleicht 20.“ Vögel trauen sich nicht, hier zu nisten, es gibt zu viele Menschen. Aber ein Bienenschwarm, hat sich schon mal niedergelassen. „Die Bienen habe ich dann in eine Beute umquartiert“, erzählt der Bonsai-Experte. „Ich bin auch Imker.“

Nicht einmal der Klimawandel macht halt vor Buche, Eiche, Linde oder Ulme im Miniaturformat. „Sie kommen mit der heißen Sonne nicht klar“. Klettert das Thermometer über 40 Grad, spannt Busch daher Schattennetze, damit seine grünen Schützlinge nicht zu sehr ins Schwitzen kommen. Und dann präsentiert Werner Busch seinen Lieblings-Bonsai. Eine kleine Kiefer mit filigran gebogenem Stamm. Busch hat sie seit 1988. Sie ist nach japanischem Vorbild beschnitten und hat nur wenige Zweige. Ihm gefällt sie so besonders, „weil sie Eleganz ausstrahlt und Leichtigkeit.“ Werner Busch hat sich längst anstecken lassen vom Rhythmus seiner Bonsai. Von ihrer Ruhe. „Man kann hier relaxen“, sagt er. ,„Ich brauche nichts Anderes mehr“.

Text: Katja Hütte
Fotos: Robin Hartschen
© THE DORF 2019/20

Bonsai Werkstatt

Hammer Dorfstraße 167
40221 Düsseldorf

Tel: +49 211 30 67 73
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Öffnungszeiten

Montag bis Freitag: 14.30 – 18.30 Uhr
Samstag: 09 – 14 Uhr
Sonntags nach Vereinbarung

Zahlungsmöglichkeiten

Bar / EC-Cash

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