Post/er Child – Wort-Festival für postmigrantische Ausdrucksweisen

Sasa_Stanisic

Post/er Child – Wort-Festival für postmigrantische Ausdrucksweisen
Die neue Veranstaltungsreihe Post/er Child setzt sich mit Geschichten postmigrantischen Erlebens in Deutschland auseinander. Zwischen November und Dezember werden Comedy Battles (mittwochs) und moderierte Lesungen (sonntags) mit verschiedenen Künstler*innen stattfinden. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen im PONG, Foyer NRW Forum, Ehrenhof, Düsseldorf ist frei.

Lesungen: In den letzten Jahren sind viele bemerkenswerte Romane erschienen, die sich der postmigrantischen Literatur zuordnen lassen. Postmigrantische Literatur hat nichts mit der so genannten „Literatur der Betroffenheit“ zu tun — es geht um viel mehr; um intersektionale Diskriminierungen, um die Frustration das eigene Dasein ständig erklären zu müssen; die Herkunft, die Religion, die Eltern, das Aufwachsen. Aber auch um neue Widerstandspraktiken, um geteiltes Erleben, um Utopien und natürlich um Poesie.

06.11., 16 Uhr Şeyda Kurt
Şeyda Kurt ist Journalist*in, Essayist*in und Kolumnist*in. Sie schreibt und spricht über Philosophie, Kultur, Politik und linken Feminismus. Im April 2021 erschien ihr Sachbuchbestseller Radikale Zärtlichkeit – Warum Liebe politisch ist, in dem sie Liebensnormen im Kraftfeld von Kapitalismus, Patriarchat und Kolonialismus unter die Lupe nimmt und nach neuen Formen des solidarischen Miteinanders fragt. Als Redakteur*in arbeitete sie an dem Spotify Original Podcast 190220 – Ein Jahr nach Hanau, der mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde.
Moderation: Fatima Khan

13.11., 14 Uhr Karosh Taha
Karosh Taha wurde 1987 in Zaxo/Irak geboren. Seit 1997 lebt sie im Ruhrgebiet. Ihr Debütroman „Beschreibung einer Krabbenwanderung“ erschien 2018 bei DuMont. Die Hörspielfassung ihres Romans wird 2021 bei WDR3 und COSMO ausgestrahlt. Karosh Taha erhielt für ihr Werk bereits zahlreiche Stipendien und Preise.
Moderation: Birte Fritsch

13.11., 16 Uhr Kamala Dubrovnik
Kamala Dubrovnik ist die Hedonistin der Herzen, die Smooth Operator der Literaturszene, die Matriarchin musischer Ausschweifung und eine ganz furchtbar anstrengende Feminist*in, wirklich. Sie ist Autorin, Sprecherin, Musikerin und Künstlerin, und beschäftigt sich mit den essenziellen Themen des Lebens: Sex, Tod, Politik.
Moderation: Miriam Gossing, DJ: Monita Wagma

20.11., 14 Uhr Dilek Güngör
Dilek Güngör, geboren 1972 in Schwäbisch Gmünd, ist Journalistin und Schriftstellerin. Ihre gesammelten Zeitungskolumnen erschienen in den Bänden »Unter uns« und »Ganz schön deutsch«. 2007 veröffentlichte sie ihren ersten Roman »Das Geheimnis meiner türkischen Großmutter«. In „Vater und ich“ beschreibt Dilek Güngör die Annäherung einer Tochter an ihren Vater, der als sogenannter Gastarbeiter in den 70er Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam. Die Autorin lebt und schreibt in Berlin.
Moderation: Maryam Aras

20.11., 16 Uhr Alice Hasters
Alice Hasters ist Buchautorin und Journalistin. Sie schrieb den Longseller „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ (2019) und arbeitet derzeit an ihrem zweiten Buch, das sich die Identitätskrisen unserer Gegenwart anschaut.
Moderation: Prasanna Oomen

27.11., 14 Uhr Selim Özdogan
Selim Özdoğan, geboren 1971, debütierte 1995 mit dem Roman „Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist“. Seitdem hat er viel erzählende Prosa geschrieben, viel veröffentlicht, viel vor Publikum gelesen, so einige Stipendien und Preise bekommen und viel Yoga praktiziert. Sein Erzählband „Die Musik auf den Dächern“ ist 2021 erschienen, sein Kinderbuch „Die Ameise und der Frosch“ im Frühjahr 2022.

27.11., 16 Uhr Saša Stanišić
Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad (Jugoslawien) geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Seine Erzählungen und Romane wurden in über 30 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Er lebt und arbeitet in Hamburg. „Herkunft“ ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt.
Moderation: Britta Tekotte

04.12., 16 Uhr Yade Yasemin Önder
Yade Yasemin Önder, 1985 in Wiesbaden geboren. Mit 5 eingeschult, mit 25 Abi gemacht. Dazwischen Versuche als Buchhändlerin, Köchin und Sängerin. Studierte Deutsche Literatur-und Sozialwissenschaften an der HU Berlin und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig mit Aufenthalt an der UdK im Studiengang Szenisches Schreiben. Lebt und arbeitet in Berlin.
Moderation: Christine Brinkmann

11.12., 16 Uhr Özlem Özgül Dündar
Özlem Özgül Dündar liest Essays und Prosa zum Flexen. Flexen – heißt die Stadt neu erobern, besetzen, bebauen, umkrempeln, sich selbst in die Stadt flexen. Es geht um Texte zur Flaneuse, die subversiv den Stadtraum einnimmt. Es geht um Flanieren mit Blicken, die sich in der Literaturgeschichte noch nicht etabliert haben, die ihren Platz noch suchen, erkämpfen. Es geht um Frauen, die sich selbst in der Geschichte suchen, in den Dokumenten, die Menschen bislang hinterlassen haben in der Welt.
Moderation: Christine Brinkmann

18.12., 16 Uhr Navid Kermani
Navid Kermani, geboren 1967 in Siegen, lebt als freier Schriftsteller in Köln. Er ist habilitierter Orientalist und Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie des 1. FC Köln. Zusammen mit Guy Helminger ist er seit 2006 Gastgeber des Literarischen Salons im Kölner Stadtgarten. Am Thalia-Theater in Hamburg leitet er seit 2012 gemeinsam mit Carl Hegemann das „Herzzentrum“. Für seine Romane, Essays, Reportagen und Monografien erhielt Navid Kermani unter anderem den Kleist-Preis, den Hölderlin-Preis, den Joseph Breitbach-Preis sowie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Seine Sachbücher erscheinen bei C. H. Beck, sein literarisches Werk im Carl Hanser Verlag. Die Bücher sind in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Moderation: Christine Brinkmann

Comedy: Postmigrantische Comedy eröffnet Perspektiven auf die eigene Lebenswelt der Comedians, bietet Identifikationspotenzial und Anknüpfungspunkte, sie empowert die einen und öffnet den anderen die Augen. Die Szene ist stark – wir wollen auch und vor allem den Nachwuchs supporten. Längst holen sich Menschen mit (post-)migrantischem Background selbst das Mikrofon: Die Stars der Szene sind in vielen Fällen keine „Ur-Deutschen“, haben kein Interesse das „Integrationstheater“ (frei nach Max Czollek) mitzuspielen, sie ergreifen das Wort – und es ist ihnen egal, was andere von ihnen hören wollen. Dabei muss das künstlerische Programm selbstredend nichts mit der individuellen Biografie zu tun haben.

15.11., 19 Uhr Ayo, Bora, Samuel Sibilski
Mit charmanter Cleverness und einer ordentlichen Portion Zynismus sinniert Samuel Siblinksi über Dinge, die viele kennen, aber niemand hinterfragt. Darauf zimmert der 38-Jährige schonungslos sarkastisch auf teuflisch böse Art seine Sicht der Dinge: Ist Blut wirklich dicker als Wasser? Und wie muss es für den ersten Homosexuellen der Menschheitsgeschichte gewesen sein? Ohne sich selbst zu verschonen, wird schnell klar, warum Samuel auch als meistgeklickter deutscher Battle Rapper namens SSYNIC sein Unwesen treibt.
Bora ist alles zwischen sozialer Kritik, philosophieren an einem Spätsommer Abend mit Wein, Zigarette und einem Earth, Wind & Fire Song. Und manchmal genau das Gegenteil. Aber egal wie, immer mit liebevoller Attitüde.
Ayo Akinnuroju, geboren in einem Pariser Vorort, entdeckte als Teenager Stand-up-Comedy durch amerikanische Legenden wie Eddie Murphy, Bernie Mac und Dave Chappelle. Seit zehn Jahren lebt Ayo in Deutschland und hat vor 3 Jahren entschieden, Stand-Up-Comedy auszuprobieren. Auf der Bühne spielt Ayo mit Klischees, spricht über Themen wie Vaterschaft, teilt seine Sicht über Deutschland als Franzose oder seinen Kampf mit der deutschen Sprache.

23.11., 19.00 Uhr Djavid, Aidin Hallimi, Tony Bauer
Tony Bauer ist jung, sympathisch und vor allem lustig, so präsentiert sich der heißeste Newcomer der Comedy-Szene. Seit 2022 begeistert der junge Komiker in Mix-Shows und konnte direkt auf sich aufmerksam machen. Schlagfertig, selbstironisch und mitfühlend präsentiert sich der bekennende Duisburger Tony Bauer mit seinen Standups. Tony leidet unter dem Kurzdarmsyndrom und ist auf die ständige Zufuhr von Nährstoffen angewiesen. Die bekommt er aus seinem Scout-Rucksack, mit dem er ständig über einen Schlauch – den „Schlauch des Lebens“, wie er ihn nennt – verbunden ist. Tony ist schon einige Male dem Sensenmann von der Schippe gesprungen, aber lässt sich von seiner Krankheit nicht unterkriegen. Sein Motto heißt: Mit Humor dagegen und ab auf die Bühne! Ohne erhobenen Zeigefinger und mit einer großen Prise Humor zeigt sich Tony samt seinem lebensrettenden Rucksack offenherzig und lebensfroh und ist für viele ein Vorbild.
Djavid – der in Köln lebende Rookie der Comedyszene mit afghanischem Hintergrund tourt seit drei Jahren durch Deutschland. Der authentische und schlagfertige Newcomer mit Laktoseintoleranz bewies sich in der kurzen Zeit bereits als Finalist und Gewinner diverser Comedyformate und moderiert dazu seine eigene Show in der Domstadt.
Aidin Halimi lebt in Berlin, steht seit 2015 auf Poetry Slam Bühnen und gewann 2021 die Berlin/Brandenburg-Meisterschaften. Seit kurzem sammelt er Erfahrungen auf den Stand Up-Bühnen in Berlin. Er ist ein ausgebildeter Krankenpfleger, ehemaliger Deutschlehrer, studierter Historiker und ein passionierter Hausmann.

30.11.22, 19 Uhr Andrés, John Smile, Lisandra Bardél
Andrés – in Kolumbien geboren und aufgewachsen lebt er heute in Hamburg und macht seit ein paar Jahren Comedy auf Englisch, Spanisch und Deutsch in ganz Europa.
Auf der Bühne mischt er das Alltägliche mit dem Absurden; das Sozialkritische mit dem Banalen; dumme politische Witze mit intellektuellen Pimmeljokes. Semifinalist beim NightWash Talent Award 2020
Lisandra Bardél kennt man aus der RTL-Serie „Alles was zählt“. Die Berlinerin aus Köln studierte Schauspiel, spielt im Impro-Theater und tanzt Salsa.Seit Neuestem begeistert sie auch das Comedy-Publikum und war 2021 Finalistin beim NIGHTWASH TALENT AWARD. Die witzigen Widersprüche des Lebens, verquere Gedankenspiralen, das eine Sagen, das andere Meinen – das alles analysiert sie auf der Bühne sehr humorvoll, charmant und sehr sympathisch.
Moderation: Benaissa Lamroubal

07.12.22, 19 Uhr, Tamika Campbell, Serdar Karibik, Normann Sosa, Mariano Vivenzio
Man sagt, dass in einem guten Witz auch der Schmerz der Künstlerin erkennbar ist. Also ist Tamika für ihr Bühnenprogramm durch die Hölle gegangen, ohne dabei ihren Humor zu verlieren. Die gebürtige New Yorkerin entführt den Zuschauer auf eine Reise durch ihr ereignisreiches und tragisches Leben. Dabei geht Tamika nie den leichten Weg und begegnet den Hindernissen in ihrem Leben stets mit Stärke und Liebe, ohne sich dabei in die Opferrolle drängen zu lassen. Aufgewachsen in einer Sekte, Missbrauch und Gewalt erlebt und dennoch ist Tamikas positive Energie ansteckend.

Serdar Karibik hat sich seinen Künstlernamen ausgesucht, weil er auf der Bühne ein Sonnenschein ist. Aber auch, weil ihn wegen seines richtigen Nachnamens niemand zu einem Vorstellungsgespräch einlädt. Der Gewinner des Quatsch Comedy Hot Shots 2022 ist eine Rampensau — nicht wegen seiner Schilddrüsenunterfunktion, sondern weil man ab der ersten Sekunde an seinen Lippen hängt. Schlagfertig, sympathisch und erfrischend authentisch tourt der schwäbisch-türkische Comedian durch den gesamten deutschsprachigen Raum. Nicht umsonst ist er einer der vielversprechendsten Newcomer Deutschlands. Mit seinen millionenfach geklickten Clips sorgt er auch in den sozialen Medien für Aufsehen.

14.12.22, 19 Uhr, FINALE TBA
Moderation aller Comey-Veranstaltungen: Benaissa Lamroubal

Zum Programm geht es hier…

Text: Melanie Schrader
Fotos: Presse, siehe Bildbeschreibung
© THE DORF 2022

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