ZU TISCH MIT CLEMENS BRUNO GATZMAGA • ELLEA UND DIE STADT

Clemens Bruno Gatzmaga © Julius Erler

Man kannte den Autoren Clemens Bruno Gatzmaga bisher in Verbindung mit seinem Debütroman „Jacob träumt nicht mehr“, dessen Protagonist sich nach der Kündigung seines Jobs auf Sinnsuche begibt. Im Herbst dieses Jahres ist sein erstes Kinderbuch mit dem Titel „Ellea und die Stadt“ im Karl Rauch Verlag erschienen, das die Eigenheiten einer Leistungsgesellschaft ebenfalls unter die Lupe nimmt — allerdings aus Sicht der Äffin Ellea, die aus ihrer Welt in den Bäumen in die Stadt kommt und sich über das geschäftige Leben in der Arbeitswelt wundert. Das Buch greift aktuelle Themen, wie den Klimawandel, Work-Life-Balance und Unterschiede zwischen Stadt- und Landleben auf, die nicht nur für Erwachsene relevant sind sondern auch Kinder betreffen. Begleitet von den Bildern der Illustratorin Ana Popescu ist „Ellea und die Stadt“ eine Geschichte, die generationsübergreifend zum Nachdenken und zum Austausch anregt. Clemens hat uns im Interview von den vielschichtigen Motiven und Inspirationen des Buches erzählt und wie es nach „Ellea und die Stadt“ weitergeht. 

Bisher kannte man Dich als Romanautor. Wie kamst Du dazu, ein Kinder- bzw. Familienbuch zu schreiben? Eine große Motivation für „Ellea und die Stadt“ war die Geburt meiner Tochter. Ich habe mich gefragt, wie unsere moderne Arbeitswelt wohl durch ihre Augen aussieht – und wie sie klingt. Mittlerweile ist es keine Besonderheit mehr, wenn im Zoom-Call mal ein Kind vorbeischaut und sich wundert, was die Menschen im Bildschirm da machen. Im Kinderbuch trifft die pinke Äffin Ellea auf graue Stadtaffen, die ständig busy sind.

Welche Unterschiede gibt es beim Schreibprozess im Vergleich zur Arbeit an einem Roman? Beim Roman ist der Schreibprozess bis zum Lektorat eine einsame Angelegenheit. Beim Kinderbuch hingegen stand ich bereits nach dem Konzept im kreativen Austausch mit Ana, die das Buch illustriert hat. Es gab einen ersten Entwurf des Storyboards, den wir gemeinsam verfeinert haben. Bild- und Textebene fanden zueinander, die Geschichte wurde rund.

Du behandelst in dem Buch Themen wie den Klimawandel, die Leistungsgesellschaft und den Konflikt zwischen Stadt- und Landleben. Warum war es Dir wichtig, gerade diese Themen in dem Buch aufzunehmen und was war Deine Herangehensweise, sie kindgerecht auszudrücken? Kinder fragen sich, warum Erwachsene überhaupt arbeiten. Auf eine gewisse Weise erleben die Generationen, die gerade ihre ersten Jobs annehmen, also häufig ein Déjà-vu: Es treffen Ideen der Teilhabe und des Miteinanders auf eine alte hierarchisch organisierte Arbeitswelt. Die Art und Weise, wie wir arbeiten, führt dann zu Entfremdungsprozessen. Was Kinderbücher leisten können: Dass die Generationen humorvoll und spielerisch miteinander ins Gespräch kommen. Aber muss man alles erklären? Als ich klein war, hat mich gerade das interessiert, was ich nicht verstanden habe. 

Gab es bestimmte Kinderbücher oder Autor:innen, die für dieses Buch inspirierend waren? Die Studio Ghibli-Filme beispielsweise fesseln meine Tochter genauso wie mich, auch noch beim zehnten Mal Schauen. „Totoro“ oder „Kikis Delivery Service“ beispielsweise, Jahrzehnte alt, könnten aber aktueller nicht sein. Man hat nach dem Schauen das Gefühl, wieder tiefer in der Welt verankert zu sein. Nach einem ähnlichen Gefühl suche ich auch, wenn ich schreibe.

Was wünschst Du Dir, das Kinder — und vielleicht auch Erwachsene — von der Geschichte mitnehmen? Dass manche Probleme nur miteinander gelöst werden können, auch wenn man meint, sich fremd zu sein und einem das im ersten Moment vielleicht Angst macht.

Die Illustrationen stammen von der französischen Künstlerin und Illustratorin Ana Popescu. Wie lief Eure Zusammenarbeit ab? Hattest Du eine konkrete Vorstellung, wie die Geschichte durch das Visuelle ergänzt werden sollte? Ana kenne ich schon lange. Sie ist eine gute Freundin und eine großartige Künstlerin. Daher wusste ich, dass die Geschichte bei ihr in guten Händen ist. Das Buch bestätigt das: Jede Seite ist ein Kunstwerk, das ich mir im Wohnzimmer an die Wand hängen könnte. Sie hat auf Basis meiner Gedanken und Texte die Welt von Ellea zum Leben erweckt.

Was steht als nächstes an? Kannst Du Dir vorstellen weitere Kinder- und Familienbücher zu schreiben? Derzeit arbeite ich an meinem nächsten Roman. Aber wer weiß, die Idee zum zweiten Ellea-Band ist bereits umrissen und wer beim ersten Teil genau hinschaut, bekommt schon eine Ahnung, worum es darin gehen könnte.

Vielen Dank!

„Ellea und die Stadt“ ist für 22 Euro über den Karl Rauch Verlag erhältlich: karl-rauch-verlag.de/elea-und-die-stadtWeitere Informationen zum Buch, Clemens Bruno Gatzmaga und Ana Popescu gibt es unter elleaundiestadt.com.

Text und Interview: Lisa-Marie Dreuw
Fotos: Siehe Bildbeschreibung
© THE DORF 2023 

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