Sven Weiss

Sven Weiss hat seit dem 24. Februar viel zu tun. Er ist Stabsstelle der Amtsleitung beim Amt für Migration und Integration der Landeshauptstadt Düsseldorf. In der Flüchtlingskrise 2015 hat er seinen Job in einem großen deutschen Verlagshaus gekündigt, um in Thessaloniki und später in Larissa in Griechenland aktiv vor Ort in den Flüchtlingslagern mitzuhelfen. Aus ein paar Monaten wurden über zwei Jahre. Nach seiner Rückkehr engagierte er sich in Düsseldorf ebenfalls stark ehrenamtlich und half geflüchteten Menschen, die ins Rheinland kamen. Jetzt hat er sein Ehrenamt gegen die offizielle Stelle bei der Stadt Düsseldorf eingetauscht. Nun herrscht Krieg in der Ukraine, mitten in Europa. Wie vielen Düsseldorfer*innen fällt es auch der THE DORF Redaktion schwer zu beurteilen und zu entscheiden: Wo kann ich wie was in Düsseldorf spenden? Wo wird Hilfe benötigt? Wir sprachen mit Sven über die Gesamtsituation in der Stadt und versuchen, einen Überblick zu geben. 

Hallo Sven. Bitte stelle Dich doch kurz vor: Was ist Deine Position und was ist Dein Aufgabenbereich? Mein Name ist Sven Weiss, ich bin vor ein paar Tagen 35 Jahre alt geworden und bin Stabsstelle der Amtsleitung beim Amt für Migration und Integration der Landeshauptstadt Düsseldorf. Klassischerweise fällt unter meinen Aufgabenbereich sowohl das Ideen- und Beschwerdemanagement des Amtes, als auch politische Gremienarbeit, verschiedene strategische Projekte bis hin zur Digitalisierung.

Wie kam es im ersten Schritt zu diesem gravierenden Einschnitt in Deinem Leben und zur Entscheidung, aktiv in Griechenland bzw. Flüchtlingen zu helfen? Und inwiefern hat dies Dein Leben und Deine Sicht auf die Dinge beeinflusst? Ich muss mich hier wirklich relativ kurz halten, weil es natürlich viele Gründe gab. Im Mai 2015 war ich im Urlaub im Iran. Ich bin nach Düsseldorf zurückgekommen und war völlig geflashed von den Eindrücken damals. Gleichzeitig waren da die ersten Anläufer der sogenannten Flüchtlingskrise, die Deutschland im Sommer 2015 erreicht haben. Ich wurde gefragt, ob ich Sachen spenden möchte. Ich hatte bis dato noch nie einen Bezug dazu gehabt oder Klamotten gespendet, ehrlich gesagt. In diesem Sommer habe ich dann zum ersten Mal Menschen gesehen, die einfach wirklich nichts mehr zum Anziehen hatten.

Das Ganze kam mir in Bezug zu dem, was ich damals beruflich machte, sehr surreal vor. Ich habe dann angefangen, mich ehrenamtlich zu engagieren. Erst einmal die Woche, dann zweimal, dreimal und irgendwann war es dann jeden Tag. Dann kamen einige private Dinge dazu und immer mehr beschäftige mich dieser tiefe Wunsch und die Frage: „Ist das, was du gerade machst, wirklich das, was Du Dein Leben lang machen möchtest?“. 

Ich wurde 30 und dachte mir: Komm, jetzt ist die Zeit, noch einmal etwas ganz anderes zu machen. Entweder jetzt oder nie. Es war ein guter Zeitpunkt, ich war finanziell relativ abgesichert, zumindest fühlte ich mich so. Was gibt’s zu verlieren? Eigentlich nix. Einen Job wirst du immer wieder finden, eine Wohnung hoffentlich auch. Ich hatte ein gutes soziales Netzwerk, Freunde, Bekannte und Verwandte haben meine Entscheidung mitgetragen und so kam es dann, dass ich nach Griechenland ging.

Sicherlich hast du vor Ort sehr viele schlimme Dinge gesehen, auf die man an dieser Stelle nicht weiter eingehen muss. Wie hat die Zeit Dein Leben und Deine Sicht auf die Dinge beeinflusst? Was hast Du gelernt? Ich habe gelernt, dass die Dinge nie so sind, wie sie scheinen auf den ersten Blick. Dass Menschen durchaus zum politischen Spielball internationaler Krisen gemacht werden und wieviel Leid es in der Welt gibt bei gleichzeitigem Respekt dafür, wieviel Leid Menschen ertragen können. Damit meine ich überhaupt nicht nur die physische Ebene, sondern vor allem die psychische Ebene. Abgesehen von vielen kleinen Dingen haben mich der internationale Kontext und die vielen unterschiedlichen Kulturen geprägt. Ich habe bis B1 angefangen Arabisch zu lernen, daraus ist dann Farsi (persische Amtssprache im Iran) geworden. 

Am 24. Februar, vor genau einer Woche zum Zeitpunkt unseres Interviews ist Putin in die Ukraine eingefallen, schon heute gibt es mehr als 1 Mio. Flüchtlinge. Wir denken, dass sich von einem Tag auf den anderen Dein Arbeitsalltag geändert hat. Wie seid Ihr, sprich: die Stadt Düsseldorf, mit der Situation umgegangen, wie waren die ersten Schritte? Ganz persönlich war mein erster Gedanke: Das ist nicht wirklich passiert, das hat Putin nicht wirklich getan. Wir haben sehr schnell reagiert und schnell die erste Abstimmung gemacht. Wir hatten über das Wochenende sehr viel telefonischen Kontakt innerhalb des Teams und haben dann am Sonntag als Landeshauptstadt entschieden, dass wir die Funktionsadresse ukraine-hilfe@duesseldorf.de einrichten. Wir haben den kommunalen Krisenstab einberufen, um uns auf die mögliche Fluchtsituation vorbereiten zu können. Wir haben entschieden, dass wir Unterkünfte reaktivieren, eine zentrale Anlaufstelle schaffen, dass wir einen runden Tisch etablieren, auch um die Gesellschaft, Verbände, Vereine, Institutionen und Ehrenamtler*innen abzuholen. Wir haben an einem Wochenende, auch im Hinblick auf Verwaltung, sehr viel getan. Gleichzeitig haben wir immer wieder evaluiert, wie die Nachrichtenlage ist. Dann ging alles sehr schnell. Kaum war unsere Pressemitteilung Sonntag Nachmittag versenden, hatte ich bereits Sonntagabend die ersten 200 Spendenangebote.

Wie lang ist Dein aktueller Arbeitstag? Selbstverständlich sind aktuell aufgrund der dynamischen und krisenbehafteten Situation die Arbeitstage länger als gewöhnlich und erfordern mehr Flexibilität als es womöglich in anderen Situationen der Fall wäre. 

Mir und vielen Menschen im Bekanntenkreis fällt es aktuell sehr schwer zu beurteilen, zu entscheiden: Wo kann ich wie was in Düsseldorf spenden? Bei Sachspenden bekommt man mit, dass viele der Sammelstellen schon voll sind, besonders was Bekleidung angeht. Bei Geldspenden sind viele unsicher: Was ist seriös, wo kommt das Geld an… Sicherlich gibt es da nicht eine ultimative Lösung sondern viele. Es ist aber schwierig, durchzublicken und nicht aktionistisch zu handeln. Kannst Du in Kurzform einen Überblick geben über die Gesamtsituation? Grundsätzlich ist es natürlich so, dass ich in meiner Funktion als Vertreter der Landeshauptstadt Düsseldorf keine Empfehlung darüber abgeben kann, wohin man spenden sollte oder nicht. Dass es unübersichtlich ist, ist sicherlich auch ein Stück weit der Situation geschuldet und liegt in der Natur der Sache. Für die Landeshauptstadt Düsseldorf kann ich sagen, dass wir ein Spendenkonto eingerichtet haben. Ich kann mir vorstellen, dass es für die Leser*innen vielleicht erstmal befremdlich ist, an die Landeshauptstadt zu spenden, ich kann aber gleichzeitig auch versichern, dass alles unmittelbar den Personen zugute kommt. 

Ein Beispiel: Ich hatte gestern eine Familie, die wirklich dringend Unterwäsche benötigt hat, weil sie einfach defacto keine hatte. Unterwäsche ist, wie man sich vorstellen kann, keine klassische Sachspende. Oder anders gesagt: Der organisatorische Aufwand für einen Aufruf zum Spenden von Unterwäsche steht in keinerlei Verhältnis dazu, was das Produkt dann letztendlich kostet. Für so etwas bieten sich finanzielle Spenden sehr gut an, weil wir sofort Socken und Unterwäsche kaufen konnten. 

Auf unserer Website haben wir einen FAQ-Bereich zusammengestellt mit den wichtigsten aufenthaltsrechtlichen Fragen, aber auch mit umfangreichen Infos zu Spendenannahmen. Gerade weil wir um die Problematik wissen und ja nicht nur Empfänger von Angeboten sind, sondern auch versuchen zu koordinieren oder Bedarfe zu „matchen“, hat die Stadt Düsseldorf seit dieser Woche eine eigene Spendenannahme, um hier auch noch einmal die nötigen Kapazitäten zu schaffen. (Zentrale Annahmestelle für Sachspenden auf der Querstraße 4, Düsseldorf-Oberbilk, Abgabe von privaten Sachspenden von montags bis freitags von 16 Uhr bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr.)

Letztendlich teile ich Eure Eindrücke: Viele der Stellen sind überlaufen. Ich möchte bzw. kann nur darum bitten, einen Perspektivwechsel zu vollziehen und sich in die Lage der Ankommenden zu versetzen: Was benötige ich dringend, wenn ich in einer fremden Stadt ankomme? Ich kann empfehlen, bitte nur sortierte Dinge abzugeben. Auch ist es wichtig, den Saisonwechsel im Auge zu behalten. Wir haben jetzt Anfang März und ja, es ist stellenweise noch kalt, aber Menschen werden tendenziell in ein paar Tagen leichtere Bekleidung gebrauchen können als die dicken Wintermäntel. Darüber hinaus empfehle ich zu schauen: Was ist möglichst alltagstauglich? Das ganze natürlich im Idealzustand: gewaschen, nicht kaputt und vorsortiert.

Wo finde ich Sammelstellen und wie informiere ich mich am besten, was benötigt wird? Wo kann man sich am besten über aktuelle Entwicklungen bzw. den Bedarf informieren? Auf der Website und den Social Media Kanälen des Amtes für Migration und Integration verweisen wir auf eine Vielzahl von Möglichkeiten. Geplant ist: An der neuen Annahmestelle, die seit dem 7. März auf der  Querstraße 4 eingerichtet ist, werden wir erst einmal annehmen, was uns angeboten wird. Wir werden clustern, wir werden kategorisieren, wir werden inventarisieren und digitalisieren, um dann gezielte Bedürfnisse von Organisationen, die an uns herangetragen werden, zu bedienen. Im zweiten Schritt sollen den Menschen, die neu in Düsseldorf angekommen sind, Dinge direkt herausgegeben werden können. 

Wir werden das sowohl für B2B, als auch B2C anbieten und werden zwei Stellen haben. Eine, an der Bürger*innen Einzelspenden abgeben können sowie eine Stelle für unternehmensbezogene Spenden, wo es dann um große Quantitäten geht.

Wir empfehlen generell immer eine konkrete Anfrage und persönliche Kontaktaufnahme im Vorfeld, ob noch Spenden angenommen werden und vor allem wie die Bedarfe sind: Welche Spenden werden konkret benötigt? 

Geld oder Sachspenden? Was ist besser? Letztendlich braucht es beides und beides kann sich auch gut ergänzen. Hier bin ich beispielsweise auch Düsseldorfer Unternehmen dankbar, die Hygieneartikel in sehr großer Stückzahl spenden, Dinge des täglichen Bedarfes, die sich schnell wieder aufbrauchen wie Shampoo, Zahnpasta, Zahnbürsten, etc. Gleichzeitig treten immer wieder Situationen auf, wo die Sachspende eben nicht dabei ist oder es Dinge gibt, die nicht einkalkuliert sind. Auch da wieder die ganz klare Empfehlung zu fragen: Was braucht Ihr?

Nachdem wir unseren Bestand gesichtet haben, werden wir in den kommenden Tagen auch auf der Website und den Social-Media-Kanälen des Amtes für Migration und Integration gezielte Aufrufe für Dinge starten, die wir benötigen. Momentan bräuchte ich beispielsweise eine Waschmaschine für eine Unterkunft. Die hat uns bisher noch keiner angeboten, wäre aber notwendig gewesen und hätte sehr geholfen. Es ist nur ein Beispiel, ich hoffe nicht, dass ich nach dem Interview 200 Waschmaschinen angeboten bekomme, aber es ist leider wirklich oft so, dass das, was da ist, nicht benötigt wird und umgekehrt. Dafür wären Geldspenden sinnvoll.

Wo erfahre ich, wo und wie ich am besten selber mit anpacken kann? Es haben sich bereits mehrere hundert Menschen an die ukraine-hilfe@duesseldorf.de Emailadresse gewendet, die gerne ehrenamtlich helfen würden. Wir nutzen diese Menschen, um mit ihnen gemeinsam die Spendenannahme zu realisieren und die Spenden zu kategorisieren oder inventarisieren und letztendlich auch auszugeben. Das ist aber nur ein Einsatzbereich. Letztendlich werden uns sehr viele der Dinge erst in den nächsten Wochen erwarten – Dolmetscherleistungen, Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen oder einfach mal zu sagen: Hey, ich zeige Euch die Stadt. Hier bitte ich um Verständnis bei denjenigen, die uns vielleicht schon eine Email geschrieben haben und die noch nichts von uns gehört haben: Wir sind erst seit knapp 2 Wochen in dieser Situation, das Thema wird uns noch einige Wochen oder Monate beschäftigen.

Was rätst Du Menschen, die direkt einen LKW packen und eigenständig an die Grenze fahren? Das kann ich insofern nicht bewerten, da wir uns als Kommune ausschließlich um Düsseldorf kümmern und die Menschen, die hier sind. Als Privatperson und aus der Sicht meiner Biographie heraus hat es mir immer sehr geholfen und erschien mir sinnvoll, sich mit den lokalen Organisationen vor Ort in Verbindung zu setzen oder sich an größere Organisationen zu wenden. Auch hier gilt: Klärt im Vorfeld ab, was die Bedarfe sind und was wird benötigt – und ruft nur dafür auf, zu spenden. Setzt ein Timing, bis wann die Spende benötigt wird. In keinem Fall empfehle ich wahllos zu spenden. Behaltet die Nachrichtenlage im Auge. Und seid Euch darüber im Klaren, dass Ihr sicherlich nicht die einzigen seid, die das tun. Unter dem Strich muss jeder Transport, den Ihr an die Grenze fahrt, auch wieder von Menschen weiterverarbeitet werden. Informiert Euch vorher, wie Ihr zum Beispiel vermeidet, offizielle Hilfstransportwege zu blockieren.

Es gibt Freunde, die Zimmer haben und Flüchtlinge aufnehmen könnten: Wo und wie erfährt man, wie man wem helfen kann? Und wie unterstützt die Stadt? Momentan ist es so, dass alle Menschen aus der Ukraine in kommunalen Unterkünften aufgenommen werden. Dazu befinden wir uns in einem kontinuierlichen Kapazitätenaufbau. Es ist sehr wichtig, dass die Leute ein Dach über dem Kopf haben, ein wenig zur Ruhe kommen und die ersten Fragen hinsichtlich Sozialleistungen, medizinischer Versorgung etc. beantwortet werden können. Mittelfristig ist das Thema privater Wohnraum definitiv ein Thema. Viele Ukrainer*innen sind bereits durch private Initiativen in Düsseldorf untergekommen. 

Sicherlich müssen wir die Angebote sondieren, da wir momentan vom Sofa im Arbeitszimmer bis zum leerstehenden Familienhaus in Meerbusch alles bekommen. Hier müssen wir schauen, was die beste Option für die Menschen ist, auch im Hinblick auf die aufenthaltsrechtliche Situation. Aktuell reisen die meisten Menschen aus der Ukraine visafrei ein. Derzeit ist in Arbeit, dass die Menschen diesen Aufenthaltstitel bekommen, dann werden wir uns im zweiten Schritt um adäquaten Wohnraum für die Menschen kümmern können – auch ausserhalb von kommunalen Unterkünften.

Wie ist die Stadt auf die ankommenden Menschen vorbereitet? Wo werden diese untergebracht? Die Stadt Düsseldorf hat insgesamt 50 kommunale Unterkünfte, wenn man den Bereich Asyl und Obdach mit einbezieht. In diesem wohnen und leben mehrere tausend Menschen. Hier sind immer Kapazitäten, wenngleich in den letzten Wochen durch vermehrte Zuweisung Plätze belegt wurden. Deshalb weichen wir in dieser Situation auf externe Möglichkeiten wie Hotelanmietungen aus. Wir befinden uns in einem kontinuierlichen Kapazitätenaufbau und beobachten die Situation sehr genau, auch in den europäischen Nachbarländern. Wir halten uns auf dem Laufenden über die Entscheidungen der EU-Kommission hinsichtlich der – schreckliches Wort – Massenzustrom-Richtlinie, um reagieren und planen zu können. Momentan können wir aufgrund der situativen und spontanen Ankünfte sehr schlecht planen. Es kann sein, dass heute 10 Menschen ankommen, von denen 5 privat unterkommen. Es kann sein, dass morgen 500 Menschen ankommen, von denen keiner privat unterkommen kann. Ich bin optimistisch – und das hat die Vergangenheit gezeigt – dass wir immer handlungsfähig sind und immer versuchen, eine Lösung herbeizuführen und selbstverständlich versuchen, niemanden auf der Straße schlafen zu lassen.

An welche Stellen können sich Ukrainer*innen am besten wenden, wo wird ihnen hier geholfen? Ukrainer*innen können sich an meine Kolleg*innen und mich vom Amt für Migration und Integration am brandneuen Infopoint am Bertha-von-Suttner-Platz 1 wenden. Rund um die Uhr finden Geflüchtete hier auf der Rückseite des Hauptbahnhofs eine zentrale Anlaufstelle. Hauptamtliche und Ehrenamtliche empfangen die Menschen täglich in der Zeit von 8 bis 18 Uhr an 20 Schaltern und nehmen ihre Kontaktdaten auf. Auch ausserhalb dieser Zeiten, also abends oder nachts, wird geholfen. Wir erstberaten die Menschen in einem kurzen Gespräch, wir klären Vulnerabilität, Dinge, die benötigt werden. Für alle aufenthaltsrechtlichen Fragen können sich die Menschen ebenfalls hier hinwenden oder aber die FAQ auf der Website des Amtes für Migration und Integration lesen, wo beispielsweise auch der Antrag auf Sozialleistungen zum Download bereitsteht. Die FAQ sind übrigens auch sehr hilfreich für viele Düsseldorfer*innen.

Auch Solidaritätsbekundungen sind für die Menschen in der Ukraine derzeit sehr wichtig. Es ist wichtig zu zeigen, dass die Menschen in Europa an und auf der Seite der Ukraine sind. Gibt es Solidaritätsveranstaltungen die derzeit von der Stadt geplant sind oder auf die Du gerne hinweisen möchtest? Seitens der Stadt ist meines Wissens nach aktuell nichts geplant. Wir schätzen es absolut, dass es derzeit diverseste Kundgebungen und Demonstrationen gibt, wie beispielsweise am Landtag, wo auch Oberbürgermeister Dr. Keller als Redner zu Gast war, um die Solidarität der Landeshauptstadt zu unterstreichen. Ich selber werde auf Einladung der Organisation Flüchtlinge willkommen in Düsseldorf in einem Veranstaltungsformat einen langgeplanten Vortrag halten, in dem es ursprünglich mal um die kommunale Aufnahme afghanischer Ortskräfte ging. Ein Thema, was derzeit etwas in den Hintergrund gerückt ist. Jetzt liegt der Fokus primär auf den Ukrainer*innen. Amtsseitig werden wir Veranstaltungsformate anbieten, die primär der Informationen an Multiplikator*innen dient und Themen wie Aufenthaltsrecht, Perspektiven, Unterbringungen und Integration beinhalten. Wir haben zum Beispiel noch gar nicht über die sekundären Bedürfnisse gesprochen wie Kitaplätze, Schulen, etc. Das alles wird uns auch in den nächsten Wochen begleiten.

Vielleicht darf ich das zum Abschluss sagen: Die Akut- und Soforthilfe ist absolut wichtig und auch wir sind immer wieder überwältigt von so viel Hilfsbereitschaft, dem Engagement und der Solidarität der Menschen. Das zweite ist aber auch eine gewisse Nachhaltigkeit und Kontinuität und selbstverständlich auch Interesse. Das was aktuell passiert, hat sicherlich noch Auswirkungen auf die nächsten Jahre. Nicht umsonst wird derzeit von einer Zäsur innerhalb der deutschen Geschichte gesprochen. 

Man hört bereits schon jetzt, nach einer Woche, dass viele russisch-stämmige Menschen in der Stadt sich rassistischen Anfeindungen aussetzen müssen. Was ist dahingehend Deine Sichtweise bzw. Message an die Düsseldorfer? Nicht nur ich persönlich sondern auch im Namen der Stadt Düsseldorf kann ich hier ganz entschieden sagen, dass wir jegliche Form von Rassismus und Diskriminierung und Antisemitismus ablehnen und verurteilen. Mein Appell wäre: Schaut Euch an, was gerade in der Welt passiert, schaut Euch an, welche Gemeinsamkeiten es gibt und nicht welche Unterschiede existieren. Lasst uns versuchen, das Beste für die betroffenen Menschen zu unternehmen. Am Ende des Tages entscheidet nicht die Nationalität, sondern es entscheidet, dass wir immer noch von Menschen sprechen.

Was wünscht Du Dir für die Zukunft? In der Welt passieren sicherlich immer Dinge, die nicht schön sind, die absolut schrecklich sind. Wenn diese Dinge passieren, würde ich mir persönlich wünschen, dass weiterhin dieses Engagement und diese Solidarität hier in Düsseldorf besteht, wie es jetzt wieder einmal gezeigt worden ist. Mein Glaube, meine Hoffnung und meine tiefe Überzeugung ist, dass bei allen Diskursen und Meinungsverschiedenheiten, die sicherlich in einer Gesellschaft normal sind, wir, wenn es drauf ankommt, immer zusammengestanden haben. Das ist für mich in einer Krise ein sehr schönes und ein sehr bewegendes Gefühl.

Vielen Dank!

Website des Amtes für Migration und Integration
www.duesseldorf.de/amt-fuer-migration-und-integration.html

Wer unterstützen und helfen möchte, kann sich per E-Mail an ukraine-hilfe@duesseldorf.de wenden.

Facebookseite des Amtes für Migration und Integration

FAQ des Amtes für Migration und Integration

Sammelstelle der Stadt Düsseldorf
Zentrale Annahmestelle für Sachspenden auf der Querstraße 4, Düsseldorf-Oberbilk, Abgabe von privaten Sachspenden von montags bis freitags von 16 Uhr bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr 

Spendenkonto der Stadt Düsseldorf
Um möglichst schnell handeln zu können, hat die Landeshauptstadt Düsseldorf ein Spendenkonto bei der Stadtsparkasse Düsseldorf für alle Menschen eingerichtet, die für die in Düsseldorf ankommenden Geflüchteten aus der Ukraine spenden möchten:

Stadtsparkasse Düsseldorf
IBAN: DE61 3005 0110 0010 0004 95
Bitte als Verwendungszweck unbedingt das Kassenzeichen 57754 00000 00000 7 / Ukraine – Hilfe und Ihre Adresse angeben.

Weitere Initiativen:
Flüchtlinge willkommen in Düsseldorf
Stay in Düsseldorf
STAY!

Interview: Tina Husemann
Foto: Tina Husemann
© THE DORF 2022

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