Anna Pascher

Name: Anna Pascher
Beruf: Künstlerin
Gelernter Beruf: Modedesign

Von der Mode zur Kunst: Anna Pascher kehrt nach 10 Jahren Berlin mit ihrer Familie zurück nach Düsseldorf. Nach ihrem Studium für Modedesign in Düsseldorf gründet sie mit ihrem Mann Gilles in Berlin ein Unternehmen für Corporate Fashion – bis die Pandemie kommt und ihnen ihre Kunden, die hauptsächlich in Gastronomie und Hotellerie angesiedelt sind, wegbrechen. Für Anna und ihren Mann ein Grund, sich darauf zu besinnen, was sie eigentlich wirklich machen möchten, von morgens bis abends. In Annas Fall ist das ihre Leidenschaft für die Malerei, die schon immer da war, aber durch die Arbeit als Selbstständige oft zu kurz kam. Sie sagt: „Malen gibt mir einfach wahnsinnig viel Energie.“ Diese Energie verwandelt sich in nur kürzester Zeit zum Erfolg: Ihre Bildwelten zeigen abstrakte Stilleben, Tisch- und Alltagsszenen und spiegeln ihre Liebe für gutes Essen und gemeinsamen Momente am Tisch wider. Erst kürzlich arbeitete sie mit der Modemarke Closed zusammen und verwandelte in der Kunsthalle Hamburg eine 22 Meter lange Tischdecke in Form einer ‚Performance’ in ein Gemälde. Ab dem 28. April sind ihre Arbeiten erstmalig in einer Solo-Ausstellung im Düsseldorfer nails Projektraum in Düsseldorf-Flingern zu sehen. Wir sprechen mit Anna im Interview über den Gamechanger Pandemie, schöne Tischmomente und ihre Inspiration.

Erzähle uns etwas über Deinen Werdegang: Soweit wir wissen, bist du eigentlich in der Mode verortet und hast lange Zeit in Berlin gelebt. Wie bist Du zur Kunst gekommen und was hat Dich dazu bewogen, zurück nach Düsseldorf zu kommen? Absolut richtig. Ich habe damals Modedesign in Düsseldorf an der AMD studiert und bin direkt danach nach Metzingen zu Hugo Boss gegangen. Dort habe ich sehr schnell die Sehnsucht gespürt, mich selbstständig zu machen und kurze Zeit darauf in Düsseldorf mit meinem Mann ein Unternehmen für Corporate Fashion gegründet. Das war 2009. 2012 sind wir dann nach Berlin gegangen. Gründe dafür waren bezahlbare Büroräume, die Nähe zu Polen, unserer Produktion, und auch die Lust auf Berlin.

Nach über zehn Jahren kam dann der Wendepunkt, weg von der Mode hin zur Kunst. Die Pandemie war tatsächlich der Auslöser. Unsere Großkunden waren in den Bereichen Messe und Hotellerie angesiedelt und ausgerechnet für diese Bereiche waren die Aussichten zu dem Zeitpunkt sehr perspektivlos. Am Ende mussten wir uns einfach entscheiden und Gilles, mein Mann, fing an, sich mit Themen wie ‚Was will ich im Leben’, Werte, ‚Passion Cards’ etc zu beschäftigen. Das fand ich spannend und das wollte ich für mich auch. So haben wir uns einige Monate mit diesen und anderen Fragen intensiv befasst und herausgefunden, was wir eigentlich ‚sonst noch‘ im Leben gerne machen möchten. Ich glaube, diese Frage hätten wir uns nicht gestellt, wäre die Pandemie nicht gewesen.

Man kann fast sagen, wir sind dankbar, dass es so gekommen ist, denn Dank dieser Antworten bin ich zur Kunst gekommen. Malen war schon immer eine Leidenschaft, nur war sie mir nicht bewusst. Ein erster Meilenstein war ein gewünschter Schulwechsel aufgrund des Kunst-Leistungskurses. Oder die besten Fächer im Modedesign Studium – das waren nicht die textilen Fächer sondern die künstlerischen wie Akt-Zeichnen, Mode-Zeichnen und Graphik-Design. All diese Themen hatte ich mir wieder bewusst gemacht. Et voila – Ich hatte unglaublich viel Lust, wieder zu malen und zu zeichnen und so habe ich ganz ungehemmt  angefangen. Ich wollte einfach meinem Bauchgefühl nachgehen und etwas machen, was ich von morgens bis abends machen möchte. Malen gibt mir einfach wahnsinnig viel Energie. Als ich vor ca. 2 Jahren meine ersten Bilder bei Instagram hochgeladen habe, entwickelte sich dann doch alles ziemlich schnell und es war klar, ich möchte Künstlerin sein.

Wie würdest Du Deinen künstlerischen Ansatz beschreiben? Ich male abstrakte Stilleben, Tisch- und Alltagsszenen mit Acryl, Ölsticks und insbesondere Acryl-Markern auf Leinwand in sowohl Klein- als auch Großformaten. Ich glaube insbesondere die Art und Weise, wie ich die Marker einsetze, ist charakteristisch für meine Arbeiten.

Bei meinen inhaltlichen Themen lasse ich mich gerne von meiner Umgebung inspirieren oder verarbeite zuvor gesehene Bilder oder Träume. Dabei geht es mir nicht um den Weg des naturalistischen Abbildens, sondern vielmehr um eine spontane ungezwungene Herangehensweise. Ich verzichte bewusst auf die genaue Wiedergabe von Details wie Formen oder Farben und reduziere meine Werke auf eine minimalistische, fast kindlich naive Darstellung.

Deine Arbeiten zeigen gedeckte Tische und Speisen. Welche Relevanz hat Gastlichkeit und Tischkultur oder übergeordnet Essen im Allgemeinen für Dich? „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.“ sagt Sokrates und so ist es. Gutes Essen und die gemeinsamen Momente am Tisch sind mir sehr wichtig und es geht mir in meinen Bildern um genau das – Beisammensein, Erinnerungen schöner Tischmomente, den Austausch und die Qualität und die Wertschätzung des Essens und der Zubereitung. Auch Zuhause zelebrieren wir es, wenn wir zusammen kochen, essen, reden und genießen. Umso mehr liebe ich es, dafür besondere Bildwelten zu schaffen.

Was war das bisherige Highlight in Deiner künstlerischen Karriere? Die Zusammenarbeit mit der Modemarke Closed für ein großes Presse-Dinner in der Kunsthalle Hamburg. Dort habe ich in in der Kunsthalle selbst, vorher und auch während des Dinners, in Form einer ‚ Performance’ eine 22 Meter lange Tischdecke in ein Gemälde verwandelt. Diese Kooperation hat mir unglaublich viel Freude bereitet und war zeitgleich eine wirklich große Herausforderung für mich.

Aber auch der Podcast für ‚Extrem Dumme Fragen‘ und dessen neuer Ableger ‚Extrem gute Künstler’ war wahnsinnig aufregend und eine unglaublich schöne Chance für mich. Zum einen, weil ich tatsächlich noch nie einen Podcast gemacht habe und zum anderen, weil es ein Podcast ist mit einem super Host, Sebastian Späth, und seinen großartigen namhaften Gästen aus der Kunst. Hört gerne mal rein bei Spotify 🙂

Was inspiriert Dich? Wie beeinflusst Düsseldorf Deine Ideenfindung und kreativen Prozesse? Wir haben durch unser vorheriges Unternehmen über 10 Jahre in Berlin gewohnt. Das war eine super schöne und aufregende Zeit, vor allem in den Jahren ohne Kinder und als Startup war Berlin eine perfekte Stadt. Als Familie wünschten wir uns dann mehr Ruhe, Grün und kürzere Wege. Düsseldorf ist für uns vertraut, vor allem meinem Mann als gebürtiger Düsseldorfer. Jetzt wohnen wir in einem Haus mit Garten und die Oma in der Nähe. Gibt es etwas Besseres? 🙂 Das ist herrlich für die Kids und auch für mich ein Ort, um fokussiert arbeiten zu können, ohne große Ablenkung.

Welche*r Designer*in oder Künstler*in inspiriert Dich? Das sind tatsächlich sehr viele und keiner speziell. Ich mag die Kunst von Johanna Dumet, da sie auch viele Tisch Settings malt. Aber auch grafische Arbeiten wie von Stefan Marx oder minimalistische bzw. abstrakte Arbeiten von Xiyao Wangart. Dann gibt es noch Andi Fischer und Georg Haberler, die ich aufgrund ihres kindlich naiven Ansatzes mag. Es gibt aber auch Food Künstler wie Elena Petrossian, die unglaublich spannende Inszenierungen mit Essen kreiert. Aber darüber hinaus viele viele mehr!

Was sind Deine Lieblingsorte in Düsseldorf? Unser Haus, das Olio, Boesner und der Rhein.

Mit wem, tot oder lebendig, würdest Du gerne ein Altbier trinken und worüber würdet Ihr sprechen? Jonathan Meese über Kunst und die Welt.

Was bringt die Zukunft? Auf welche Projekte darf sich Düsseldorf in Zukunft freuen? Natürlich neben neuen Arbeiten ein wirklich sehr spannendes Projekt, was allerdings noch nicht spruchreif ist. Ich verrate so viel.. es hat etwas mit Malerei, Essen und Tischsettings zu tun, ist aber nicht wie üblich auf einer Leinwand oder Papier. Ganz bald erfahrt ihr mehr! 🙂

Vielen Dank!

Anna’s Soloausstellung LA FÊTE ist vom 28. April bis zum 9. Mai 2023 bei nails projectroom auf der Birkenstraße 61 in Düsseldorf-Flingern zu sehen. Die Vernissage findet am 27. April von 18 bis 21 Uhr statt. 

(c) THE DORF, 2023
Text/Interview: Tina Husemann
Fotos: Titelportrait: Anna Damm, restliche Fotos: Anna Pascher

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