Gruppenausstellung: Subversives Design

Next Nature Network: Blood Sneaker, 2018-2019 © Na-2 x Shahar Livne, Foto Alan Boom

Am 11. Februar 2022 eröffnet im NRW-Forum die Gruppenausstellung “Subversives Design”. Diese widmet sich dem noch jungen Ansatz des kritischen Designs. Statt künstlerischer Unikate werden Produkte zeitgenössischer Designer*innen gezeigt, die sich mit drängenden Themen unserer Zeit beschäftigen, und die Ausstellungsräume in ein Warenlager, in ein „Kaufhaus der Kritik“ verwandeln. Die Ausstellung ist bis zum 22. Mai 2022 im NRW-Forum zu sehen. Must-see!

Subversives Design ist kritisches Design. Es verspricht keine direkten Lösungen, sondern stellt den Status quo des klassischen Systems infrage. Die Gruppenausstellung Subversives Design verwandelt vom 11. Februar bis 22. Mai 2022 das NRW-Forum Düsseldorf mit 20 mitunter humorvollen Positionen in ein „Kaufhaus der Kritik“.

Die Ausstellungsräume sind ein Warenlager, die Objekte stehen in funktionalen Regalsystemen und durch die Gänge fährt ein Roboter, der Produkte transportiert. Statt künstlerischer Unikate zeigt die Gruppenausstellung Produkte zeitgenössischer Designer*innen, deren Gemeinsamkeit der noch junge Ansatz des kritischen Designs ist. Sie schleusen Gegenentwürfe in den Markt ein und beschäftigen sich mit drängenden Themen unserer Zeit wie Klimaschutz, Digitalisierung und Diskriminierung.

Subversion bedeutet gezielte Unterwanderung und beschreibt Prozesse, die bestehende Ordnungen und Systeme hinterfragen, ihre Funktionsweisen aufgreifen, sichtbar machen und verändern wollen. Das kann die Form von zivilem Ungehorsam oder Sabotage annehmen, aber auch in Gestalt von Subkulturen auf Missstände und Diskriminierung aufmerksam machen. Eng mit Subversion verbunden ist der Begriff des kritischen Designs, das sich dadurch auszeichnet, nicht einen konsumorientierten Markt bedienen zu wollen, sondern das klassische Designsystem infrage zu stellen, Gegenentwürfe und neue Handlungsmöglichkeiten für die Zukunft anzubieten.

Statt des Einzelstücks betont die Gruppenausstellung das Serielle, denn subversives Design hebt sich nicht vom Mainstream ab, sondern ist mittendrin. Die Designer*innen remixen, sampeln, intervenieren, hacken, drehen Funktionalitäten um und stellen dadurch Konsumgewohnheiten und Ansichten zu Themen wie Nahrung, Mode, Nachhaltigkeit und Klima in Frage.

Zu sehen sind so Arbeiten des Designers Henri Alexander Levy, der 2013 das Fashion-Kollektiv Enfants Riches Déprimés gegründet hat (übersetzt „reiche, deprimierte, Kinder“), das neben künstlerischen und Punk-Einflüssen stets seinen exklusiven Luxuscharakter betont. So gibt es neben der Cashmere Noose (2015), einer handgestrickten Cashmere-Schlinge, auch den Merinowoll-Sweater mit dem Schriftzug Columbine (2018) oder die „Putin by George Bush“-Jacke (2016) mit Putin-Porträt auf dem Rücken zu erstehen – Provokationen für den, der es sich leisten kann.

Ein extremer Zusammenprall von Luxusmode und low culture ist der Balenciaga Carry Shopper (2017), die „Ikea-Tüte“ von dem Skandaldesigner Demna Gvasalia für Balenciaga, die ebenso Teil der Ausstellung ist, wie die Produkte der Serie The Subversive Gardener (2015) von Vanessa Harden; Schmuck-Tools fürs Guerilla-Gardening, oder die sakralisierten und überhöhten Alltagsgegenstände des Kollektivs PutPut, die die Fetischisierung von Konsumprodukten vor Augen führen.

Ein Kissen mit Buchschlitz, Haarbürsten, aus denen statt Borsten Haare wachsen, mit Holzperlen oder Rüschen verzierte Stromkabel: Das Label BLESS spielt mit Materialen und arbeitet beständig an besseren Lösungen für den Alltag. 1997 von Ines Kaag und Desiree Heiss gegründet, verfolgt das Fashion- und Einrichtungslabel das Ziel, „die nahe Zukunft lebenswert zu machen“.

Ebenfalls zu sehen sind Kleidungsstücke des Modelabels Dead White Men’s Clothes, das 2017 von dem Designer Jojo Gronostay gegründet wurde. Der Name ist eine Übersetzung des ghanaischen Begriffs „Obroni Wawu“, der in den 70er Jahren aufkam, als die Ghanaer angesichts der ersten Welle von Secondhandkleidung aus dem Westen annahmen, dass derart hochwertige Kleidung nicht einfach verschenkt werden könne, sondern die Vorbesitzer gestorben sein mussten. Laut dem Designer ist das Projekt eine Art Provokation, um ein Nachdenken über Kapitalismus, Postkolonialismus, Identität und Mode anzustoßen.

Die Gruppenausstellung zeigt Arbeiten von Zara Alexandrova & Zoran Georgiev, Ludwig Berger, BLESS, Liora Epstein, Jojo Gronostay (Dead White Men´s Clothes), Demna Gvasalia für Balenciaga, Vanessa Harden, Katerina Kamprani, Henri Alexander Levy (Enfants Riches Déprimés), MSCHF, Next Nature Network, PUTPUT (Stephan & Ulrik Martin Larsen), Max Siedentopf, Vaia Tatopoulou, The Internet Shop, Patricia Thoma, Anna van Eck und Sebastian Wanke.

Subversives Design
vom 11. Februar 2022 bis zum 22. Mai 2022

Parallel zu der Ausstellung laufen ebenfalls die Ausstellungen:

PORTRÄT Fotografien von Matthias Schaller
vom 11. Februar 2022 bis zum 22. Mai 2022

ARCHITEKTUR. Made in Düsseldorf #4
vom 11. Februar 2022 bis zum 13. März 2022

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