Cat & Mauss • Albumrelease „Tales from the desert, tales from the sea“

© Foto: Cat & Mauss

„Wie in einer permanenten Gegnerschaft, sich oft streitend“ – das ist die Bedeutungserklärung für die Redewendung „wie Katz und Maus sein“, die man bei Wiktionary findet. Bei „Cat & Mauss“ aus Düsseldorf sieht das anders aus, denn hier ist Liebe im Spiel. Romana Lezaic und Torsten Mauss haben sich vor vier Jahren über die Musik kennengelernt, heirateten und starteten ihr musikalisches Projekt in Zeiten des Lockdowns. Mittlerweile haben sie ihren Sound gefunden: Irgendwo zwischen alten Westernfilmen, „David-Lynch-Pop“, bisschen Sixties, analogen Rhythmusmaschinen und psychedelischem Songwriting erscheint nun im Mai 2024 ihr erstes gemeinsames Debüt Album „Tales from the desert, tales from the sea“ digital und auf Vinyl. Das Album erzählt von ihrem Leben: Von Nähe, Beziehungen, Spiritualität, ihren Erlebnissen, Erkenntnissen, Sehnsüchten und Wünschen, was das Album zu einer ganz persönlichen Geschichte macht. Im Interview erzählt uns das Duo mehr über sich und ihre erste Platte. 

Wer seid Ihr und wie habt Ihr Euch kennengelernt? Romana & Torsten: Wir sind Romana und Torsten. Wir haben uns im „Loch“ in Wuppertal auf einem Piano-Konzert kennengelernt. Tom Blankenberg, ein gemeinsamer Freund von uns, ist dort aufgetreten. Dort haben wir uns das erste Mal gesehen.

Was hat Euch zur Musik gebracht? Romana: Ich habe mit 9 Jahren angefangen kroatische Folklore zu tanzen und im dazugehörigen Chor zu singen. Ich bin mit meiner Folklore-Gruppe bis zum 18. Lebensjahr für Auftritte durch die halbe Republik getingelt. Nach einem Urlaub in Spanien bin ich dann dem Flamenco verfallen. Mich zog schon immer das kulturell-traditionelle und etwas Schwermütige an. Musik war bei uns zuhause auch nicht unwichtig. Meine Eltern hatten eine kleine, aber feine Plattensammlung mit Blues, Soul und Disco aus den 50er bis 70er Jahren. Selbst aufgenommene Tapes und Platten von Ray Charles, den Beatles, Chuck Berry, Fats Domino, The Rolling Stones, hörte ich im Kinderzimmer und sang dazu. Ich wollte mich auch auf einem Instrument begleiten können und versuchte es als Teenie zuerst mit Orgel spielen und dann mit der Gitarre. Beides habe ich allerdings nach einigen Monaten abgebrochen, ich bin wohl zu ungeduldig. Das Singen ist aber immer geblieben. Vor einigen Jahren hatte ich Schlagzeugunterricht bei Ben Addison, das war super. Ich hätte mich damals gerne in einer Band ausprobiert, aber das ist irgendwie am Alltag gescheitert.

Torsten: Ich habe einen älteren Bruder, der damals eine großartige Plattensammlung hatte. Wir sind früher immer gemeinsam nach Köln zu Saturn gefahren. Da gab es dann alle Platten und die noch in x-verschiedenen Ausführungen, Preisen und Pressungen. Wir haben gefühlt ganze Tage dort verbracht. Ich habe mir irgendwann später mit 16 meine erste Gitarre gekauft und nach der ersten Stunde den Gitarrenunterricht abgebrochen. Stattdessen Sex Pistols Stücke gecovert mit meinem Schulfreund und mit ihm die erste Band gegründet: „The Kingdom“. Er Schlagzeug/Gesang Ich Gitarre/und ein bisschen Gesang. Im Keller seiner Eltern. Bis heute habe ich schon einige Soloalben als TG Mauss gemacht oder in verschiedenen Projekten und Bands hier in Düsseldorf gespielt und Alben veröffentlicht.

Wie ist Euer Künstlername „Cat & Mauss“ entstanden? Mauss lässt sich ja durch euren Namen ableiten, aber Cat… Romana: Cat stammt noch aus meiner Zeit in Berlin, wo ich zwischen 2001 und 2013 gelebt habe. Ich war dort umgeben von Musikern, Techno-DJs und Produzenten und habe dort Suzi Wong kennengelernt, eine der wenigen female DJs, die viel herumgekommen sind und Residencies hatte z.B. im Tresor & in der Maria am Ostbahnhof. Sie hat mich supported, auch mit dem DJing anzufangen. Über Freunde lernte ich dann L.A. Williams, einen DJ und Producer aus Chicago kennen und wir hatten die Idee, zusammen was zu produzieren, mit mir als Sängerin. Dazu ist es nie gekommen, leider. Dabei entstand aber mein „Künstlername“ Cat Suzette – irgendwie in Anlehnung an Miss Kittin. Der wurde dann auch mein DJ-Name und zieht sich seitdem durch meine Social Media Profile. Als Torsten und ich zusammengekommen sind, war der Name Cat & Mauss für uns beide sooo naheliegend.

Ihr beide seid verheiratet. Wie ist das mit seinem Partner gemeinsam Musik zu machen und zu arbeiten?Torsten: Eigentlich ganz wunderbar! Besser kann das gar nicht sein, da die Musik ganz direkt viel mehr mit dem gemeinsamen Leben zu tun hat. Wir müssen uns gar nicht lange verabreden oder uns in dunkeln Proberäumen zusammenfinden. Nicht dass das nicht auch Vorteile hätte – so eine Distanz die andere „Bands“ haben. Aber wir machen dann einfach „zwischendrin“ mal Musik. Uns beide verbindet der gemeinsame Alltag, das Leben, Sorgen und auch mal Reiberein. Daraus entsteht dann eine Menge. Und Musik machen ist ein Teil unseres Lebens zuhause. Selbstverständlich muss dafür auch Raum und Zeit geschaffen sein. Aber dieser ergibt sich für uns irgendwie immer. Ist vermutlich auch ein Teil unserer Kommunikation innerhalb unserer Beziehung, also unserer Ehe. Schönes Wort.

Romana: Wir sind Ende September 2019 zusammengekommen und schon im Dezember zusammengezogen. Das ging also alles sehr schnell und bis der der Lockdown im März 2020 kam, waren wir damit beschäftigt, uns als Paar und Familie zu finden, da ich einen Sohn aus einer anderen Beziehung habe und das natürlich auch viel Umstellung nach sich zog. Im Lockdown fingen wir dann an, Songs zu Covern und fast täglich auf Insta und FB upzuloaden. Das hatte eine ziemlich gute Resonanz und so entstand auch die Idee, eigene Songs zu schreiben.

DAS ALBUM.

Euer erstes gemeinsames Album „Tales from the desert, tales from the sea“ erscheint im Mai 2024. Wie fühlt sich das an, Euer erstes gemeinsames Album als „Cat & Mauss“ rauszubringen? Torsten: Toll fühlt sich das an! Wir sind echt stolz darauf. Das hat sich dann konsequenterweise „ergeben“ das Album, denn plötzlich hatten wir Stücke für eine EP zusammen. Wir dachten dann aber, warum nicht gleich ein ganzes Album machen und veröffentlichen? Letzte Woche sind die Testpressungen angekommen. Auf Vinyl kommt dann natürlich noch das haptische Erlebnis dazu.

Wie würdet Ihr Euer neues Album beschreiben? Worum geht es in „Tales from the desert, tales from the sea“? Torsten: Im Album geht es um Nähe, Wünsche, Beziehung aber auch Spiritualität. Es hat viel mit uns beiden zu tun natürlich – mit unserem Leben. Zwischenmenschliches. Dem Ganzen wollten wir eine musikalische Welt geben, die auch „wir“ sind. Die klingt nach einem heißen Sommer, Wüste, Wasser, Hitze und Licht. Irgendwie auch nach einem Western Film. Wir wollten Klischees zitieren, ohne jedoch nach Klischee und Kitsch zu klingen. Und das möglichst „minimal“ und ein bisschen Retro – Sixties, ohne klar ein Genre zu bedienen.

Romana: Für mich ist es das erste eigene Album. Ich habe noch nie zuvor Songs geschrieben, oder in dieser Form bewusst mit meiner Stimme „gearbeitet“. Ich bin total intuitiv daran gegangen. Alle Texte sind inspiriert von persönlichen Erfahrungen und Prozessen, insofern kann man sagen, dass es ein sehr intimes Album ist. Wie Torsten schon erwähnt hat, es hat viel mit uns beiden und unserem Leben zu tun.

Was macht das Album und Eure Musik besonders? Torsten: In meinen Ohren macht das Album besonders, dass wir es gemacht haben – lach. Eine besondere Zeit, ein längerer Prozess, der aber nie irgendwie anstrengend war. Vom ersten Akkord bis zum finalen Mix war das ein guter, harmonischer Flow mit uns beiden. Geholfen hat uns später Lorenz Naumann beim Mixen von vielen Stücken. Er hat noch gute Ideen eingebracht, was den Klang und Vibe angeht. Ein großes Dankeschön noch mal, Lorenz! Ich hoffe, dass dabei eine Musik rausgekommen ist, die für den einen oder anderen Hörer etwas Besonderes hat.

Wie ist der Name zu Eurem ersten Album entstanden? Romana: Die Stücke erzählen unterschiedliche Geschichten oder spiegeln Situationen und Stimmungen wider. Auch wenn sie zum Teil nur kurz sind, oder nur Erzähl-Fragmente. Im Grunde handeln sie von Sehnsüchten, Erkenntnissen und Erlebnissen. Der Titel fasst diese einzelnen Stories zusammen. Es gibt längere Durststrecken im Leben und dann wieder üppige, lebendige Phasen, in denen das Leben leicht dahinfließt.

Wer oder was war die größte Inspiration für Euer erstes gemeinsames Album? Romana: Hm. Musikalische Inspiration oder Vorbilder? Da gibt es natürlich welche, aber die möchte ich hier gar nicht nennen. Interessant ist es dann immer eher zu hören, was andere für Assoziationen zu unserer Musik haben. Das hat uns bisher positiv überrascht, was andere gesagt haben. Wie zum Beispiel, dass wir „David-Lynch-Pop“ machen. Mit der Genre-Bezeichnung hat uns mal Thilo Schölpen beschrieben, seitdem nutzen wir das als festen Begriff und Hashtag. Denn „David-Lynch-Pop“ klingt nach genau dem, was wir machen wollen!

Was war Euer schönster gemeinsamer Moment beim Erstellen von „Tales from the desert, tales from the sea“? Torsten: Als Matthias Westerweller, ein DJ und Moderator bei Byte.FM uns fragte, ob er einen Track von uns in seiner Sendung „Hello Mellow Fellow“ spielen dürfte. Er hatte ein Instagram-Posting von uns gesehen, in dem wir ein Stück von uns spielten. Leider war dieses Stück zu dem Zeitpunkt noch gar nicht fertig, so dass wir ihm ein anderes Stück schickten. Das war wenigstens „fast fertig“. Abends hörten wir ganz aufgeregt die Sendung und seit der Anmoderation von Matthias gilt Cat & Mauss dann auch offiziell als Band! Und dann noch eine Premiere bei ihm in seiner tollen Sendung.

DÜSSELDORF. 

Ihr seid ja beide nicht gebürtig aus Düsseldorf. Was hat Euch nach Düsseldorf gebracht? Und was inspiriert Euch am meisten hier? Torsten: Also ich bin zum Studieren hierhergezogen. Von ziemlich weit weg, nämlich aus Korschenbroich. Ich fühle mich eher als Mönchengladbacher, weil ich da zur Schule gegangen bin. Ich wollte eigentlich gar nie nach Düsseldorf, bin dann aber doch hier hängen geblieben. Wenn man lange genug hier gewohnt hat und langsam älter wird, dann „kennt man“ sich ja hier auch. Das ist das Schöne an der Stadt: eine gewisse urbane Größe und dann doch so ein Dorf – wo jeder gefühlt jeden kennt. Das inspiriert einen auch, eine überschaubare, aber doch sich gegenseitig treue und wohlgesonnene Musikszene.

Romana: Hey, ich bin eine waschechte Düsseldorferin. Ich bin in Flingern geboren und lebe mittlerweile wieder hier, nach 13 Jahren im Berliner Exil, haha ;). Mich inspirieren vor allem meine Freunde und meine Yogapraxis. Wenn ich an Lieblingsorte denke, dann sind das sicherlich die Rheinstrände in Lörick und Himmelgeist, der Zoopark und der Carlsplatz.

Euer Lieblingsort in Düsseldorf, um Musik zu hören? Romana: Da fehlen echt ein paar Orte in der Stadt. In Paris waren wir mal in einer Vinyl-Bar, so etwas wäre hier in Düsseldorf auch toll. Eine Listening Bar, in der man gut essen kann, es guten Wein gibt und ein exzellentes HiFi-System mit ausschließlich Vinyl. Musik hören, zelebrieren. Oder gibt’s die vielleicht schon?

Torsten: Schöne Momente habe ich in der Tonhalle gehabt. Es gibt aber ein paar Orte für Musik abseits des Mainstreams: Das Subsol, die Atelier-Konzerte C!ang, oder die Christuskirche – da würden wir am liebsten bald mal spielen.

Welche Single auf Eurem neuen Album beschreibt Düsseldorf für Euch am besten? Torsten: Oh, ich glaube das Album hat ehrlich gesagt gar nicht so viel mit Düsseldorf zu tun. Es ist zwar größtenteils hier entstanden, einige Stücke aber auch in Kroatien und Holland. Ich sehe jetzt aber kein Stück als Referenz für Düsseldorf, obwohl wir ja dennoch Musik aus Düsseldorf machen. Nicht dass wir Düsseldorf nicht lieben, aber wir sind froh, dass das Album nicht nach Düsseldorf oder Rheinland klingt, oder Romana? (lach)

Romana: Ach, so ein rheinischer 60s-Westernsound wäre doch mal was ganz Neues (lach).

Vielen Dank!

Das Album „Tales from the desert, tales from the sea“ erscheint im Mai 2024 beim Label Less Records und ist auf Bandcamp, bei Less Records als auch in Düsseldorfer Plattenläden erhältlich. 

Die ersten Singles von Cat & Mauss findet Ihr auf Spotify und Apple Music

© THE DORF, 2024
Interview: Adesuwa Börckel
Fotos: siehe Bildbeschreibung 

Mehr von Redaktionsteam THE DORF

DEZEMBER-TIPPS #4 • WOCHENHIGHLIGHTS

Sooooo Freunde – Endspurt! Da die Adventszeit dieses Jahr besonders kurz war,...
Weiterlesen