Tom Blankenberg

Name: Tom Blankenberg
Beruf: Sounddesigner, Musiker
Gelernter Beruf: Schüler
Alter:  48 Jahre

Wohnort: Düsseldorf
Webseite: www.tomblankenberg.de       

Ich werde nicht nur eine Platte gemacht haben, sondern auch ganz viel über mich selbst gelernt haben.

Musik und Stille schließen einander aus. Eigentlich. Der Musiker und Sounddesigner Tom Blankenberg überzeugt einen vom Gegenteil. Seine Soundfäden verweben Stille zu Musik. Jetzt ist sein erstes Album erschienen – „Atermus“. Wir haben Tom Blankenberg in seinem Studio in einem Flingeraner Hinterhof besucht.

„Atermus“ – das Wort gibt es nicht wirklich. Oder besser – das Wort gibt es jetzt schon, denn es ist der Titel von Tom Blankenbergs erstem Album. Aber es lässt sich nicht übersetzen. „Der Titel ist mir begegnet. Ich habe ihn eingesammelt wie ein Fundstück. Erst dachte ich „Atermus“ ist ein Mensch. Dann wusste ich irgendwann: „Atermus“, das bin ich.“

Bereits 1987, da war er erst 17, ist eines der Stücke entstanden. Welches, das möchte er gerne offen lassen. Wie Tom Blankenberg spricht, das erinnert an seine Musik. Bedächtig, leise, konzentriert. Er wundert sich ein wenig über die große Resonanz, die seine leisen Töne bewirken. Er bekommt beste Besprechungen. Apple hat den ersten Track „Tori“ schon vor dem offiziellen Erscheinen am 15. Februar 2019 in seine Playlist „Alternative Klassik“ aufgenommen.

Klar einordnen lässt sich Tom Blankenbergs Musik nicht. Er hat ohne Ende Filmmusik gehört, Jazz, auch Klassik. Das hat viel bewirkt in ihm. Elemente enthält seine Musik von allen dreien. „Ich empfinde das als kleine Musik.“ Intim ist auch ein Wort, das er gerne verwendet. „Das sind für mich schöne Begriffe.“

Ein englischer Musikkritiker hat über Tom Blankenbergs Musik gesagt, sie sei wie ein „impressionistisches Gemälde“. Auch das gefällt ihm. Mit dem Stempel Neoklassik fühlt er sich dagegen eher unwohl.

Tom Blankenberg mag auch keine Titelnamen, die zu viel erzählen – wie „Wintertraum“ oder „Seelenreise“. „Wenn der Titel ausdrückt, was ich fühlen soll. Das finde ich nervig.“ Da sind ihm solche lieber, die nichts sagen und von seinen Hörern mit Konnotationen gefüllt werden können.

Seine Titelnamen sind dementsprechend eher aus dem Zufall geboren. Sie waren teilweise Platzhalter, Lückenfüller, spontane Eingebungen. „Die sind dann eingesickert in das Album. Das mag ich und dann ist das bei mir geblieben.“ Sie beziehen sich beispielsweise auf den Ort, wo er gerade war, als das Stück entstanden ist, oder auch den Monat.

Der Mann am Klavier hat nie ein Instrument studiert. „Was das betrifft bin ich Autodidakt.“ Er hat aber schon als Kind Unterricht bekommen. Dabei ist allerdings der Funke nicht so recht übergesprungen. Denn wie viele Kinder, die ein Instrument lernen, war auch der kleine Tom ungeduldig. Er spielte nie nach Noten. Er wollte die Perfektion, aber sofort und vor allen Dingen – ohne zu üben.

„Ich wollte die Abkürzung nehmen. Dadurch hat es dann ungefähr 30 Jahre gedauert, bis die Platte rauskam.“ Er lacht und lässt dabei den Jungen, der er mal war, in seinem Gesicht aufblitzen.

„Zum Glück haben meine Eltern das Klavier stehen lassen. Es wurde dann wie ein guter Freund.“ Er setzte sich immer wieder dran. Komponierte, spielte. „Ich sitze auch jetzt noch zu Weihnachten da und spiele Weihnachtslieder.“

Seit der Schulzeit spielt Tom Blankenberg mit seinem Zwillingsbruder in der Band „Subterfuge“. Doch auch das hat ihn davon abgehalten seiner eigenen Stilrichtung Ausdruck zu schenken. Er ist jedoch sicher, dass es die Musik, die jetzt auch analog erscheint – auf CD und auf Vinyl – schon immer in ihm gegeben hat.

„Wenn ich die Idee zu einem Stück habe, ist da das Ende einer Schnur und ich muss nur daran ziehen. So kommt es mir zumindest vor.“ Das braucht manchmal ein halbes Jahr bis ein Stück frei liegt.

Das superschöne Retrocover seines Albums verdankt Tom Blankenberg übrigens einem japanischen Medienphilosophen, dessen Nachlass vom ZKM in Karlsruhe verwaltet wird. In den mehrfarbigen Formen verbinden sich analoge und digitale Welt. Das gefällt ihm. Entdeckt hat er es ebenfalls durch Zufall.

„Der Titel kam zu mir, das Bild kam zu mir und die Musik kommt auch zu mir.“ In Zeiten von Selbstdarstellung und -überhöhung hat ein Tom Blankenberg mit seiner bescheidenen, zurückgenommenen, freundlich-beseelten Art, die auch seine Musik widerspiegelt, beinahe therapeutische Wirkung. Diese Musik lässt etwas zurück im Hörer. Eine kleine große Stille, die sich immer weiter öffnet und einen damit konfrontiert, wie wenig es braucht, um viel zu sagen. Wie leise auch Fülle sein kann.

Tom Blankenberg sagt dazu: „Ich werde nicht nur eine Platte gemacht haben, sondern auch ganz viel über mich selbst gelernt haben.“

MORGENS

Guten Morgen – wo trinkst du morgens Deinen Espresso in der Stadt, um wach zu werden? Zu Hause.

Zum Sonntags-Brunch und ausgedehnten Frühstück trifft man dich…Ebenfalls auch eher zu Hause im Moment.

Den besten Kaffee gibt es…Hüftgold, Zoopavillon

MITTAGS

Lecker, gesund und frisch lunchen gehst du: In Studionähe, gerne zur alten Metzgerei. Oder wenn es nicht um die Ecke ist Dreas&Dendas & Schicke Mütze. Aber ich vermisse das Gattogiallo 🙁

NACHMITTAGS

Deine Lieblingsroute zum Spazierengehen, Schlendern, Kopf-Frei-Kriegen: Aufs Fahrrad oder zu Fuß an den Rhein.

Drei Plätze in Düsseldorf, die du deinen Gästen unbedingt zeigen musst: Den Rhein und die Tonhalle-/Kunstakademie-/Oper-/K20-/Kunsthalle-/Karlplatz-/K21-Achse

Zum Kaffeeklatsch mit Küchlein & Co. trifft man dich hier: Hüftgold, Café Barré

ABENDS

Wo verbringst du am allerliebsten einen gemütlichen Abend mit Freunden oder der Familie? Vitale

Welches Restaurant repräsentiert für dich am meisten den typisch-charakteristischen Geschmack von Düsseldorf? Olio

Ein Restaurant, wo du immer mal hinwolltest, aber noch nie warst: Le Bouchon

Dein absoluter Gastro-Geheimtipp-Lieblings-Spot, den du hier mit allen teilen möchtest? Pizza Katastrophe bei Cemo

Dein Lieblings-Altbier: Schumacher

NACHTS

Deine Lieblingsbar oder Dein Lieblingsbartender sind: Square Bar

Eine ganz besondere, erinnerungswürdige Nacht in Düsseldorf hast du wo verbracht? Unique Club

Dance the night away! Getanzt wird hier: Kürzlich hauptsächlich auf privaten Veranstaltungen in Wohnzimmern und Ateliers

IMMER

Wo und wann fühlst du dich wie ein „richtiger Düsseldorfer“? Wenn ich wieder einmal feststelle, dass der den kennt, der den kennt, der die kennt…

Was vermisst du an der Stadt, wenn du nicht in Düsseldorf bist? Meine Familie,Wohnung, Klavier und Rad.

Könnte man Düsseldorf essen, schmeckt es nach…vielleicht so wie Wasabi-Chutney.

Was liebst du am meisten an Düsseldorf? Erreichbarkeit, selbst zu Fuß. Die Nähe macht mich frei.

Was hasst du am meisten an Düsseldorf? Hassen? Ich möchte es so sagen: Die Autofülle stresst mich am meisten.

Gibt es Plätze oder Orte in der Stadt, die dich in deinem Job inspirieren? Allein draußen sein ist da am stärksten… dann eigentlich auch wieder am Rhein.

STIL

Wo suchst & findest Du Möbel für Deine Wohnung? Überlassenes, Flohmarkt, Sperrmüll, Ebay, Reverb

Deine Top 3 Shopping-Adressen in Düsseldorf? Ich gehe ja so ungern shoppen…

Der beste Ort, um Leute zu beobachten? Straßenbahn/Zug

Nach welchen Regeln stylst du dich? Was geht gut und was geht gar nicht? Es muss sich echt und ich mich wohl darin anfühlen.

ALLGEMEIN

Was ist dein Lieblingsessen? Gemischte Vorspeisenteller gehen immer.

Wo oder wobei kannst du am besten entspannen? In der Wanne.

Dein Lieblingsreiseziel ist? Weg. Und Meer.

Welches Buch liegt aktuell auf dem Nachtisch? Roger Willemsen „Musik! Über ein Lebensgefühl.

Welchen Kinofilm hast du zuletzt gesehen? MAMACITA von José Pablo Estrada Torrescano

Dein All-Time-Favorite-Movie? Babel von Alejandro González Iñárritu

Aktuell läuft auf deiner Playlist/deinem Plattenspieler? Clemens Christian Poetzsch „Remember Tomorrow“ und Hideyuki Hashimoto „Earth“

Dein All-Time-Favorite-Song? „Bibo No Aozora“ von Ryuichi Sakamoto

Für welchen Verein schlägt dein Herz? Ich habe Fußball erst sehr spät entdeckt und auch noch nicht tiefgehend, aber ich halte mich über Fortuna informiert und schiele mit einem zugekniffenen Auge ab und zu zum MSV Duisburg.

Vielen Dank!

Text: Katja Hütte
Fotos: Sabrina Weniger
© THE DORF 2019

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