GREGOR GUSKI • DIE SZENE

Angelika Trojnarski | Was bei Angelika Trojnarski mit Photoshop kreiert scheint, ist tatsächlich echtes Feuer. Flammen lodern leuchtend aus dem Gerät, das die Künstlerin selbst in den Händen trägt. Ein Foto, das Trojnarskis Gemälden und Collagen ähnelt, die gleichermaßen von Zerstörung wie von einer Chance erzählen.

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„Die Szene“ – ein selbstbewusster Titel, den Fotograf Gregor Guski seiner ersten Publikation verleiht. Was schwierig zu umreißen ist, schließt mit Düsseldorf eng verbundene Künstler:innen ein. Denn seit 2018 arbeitet der aus Polen stammende Fotograf bereits an einer Serie von experimentellen Künstler:innenporträts. Mittlerweile sind es über hundert Kunstschaffende, die Guski in ihren Ateliers oder inmitten ihrer Arbeiten gekonnt in den Fokus rückte. Es sind Aufnahmen, die von der städtischen Kunstszene im Orbit von Kunstakademie, Museen, Galerien und Off-Spaces erzählen, aber zugleich auch in unverwechselbarem Stil Einblick in die jeweiligen Persönlichkeiten der Porträtierten gewähren. Wir treffen Guski zum Interview in einem kleinen Café in Düsseldorf, sprechen über seine ersten Kontakte zur Fotografie, die Düsseldorfer Kunstszene und seine Pläne für die Zukunft.

Wie bist Du zur Fotografie gekommen? Mein Vater war sehr an Fotografie interessiert, eher hobbymäßig, aber aufgrund dessen hatte ich schon früh Zugang zur Fotografie. Es stand immer eine Kamera auf dem Tisch, es gab eine kleine Dunkelkammer und so hat sich schnell ein Bewusstsein für Fotografie entwickelt. Irgendwann habe ich dann einfach seine Kamera genommen und mein Studium an der Kunstakademie in Poznań (Posen) mit Hauptfach Fotografie begonnen. Ab diesem Moment habe ich die Fotografie dann ernst genommen. An einer vorbereitenden Schule erlernte ich zunächst zwei Jahre lang die Fähigkeiten, die es später an der Akademie zu nutzen gilt. Dort unterrichteten dieselben Lehrer wie an der Posener Kunstakademie, sodass man bereits ein Gefühl für die späteren Arbeitsabläufe erhielt. Bewerben musste man sich also mit selbst entwickelten Schwarz-Weiß-Filmen und -Abzügen. An der Akademie ging es nicht nur darum, Bilderserien zu entwickeln, sondern auch die eigenen Ziele begründen zu können. Das passt natürlich sehr gut zu meinem jetzigen Projekt. Auch hier suchte ich mir ein Thema, bei dem der Fokus jetzt auf den Künstlern in Düsseldorf liegt und noch weiter eingeschränkt auf mit der Kunstakademie assoziierten Personen. Ich legte zu Beginn fest, ob die Fotos in Farbe oder Schwarz-Weiß sein sollten und entschied mich für Farbe. Die Bildbearbeitung sollte nicht übertrieben werden, sondern sich auf wenige Eingriffe beschränken. Zuletzt können die Bilder zwar entweder hoch oder quer ausgerichtet sein, sollten jedoch immer das gleiche Format besitzen.

Warum haben Dich Künstler:innenporträts besonders interessiert? Ich finde Inspiration in ihrer kreativen Arbeit, beschäftigt sich doch jeder Künstler mit etwas anderem. Jedes Atelier ist zudem eine ganz eigene Welt für sich. Bei jedem Künstler kann ich somit etwas anderes umsetzen und das finale Foto ist auch für die Betrachter nicht langweilig. 

Wie läuft die Entstehung eines solchen Fotos ab? Oft habe ich schon eine Idee vorab oder lasse mir zum Beispiel Aufnahmen vom Studio zuschicken. Das macht es einfacher. Dann weiß ich, was mich erwartet. Wenn ich eine Idee habe, kann ich diese bei meinem Besuch unterbreiten. Entweder passt die Idee und wenn sie nicht passt, dann muss man Kompromisse eingehen. Man tauscht sich aus und versucht so dem Ziel näher zu kommen. Wenn Künstler eigene Ideen haben, kommen sie oft mit Dingen, die ich selbst nicht vorgeschlagen hätte, weil ich zum Beispiel nicht weiß, was im Lager an Kunstwerken vorhanden ist. Somit ist es förderlich, wenn jemand auf die Idee kommt, zusätzlich Kleidung mitzubringen oder ein bestimmtes Kunstwerk von außerhalb des Ateliers zu holen. Ich lasse sie auch bewusst auf Dinge verzichten, die sie nicht auf dem Foto haben möchten, wie zum Beispiel unfertige Kunstwerke, um mögliche Missverständnisse zu vermeiden.

Also arbeitest Du darauf hin, dass am Ende alle zufrieden sind? Ja, grundsätzlich ist das Ziel, dass ich das Bild am Ende als meine Arbeit empfinde und sich der Abgebildete damit gut fühlt. Es wird im Internet sowie in Büchern veröffentlicht. Also muss man damit leben, dass es eine breitere Öffentlichkeit zu sehen bekommt. Das hat auch mit dem Image zu tun und der Art, wie man sich präsentieren möchte. Am Ende sind die Künstler aber immer zufrieden.

Gibt es ein Ereignis, das Dir sehr stark in Erinnerung geblieben ist? Vielleicht müsste man sich länger kennen, damit es zu krasseren Begegnungen kommt. So ist man erstmal vorsichtig. Erst im Laufe der Zeit tastet man sich langsam heran, lotet Möglichkeitsspielräume aus und sieht eine Tendenz, wohin die Reise gehen könnte. Zudem versuche ich auch immer alle Geschichten für mich zu behalten. (lacht)

Trotzdem ist das Treffen sehr intensiv, da man direkt viel Zeit miteinander verbringt? Ja, es dauert oft viele Stunden. Ich nehme mir sehr viel Zeit. Unter zwei oder drei Stunden passiert nichts, da man sich erstmal etwas kennenlernt und viel miteinander spricht. Bis man dann alles eingestellt hat, mit dem Ergebnis zufrieden ist und noch anfängt Dinge feinzujustieren, vergeht die Zeit ziemlich schnell. Also nehme ich mir einen halben bis einen ganzen Tag und beeile mich auch nicht. 

Wie wählst Du die Künstler:innen aus? Es ist oftmals wichtig, dass ich schon eine Idee habe. Meist kennt man sich bereits von Instagram. Außerdem wissen die meisten für mich interessanten Künstler, was für ein Projekt ich seit fünf Jahren verfolge. Sobald mir eine Idee kommt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich mich bei der betreffenden Person melde. Denn auf diese Weise ist die halbe Arbeit bereits getan. Darüber hinaus ist die Auswahl sicherlich ein wenig intuitiv. 

Aber es gibt schon den Rahmen Düsseldorf? Genau, ein Großteil hat an der Kunstakademie studiert oder war zumindest als Gaststudent dort. Ich fotografiere Absolventen, Gaststudenten und auch Menschen, die der Szene zugehören, aber nicht an der Akademie studiert haben. Diese Bilder existieren auch schon länger. Im ersten Buch findet sich eine Mischung, aber etwa 90 Prozent oder sogar mehr sind mit der Akademie verbunden. Komplett einschränken möchte ich mich nicht, da viele die Stadt verlassen, aber trotzdem noch mit der Szene verbunden sind. Andere ziehen extra nach Düsseldorf, um hier zu studieren, sodass ein reger Austausch entsteht.

Werden die Bilder digital nachbearbeitet? Ja, alle Bilder werden digital überprüft. Bearbeitung ist ein sehr weiter Begriff. Im Grunde wird das Aufgenommene bereits in der Kamera verändert. Verschiedene Kameras können je nach Einstellung ein ganz anderes Bild produzieren. Ich justiere die Bilder immer ein bisschen, aber versuche sie grundsätzlich natürlich zu halten. Wenn es Sinn ergibt, werden Bilder auch kombiniert, verändert, bearbeitet und sogar zwei oder drei Aufnahmen zusammengestellt.

Hast Du ein Lieblingsbild? Es gibt aufwendige Inszenierungen und besonders gute Ideen, die von mir oder vom jeweiligen Künstler kommen, aber ich sehe das Projekt eher als Ganzes. Jede Aufnahme ist für sich super und spiegelt den Charakter des Künstlers wider. Wenn jemand ein einfaches Bild haben möchte und findet, dass das zu ihm passt, ist das mit dieser Person verknüpft und entspricht dem Gesamtkonzept. Es kann nicht alles bunt und krass sein. Das Projekt lebt vielmehr davon, dass verschiedene Menschen unterschiedliche Charaktere besitzen. So funktioniert es auch im Buch am besten. 

Ist das Thema Künstler:innenporträt etwas, was Du auch nach der Publikation weiterführen möchtest? Ich plane, das Projekt fortzuführen. Vielleicht mit anderen Regeln, aber ich würde ganz sicher gerne noch ein zweites Buch publizieren. 

Vielen Dank!

DIE SZENE
Ein Porträt der aktuellen Düsseldorfer Kunstszene mit Aufnahmen von 94 Künstler:innen
Herbst 2023 | Kettler Verlag
Hardcover, 208 Seite, 38,00 Euro
verlag-kettler.de

English version:

“Die Szene” (“The Scene“) – a self-assured title that photographer Gregor Guski gives to his first publication. What is difficult to outline includes artists closely connected to Düsseldorf. Since 2018, the Polish-born photographer has been working on a series of experimental portraits of artists. By now, there are more than a hundred artists whom Guski has skilfully brought into focus in their studios or in the midst of their work. They are photographs that tell of the urban art scene in the orbit of art academies, museums, galleries and off-spaces, but at the same time provide insight into the personalities of the portrayed in a distinctive style. We meet Guski for an interview in a small café in Düsseldorf, talk about his first contacts with photography, the Düsseldorf art scene and his plans for the future.

How did you get into photography? My father was very interested in photography, more as a hobby, but because of that I had access to photography at an early age. There was always a camera on the table, there was a small darkroom and so an awareness of photography quickly developed. At some point I just took his camera and started my studies at the Academy of Fine Arts in Poznań, majoring in photography. From that moment on, I took photography seriously. At a preparatory school, I first spent two years learning the skills to be used later at the academy. The same teachers taught there as at the Poznan Academy of Art, so you already got a feel for the later work processes. You had to apply with black-and-white films and prints you had developed yourself. At the academy, it was not only about developing series of pictures, but also about being able to justify one’s own goals. Of course, that fits in very well with my current project. Here, too, I looked for a theme in which the focus is now on the artists in Düsseldorf and, to an even more limited extent, on people associated with the art academy. At the beginning, I decided whether the photos should be in colour or black and white and opted for colour. Image processing should not be excessive, but limited to a few adjustments. Finally, the pictures can be either portrait or landscape, but should always have the same format.

Why were you particularly interested in artists‘ portraits? I find inspiration in their creative work since every artist is occupied with something different. Each studio is also a world of its own. This allows me to do something different with each artist, and the end result is never boring for the viewer.

How does the creation of such a photo work? Often I already have an idea in advance or have shots sent to me from the studio, for example. That makes it easier. Then I know what to expect. If I have an idea, I can present it during my visit. Either the idea fits or if it doesn’t, then you have to compromise. You exchange ideas and try to get closer to the goal. When artists have their own ideas, they often come up with things that I wouldn’t have suggested myself because, for example, I don’t know what artworks are available in the warehouse. So it’s beneficial when someone comes up with the idea of bringing extra clothes or bringing a certain artwork from outside the studio. I also have them deliberately leave out things they don’t want in the photo, such as unfinished artwork, to avoid possible misunderstandings.

So you work towards everyone being happy in the end? Yes, basically the goal is that in the end. I feel the picture is my work and the person depicted feels good about it. It will be published on the internet and in books. So you have to live with the fact that it will be seen by a wider public. It also has to do with reputation and the way you want to present yourself. But in the end, the artists are always satisfied.

Is there an event that is particularly memorable? Perhaps you would need to know each other for a longer period of time for more revealing encounters to take place. Only in the course of time do you slowly feel your way towards it, sound out the possibilities and see a tendency where the journey might lead. I also always try to keep all the stories to myself. (laughs)

Is the meeting nevertheless very intense because you spend so much time together? Yes, it often lasts many hours. I take a lot of time. Nothing happens for less than two or three hours, because you first get to know each other a bit and talk a lot. Until you have adjusted everything, are satisfied with the result and start fine-tuning things, the time goes by pretty quickly. So I take half a day or a whole day and don’t hurry.

How do you choose the artists? It’s often important that I already have an idea. Most people already know me from Instagram. Besides, most of the artists I’m interested in know what kind of project I’ve been pursuing for five years. As soon as I get an idea, there’s a good chance I’ll get in touch with the person in mind. After all, in this way, half the work is already done. Beyond that, the selection is certainly a little intuitive.

But there is already the Düsseldorf framework? Exactly, a large part has studied at the art academy in Düsseldorf or was at least there as a guest student. I photograph graduates, guest students and people who belong to the scene but did not study at the academy. These photographs have also existed for a long time. In the first book there is a mixture, but about 90 percent or even more are connected to the academy. I don’t want to limit myself completely, because many leave the city but are still connected to the scene. Others move to Düsseldorf specifically to study here, so there is a lively exchange.

Are the pictures digitally post-processed? Yes, all the pictures are digitally checked. Editing is a very broad term. Basically, what is taken is already changed in the camera. Different cameras can produce a completely different image depending on the setting. I always adjust the images a bit, but basically try to keep them natural. If it makes sense, images are also combined, changed, edited and even two or three shots are put together.

Do you have a favourite image? There are elaborate stagings and particularly good ideas that come from me or the respective artist, but I tend to see the project as a complete whole. Each shot is great in its own way and reflects the character of the artist. If someone wants a simple picture and finds that it suits them, it relates to that person and fits the overall concept. Not everything can be colourful and crass. The project rather lives from the fact that different people have different characters. That’s how it works best in the book.

Is the topic of artist portraits something you would like to continue after the publication? I plan to continue the project. Maybe with different rules, but I would certainly like to publish a second book.

Thank you very much!

DIE SZENE
A portrait of the current Düsseldorf art scene with photographs of 94 artists.
Autumn 2023 | Kettler Verlag
Hardcover, 208 pages, 38,00 Euro
verlag-kettler.de

Fotos: Gregor Guski 
Text: Julia Stellmann
© THE DORF 2023

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