Os Gêmeos

Die Zwillingsbrüder Otávio und Gustavo Pandolfo zählen unter dem Namen Os Gêmeos (portugiesisch für „die Zwillinge“) zu den bekanntesten Wandmal- und Mural-Künstlern weltweit. Anlässlich der Initiative „Mauerwerk – Projekt für Kunst im öffentlichen Raum“ gestalteten die Brasilianer Anfang Juni eine 213 Quadratmeter große Seitenfassade an der Oberbilker Allee 287. Ausgehend von Eve und Vera Sattler vom Verein Düsseldorfer Künstler e.V. zusammen mit dem Kunsthistoriker und Hood Company-Macher Peter Michalski und dem Künstler Ben Mathis wurde das Projekt in die Wege geleitet.

Das entstandene Wandbild an der Fassade des Gebäudes der Jugendberatung der AWO entspricht dem typischen Duktus der Künstler. Ihre Werke bringen einen erzählerischen Charakter mit sich und zeugen von einer Traumwelt, die sich in den Köpfen der beiden Brüder entwickelt hat. Dabei vereinen sie brasilianische Volkskunst und Mythologie mit Einflüssen aus der Hip-Hop-Kultur. Daraus resultiert eine malerische Sprache, die mal als surreal, mal als poetische Vision beschrieben wird. Nichtsdestotrotz kennen sie die harte Realität ihrer Heimatstadt São Paulo und verarbeiten auch diese Eindrücke in ihrer Kunst. Wir trafen die Brüder zum Gespräch.

Welchen Einfluss haben die vielen Orte, Reisen und das damit verbundene Entdecken auf eure Arbeiten oder euren Output? Und was habt ihr von eurem Besuch in Düsseldorf mitgenommen?
Wir waren noch nicht so oft in der Stadt, ein paar Mal und immer nur zwei oder drei Tage, dann mussten wir weiter. Aber diesmal konnten wir mehr Zeit hier verbringen und es war großartig, die Stadt zu erkunden. Düsseldorf hat sehr viele und schöne Parks, die wir während unserer zahlreichen Fahrradtouren durch die Stadt entdeckten. In einem Park wuchsen viele bunte Früchte, deren unglaubliche Farben uns als Anregung dienten. Generell haben wir viel Zeit damit verbracht, einfach mal mit dem Rad herumzufahren. Das hat superviel Spaß gemacht und du triffst viele Menschen, was sehr inspirierend ist. Wir beobachten gerne und viel, so bekamen wir Einiges zu sehen.

Also nutzt ihr grundsätzlich das Erkunden und Verbinden mit Leuten als Quelle eurer Inspiration?
Ja, genau. Eines Tages trafen wir, in einem kleineren Raum eines italienischen Lokals, auf einen Mann, der meinte: „Was immer ihr braucht, ich bringe es euch“. Daraus entstand eine tolle Konversation mit ihm. Er war sehr nett und es war inspirierend, sich mit ihm zu unterhalten. Wenn wir in eine Stadt kommen, tauschen wir uns immer gerne mit den Menschen vor Ort aus.

Ihr sprecht von eurer eigenen Welt, wenn es um die Art und Weise geht, wie ihr etwas darstellt. Was sind in Hinsicht auf Inspiration eure Anlaufstellen, die euch in diese Welt eindringen lassen?
Wir befinden uns in dieser Welt, seitdem wir geboren sind. Das ganze Leben über. Die Art und Weise, wie wir uns darstellen, wie wir Dinge zusammen teilen, wie wir die Außenwelt entdecken. Schon als Kinder malten wir gerne und drangen seither immer mehr in unsere Welt ein. Wir teilen diese Welt gerne mit den Menschen. Es ist als hätten wir ein Fenster geöffnet, wären hineingesprungen und würden diese Welt nun erkunden. Das Leben dort wollen wir den Menschen näher bringen. Es ist wie eine Filmstory, die wir immer und immer weiter schreiben und sie auf unterschiedlichste Art und Weise verarbeiten und illustrieren. Heute vielleicht auf einer Wand, morgen im Rahmen einer Ausstellung in einem Museum. Wir haben unseren Stil entwickelt, indem wir kontinuierlich daran arbeiten und sehr viel Zeit dafür investieren.

Ihr malt schon sehr viel, aktiv und bereits seit länger Zeit. Kann es da vorkommen, dass man sich dieser Welt auch irgendwann mal für einen Moment entziehen möchte?
Klar, wir nehmen uns Zeit und fahren mit dem Fahrrad in der Stadt herum. Unsere Black-Books haben wir aber immer mit dabei. Zum Beispiel während einer Zugfahrt malen wir gerne ungestört. Aber viel Zeit bleibt oft nicht über. Bis 2020 haben wir bereits zahlreiche Termine, ein Event jagt das andere. Wir nehmen das aber gerne alles mit. Diesen Monat sind wir hier in Düsseldorf und machen die Wand. Danach folgen weitere Aufträge und wir stellen in einem Museum oder einer Galerie aus. Nächsten Monat reisen wir zurück nach Brasilien, beantragen ein weiteres Visa und machen uns dann auf den Weg zu einem Museum in Pitsburgh. In nächster Zeit haben wir also ein umfangreiches Programm vor uns.

Wer die sympathischen Zwillinge live erleben möchte, hat bei der Dankeschönparty in der Hood Company am 22. Juni die Gelegenheit dazu. Neben Os Gemêos an den Turntables besteht das Live-Programm aus JayJay, Fourgruppe, Canuto und Beckerrap. Los geht’s ab 19:00 Uhr.

Dankeschönparty
feat. Os Gemêos, JayJay, Fourgruppe, Canuto & Beckerrap
Freitag, 22. Juni 2018, 19 Uhr
Hood Company | Hüttenstraße 156 | Düsseldorf
Hier geht’s zur Facebook-Veranstaltung…

Text & Fotos: Moritz Broszat
© THE DORF 2018

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