Wyno Weinbar

In der Weinbar in Pempelfort kann man zu einem Glas Wein aus biodynamischen Anbau sehr stilvoll ausgelassen sein. Eine Einladung zum Verlassen der Comfort Zone und eine Erklärung für alle, die über das Wort „biodynamisch“ stolpern.

Es sind weit über 20°C, als wir an diesem Tag nach Pempelfort schlendern. Weil heute Montag und damit eigentlich Ruhetag in der „Wyno“ Weinbar ist, sitzt Olaf Koelker, der Besitzer des Lokals, schon im Fenster und erwartet uns. Es hat fast schon etwas Malerisches, wie er da so sitzt inmitten dieser wunderschönen Hausfassade, die sich auf der Wielandstraße befindet und bis in die späten 90er zu einer Pommesbude gehörte.

An einen Imbiss erinnert hier allerdings rein gar nichts mehr. 2010, und damals noch in einer ehemaligen Waschstraße in Oberkassel, schreibt den Beginn seiner gastronomischen Selbstständigkeit. Davor ging der gebürtige Wuppertaler seiner Beschäftigung als Einrichtungsberater bei Vitra im Medienhafen nach und sagen wir so: leugnen lässt sich das nicht!

Das Lokal vereint alte Jugendstil-Elemente mit skandinavisch reduziertem Flair. So taucht der Stuck, der sich wie ein vergrabener Schatz jahrelang unter abgehängten Decken befand und erst durch Olaf wieder resozialisiert wurde, in eine dunkle Farrow and Ball Farbe, die, anders als man erwarten würde, so gar nicht schwer wirkt und sich deswegen auch durch die gesamte Bar ziehen darf. Skandinavisch wird es dann mit den Charles Eames Stühlen und ausgewählten Vitra Klassikern. Das Herzstück bildet allerdings die geradlinige, schlichte Theke, an der Olaf die ausgewählten Weine für seine Gäste ausschenkt.

Das Weinsortiment konzentriert sich bei „Wyno“ auf biodynamische Weine – auch bekannt als „Natural Wines“ – und bewegt sich damit ganz bewusst fernab des konventionellen Angebots. Kurzgesprochen geht es beim biodynamischen Weinbau unter anderem darum, dass ausschließlich natürliche Hilfsmittel zum Anbau und zur anschließenden Weinbereitung hinzugezogen werden. Auch auf die Zugabe von Zucker und Schwefel wird verzichtet, was dazu führt, dass der Kater am nächsten Tag nicht gestreichelt werden muss.

„Natural Wines“ eignen sich durch ihre variierenden, extravaganten Geschmacksnoten perfekt dazu, auf den gewohnten „Lugana“ oder „Primitivo“ zu verzichten, zu denen man gern tendiert, wenn man überfordert bequem, ahnungslos oder eine Mischung aus beidem ist, es aber ungern zugeben will. Um diesem Umstand entgegenzuwirken, werden einige populäre Sorten schlicht nicht angeboten. So kommt auch keiner in Verführung ein Glas von „wie immer“ zu bestellen. Es ist ein liebevolles Über-den-Tellerrand-Schubsen, bei dem Olaf einem die Hand reicht und seinen Gästen beratend zur Seite steht.

„Es wäre sicherlich einfacher einen „Primitivo“ zu verkaufen, aber lieber mache ich fünf {alternative} Weine auf, um das Bewusstsein auch für andere Trauben zu öffnen.“ Hier wird zum Beispiel ein „Dolcetto“ oder ein „Frappato“ aus dem Hintergrund auf die große Bühne geholt, zwei italienische Weine, die es auf die hiesige Tafel der „Wyno“ Weinbar geschafft haben. Eben diese Tafel erstreckt sich über die gesamte Thekenlänge und liest sich gleichzeitig als Manifest für alternative, besondere Weine aus rein natürlichem Anbau.

Der ökologische Fußabdruck beschränkt sich zudem auf Europa. Nie war Weintrinken so nachhaltig, umweltfreundlich und sozial verantwortungsvoll. So trinket! Trinken kann man übrigens auch im Rahmen eines Tastings. Mit bis zu 10 Personen verlässt man dann unter Anleitung ganz wunderbar seine alt bewährte Comfort Zone.

Diese verlässt sich natürlich wesentlich angenehmer, wenn man dazu Häppchen gereicht bekommt, weswegen es in der „Wyno“ Weinbar französischen Käse und Fleischspezialitäten gibt, die aus der vielfältigen Auslage von „Géraldine“ auf dem Carlsplatz stammen. Dazu gibt es Brot aus der bekannten Bulle Bäckerei.

Wer sich dann, wie ich, zum Schluss noch fragt, welchen Wein man Freunden zum Grillen mitbringt und welches Weingebiet man besuchen sollte, wenn man gerade nicht ins Ausland fahren will, dem sei gesagt: der Pinot Noir „Baden Nouveau“ aus dem Weingut Wasenhaus und dann ab an die Mosel oder nach Rheinhessen.

P.S. Leider läuft im Februar 2021 der Mietvertrag für die „Wyno“ Weinbar aus. Es muss nicht zwingend eine alte Waschstraße sein, aber falls jemand in einer Pommesbude alten Stuck unter herabgesetzten Decken vermutet, meldet euch gern. Oder dann, wenn ihr in eurem Viertel eine Weinbar vermisst, in der man zu einem tollen Stück Käse ganz furchtbar gut neugierig sein kann.

Was schätzen Eure Freunde an Euch? Eine entspannte, familiäre Atmosphäre mit Weinen und Musik abseits des Mainstreams.

Was sagen Eure Feinde über Euch? Wieso gibt’s hier keinen Lugana oder Primitivo?

Was bringt die Zukunft? Mehr Spaß im Glas natürlich!

Eure liebsten Nachbarn? Bar Olio.

Vielen Dank!

Text: Anna Bollien
Fotos: Felix Hoffmann | Felix auf Instagram
© THE DORF 2020

Wyno Weinbar

Wielandstraße 54
40211 Düsseldorf

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Öffnungszeiten

Di – Do 18 – 23 Uhr
Fr – Sa 18 – 01 Uhr

Zahlungsmöglichkeiten

EC und Kreditkarte

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