#15 SMALL-TALK, TERMINE & SONST SO, SONJA SCHEIPER?

Seit sieben Wochen leben wir „social distancing“ – sieben Wochen, die das Leben in Düsseldorf komplett auf den Kopf gestellt haben. Wir fragen in unserer neuen Serie „SMALL-TALK, CORONA UND SONST SO?“ Düsseldorfer, wie hart sie von der Krise betroffen sind, was sie daraus gelernt haben und worauf sie sich „danach“ am meisten freuen.

Sonja Scheiper ist Social-Media-Expertin und hat sich vor knapp drei Jahren mit whatsonjaminds als Beraterin für internationale und lokale Unternehmen selbstständig gemacht. Im Kurzinterview erzählt uns Sonja, wie sie derzeit die Relevanz von digitalem Marketing beurteilt und wie sie die letzten Wochen verbracht hat.

1-2 Sätze zu Deiner Person:
Ich liebe gutes Essen, Waldspaziergänge mit Hund Banksy und unseren neuen Schrebergarten. Joblich schlägt mein Herz seit über 20 Jahren für digitales Marketing, weshalb ich vor 3 Jahren auch whatsonjaminds (Workshops & Consulting für internationale und lokale Unternehmen) gegründet habe. Sonja auf Instagram…

Wie waren die letzten 5 Wochen für Dich?
Puh – die letzten 5 Wochen waren sehr außergewöhnlich. Gefühlt von einem Tag auf den anderen hat sich so vieles im Alltag verändert. Die ersten Tage waren wie im Ausnahmezustand, aber recht schnell hat tatsächlich eine Art „Gewöhnung“ bei mir eingesetzt. Ich versuche so gut es geht, das Beste aus der Situation zu machen, auch wenn das zwischendurch manchmal nicht leichtfällt.

Wie betroffen bist du wirtschaftlich und persönlich?
Momentan bin ich wirtschaftlich noch recht stabil, aber das könnte sich in den nächsten Monaten auch noch ändern. Die Themen digitales Marketing und Social Media sind nun gerade für viele Unternehmen besonders wichtig. Im Interimsmanagement für Agenturen arbeite ich oft „Remote“ und bin zum Beispiel Expert Speaker für eine e-Learning Programm von Google – das läuft auch in dieser Situation weiter. Durch Corona verschieben sich bei mir derzeit viele Workshops. So ist ein 2-tägiger Social Media Workshop nicht effektiv virtuell umsetzbar. Es gab auch einige Beratungs-Aufträge, die schon gecancelt wurden, das sind natürlich Umsätze, die erstmal ausbleiben.

Persönlich muss ich sagen, dass mir nochmal stärker bewusst geworden ist, wie privilegiert ich und auch die meisten Menschen in meinem Umkreis sind (wir haben alle ein sehr schönes Dach über dem Kopf, genug zu Essen etc.). Da sollten die aktuellen Maßnahmen eigentlich nicht so schwerfallen und es gibt keinen wirklichen Grund zum Jammern. Wir haben in Deutschland ein sehr gutes Sozial- und Gesundheitssystem und ich bin dankbar, dass ich ausgerechnet auf diesem Fleckchen Erde geboren bin.

Was hat sich geändert?
Virtuelles Arbeiten und Homeoffice bin ich gewohnt, das hat sich für mich tatsächlich kaum geändert. Um besonders lokale Unternehmen bei der Digitalisierung & Social Media Strategie ihrer Produkte und Dienstleistungen zu unterstützen, habe ich ein spezielles Paket entwickelt, welches ich nicht – wie sonst – in einem klassischen Workshop, sondern in einem kompakten, virtuellen Format anbiete. Da gibt es ja glücklicherweise tolle Möglichkeiten.

Die größte Veränderung ist die Kontaktsperre und das Social Distancing. Freunde und Familie „treffe“ ich nun regelmäßig via Videocall und Facetime. Verändert hat sich auch mein Einkaufsverhalten. Vor Corona bin ich mindestens einmal täglich in den Supermarkt gegangen. Das habe ich komplett geändert. Ich gehe einmal in der Woche ganz früh morgens auf dem rheinischen Bauernmarkt einkaufen und auch nur rund einmal pro Woche in den Supermarkt. Warteschlangen und das Tragen einer Gesichtsmaske sind immer noch gewöhnungsbedürftig. Der Umkreis, in dem ich mich bewege, ist in Zeiten von #Stayhome auch viel kleiner geworden und besteht eigentlich nur noch aus der „Hunderunde“ im Wald und dem Weg zum Schrebergarten (über den ich grad in diesen Zeiten mehr als dankbar bin).

Was siehst Du als positiven Nebeneffekt bei der Corona-Krise und Quarantäne?
Weniger Flüge, weniger Autos. Ich glaube die Umwelt kann gerade mal kurz aufatmen. Das war schon längst überfällig und könnte ein guter Start für mehr dringend benötigten Umweltschutz sein. Wenn es denn auch wirklich ein Umdenken bringt und nicht zu Lasten der Wirtschaft bald komplett wieder untergeht. Zudem entschleunigt die Quarantäne: Wochenenden und ein paar Urlaubstage so ganz ohne Termine und Pläne sind auch mal schön.

Die wichtigste Lektion, die Du in den letzten Wochen gelernt hast? 
Corona hat es mal wieder gezeigt: das Leben kann sich von einem Tag auf den anderen komplett ändern. Und so pathetisch sich das anhört: im Hier und Jetzt zu leben. Denn in die Zukunft planen kann grad kaum jemand.

Was fehlt Dir am meisten?
Mir fehlt definitiv die Freiheit, sich jederzeit mit Freunden und Familie treffen zu können.

Was denkst Du, wird sich „nach“ Corona ändern? Was können wir aus der Krise mitnehmen?
Ich glaube, es wird sich einiges ändern und bin mir noch nicht sicher, ob es so schnell ein „nach“ Corona geben wird. Wünschenswert fände ich, wenn wir alle unser Konsumverhalten überdenken, wenn es wieder mehr lokale „Produktion“ gibt und wenn es vor allem nicht „einfach so weitergeht“ wie vorher und das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz nicht zu Lasten der Wirtschaft weiterhin geopfert werden.

Vermutlich wird es generell mehr Distanz geben – gerade auch im geschäftlichen Kontakt, im Sinne von Hände schütteln und Umarmungen zur Begrüßung. Virtuelles Arbeiten und Digitalisierung werden sicher auch immer mehr zur Normalität und das finde ich in vielen Bereichen auch sehr positiv. Viele Unternehmen gehen Corona-bedingt durch eine digitale Transformation im Schnelldurchlauf. Ich hoffe, dass auch lokale Unternehmen nun sehen, wie groß die Chancen im Digitalen und in Social Media sind und dass es ein großer Vorteil ist, wenn man in diesem Bereich strategisch gut aufgestellt ist.

Welcher Lieferservice hat Dich in den letzten Wochen glücklich gemacht?
Kein Lieferservice, aber der Pick-Up der leckeren Pasta von Gianni vom „Vitale“.

In welches Restaurant gehst du als erstes, wenn die Krise vorbei ist?
Auf eine Portion Käs-Spätzle in den Biergarten der Sennhütte.

Worauf freust Du Dich am meisten, wenn Normalität eingekehrt ist?
Ich freue mich riesig auf ein Treffen mit Freunden im neuen Schrebergarten!

Vielen Dank!

(c) THE DORF, 2020
Foto: Sabrina Weniger

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