Caspar David Friedrich und die Düsseldorfer Romantiker

Felsenriff am Meeresstrand, 1824

„Autorenfilm vs. Hollywood“ – so könnte man die neue Ausstellung im Kunstpalast „Caspar David Friedrich und die Düsseldorfer Romantiker“ (15.10.2020 – 07.02.2021) auch untertiteln. Denn hier geht es keineswegs um eine romantische Symbiose, sondern um eine Gegenüberstellung der Werke von Caspar David Friedrich und der Düsseldorfer Malerschule, ohne dabei in Rivalitäten auszuarten.

Eine Selbstverständlichkeit ist es allerdings nicht, dass es nun diese seit Jahren erstmalig große Ausstellung über den bekannten  Künstler der Frühromantik gibt. Denn auf den schnellen hohen Aufstieg folgte ein langsamer langer Fall und Caspar David Friedrich (1774-1840) geriet für eine Zeit in Vergessenheit. Die Düsseldorfer Malerschule (1819-1918) mit Künstlern wie Andreas Achenbach oder Carl Friedrich Lessing zeichnete sich hierfür verantwortlich. Damit aber nicht genug: Auch Johann Wolfgang von Goethe empfand die emotionalisierten Werke Friedrichs als zu düster, nebulös und depressiv und hielt damit  nicht hinter dem Berg. Erst die Jahrhundertausstellung 1906 in Berlin hauchte den Werken des vergessenen Künstlers neues Leben ein und legte den Grundstein dafür, dass Caspar David Friedrich für uns nun unweigerlich mit dem Begriff „Romantik“ assoziiert wird.

50 der ausgestellten 130 Werke, die allesamt ihren Fokus auf Landschaftsmalerei legen, sind von Caspar David Friedrich. Die Themen sind gleich, die Motive teilweise auch und doch lassen sich in der Gleichzeitigkeit die Unterschiede zwischen Autorenfilm und Hollywood-Gefühl gut erkennen.

Die Arbeiten Friedrichs  sind schon rein physisch kleinformatiger und in der Konzeption nachdenklicher, ernster und durchdachter. Seine Kompositionen – ob Zeichnung oder Gemälde – sind radikal, ohne Schnickschnack und über die Maßen  akkurat. Caspar David Friedrich verstand die Natur als göttliche Offenbarung, die „eine Ergründung des inneren Selbst ermöglichen“ soll. Introvertiert und etwas sonderbar war er wohl schon immer, aber er ließ sich nie dazu hinreißen, sich selbst und seine Leitbilder zu verleugnen – im Gegenteil: Er blieb sich stets treu und ließ sich nicht verleiten. Während seine Bilder eine einsame, sehnsüchtige und dunkle Sprache sprechen, wirken die Bilder der Düsseldorfer Romantiker wie eine große extrovertierte Party. Das laute Gefühl, das man häufig in pulsierenden Metropolen empfindet, versprühen sie ohne Wenn und Aber in ihren Werken – verspielt, weltlich und mit großem Storytelling.

So konträr sich die beiden Strömungen der religiösen und weltlichen Romantik auch anhören mögen, sie harmonisieren und ergänzen sich einheitlich als Abbild romantischer Gefühlswelten. Heute ist es ruhig um die Düsseldorfer Romantiker geworden. Die Werke Caspar David Friedrichs hingegen werden immer lauter.

15.10.2020 – 07.02.2021
Caspar David Friedrich und die Düsseldorfer Romantiker

Kunstpalast
Ehrenhof 4-5
D-40479 Düsseldorf
www.kunstpalast.de

Fotos:
Felsenriff am Meeresstrand, 1824 (Titelbild)
Öl auf Leinwand, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, © Gnamm – ARTOTHEK

Frau vor der auf- oder untergehenden Sonne, um 1818
Öl auf Leinwand © Museum Folkwang Essen – ARTOTHEK

Das Riesengebirge (vor Sonnenaufgang), um 1830-1835
Öl auf Leinwand, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie
© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie
Foto: Andres Kilger

Lebensstufen, um 1834
Öl auf Leinwand © Museum der bildenden Künste, Leipzig
Foto: InGestalt Michael Ehritt

Küstenlandschaft im Mondschein, 1818
Öl auf Leinwand, Paris, Musée du Louvre, Department of Paintings
© bpk / RMN – Grand Palais / Musée du Louvre
Foto: Jean-Gilles Berizzi

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