FLORENCE BESCH

Florence Besch © Frederike Wetzels

Empowerment at it’s best: Mit ihrer gerade erschienenen Single „Pink“ setzt die Düsseldorfer Singer-Songwriterin Florence Besch ein Zeichen für Selbstliebe, Akzeptanz und vor allem für das Loslassen von toxischen Verhaltensweisen und gesellschaftlichen Zwängen. Softe Indie-Klänge begleiten ihr Plädoyer zur Selbstbestimmung, Mut und Unabhängigkeit. Ihre Debut-EP „Bye Bye Blinders“ erscheint am 25. Februar 2022 beim Düsseldorfer Label UNIQUE RECORDS und wird wohl nur so strotzen vor Rebellion, Gesellschaftskritik und Kampfansagen an längst überholte Denkmuster. Außerdem tritt Florence Besch am 28. April 2022 live im Salon des Amateurs auf und präsentiert ihre brandneuen Songs. THE DORF hat die Musikerin für ein Gespräch getroffen. Sie erzählt uns, was sie bewegt, wie sie die aktuelle Zeit wahrnimmt und gibt uns einen Einblick in ihr ganz persönliches, animalisches Düsseldorf.

Unverblümt lässt Florence Besch ihrer Kritik an der Welt freien Lauf. In ihren Songs sagt sie Ungerechtigkeiten und Ängsten den Kampf an und trifft mit einer fuck-you-Attitüde à la Lily Allen den Zeitgeist ihrer Generation. Die gebürtige Luxemburgerin schafft es, mit ihrer Musik eine Gefühlswelt auszudrücken, die einem aus der Seele spricht und zum Umdenken anregt. Florence Besch motiviert, lädt zum Mitsingen ein und macht definitiv Lust auf mehr. Im Interview spricht so von ihren musikalischen Anfängen, kehrt Unehrlichkeit und (selbst-)zerstörerischem Verhalten den Rücken zu und blickt positiv auf alles, was noch kommt.

Für Leute, die Dich und Deine Musik noch nicht kennen, stell Dich doch einmal kurz vor: Hey, ich bin Florence und mag Ehrlichkeit, Nachdenken und Musik. Eines meiner Lieblingsgerichte ist Gemüsesuppe mit Pfannkuchen. Ich bin nach dem Schulabschluss von Luxemburg nach Düsseldorf gezogen. Mir ist unsere Zukunft wichtig und Menschen.

Wie bist Du zur Musik gekommen und wann hast Du angefangen? Als Kind waren mein Discman und ich untrennbar. Ich habe immer mitgesungen und alle haben sich aufgeregt, weil es so fürchterlich klang. Das hat Spaß gemacht. Musik hat mir seit Kindertagen Halt gegeben. In der siebten Klasse habe ich eine E-Gitarre bekommen, dann schnell eine Akustik-Gitarre, mit der ich dann erstmal Songs gecovert habe. Einige Jahre später, ab ca. 2017, habe ich dann eigene Songs geschrieben und öffentlich mit der Gitarre performt. Es war die beste Entscheidung, es waberte in mir, seit ich mich erinnern kann und es fühlt sich so gut an, wie alles an der Musik. Die Konzerte, die Menschen, die Studiobesuche, eigene Artworks zu entwickeln, Musikvideos…

Inwiefern inspiriert Dich Düsseldorf in Deiner Musik? Die Menschen, der Volksgarten, der Südpark, der botanische Garten, der Rhein, cute Cafés und Restaurants, Konzerte, Ausstellungen, die ganzen sweeten Tiere überall. Letztens habe ich eine Schleiereule im Park gesehen, die ich vorher schon öfter gehört hatte. Im Spätsommer gab es sogar invasive Krebse in der Düssel, die aussahen wie Hummer. Krasses Wildlife in der City!

Wie würdest Du Deine Musik beschreiben? Meine Musik, das sind Kompositionen aus unterschiedlichen Momenten und wiederkehrenden Emotionen, Themen, Dialogen, Gedanken. Meine EP „Bye Bye Blinders“ ist eine Einführung, enthält die ersten Experimente im Studio. Wie es weitergeht, werdet ihr bald herausfinden können und ich freue mich MEGA!

In Deiner neuen Single “PINK” heißt es „Fuck you and your sins“ – welche Sünden meinst Du damit? Psychische, physische und sexuelle Gewalt.

Wieso “back to pink”? Was assoziierst Du mit der Farbe? Pink ist eine Metapher. Wir sollten alle unabhängig unseres Geschlechts und unserer Präferenzen in Ruhe leben dürfen. Toxisches und zerstörendes Verhalten ist niemals zu entschuldigen.

In Deiner neuen EP nimmst Du den Zeitgeist der 2020er auf, was genau ist dieser Vibe? Der Vibe einer unsicheren Zukunft, kein Bock mehr in alten und schädlichen Mustern zu denken und leben, viele, meist jüngere Menschen, die lauter werden und aktiv umdenken und handeln.

An wen richtet sich die Kritik in Deinen Songs? Die Songs richten sich an Menschen, an Opfer, Täter:innen, verlorene Seelen, an die Klugscheißer, die Tunichtgute, die Narzist:innen, an Mütter, Väter, Schwestern, Brüder, an Freund:innen, an CEOs und liebe Omas, oder auch: an alle.

Auf Deiner Website lädst Du zum Kampf gegen „Selbstanästhesie“ ein. Was ist damit gemeint? Auseinandersetzung statt Flucht vor der eigenen Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Zeit, Schluss zu machen mit dem In-sich-reinfressen, sich ablenken von Unrecht, das passiert (ist)! Gegenseitiger Austausch und Zuhören sind wichtig. Generationenübergreifend.

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Was war Dein erstes Konzert in Düsseldorf? Wen hast Du auf der Bühne gesehen? Das weiß ich nicht mehr. Ich liebe Konzerte und war früher fast jeden Abend bei mindestens einem. Mit vier Jahren war ich bei meinem ersten Festival, hatte pinke Extensions und war Nina Hagen Fan.

Wo hast Du zum ersten Mal selbst auf der Bühne gestanden? Mit meiner Musik, die ich jetzt mache, irgendwann in der Brause, nach einer Band. Ich habe mir eine Gitarre ausgeliehen und meinen ersten Song gespielt. Mein erstes Solo-Konzert folgte im Café Don Melone. Dort habe ich gearbeitet, die Playlists gemacht, viel über Musik gesprochen und Petra, die Chefin, hat mich ermutigt, mein erstes Set zu spielen. Gut, dass sie das gemacht hat!

Was ist Dein Lieblingsort in Düsseldorf, um Deiner Kreativität freien Lauf zu lassen? Ich liebe es durch die Stadt spazieren zu gehen, egal wo. Die Bewegung und die Abwechslung inspirieren. Songs schreibe ich aber am liebsten alleine zuhause im Wohn-/Musikzimmer oder in der Küche.

Was bringt die Zukunft? Wüsste ich das, wären wir alle unbesorgt und zufrieden. Ich könnte die Lottozahlen für immer vorhersagen und so viel Geld sammeln, dass die Macht mit mir wäre. Ich würde sie mit allen teilen und wir könnten jeden Schritt vorhersagen und mitbestimmen. Da das leider noch nicht zu meinen Fähigkeiten gehört, glaube ich an die Vernunft und an die Menschen. Die Zukunft bringt viel Liebe und Verständnis, Zuhören und Kompromisse, Veränderung und Hoffnung.

Düsseldorf in drei Worten: Gänse, Kunst, Papiergeruch

Vielen Dank!

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Interview:
Franka Büddicker
Fotos: siehe Bildbeschreibung
© THE DORF 2022
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